Ausgabe 
19.11.1914
 
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Ter Gouverneur von Warschau gcsangcn.

WTB. Berlin, 17. Nov. (Nichtamtlich.) Unter den in der Schlacht bei Kutn» Gefangenen besindet sich auch der Gouverneur von Warschau, van Korff, mit seinem Stab.

DT. Kopenhagen, 15. Nov. DasSvenska Dagblad" erfährt, die russische Flotte habe Hel- singfors verlassen und den Kurs nach Südwesten genommen. Sie soll die Absicht haben, der deut­schen Flotte eine S ch l.a ch t zu liefern.

In Besprechung der Kriegslage bemerkt dasFrem- demblatt": Der glänzende deutsche Sieg bei Kutno erweise sich als eine überaus schwere, ja entscheidende Niederlage der dort angesetzten Hauptgruppe des rus­sischen rechten Flügels. Aber nicht bloh die großen per­sonellen und materiellen Verluste fallen in die Wag - schale, es zeige sich auch, daß durch die Niederlage der russischen Warschau-Armee nicht nur die Lage bei den russischen nördlichen Flügelarmeen, sondern vielmehr die Eesamtsituation auf dem ganzen Kriegsschauplatz beein­flußt wird.

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Ein großer Sieg über dir Serben.

WTB. Wien, 16. Nov. Amtlich wird verlaut- bart: 16. November: Feldzeugmeister Potiorek, der Oberstiommandierende unserer Balkänslreitkräste, hat heute an sein« Truppen folgenden Ausruf erlassen: Nach neuntägigen heftigen Kämpfen gegen einen hartnäckigen, an Zahl überlegenen, in fast unbezwingbaren Befestig­ungen sich verteidigenden Gegner, nach neuntägitzen Märschen durch unwegsame Felsgebirge und grundlose Straßen bei Regen, Schnee und Kälte, haben die tap­feren Truppen der 5. und 6. Armee die Kolubare er­reicht und den Feind zur Flucht gezwungen. Ueber 8000 Gefangene wurden in diesen Kämpfen gemacht, 42 Geschütze, 31 Maschinengewehre und reiches Kriegs­material, erobert. Das Vaterland wird dieser Leistung seine Dankbarkeit und Bewunderung nicht versagen. Meine Pflicht ist es, die hervorragende Haltung aller Truppen voll anzuerkennen und allen Offizieren und Soldaten der 5. und 6. Abmee im Namen des aller­höchsten Dienstes wärmsten Dank zu sagen. Trotz der unter schweren Opfern und gewaltigen Leistungen er­zielten Erfolge dürfen wir noch nicht ruhen. Doch der heryorragende Geist der mir unterstellten Truppen bürgt dafür, daß wir die uns gestellten Aufgaben auch sieg - reich zu Ende führen werden zur Zufriedenheit unseres allerhöchsten Kriegsherrn, zum Ruhme des Heeres und zum RNhm« des Vaterlandes. P o t i o r e k, Feldzeutz- meister. Dieser Ausruf, der sogleich allgemein zu verlaUtbaren ist, wird gewiß allenthalben begeisterten Widerhall finden. Ich habe die tapfere Balkanarmee und ihren siegreichen Führer zu den weiteren glänzen­den Erfolgen, die den völligen ZusalmmenbrNch des zähen Gegners anbahnten, im Namen aller mir un­terstehenden Streickräfte beglückwünscht.

Erzherzog Friedrich.

Belgrad vor der Erstürmung.

Budapest, 17. Nov. (Ctr. Bin.) Ueber die Lage auf dem südlichen Kriegsschauplatz erhält der Pester Lloyd" von verschiedenen Korrespondenten fol­gende Telegramme:

Die Beschießung der Belgrader Festung von Sem- lin aus dauert fort. Auf dem Kalimegdan sind fast alle militärischen Gebäude, auch das Palais des Ee- neralstabes zerstört. Der Konak sowie mehrere öffent - liche Gebäude im Stadtinnern haben stark gelitten. Die Fortsetzung des serbischen Rückzuges dürfte auf Kragu- jewacz erfolgen, da die allgemeine Offensive der öster­reichisch-ungarischen Armeen begonnen hat und das Vorrücken über die DonarUSave-Linie den baldigen Fall Belgrads ohne besonderes Kraftaufgebot bewirken dürfte. Falls die aus mehreren Tausend Mann bestehende Bel­grader Besatzung den Anschluß an die zurückgehende eigene Armee versäumt so wird sie von unseren vor­rückenden Truppen im Mücken ersaßt und wird sich da­raus kampflos ergeben müssen.

