mchls anderes übrig, als unter Preisgabe des Bootes die Mannschaft zu retten. Das ist auch gelungen.
Aus die britische Borstellung über die fortgesetzte Anwesenheit deutscher Mannschaften auf türkischen Kriegsschiffen erwiderte die Pforte endgültig, dah dies eine innere Angelegenheit fei.
Allerlei ttriegsnachrichlen.
Der „Reichsanzeiger" gibt bekannt, das; dem Generalobersten v. Beneckendorsf-Hindenburg, dem Oberbefehlshaber der achten Armee, dem General der Infanterie z. D. v. Z w e h l, kommandierenden General des siebenten Reservekorps, und dem Generalmajor L ü d e n d o r f f, Chef des EeNeralstabes der achten Armee, der Orden P o u r l e merite verliehen worden sei.
mb. Rotterdam, 22. Okt. Die belgische Regierung in Havre hat die Beamten des bisherigen Königsreichs Belgien aufgefordert, nicht in den Dienst der unter deutscher Leitung eingerichteten Post- und Eisenbahnverwaltung zu treten. Gleichzeitig hat die Regierung über ganz Belgien das Kriegsrecht bis 31. Dezember verlängert. — Die holländischen Zeitungen äußern sich zu der letzten seltsamen Verfügung, das; sie ein Kinderspiel der belgischen Regierung darstelle, die immer noch nicht den Ernst der Lage in dem gar nicht mehr bestehenden Königreich Belgien einsehe.
Paris, 23. Okt. (Nichtamtlich.) Der Juftizmini- ster hat bestimmt, dah der Erlah über die Schließung der österreichischen und deutschen Firmen in Frankreich, sowie über die Beschlagnahme von deren Eigen- t u m auch auf alle nicht Handel treibenden Oe st er - reicher ünd Deutschen ausgedehnt werden soll, welche in Frankreich wohnen.
Prinz Mai von Hessen, vom 24. Dragoner-Regiment, der zweite Sohn des Prinzenpaares Friedrich Karl von Helsen, ist, wie die „Franks. Zig." erfährt, in englische Gefangenschaft geraten.
Autz Landshut wird uns folgende interessante Episode berichtet: Bei Peronne muhte ein durch unsere Artillerie beschossenes feindliches Flugzeug niedergehen, die Insassen wurden durch einen Fähnrich, den Sohn des Rektors Dr. Horchlers in Landshut, und Vizewachtmeister, Ingenieur Baur aus Kaufbeuren, gefangen ge - nommen und oorgeführt. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dah der eine der Gefangenen der Bruder, unseres verbissensten Gegners, des englischen Ministeps Greg, der Oberst Greg ist.
Italic» »lacht mobil.
Die Mobilmachung der italienischen Landwehr, beginnend mit Einberufung der Jahresklasse 1894, wird aus Turin gemeldet.
Otto Ällde'.mv.
vom Loldnt zum Offizier befördert.
Niemand kennt ihn. Als schlichter Musketier, aber als echter, „rhein'scher Jung'" zog er mit in den Krieg. I» Waldböckelheim, in irgend einem bescheidenen Häuschen stand seine 'Wiege, in der Nähe von Kreuznach, dort schon, wo der Wein den Haustrunk bildet, den Geist geschmeidig und das Herz) tapfer und fröhlich macht. Bei der Kirchweih hat er sonst seine Schlachten geschlagen, mit den Schönen vom Dorfe geplant dt. Was werden die schauen, wenn der Musketier Otto W.lhel- my, der auf der Schule vielleicht stets eine 4 bezog und das Sorgenkind seiner Lehrer, war, nach dem Friedens- schluh als flotter Leutnant heimkehrt!
Er hat schnell Karriere gemacht, der rhein'sche Jung'. Vor vier Wochen wurde er wegen hervorragender Ta- pserkcit mit den Tressen und dem Eisernen Kreuze geschmückt — er durfte sicher, sein, dah beim Einmarsch in Waldböckelheim manch schönes Auge ihm noch Heller entgegenleuchten würde, als den Kameraden. Aber schon vor zehn Tagen wurde er zum Vizeseldwebel befördert und jetzt ist er Leutnant und trägt das Eiserne Kreuz erster Klasse gerade über dem tapseren Herzen. Schneller als Napoleon stieg er auf der Stufenleiter der militärischen Ehren empor. Ob es ihm bestimmt ist, die gleichen Würden zu erreichen, die einst dem General von Reicher bcschicden waren, der voni einsachcn Soldaien zuin Ehcf des preußischen Gencralstabes avancierte.
Wo Ottc Mlhclmy sich seine jungen Lorbeeren verdient-, ist nicht bekannt. Vielleicht hat ihn, wie so manchen, das Geschick nach Lüttich und Namur uNd dann zu Hindenburg oder nach dem Süden geführt, so dah er an so vielen Kriegsschauplätzen gekämpft hat, wie die Garden Bonapartes. Vielleicht hat er den Sie- gesftrrrmmarsch der, sieben Armeen miterlebt und liegt noch heute im Schützengraben in Klucks oder Bülows Armee. Das ist gleich. Jedenfalls ist er ein braver, deutscher Junge, der seinen Lohn tapfer verdient hat. Und der es auch zeigte, dah im Kriege wirklich jeder deutsche Soldat den Marschallstab oder doch die Achselstücke des Offiziers im Tournister trägt.
