Ausgabe 
31.10.1914
 
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> vertag derO4«G»«rr Zeitung" 8. «. b. H.

Druck der Giegener Verlagsdruckerci, Albin Klein. ,

Nr. 87.

Samstag, den 31. Oktober 1914. 26. Jahrg.

Gute Nachrichteu für Deutschland aus allen Himmelsgegenden. Krieg Mischen Türkei und Kurland. Kuren-Aufstand in Südafrika.

Die Deutschen rücken nach Calais zu weiter vor.

Amtliche Tagesberichte.

WTB. Großes Hauptquartier, 28. Okt., vormittags. (Amtlich, Mitteilung der Obersten Heeres­leitung.) Die, Kämpfe bei N i e u p o r t - D i r m U - i d e rr daulern rw«ch an. Die Belgier erhielt dort Verstärkungen. Unsere Angriffe wurden fortgesetzt.

16 englische Kriegsschiffe beteiligten sich an dem Kampfe gegen unseren rechten Flügel; ihr Feuer war erfolglos.

Bei Ppres ist die Lage am 27. Oktober unver­ändert geblieben.

Westlich Lille wurden unsere Angriffe mit E r - folg fortgesetzt.

Im Argonnenwalde sind wieder einige Schützengräben genommen worden, deren Besatzuügen zu Gefangenen gemacht wurden.

Auf der Westsyont hat sich weiter nichts We­sentliches ereignet.

In Polen mutzten die deutsch - österreichischen Truppen vor, neuen russischen Kräften, die von Iwan - gorod-Warschau und Nowogeorgijewsk vorgehen, aus- weichen, nachdem sie bis dahin in mehrtägigen Käm­pfen alle russischen Angriffe erfolgreich abgewiesen hat­ten. Die Russen folgten zunächst nicht. Die Loslösung vom Feinde geschah ohne Schwierigkeit. Unsere Trup­pen werden sich, der Lage entsprechend, neu gruppieren.

Aus dem nordöstlichen Kriegsschauplätze sind keine wesentlichen Aenderungen.

Tic Bayern dc» Engländern gegenüber.

München, 28. Okt. Der Kronprinz R u p p - recht von Bayern hat folgenden prächtigen Ar­meebefehl erlassen:

Soldaten der 6. Armee, wir haben nun das Glück, auch die Engländer vor unserer Frorck zu haben, die Truppen jenes Volk-es, dessen Neid seit Jahren an der Arbeit war, uns mit einem Ring von Feinden zu umgeben, um uns zu erdrosseln. Ihm haben wir diesen blutigen und ungeheuren Krieg vor allem zu verdan­ken. Darum, wenn es jetzt gegen diesen Feind igeht, übt Vergeltung widey die feindliche Hinterlist für so viel schwere Opfer! Zeigt ihnen, dah die Deutschen nicht so leicht aus der Wellgeschichte zu streichen sind, zeigt ihnen das durch deutsche Hiebe von ganz besonderer Art. Hier ist der Gegner, der der Wiederherstellung des Frie­dens am meisten im Wege steht. Draus!"

I»

WTB. Großes Hauptquartier, 29. Okt., vorm. Unser Angriff südlich N i e u p o r t gewinnt lang­sam Boden. Bei dpres steht der Kamps unverändert. Westlich Lille machen unsere Truppen gute Fort - schritte. Mehrere befestigte Stellungen des Feindes wur­den genommen, 16 englische Offiziere und über 300 Mann zu Gefangenen gemacht und vier Geschütze er­obert. Englische Und sranzöstsche Gegenstöße wurden überall abgewiesen.

Eine vor der K a t h e d r a l e v o n Reims auf- gefahrenc französische Batterie mit Artilleriebeobachter auf dem Turm der Kathedrale mutzte unter Feuer ge- nmnmen werden.

Im Argonner Walde wurden die Feinde aus mehreren Schützengräben geworfen und einige Maschinengewehre erbeutet.

Südöstlich Verdun wurde ein heftiger französi­scher Angriff zurückgeschlagen. Im Gegenangriff stietzcn unsere Truppen bis in die seindliche Hauptstellung durch,

die sie in Besitz nahmen. Die Franzosen erlitten starke Verluste.

Auch östlich der Mosel wurden alle Unter - nehmungen des Feindes, die an sich ziemlich bedeutungs­los waren, zurückgewiesen.

Auf dem nordöstlichen Kriegsschauplätze be­finden sich unsere Truppen in fortschreitendem Angriff. Während der letzten drei Wochen wurden hier 13 500 Russen zu Gefangenen gemacht, 30 Geschütze und 39 Maschinengewehre erbeutet.

Auf dem s ü d ö st l i ch e n Kriegsschauplatz haben sich die Verhältnisse seit gestern nicht geändert.

* * *

WTB. Wien, 28. Okt., mittags. Amtlich wird verlaUtbart: In Galizien ereignete sich auch gestern nichts wesentliches. An manchen Teilen der Front haben sich beide Gegner eingegraben. Unsere schweren Geschütze vernichteten mehrere feindliche Batte­rien Und Stützpunkte.

Der Stellvertreter des Chefs des Eeneralstabes: von Hoeser, Generalmajor.

lieber die Kriegslage in Polen berichtet der öster­reichisch-ungarische Generalstab gleichlautend mit der deutschen obersten Heeresleitung.

WTB. Wien, 28. Okt. Amtlich wird verlautbart: Am 27. d. Mts. haben wir in Serbien erneute Erfolge errungen. Der Ort Ravnje und die stark besssffgte feind­liche Stellung an der Dammstraße nördlich Ernabara in der Maera wurde nach tapferer feindlicher Gegen­wehr von unseren Truppen erobert. Hierbei wurden 4 Geschütze und acht Maschinengewehre erobert, 5 Offiziere und 500 Mann gefangen genommen und viel Kriegs­material erbeutet.