Türkische Kriegsmeldungen.

WTB. Konstantinopel, 15. Nov. Der, Sul­tan hat ein M a n i s e st an seine Armee und Flotte er­lassen. Darin heißt es u. a.: Angesichts der aufeinan­der folgenden Akte verräterischer Feindseligkeiten waren wir gezwungen, den Frieden aufzugeben, welchen wir immer wünschten, und im Verein mit Deutschland und Oesterreich-Ungarn zu den Waffen zu greisen, um un­sere gesetzmäßigen Rechte zu verteidigen. Seit 3 Jahr­hunderten hat Rußland unserem Reiche schwere Nach - teile zuyefügt und sich immer bemüht, sei es durch Krieg, sei es durch jede Art von List und Intrige, jede sich kundgebende Ausrichtung, die zur Erhöhung unserer na­tionalen Kraft und Größe hätte führen können, zu un­terdrücken. Rußland, England und Frank­reich, welche Millionen von Muselmanen unter ihrer tyrannischen Verwaltung Hallen, haben niemals auf- gehört, Hintergedanken gegen unser erlauchtes Kalifat zu hegen, mit welchem die Muselmanen durch Religion u. Gefühl verbunden sind. Sie sind die Urheber und An­stifter allen Unglücks und Ungemachs, das gegen uns gerichtet war. Durch den großen heiligen Krieg, den wir heute unternehmen, werden wir mit Gottes Hilfe den Angriffen ein Ende setzen, welche einerseits gegen den Ruhm unseres Kalifats, andererseits gegen die

Rechte unseres Reiches gerichtet waren. Meine helden­mütigen Soldaten! Lasset nie ab von der Festigkeit und der Ausdauer in diesem heiligen Kriege, den wir gegen die Feinde eröffneten, die unsere heilige Religion und unser teures Vaterland angreifen wollen. Stürzet Euch wie Löwen ungestüm aus den Feind, weil eben­sowohl wie unser Reich auch das Leben und die künf­tige Eristenz von 300 Millionen Muselmanen, die ich durch das heilige Fetwa zum heiligen Krieg aufgerufen habe, von Eurem Siege abhängen. Die Wünsche und Gebete von 300 Millionen unschuldiger, gedrückter Elärü- bigen, welche in den Moscheen und Meschdis sowie in der Kaaba sich mit der JNsbrunst an den Herrn der Welten wenden, sie begleiten Euch. Ich bin überzeugt, daß wir autz diesem heiligen Krieg glorreich und mäch­tig hervorgehen werden. Vergesset nicht, daß Ihr in diesem Krieg die Waffenbrüderschaft mit zwei der be­deutendsten Und mächtigsten Armeen der Welt eingeht. Mögen Eure Märtyrer den Märtyrern, die Euch vor- angegangen sind, einen neuen glücklichen Sieg bringen. Möge der Säbel derjenigen, die überleben werden, scharf sein.

ge. M e h m e d R e s z a t.

, DT. Konstantinopel, 14. Nov. Anläßlich des Aufenthaltes der drei kaiserlichen türkischen Prinzen im d e u t s ch e n H a U p t q u a r t i e y in Flandern hat Kaiser Wilhelm ein in herzlichen Worten abge- saßtes Begrllßungstelegramm an den Sultan 1 h- mcd gerichtet.

DT. Wien. DieReichspost" meldet: Der Emir von A f g h a n i st a n zeigte der russischen/Regierung an, daß er den Aufruf des Sultans zur Verteidigung des Islams befolgen wolle. Der russische Botschafter hat Kabul bereits verlassen.

WTB. Athen. Nach einer Mitteilung auS guter amtlicher Quelle wird der K h e d i v, begleitet von 50 Personen, demnächst Konstantinopel verlassen, um das Kommando in dem Feldzuge gegen Aegypten zu über­nehmen.

WTB. Konstantinopel, 15. Nov^ Die Pro­klamation des Heiligen Krieges durch den Sultan-Ka­lifen, die ein großes historisches Ereignis darstellt, ruft ungeheure Erregung hervor und wird in allen Kreisen in dem Sinne erörtert, daß sie bei allen muselmanischen Völkern einen gewaltigen Widerhall finden und auf den Gang des Krieges großen Einsluß autzüben werde. Du BlöNer heben die große Bedeutung des kaiserlichen Fetwas, betreffend den heiligen Krieg, hervor und stel­len fest, daß von heute an jeder Muselman, der Mas­sen tragen kann, selbst Frauen, gegen die Mächte, die der Kalif als Feinde des Islam erklärte, kämpfen müsse. Der Krieg werde auf diese Weise Pflicht nicht nur für alle Ottomanen, sondern auch für die 300 Mil­lionen Muselmanen der Erde.