Otto Wilhelm» ist Offizier des aktiven Dienftstan- des geworden. Der oberste Kriegsherr hat es grund - stitzlich also bestimmt, dah Unteroffiziere und Mann - schäften auch ohne den Nachweis der sonst geforderten
wissenschaftlichen Bildung diesen Weg machen. Im dänischen Kriege wie im Jahre 1866 hat König Wilhelm das Beispiel gegeben und so der Armee eine Anzahl tüchtiger Offiziere gegeben, von denen einzelne es bis zum Generalsränge brachten. Im frantzöfifchen Feld - zuge jedoch hat man den gleichen Weg nicht beschritten. Umso freudiger wirkte die Nachricht, dah der Kaistr auch hier dem großen Gedanken der Kriegszeit, die ein ganzes Volk in gleichem Heldenmut, in gleicher Opfer- bereitschafl vereint sieht, so tiefes Verständnis zeigt und Dchranken zerbricht, die wertvolle Menschen nicht mehr von einander trennen dürfen. Aus dem Meere ist alles Welle, in dieser flutenden Zeit gewaltiger Ereignisse und gewaltigen Menschcnwachstums wächst alles zur gleichen Eröhe. Herzblut, das den Rasen färbt, löscht jeden Unterschied. Und das Eiserne Kreuz erster Klasse, das die Brust des schlichten Soldaten schmückt, ist das schönste Zeugnis über ein bestandenes Offiziersciamen.
Und es ist auch aus anderem Grunde gut, dah Otto Wtlhelml) Leutnant wurde. Nicht nur, weil manchem das Herz freier und froher wird, wenn er sieht, das; der in ihm schlummernden Krasl der Weg zur Entsaltung geöffnet wird, sondern auch deshalb, weil gesorgt werden muh, dah der ungeheure Verlust an Offizieren einen Ausgleich nicht nur durch den jungen Nachwuchs aus den Fahnenjunkern und Offiziersaspiranten, sondern auch aus Elementen findet, die im Kriege selbst ihre militärische Tüchtigkeit erwiesen. Die Kameraoen werden dem Mann aus ihrer Mitte, der sich vielfach bewährte, der vielleicht schon den Zug zum Stunne führte, mit Freude folgen — jeder Krieg wirkt demokratisch. Sie kennen ihn, fühlen sich doppelt mit ihm eins und trauen seinem Stern.
So wird der rhein'sche Jung' von Waldböckelheim nicht der einzige bleiben. Nirgend wie im Kriege ist dem Tüchtigen der Weg geöffnet. Und Tapsere wie ihn gibt es in Deutschlands Heeren viele, sehr viele. Zwei Worte Bismarcks." „Ich habe zu vielen Heldenmut bewundert, der in unerkannter Bescheidenheit dem Tode und der Vergessenheit verfiel." Und ein anderes Wort, ein Kernwort für heute:
„Leonidas ist ein Lump gegen unsere Füsiliere!"
0om eMlilcven Candfiurtn.
Aus dem Oberelsah schreibt man der „Köln. Zeitung":
Bei der Einberufung des Landsturmes hier im Oberelsaß ist es wahrhaft erhebend zu sehen, wie aus den einzelnen Gemeinden, sobald der telegraphische Aufruf eintrifft, die Leute zum Versammlungsort strömen. Aus allen Ortschaften, die nicht vom Feind besetzt oder nur zeitweilig besetzt waren, ist dies ja selbstverständlich, obgleich auch hier die meisten, wenn sie französisch gesinnt wären, sich hätten drücken können. In vielen Dörfern, der Grenze entlang, nahmen die Franzosen im Anfang des Krieges nur die Ortsvorsteher, Lehrer, auch zum Teil die Geistlichen mit. Doch änderte sich dies bei weiteren Besuchen, wobei sie nicht mehr so wählerisch waren. Sobald nun die Ortseinwohner merkten, dah der Feind allgemein ansing, den Landsturm, das heiht fast die gesamte männliche Bevölkerung (es befanden sich in vielen Fällen 13- und 14jährige Knaben darunter) mitzuschleppen, riß alles aus, nur nicht zwangsweise über die Grenze geschleppt zu werden. So trafen aus der Gegend von Altkirch viele Landsturm- pstichtige ein, die schon tagelang in den Wäldern gehaust hatten, und von den Franzosen förmlich, gejagt worden waren. Die Franzosen liehen dann ihre Wut an den Dörfern aus und nahmen dort mit, was, nicht niet- und nagelfest war, Vieh, Lebensmittel usw., so- dah unter der zurückgebliebenen Bevölkerung jetzt die größte Not herrscht. Für die Männer, die die Not der ihrigen kennen, ist es furchtbar, sich zu vergegenwärtigen. was ihren Lieben noch bevorsteht. Sie hätten das Schicksal von ihnen abwenden können, wenn sie zuhause geblieben und gegebenenfalls dem Feinde Hilfe geleistet hätten, doch sie hielten, obgleich meist noch französifch redend, treu zu ihrem Vaterland. Die Einberufung des Landsturms geht, da die Erenzdörfer und Ortschaften noch teilweise von den Franzosen besetzt sind, und telegraphische Bestellungen oft tagelang liegen bleiben, ehe sie befördert werden können, nur langsam vonstatten. Ost kommen die benachrichtigten Landstürmer auf ihrem Marsch nach dem Bestimmungsort mitten in ein Erenz- gesecht hinein, und mehr als einmal kam es vor, dah' die Aermstcn, die sich zwischen zwei Feuern befanden, weder vor- nvch rückwärts konnten und so in die größte Gefahr gerieten.
