Zusammenstößen, die Polen mit dem Innern des russischen Reiches verbinden: die Bahn Warschau-Wil- na-Pelersburg, die Bahn Warschau-Brest- sLagersestung) Minsk-Moskau, die Bahn Warschau-Brest-Kiew, mit Abzweigung nach Odessa. Nach Deutschland aber führen von Warschau die Bahnen über Thorn-Bromberg nach Berlin, nach Kalisch-Breslau, und nach Oberschlesien über Tschenstochau.
Iwangorod, drei starke Tagemärsche südlich von Warschau an dem Knotenpunkte der Bahnen Radom-Brest und Warschau-Lublin und an der Weichsel gelegen, bildet, den rechten Flügel des Zentral-Festungs- Systems von Russisch-Polen. Die Festung besitzt eine bastionierte Stadtumwallung und neun kleine Werke auf dem rechten Weichselufer. Auf dem linken User befinden sich ein starker Brückenkopf (Fort Eortschakow) und drei vorgeschobene Forts. Die meisten Werke auf dem rechten Ufer sind in den Jahren 1877—1884 erbaut
und entsprechen mithin den Anforderungen jener Zeit.
Warschau ist eine große Gürtel- und Lagersest- ung. Die auf dem linken Ufer gelegene Stadt besitzt eine Zitadelle, die als Zwingburg Warschaus wirkt, außerdem auf der inneren Umfassung sechs, auf der äußeren fünf Forts. Auf dem rechten Weichselufer liegt die Borstadt Praga, die mit 5 Forts, davon das eine gegenüber der Zitadelle, versehen wurde. Obwohl in letzter Zeit für die Verstärkung der großen LagersestuNg Brest (am Bug) mehr als für Warschau' in fortifikato- rischer Hinsicht geschah, so bietet Warschau dennoch in Verbindung mit Ncwa-Georgiewsk sür die Russen in ihrer Stellung längs der Weichsel eine starke Flügelanlehnung, und, da die Lagerfestung Raum für den Aufenthalt und die Gelegenheit für den Durchzug starker Truppenmassen bietet, ein geeignetes Ausfalltor. Anderseits bietet die Weichsel zwischen der galizischen Grenze und Warschau ein starkes Hindernis, und Iwangorod hier die einzige Gelegenheit zum Uebergang. Dieses Verhältnis spricht zugunsten der Deutschen, das anscheinend auch mit Erfolg ausgenutzt worden ist, denn nach einer italienischen Meldung, stehen die Deutschen schon 12 Kilometer vor Warschau, das von der Bevölkerung verlassen wird.
vom autzereuropäischen UriegLfchauplcch.
Die offizielle Bestätigung der Nachricht, daß die Japaner die Marschall-Jnseln besetzt haben, hat in Washington große UnrUhe hervorgerufen, zumal, da die deutsche Botschaft entgegen der japanischen Behauptung versicherte, daß der Regierungssitz Jaluit nicht als Flottenbasis für das deutsche ostasiatische Geschwader benutzt werden könne, weil dort keine Befestigung irgend welcher Art eristiere.
Allerlei Uriegsnachrichten.
Wie aus dem Großen Hauptquartier mitgeteilt wird, ist General v. Moltke an Leber- und Gallenleiden erkrankt. Die Krankheit gibt keinen Anlaß zu Besorgnissen. General v. Moltke befindet sich in guter ärztlicher Pflege im Großen Haupt - quartier. In seinern Zustand ist bereits eine wesentliche Besserung eingetreten. Seine Geschäfte sind dem Kriegsminister General v. Falkenhayn übertragen worden.
" Kapitänleutnant Weddigen hat den Orden PoUr le merite erhalten.
* Die deutsche Zivilverwaltung Belgiens erwägt die Einführung der deutschen Arbeiterschutzgesetze in Belgien.
Bei dem Besuch des Kaisers bei dem Armee - führer, Generalobersten Kronprinz Rupprecht von Bayern, hatte eine Landsturm-Kompagnie die Ehrenwache. Der Kaiser spendete den tapferen Landstürmern 1000 Kaiserzigarren und Wein.
m. K ö l n, 25. Oktbr. Als Kriegsgefangene wurden in rheinischen Festungen 16 Bürgermei st er Belgiens eingeliesert, die den Kriegsmaßnahmen der deutschen Behörden im Vertrauen auf die Versicheruy- gen der gewesenen Antwerpener Regierung passiven W i d e r st a n d entgegengesetzt hatten.