WTB. K o n st a n t i n o p e l, 15. Nov. Amtliche Mitteilungen aUs dem Hauptquartier: Unsere Truppen haben die Stellung von Kotur in der persischen Pro- vkstz Aserbeidschaft besetzt, die bisher von den Rus­sen besetzt war. Diese wurden geschlagen Und flohen. Heute haben leichte Gefechte zwischen unseren verfolgenden Truppen Und ihrer Nachhut stattgefunden. Die Kämpfe bei Köpriköi waren sehr heftig. Unsere Truppen zeigen eine wirklich außergewöhnliche Tapfer - keil. Ein Regiment machte drei Bajonettangriff« gegen die Höhe 1905, in deren Verlaus der Kommandeur u. die meisten Offiziere eines Bataillons fielen. Endlich drangen unsere Truppen mit einer Tapferkeit, die auch in der ruhmreichen ottomanischen Geschichte ehrenvoll hervortritt, in diese Stellungen ein. Nicht ein Mann von der feindlichen Besatzung dieser Höhe ist entkommen. Unter der sehr großen Beute besindet sich viel Besestig- ungsmaterial. Gegen die bei F a o an der Küste in der Provinz Bassora gelandeten Engländerwubde ein heftiger Angriff unternommen; von den Engländern sielen sechzig. ^

WTB. K o nst a n t i n o p e l. Man glaubt hier, daß England, Frankreich und Rußland alle Maßnah­men treffen werden, damit die B e r k ü n d i g U n g des Heiligen Krieges durch den Kalifen in Indien, Mgier und Tunis, sowie in den anderen mohammedanischen Ländern nicht bekannt werde. Doch ist man überzeugt, daß die Nachricht auf jeden Fall dorthin ge­langen werde.

DT. Wien, 15. Nov. DiePolitische Korresp." berichtet aUs Konstantinopel: In manchen Nachrichten über das Ergebnis der türkischen Mobilisierung wurde behauptet, daß nicht mehr als ungefähr 600 000 Mann unter den Fahnen stünden. Diese Angabe, die offenbar darauf berechnet ist, die Bedeutung des Eingreifens der Türkei in den europäischen Krieg herabzusetzen, ist falsch. Die Stärke des Heeres übersteigt, wie sich versichern läßt, die vorerwähnte Ziffer Um Hunderttau­send e.

Xur Staat und Land.

Nach einer Bekanntmachung des Polizeiamts Darm­stadt haben alle Russen, Franzosen, Belgier, Engländer, einschließlich der englischen Kolonien, Serben, Monte - negriner und Japaner sich ohne Rücksicht auf Alter u. Geschlecht bis zutn 24. November, abends, aus dem Stadtbezirk Darmstadt zu entfernen. Feind­

liche Ausländer, die nach dem 24. November hier be­troffen werden, sind sosorl sestzunehmen. Die gleichen Bestimmungen sind jedenfalls für das ganze Deutsche Reich erlassen worden und werden im garrzen Reiche ungeteilte Zustimmung finden. Ausnahmen find aller - dings gestattet.

* Die Großherzogin hat dem Bürgermei­ster und Standesbeamten Julius Fenchel in Griedel das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

' Ein Automobilunfall des Groß- herzogspaares. Das Grotzherzogliche Automo­bil, in dem sich das Großherzogspaar besaird, stieß am Sonntag nachmittag an der Ecke Dornheimer Weg und Feldbergslrahe mit einem Straßenbahnwagen zusam­men. Wie durch ein Wunder erlitt das Großherzogs - paar nicht die geringste Verletzung. Das Großherzog- ttche Automobil kam die Feldbergstraße in langsamer Fahrt daher, der Straßenbahnwagen vom Haupkbahn- hos. Durch den Zusammenprall mit diesem wurde das Automobil umgewarfen. Das Großherzogspaar und die anderen Insassen blieben unverletzt. Die hohen Herr­schaften setzten den Weg zu Fuß fort. Das Automobil ist stark beschädigt.

