Ausgabe 
31.10.1914
 
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Türkische übwehr gegen Rutzlanb.

WTB. Konstantinopel, 30. Okt. Gestern am späten'Nachmittag trat aus der Pforte unter dem Vor­sitz des Großwcsirs ein außercrdcntlicherMi- n i st e r r a t zusammen.

Aus der tückischen Botschaft in Berlin wird dem BerlinerAchtuhr-Abendblatt" mitgcteilt:

Heute ist hier eine offizielle Bestätigung der tür­kischen Aktion im Schwarzen Meere eingetrofien. Das betreffende Telegramm lautet folgendermaßen:

Russische Schiffe versuchten die Ausfahrt der türkischen Flotte aus dem Bospurus in das Schwarze Meer zu verhindern. Die türkischen Schiffe eröffneten das Feuer und vernichteten ein russisch es Torpedoboot und ein Kanonenboot. Hier­bei wurden 80 Gefangene gemacht."

Eine offizielle Kriegserklärung ist nicht erfolgt, doch kommt diese Mtion der Eröffnung der Feindseligkeiten gleich.'

.WTB. Petersburg, 29. Okt. Die Petersbur­ger Telegraphenagenhur meloet: Zwisä en 914 und 10 14 Uhr vormittags beschoß ein türkischer KreUzer mit drei Schornsteinen den Br nhof und 'ie Stadt T h e o d o s i a. Er beschädigte die Kathedrale, die grie­chische Kirche, die Speicher am Hasen und die Mole. Ein Soldat wurde verwundet. Die Filiale der russischen Bank für auswärtigen Handel geriet in Brand. Um 10^ Uhr dampfte der Kreuzer nach Südwestcn ab.

In N o w o r o s s i j s f kam der türkische Kreuzer H a m i ö i e an und forderte die Stadt auf, sich zu ergeben und das Staatseigentum auszuliefern, indem er im Falle einer Ablehnung die Bombakoicrung an- droyle. Der, türkische Konsul und die türkrschen Beamten wurden verhaftet. Der Kreuzer cntsern'.e sich.

Ueber den Kriegsausbruch zwischen Rußland und der Türkei schreibt derBerliner Lolalanzeigcr" u. a. : .Rach der russischen Auffassung soll es also türkischen Kriegsschiffen verboten sein, ihre eigenen Teriiorialge = ' Wässer zu verlassen, und zwar noch zu einer Zeit, wo die Türkei mit allen Mächten inr Frieden lebte. Darin liegt natürlich eine Herausforderung der Türkei so gro­ber Art, daß man sich nicht wundern kann, wenn man in KonsI.antinopei dagegen energischen Wioerstand zu leisten beschlossen hat. Der Friedensbruch liegt durch­aus auf Seiten Rußlands.

* * *

Frankreich verlangt Antwort.

Gens, 30. Okt. (Ctr. Bln.) Begleitet von den Ministern Ribot und Millerand, in Paris «ingetroffcn, erfuhr P o i n c a r e e von dem Bombardement von Theodosia und von der Entschlossenheit der Pforte, die Aufforderung zur Oeffnung der Dardanellen kategorisch zurückzulweiscn. Rach telephonischer Verständigung mit Bordcaur wurden die den Umständen entsprechenden di­plomatischen und militärischen Maßnahmen getroffen, die darauf abzielen, Rumänien, Griechenland und Bulgarien zu Erklärungen für oder, wider die Pforte zu nötigen. (L.-A.)

Borrr Seetrr g.

,,(5mdcn"- Arbeit.

I russischer Kreuzer »»d I franzöiisches Torpedoboot zum Zinken gebracht.

WTB. Eine verspätet in Berlin eingeiroffenc amt­liche Meldung der Petersburger Te'egraphen-Agentur aus Tokio bestätigt, daß außer dem russischen Kreuzer Schemtschug" nach ein französischer Torpedo - j ä g e r auf de» Rede von Penang durch Torpedoschüsse des deutschen KreuzersEmden" zum Sinken ge­bracht worden find.