Im „Corriere della Sera" schreibt General Galli einen Artikel über Deutschland und führt u. a. aus: Ein Staat, ein Volk, wo nicht nur Männer, sondern auch die Frauen, von der Aristokratin bis zur Arbeitergattin, mit eisernem Willen i're Arbeiten und zwar nicht nur die geheiligte Arbeit der, Krankenpflegerinnen, sondern auch die der Pofttelegraphen und Bureaus, mit Pflichttreue erfüllen, ein solches Volk ist Unbesiegbar und zu den größten Leistungen befähigt. (B. T.)
Lvannung zwischen England »nd König Albert.
St. Rotterdam, 25. Okt. (Eig. Drahtbericht.) Privysmcldungen aus Londoner Banfierkreisen lauten dahin, daß eine gewisse Spannung zwischen der belgischen und der englischen Regierung entstanden sei.
Es stehe jedenfalls fest, daß König Albert mehrfach den Wunsch äußerte, einen Separatfrieden mit Oesterreich und Deutschland zu schließen, da er auf Deutschlands Ritterlichkeit hinsichtlich der Friedensbeding
ungen für Belgien rechnen zu können glaube. Zwischen Churchill und König Albert kam es darüber bereits in Antwerpen zu angeblich heftigen D i s- k u s s i o n e n.
England soll jetzt der belgischen Regierung auch die Zinszahlung der belgischen Staatsyenten verweigert haben; es wird eventuell nur die Zinsen der in London untergebrachten 300 Millionen Franken belgischer Schatzbonds bezahlen.
*
296 869 Kriegsgefangene.
Bis zum 21. Oktober waren in deUffchen Kriegsgefangenenlagern untergebracht:
Franzosen: 2472 Offiziere, 146 897 Mann, Russen: 2164 Offiziere, 104 524 Mann, Belgier: 547 Offiziere, 31 378 Mann, Engländer: 218 Offiziere, 8669 Mann, darumer 6 französische und 18 russische Generale (einschließlich zwei kommandierende Generale) und 3 belgische Generale; alles in allem also bis zum 21. Oktober 296 869 Gefangene.
Amsterdamer Blätter melden aus London, daß die Chinesen England zu verlassen beginnen. Ein amerikanischer Dampfer, der vorige Woche von Liverpool abging, hatte als Passagiere 280 wehrfähige Chinesen an Bord, die in ihre Heimat befördert werden sollten. (Post.)
* Wir brachten die Notiz, daß «in rheinisches D i e n st m ä d ch e n ihre Gesamtersparnisse von 2196 Mk. dem R'otenKreuz überwiesen hatte. Heute ersahren wir, daß dem opferwilligen Mädchen von unserer Kaiserin ein Gebetbuch mit einem Anschreiben übersandt wurde, welches die eigenhändige kaiserliche Unterschrift trägt: „Ihre dankbare Auguste Viktoria I. R'.". So hat auch diese so überaus opferwillige Tat ihren reichen Lohn gefunden, und in stillen Stunden wird die opferfreudige Geberin sich oft ihrer hochherzigen, dankbaren Kaiserin erinnern.
Die deuifcbe Sozialdemokratie und der Krieg.
Der sozialdemokratische Abgeordnete Scheidemann hat in einem Schreiben an die „New Porter Volksztg." die Gründe auseinandergesetzt, welche die Sozialdemokratie im Reichstage veranlaßt haben, die Kriegskredite zu bewilligen, und noch jetzt ihre Stellung zuM Kriege bestimmen. Er führt darin aus:
„Den Krieg hat in Deutschland niemand gewollt. Dem widerspricht auch nicht die Tatsache der deutschen Kriegserklärung an Rußland und schließlich auch an Frankreich. Hätte Deutschland, das über die Vorbereitungen seiner Nachbarn genau! unterrichtet war, noch einige Zeit gezögert, dann wäre Rußland mit seiner längst heimlich betriebenen Mobilmachung fertig geworden und hätte unser im Osten nur mäßig beschütztes Land mit seinen Kosaken überflutet, lind dann wehe uns ! ....