* Die Vorstände und Vertrauensmänner f ä m t» licher Parteien der hessischen Zweiten Kammer waren am Montag nachmtttag im Stände­hause zu einer gemeinsamen Besprechung zusammenge - ttelm, die unter Vorsitz des bisherigen Kammerpräsi­denten, Oberbürgermeister Köhler-Worms, stattfand. Den einzigen Gegenstand der Beratung bildete die Frage der ErneuerUngswahlen zur Zweiten Kammer ohne Wahlkamps aus Grund des ge­genwärtigen Besitzstandes der Parteien. Dieser Vor­schlag war gelegentlich der gemeinsamen Beratung der Kammervorstände und Finanzausschüße mit der Groß- herzoglichen Regierung vom Abg. Ulrich angeregt und von der Regierung sympathisch ausgenommen worden; sowohl die Nationalliberale Partei, wie auch die Freisinnige Volkspartei hatten sich im allgemeinen ebenfalls damit einverstanden erklärt. In der fast vierstündigen Beratung ergaben sich nun aber dcch allmählich nicht unerhebliche Schwierigkeiten. Unter diesen Umständen konnte zwischen den verschiedenen Par­teien eine Verständigung nicht erzielt werden und es soll deshalb in einer neuen in 14 Tagen einzubeyufen- den Versammlung ein weiterer Bereinigungsversuch un­ternommen werden. Die für die erst« Haßte des D e^- zember beabsichtigte kurze Notstandstagung der Landstände wird dadurch nicht beeinträchtigt.

h. Der Reichstagsabgeordnete Drp med. Becker, der bei der letzten Wahl im Januar 1912 als national- liberaler Vertreter für den Reichstagswahlbezirk Bingen- Alzey gewählt worden ist, war schon vor mehr als einem halben Jahr an einem schweren Gallcnsteinleiden erkrankt. Nachdem er mehrere Monate im Stadl. Krankenhaus zU Darmstadt gelegen Mid sein Zustand wiederholt einen sehr bedenklichen Charakter angenonv men hatte, unterzog sich Dr. Decker vor vier Monaten einer neuen schweren O p e r a t i o n in der Gieße- n e r Klinik bei dem als Spezialist weit bekannten Prof. Dr. P o p p e r t. Nachdem der chirurgische Ein­griff seinerzeit glücklich gelungen war, hat sich in der Zwi­schenzeit der Zustand des Patienten soweit gebessert, daß er am Sonntag aus der Klinik entlaßen werden konnte.

* Versorgung bet Städte mit K a r- löffeln. Die Landwiytschastskammer für das Eroß- herzogtum Hessen gibt bekannte In den Städten wird die Klage über ungenügende Anfuhr von Speisekartoffeln immer wieder und in einzel­nen Stadtbezirken sogar in verstärktem Maße erhoben. Die städtische Bevölkerung unterschiebt den Landwirten eine absichtliche Zurückhaltung der Kartoffeln aus Epe- kulationszwecken. Wenn wir auch diesen Vorwurf nicht für berechtigt halten, da vielfach wirffchaftliche Gründe die Landwirte zwingen, nicht mit sehr großen Mengen aus den Markt zu kommen, andererseits die Nachftage eine außergewöhnlich große ist, so fordern wir doch un­sere Landwirte nochmals auf, möglich ft alle für Verkaufszwecke verfügbaren Kartoffeln so­fort zu!m Markte zu bringen bezw. jetzt ab- zUgeben. Die Landwirtschaft will und muß zeigen, daß sie mit der Stadtbcvölkeruttg einig bleiben will.

* * Feldpostbriefe nach dem Feldheer

im Gewicht über 250 Gramm bis 500 Gramm sind für die Zeit vom 15. bis einschließlich 21. November von neuem zugelassen. Die Gebühr bettügt 20 Psg. Die Vorschriften über die Verpackung sind wäh­rend der ersten Zulassungszeit leider vielfach nicht ge­hörig beachtet worden. Jnfolgedeßcn sind zahlreiche Päckchen mit Wareninhalt schon bei den Poslsannnel - stellen beschädigt und mit teilweise verdorbenem Inhalt angekommen. Um der Wiederkehr solcher Erscheinungen vorzubeugen, wird nochmals dringend empfohlen, zur Verpackung nur sehr starke Pappkartons, festes Packpapier oder dauerhafte Lei­ne w a n d zu verwenden. Für di« Wahl des Ver - Packungsstoffes ist die Natur des Inhalts maßgebend; zerbrechliche Gegenstände sind ausschließlich in starken Kartons nach vorheriger Umhüllung mit Papier oder Leinewand zu verpacken. Die Päckchen, auch die mit Klammerverschluß versehenen, müssen all gemein mit dauerhaftem Bindfaden fest nmschnürt werden, bei Sendungen von größerer Ausdehnung in mehrfacher Kreuzung. Die Aufschriften sind auf die Sendungen niederzuschreiben oder unbedingt haltbar auf ihnen zu befestigen und müßen deutlich Und

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