Kopenhagen. Der Russische Gencralslab gibt am 30. Oktober folgende Meldung bekannt:

Am 28. Oktober, 5 Uhr früh, näherte sich im Ha­fen von Pulo>-Pinang dieEmde n", die durch Auf­stellung eines vierten salschcn Schornsteins unkenntlich gemacht war, dem russischen KreuzerSchemtschug", der, dieEmden" für ein Kriegsschiff der Verbündeten hielt. DieEmden" fuhr mit voller Krasl gegen denSchemt- schutz". Sie eröffnete das Feuer und schoß einen Tor­pedo ab, der am B ü g des russischen Kreuzers e i - plädierte. DieSchemtschug" erwiderte das Feuer. DieEmden" schoß einen neuen Torpedo ab, der die Schemtschug" zum Sinken brachte. 85 Mann der Besatzung ertranken, 250 Mann, darunter 112 Ver­wundete, wurden gerettet.

Vor Kiantschau.

WTB. Paris, 29. Okt. Die Agence Havas ürel- dct aus Tokio:

Der geschützte KreuzerTschitoje" hat am 18. und 19. Oktober die Angriffe zweier deutscher Fahr­zeuge abgeschlagen und sie in die Bucht von Kiautschau zurückgctrieben. Das Wetter verhindert einen sofortigen Angriff auf Tsingtau. Die fortdauernde Beschießung von der Land- und Seeseite verursacht in der Festung große Verlrifte. Mehrere Minen, die sich von ihren Veranker­

ungen losgelöst haben, gefährden die Schiffahrt im Gro­ßen Ozean.

Suren-Aufstand in Südafrika.

A m st e r d a m, 28. Okt. Die Lage in Süd- Afrika scheint sich nach hier eingetroffencn Telegram­men aus Transvaal für die Engländer recht schwierig zu gestalten, so daß sie sich genötigt sehen, trotz aller gegenteiligen Versicherungen, zu Gewaltmaßnahmcn ge­gen die unzufriedenen Elemente ihre Zu,lucht zu nehmen. Die Regierung der südafrikanischen Union erklärt, sie habe gehofft, die widersetzlichen Elemente auf gütlichem Wege zur Unterwerfung zu bringen. Jetzt sieht sie sich aber genötigt, dekanntzugeben, die Regierung habe in Erfahrung gebracht, daß bewaffnete Bürger im Norden des Oranjesreistaates von Christian D e w e l unter die Waffen gerufen worden sind und daß bewaffnete auf­ständische Banden unter Beyers in Westtransvaal stcuen. Außerdem sei die Stadl H e i l b r o n n besetzt und ein Regierungsbeamieh gefangen genommen wor­den, in B i tz> haben Aufständische einen Zug angehal­ten, bewaffnete Bürger sind von Landwehr entwaffnet worden. Alle diese Umstände haben die Regierung ge­zwungen, mit starker Hand einzugrcisen.

land auf mindestens 7 Millionen Mann zu schätzen. Für Oesterreich-Ungarn wiyd die Ziffer der noch nicht cingezogeiren Laudsturmpslichtigen auf 5 Millionen ge­schätzt. Für beide Länder zusammen ergibt sich also die Zahl 12 Millionen Mann ausbildungsfähiger Solda­ten. Zieht man hiervon einen Teil der Ziffer der noch nicht eingestelltenFreiwilligen", die zum Landsturm ge- hören, mit etwa 2 Millionen Mann für Deutschland u. Oesterreich zusammen ab, so ergibt sich noch eine wei­tere Truppenrescrve für Deutschland ulrd Oesterreich-Un­garn von 10 Millionen Mann, d. h. es stehen lon der dienstfähigen männlichen Bevölkerung im Alter von 20 bis 45 Jahren einschließlich der Kriegssreiwilli- gen noch 14 l 4 Millionen Mann in Deutschland und Oe- st.err,eich-Ungarn nicht unter den Waffen. Diese Zahl erhöht sich endlich noch weiter um schätzimgsweise 3.75 Millionen Mann, falls die Höchstaltersgrenze von 45 und 50 Jagre hinauf- und die Mindestaltersgcenze von 20 auf 16 herabgesetzt wird. Alles in allem ist mithin die Truppenreserve Deutschlands und Oesterreich-Ungarns an kriegsfähiger Mannschaften auf 18 Millionen zu schätzen.