Auf Rußland lastet die Hauptschuld an dem jetzigen Krieg. Noch während der Zar mit dem deutschen Kaiser im Depcschenwechsel stand, um scheinbar für den Frieden zü wirken, ließ er heimlich nicht nur gegen Oesterreich, sondern auch gegen Deutschland rüsten.
Daß Frankreich, daß das republikanische Frankreich, auf Tod und Verderben mit dem russischen Absolutis - muS verbündet ist, ist eine schier unfaßbare Tatsache. Und daß England, das parlamentarisch regierte, demokratische England, Seite an Seite mit den Russen gegen Deutschland kämpft, um „für Freiheit und Kultur" einzutreten, das ist eine Heuchelei von wahrhaft gigantischer Schamlosigkeit.
Rußland, Frankreich, Belgien, England, Serbien, Montenegro und Japan stehen im Kampf, um „für Freiheit und Kultur zu kämpfen", das heißt: gegen das
Deutschtum zU kämpfen, das der Welt Goethe, Kant und Karl Marr geboren hat ! Es wäre zum Lachen, wäre die Situation nicht so verzweiselt ernst."
Scheidemann betont weiter, daß die deutsche Sozialdemokratie die Pflicht hatte, sich gegen den Zarismus zu wenden, und sagt weiter: „Auch wir Sozialdemokraten haben nicht aufgehölt, Deutsche zu sein, weil wir uns zur sozialistischen Internationale bekennen. Und wenn wir im Reichstage einstimmig die Kriegskredite bewilligt haben, so haben wir lediglich wahr gemacht, was oft genug von unseren Besten von der Reichstagstribüne versichert worden ist. . .
Mir haben als überzeugte Sozialisten für die K egskredite gestimmt... Auch wir wollen unser Vaterland schützen . . . Von welcher Seite man immer das Problem betrachtet, wir deutschen Sotzialisten konnten nicht anders handeln, als wir gehandelt haben. Das ganze Volk ist entschlossen, koste es, was es wolle, den Krieg so schnell als möglich, und zwar siegreich zu beenden. Kein Mensch hatte hier Groll gegen Frankreich, und jedermann wünschte, daß zwischen Deutschland uUd Frankreich so bald als möglich ein ehrenvoller Frieden herbeigeführt wird."
Die weitbürgerliche Aufgabe des deutschen Großvolkes.
Der Reichstagsabgeordnete D. FriedrichNau- m a n n, der f: ,cr bekanntlich einer Annäherung zwischen Deutschland und England freundlich gegenüber - stand, hat auf Grund der jetzigen Ereignisse seine An
schauungen überprüft und macht energisch Front gegei alle Flaumacher, die geneigt sind, einen halben Friede, zu schließe». Besonders auf England richtet er sein Au genmert. Er schrieb im „Berl. Börsew-Kurier^ u. a. sol
gendes:
Wir haben jetzt gar keine Wahl, was wir tui oder lassen sollen. Der Weg ist Uar oorgezeichnet. W i müssen siegen, um nicht besiegt zu-wer den. Auch alle diejenigen, die vorher sich an den Frie dens- und Veiständigungsvcrsuchen beteiligt haben, kön nen jetzt gar nichts anderes wollen als Kampf uni Sieg. Und in der Tat, keiner will etwas anderes Das deutsche Volk ist nicht am wenigsten gerade durä die englische Kriegserklärung zur festesten Einheit gewor den. Das Wort, das Fürst Bülow nach London hi, redete:' „Wer auf uns beißt, beißt auf Granit", ist jetz greifbare Wirklichkeit. Niemand in Deutschland wil gegenüber England einen halben und vorläu sigen Frieden. Wir Deutschen muffen in diesem Kamp größer und stärker werden an Kolonial- mrd Weitab sichten, wenn wir nicht kleiner werden wollen. Die rvell bürgerliche Aufgabe eines kämpfenden Großvolkes steig vor uns in die Höhe. Das gute, treue und bisweile, etwas langsame deutsche Volk wurde durch die englisch Kriegserklärung geradezu in Wcltpolitik hineingetrieben
flu$ aller Mit.