Potiorek, Feldzeuymeister.

WTB. Wien, 29. Okt., mittags. Amtlich wird verlautbart: Auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatzesan­den gestern keine größeren Kämpfe statt. In den letzten Tagen wurden Versuche der Russen, gegen den Raum von Turka vorzudringen, erfolgreich abge­wiesen.

Der Stellvertreter des Chefs des Eeneralstabes: von H ö fe r, Generalmajor.

Vom Krieg im Westen»

B e l g i s ch - L i m b u r g, 28. Okt. Das Genfer Journal" meldet, datz die Deutschen an der äußersten belgischen Küste, einige Kilometer von Kadsoni entsernt, schwere Batterien aufstellten. Von dort beherrschten sie den Eingang der Schelde und alle Durchfahrten der Nordsee zwischen den Sandbänken und der Küste. Die englischen Schiffe waren daher gezwungen, die hohe See zu passieren.

Zeppelin über Paris.

Stockholm, 29. Okt. Die ZeituUgAstonbla- det" berichtet aus Paris: Am Mittwoch erschien über Paris ein Zeppelin. Es wurden 6 Bomben abgeworfen, von denen drei größeren Schaden an- richteten. Acht Personen wurden getötet und eine be­trächtliche Anzahl würde verletzt. Französische Flieger versuchten, das Luftschiff anzugreisen. Es entkam jedoch in den Wolken.

Um Bclfort.

Ein Mitarbeiter des inDelsberg im bernischen Jura erscheinendenDemocrate" hat in Begleitung eines fran­zösischen Offiziers eine Tour durch das Festungsgebiet

von Belfort gemacht. Er gibt von dem, was er gesehen hat, seinem Blatte folgende Schilderung, die wir wie­dergeben, ohne ihr in allen Teilen beizupflichten.

Die Einnahme von Lüttich und Namur haben die granziofe Wirkung der deutschen Belagerungsgeschütze vor Augen geführt und die Einnahme von Antwerpen hat es wiederum bestätigt. Aber diese Festungen ha­ben sich lediglich auf die Devensive beschränkt Und gegen die 28 und 42 Zentimeter-Mörser konnten sie nicht aus- kommen. In Belfort wird man sich nicht darauf be­schränken, von den verschiedenen Forts aus den Angriff zu beaMworten, sondern man wird sich aus eine schon seit geraumer Zeit verbreitete energische aktive Desensive verlegen. Belfort ist nicht nur allein stark durch 'die Forts, die es rings umgeben, sondern gegenwärtig auch ganz besonders durch die großartigen VerteidiguUgs - werke, die im ganzen Gouvernement angelegt worden sind, uUd durch die starke Armee, die die Festung birgt. Die Organisation der Verteidigung wurde bereits im August in die Hand genommen uUd man arbeitet auch daran noch weiter. Daß die Geschütze allerschwersten Ka­libers, über welche die Franzosen versügen, in den Forts aufgestellt sind, braucht nicht besonders erwähnt zu wer­den. Was an Feldbefestigungen angelegt wurde, ist un­glaublich. Alle Ortschaften, die im Festungsrayon lie­gen, sind zu kleineren Festungen ausgebaut worden. Tiefe Gräben durchziehen das Land, zahlreiche unter­irdische Bauten an versteckten Lagen sind züm Schutze der Kämpfer erstellt worden. Verschanzuugen aller Art, dichte künstliche Häge ziehen sich hin und auf weite Strecken sind gespitzte Pflöcke in den Boden geschlagen und miteinander durch dichten Stacheldraht verbunden worden, das selbst nach einer längeren Beschießung noch dicht genug sein wird, um nicht passiert werden zu kön­nen. Gegen Osten hin sind die Arbeiten ins unermeß- liche gegangen. Das von vielen kleinen Sümpfen über­säte Terrain, das eine Entwickelung der Truppen so­wieso nicht zulätzt, ist mit frisch angelegten Kanälen durchzogen worden, die es ermöglichen, das ebene Land sofort UMer Wasser zu setzen. Die breiten Styahen, die das Land durchziehen, können durch plötzliche Spreng­ungen an mehreren Stellen unpassierbar gemacht wer­den. Aber damit nicht genug, an zahlreichen Osten lie­gen gut versteckt ganze Batterien schwerer Geschütze, die auf weite Strecken hin aus unsichtbarem Oste das Land bestreichen können. Alle diese improvisierten Bauten uUd Arbeiten sind viel bedeutender als man nur annehmen kann. Wie wirksam solche Feldbefestigungen sein kön­nen, hat man bei Nancy gesehen Und die Befestigungen um Belfost sind noch viel stärker angelegt. Feldbefestig - ringen sind aber nicht nur Seiten und alle im Rayvn liegenden Dörfer sind angefüllt mit Soldaten. Um eine Belagerung zu versuchen, müßte eine gute Armee von etwa 300 000 Mann vorhanden sein. Ganz besonders stark befestigt utrd mit großen Truppenmassen belegt ist die ganze Gegend von Dammerkirch bis Pfetterhaufen. Auf die Belagerung dieses grandiosen Festungswerkes darf man gespannt sein.

Vom Kr^efl im Osten.

Die österreichisch-ungarische Regierung beschloß die Ausdehnung der gemeinsamen Landesver­waltung auf die in Besitz genommenen russi­schen Gebietsteile.

Bulgarien auf der Wacht.

WTB. London, 29. Okt. Nach Blättermcldun- gen haben die Bulgaren auf ein r U s s i s ch e s Ka­nonenboot geschossen, das der serbischen Armee

aus der Donau Vorräte zusühren wollte.

* * *