- Sur VehaMung der Deutschen durch die Engländer.

In Nr. 268 A. desHamburg!! Fremdenblatt" lesen wir folgende Bekanntmachung.

Die Frage der Behandlung der Deutschen in England ist in jüngster Zeii mehrfach Gegenstand von Erörterungen in der Presse gewesen. Von beson­deren! Interesse waren dabei die veröffentlichten Mitteilungen eines kürzlich aus England zurückgekehnen Mannes, die sich auf das Gefangenenlager in N e w b u r y bezogen und feststellten, daß die Behand­lung unserer dort untergebrachten Landsleute, nicht nur der kriegsgefangenen, sondern auch der übrigen Deut­schen in England, geradezu menschenunwür­dig sei. Infolgedessen ist ein berechtigter Sturm der Entrüstung in den breitesten Schichten der Bevölkerung darüber entstanden, daß die Behandlung der sich hier aufhaltenden Engländer im Vergleich zu unseren Lands­leuten in England eine viel zu milde sei. Diese Tat - sache hat den zuständigen Behörden Veran­lassung gegeben, dem amerikanischen Botschafter in London mitzuteilen, daß die hier, befindlichen eng­lischen Männer vom 17. bis zum 55. L e - bensjahre gesangen gesetzt würden, wenn nicht bis zum 5. November eine amtliche Nachricht über die Freilassung der wehrfähigen Deutschen in England einginge.

Der stellvcrtr. kommandierende General, von R o c h l,

General der Kavallerie.

WTB. Frankfurt a. M., 29. Oktbr. Die hie­sige englische Kolonie richtete an Lord Roberts und an das Home-Office in London folgendes Tele­gramm:Namens der zahlreichen in Frankfurt und Um­gebung sich aufhaltenden britischen Untertanen, die sich ungehindert hier bewegen dürfen, erheben wir Ein­spruch gegen jede harte und unberechtigte Behandlung der Deutschen in England, die gegen alles Herkommen in unserem Lande verstoßen würde.

WTB. Berlin, 29. Okt. Nach einem Telegramm, das das hiesige Eiporthaus Arnhold, Karberg & Co. von seinem Vertreter aus Hongkong heute erhielt, müs­sen unsere Landsleute innerhalb 8 Tagen die Insel ver­lassen. Von diesem Befehl der englischen Regierung werden etwa 400 Personen und zahlreiche Firmen be­troffen.

WTB. London, 29. Okt. TieTimes" melden aus Toronto vom 26. Oktober: In Ottawa wurden alle Häuser verdächtiger Deutscher und Oeslerreichcr von der Polizei durchsucht. Die British Imperial Associa­tion in Toronto hat eine Resolution angenommen, wo­nach alle Deutschen und Oeslerreichcr, auch bereits na­turalisierte, in Konzentrationslagern unter- gebrachl werden sollen.

Allerlei ttriegsnachrichten.

Mb. Köln, 29. Okt. DieKöln. Volkszlg." mel­det aus Brüssel: Im ehemaligen belgischen Kriegs­ministerium wurden Geheimakten gefunden, die weitere gemeinsame Pläne des Dreiverbandes und Belgiens gegen DeMschland, besonders betreffs gemein­samer Spionage-Aktion gegen Deutschland ent­halten.

* D i e Truppenreservew Deultsch- lands und Oesterreich-Ungarns. DemB. Tageblatt" wird geschrieben: Da in Deutschland sowohl, wie in Oesterreich-Ungarn der ungediente Landsturm übcrliaupt noch nicht oder nur in ganz verschwindendem Maße zu den Waffen cingezogen ist, so ist, wenn auch in den Freiwilligen sich eine große Anzahl von Män­nern des ungedienten Landstunns befinden, nach zu­verlässigen Schätzungen die Zahl der ungedienten Land- sturmmänner im Alter von 20 bis 45 Jahren in Deutsch-

WTB. London, 30. Hkt. Prinz Ludwig von Battenberg ist von seinem Posten als cr.iicr Scelord

zurückgetreten.