* Krieger- und Turnergräber ar Völkerschlachldenkmal. Für di« in den Leip ziger Lazaretten sterbenden Feldzuysteilnehmer hat de Rat der Stadt eine gemeinsame Ruhestätte am Fuß des Völkerschlachldenkmals zur Verfügung gestelll un di« Pflege der Gräber aus die Stadt übernommen. Nu sollen auch die beiden inzwischen verstorbenen Festturr warte des großen 12. Deutschen Turnfestes, Rudol Witzgall und Bernhard Striegler, nach einer am Vö> kerschlachtdenkmal gelegenen Stelle des Südsriedhofes un gebettet und dvrt das von der Deutschen Turnerfchai geplante Ehrenmal errichtet werden, wie denn überhaup die an das Denkmal sich anschließende Abteilung de Südfriedhofes für die Zukunft als Ruhestätte für ve, dienstvolle Turner vorgesehen ist.
* Gin „H eld enviertel" in Lankwitz Berlin-Lankwitz hat als erste Gemeinde «in ganzes Ort< viertel nach den siegreichen Führern in Deutschlands He> und Flotte benannt. Für sechs im Bebauungsplan oo gesehene und zum Teil schon angelegte Straßen sin folgende Namen festgesetzt: Hauscnstrahe, Hindenburg straße, Wcddigenstraße, Kluckftraße, Ludendorffitrahe un Emmichstraße.
• Madrid, 25. Okt. Di« Königin v o Spanien ist von einem Knaben entbunden wo den.
---- -------—
Die Deutreben an die front.
Wie war's gewitterschwül im Reich!
Gottlob, da brach es los! I
■ Nun droht von Ost und West zugleich Des Feindes Todesstoß.
Und sieh, zu Fuß, auf Rvsseshuf Gestalten, hoch und blond!
Millionen auf des Kaisers Ruf:
Die Deutschen an die Front!
Klang's nicht aus eines Briten Mund,
Der focht mit uns vereint?
Nun gegen ihn werd's dröhnend kund!
Der Brite ist der Feind!
Warm»? Weil deutsche Emsigkell Am Himmelslicht sich sonnt!
Nicht dulden will, sein Krämerneid Die Deutschen an der Front!
«
ii
ii
b
l‘
!-
fi
(<
Ii
9
s
bi
ö
»
U
§
9
5
ii
ta
SJ
w
I fr i
pi
I«
ti
io
«i
di
R
M
15
ui
u,
«I
II ÜC
0
M
Pi
Mi
de
9t
h!
8i
3.
jit
ii,
9(
*
Sein Schiff, sein Ruhm ist in Gefahr,
In Not sein Geld und Gut!
Und fließen soll, wie immerdar.
Für ihn Europas Blut!
Wie kam es, daß auf jedem Meer Sein Segel stolz sich sonnt?
Sind wir so würdig nicht wie er? —
Die Deutschen an d i r Front?
Das ist des blutigen Ringens Preis:
Ob künftig in der Welt
Gier Albions oder deutscher Fleiß
Der Menschheit Zepter hält?
Der Eier bis auf das Messer Krieg.
Ihr Männer treu und blond I
Und Fleiß und Ehrlichkeit der Sieg? —
Die Deutschen an ble Front?
Albert Mnmmenhoff. ___ >
Der mordproze$$ von Serajewo.
WTB. Serajewo, 25. OS. Ueber den Yen gen Sitzungsverlauf des Hochveyratspr^effes wird m gemeldet: Nach den Plaidoyers der Verteidiger und 1 Replik des Staatsanwaltes erklärte der Angeklagte Ce brinovic, wenn auch Princip den Helden spielen wot ( tue doch allen Angeklagten das, was geschehen sei, ,> gemein leid. Sie hätten nicht gewußt, daß der Er« Herzog-Thronfolger Kinder habe. Die Angeklagte baten, man möge diesen Kindern milleilen, daß sie!« Tat bereuen. Die Kinder möchten ihnen verzeihen.'7 t Angeklagten seien keine Verbrecher. Sie Höllen sich sk eine Sache, die sie für gut gehalten Höllen, geopsc.