Mit nächster Woche wird der e r ft e Schnell­zug nach Belgien, vorläufig bis Brüssel, von Berlin aus eingerichtet.

Albanien.

Das gemeinsame Vorgehen Italiens und Griechenlands in Albanien bestätigt sich. Sämt - liche an den Londoner Konferenzen beteiligt gewesene

europäische Mächte seien bis auf weiteres mtter den ge­gebenen Verhältnissen mit diesem griechisch-italienischen

Vorgehen einverstanden.

ilrieil von Sersjmo.

WTB. S e r a j c w o, 28. Okt. Im Hochverrats­prozeß wurde folgendes Urteil gefälU: Die Angeklagten Jlio, Veljko Cubrzlowic, Nedo Kerowic, Jowanowic und Milowio wurden zum T o die durch den Strang verurteilt, Mitar Kerowic zu lebenslänglichem schweren Kerker, P r i n c i p, Cabyinowic und Grabez zu zwan­zig Jahre», Vaso Cubrilowic zu 16 Jahren, Popowio zn 13 Jahren, Kranjoevic und Gjukic zu 10 Jahren, Sljcpanowic zu 7 Jahren und Zagoyar und Perin zu 3 Jahren schweren Kerkers. Di« übrigen Angeklagten wurden freigesprochen.

(Ein Teil der, Verurteilten, namentlich der Mör­der P r i n c i p, siebt in so jugendlichem Alter, daß die Todesstrafe nach dem Gesetz noch nicht gegen sie aus­gesprochen werden konnte. Die Schrift!.)

Stadt \\H Ca«d.

* Am 2. November d. Js. gelangt ein neuer Fahrplan zur Einführung, auf Grund dessen die g r ö-

ß e r c Anzahl der früher im Frieden gefahrenen Per­sonen- und Schnellzüge wieder eingelegt wird. Der Amtliche Taschenfabr.plan" wird Ende dieser Woche neu erscheinen und im Bucht aichcl, in der E r p c f i t i o n unserer Zeitung und an den Schaltern der Ei­senbahn-Stationen zum Preise von 15 Psg. für das Stück zum Verkauf gelangen. Er umfaßt die Strecken des Direktionsbezirks Frankfurt (Main) einschließlich der Kleinbahnen, die Anfchlußstrecken bis Eöln, Cassel, Wllrzburg, Eberbach, Heidelberg, Mannheim, Worms, Münster a. St. und enthält die Frankfurt berührenden Fernverbindungen.

* Die Kriegspo st karten des Raren Kreuzes mit Bild und Widmung des Kaisers wer­den in den nächsten Tagen bei der Reichspoft (mit Marke) und im Handel (ohne Marke) käuflich sein. Der

ganze Reinertrag fließt dem Roten Kreuz für Kriegs - wohlfahrtszwecke zu, kommt also in erster Linie unscrn heldenmütigen Truppen zugute. Jeder Ankauf bedeutet eine Liebesgabe für sie.

* Aus hessischen Orten erhielten das Eisern«

Kreuz: Der Unteroffizier Jakob Oalcrwein aus Gimbs- heim; vom Landwehr-Jnfanterie-Regiment Nr. 116: Feldwebel Julius Schmidt, Großh. Förster ans Ohmes und Gefreiter der Landwehr Otto Lmtfch, Kaufmann aus Alsfeld.

* Die hessische Tapferkeitsmedaille erhielten: Sergeant Eckert und Kanonier Eiche- n a u e r, vom Leldart.-Regt. Nr. 81.

n Gießen. Der 16jährige Schlofferlehrling Ernst H. und der 13jährige Sohn seines Meisters sind am 24. Oktober nach dem Kriegsschauplatz autzgcrückt. Die beiden Durchbrenner sind gut für die Reise ausgerüstet und mit schweren Rucksäcken abmarschikrt. Der nächste Liebesgabentransport zu den 11 6ernsoll bereits am 3. November abgehen.