Trotzdem kommen die Leute gern, obgleich ihnen von den Franzosen die glänzendsten. Anerbietungen gemacht wurden und noch täglich gemacht werden. So erzählte mir einer der Landsturmmänner, dah der Feind in einer Ortschaft nahe der Grenze eine Proklamation angeschlagen habe, in der die Landsturmpslichtigen aus- gesordert werden, sich gegen reichliche Kost und fünf Franken Taggelder bei dem nahe der Grenze liegenden Truppenkommando zu melden, wobei zugleich die weitestgehende Schonung ihrer Anwesen ihnen zugesagt wird. In einem anderen Falle sollte auf einen Mann, der sich bei der Ankunft der Franzosen in den nahen Wald geflüchtet hatte, dadurch «in Druck ausgeübt werden, dah man ihm sein Vieh wegtrieb, und seine beiden Söhne im Alter von 12 und 13 Jahren gefangen nahm. Glücklicherweise gelang es den beiden Buben in einem unbewachten Augenblick zu entkommen und so den Vater, den sie im Wald aufsuchten, vor einer ver- zweisllungsvollen Tat zu bewahren. So arbeiten die
Franzosen hier an der Grenze, und wahrlich, wenn sie hier schon zu solchen Mitteln greifen müssen, um Leute zu bekomme», dann wird es in Frankreich übel genug aussehen! Desto mehr freut uns jeder neue Transport Landsturmpflichtiger, der hier ankommt, denn man sieht daran, dah es den Leuten bei uns doch besser gefällt als bei den Franzosen. Ein Bauer aus der Gegend von Thann, dessen Hab und Gut von den Franzosen geplündert und verwüstet worden war, sagte mir, dah er fest darauf hoffe, sein Anwesen mit HUse der deutschen Regierung einst wieder aufväuen zu können, darum ergebe er sich in sein Schicksal und trag« gern sein Teil dazu bei, dem Vaterlande zu helfen. Und so, wie dieser Mann, denken viele an der französischen Grenze, besonders in den Dörfern, so dah diejenigen, die an der gutdeutschen Gesinnung der Bevölkerung des Oberelsah gczweifell habe», zu denen aiffangs auch ich gehörte, beschämt an ihre Brust schlage» dürfen. Zur Ehre der Landbevölkerung des Oberelsah fei es gesagt, dah sie ebenso gut deutsch gesinnt ist, wie das übriche Reich.
Stadt und Caad.
* Die Grohherzogin hat der durch die De-
kanatssi)node des Dekanats Giehen für den Rest der laufenden Wahlperiode vollzogenen Wahl des evangelischen Pfarrers Theodor Weber zu Lang-Göns die Bestätigung erteilt.
* Der Ausschuh der Landesversicherung s a n st a I l Grohh. Hessen bewilligte in seiner letzten Sitzung gemäh dem Antrag des Borftandes für Zwecke der Kriegssürsorge für 1914 150 000 Mark, für 1915 500 000 Mk. mit der Mahgabe. das; diese Mittel nöligcnfcfls auf den Gesamtbetrag von Mk. 1 500 006 erhöht werden können. Für Ausrüstung der hessischen Division mit warmem Unterzeug wurden bereits 15 000 Mk. verausgabt. Um die Kreisverrvaltung und Gemeinden durch Darlehen zu unterstützen, wurden vorerst 3 000 000 Mk. bereit gestellt zum Zinsfüße von 5 Prozent, über 2 200 000 Mk. wurden bisher schon ft, Anspruch genommen, sodah der Betrag wohl weiter erhöht werden muh. Da die LandesverficheruNgsanstalt diese Darlehnsmittel sich selbst erst durch Lombard bei der Darlehenskasse beschaffen und dieser zurzeit G'/z Prozent Zinsen zahlen muh, legt sie bei diesen Darlehn V/ t Prozent jährlich zu, um es zu ermöglichen, dah die Kom- munalverwaltungen bei Auszahlung der Unterstützungen der Angehörigen unseres Heeres nicht durch Mangel an Barmitteln gehindert sind, und um ihnen die Fort - .sührung kommunaler Arbeiten zu ermöglichen. An der Kriegsanleihe beteiligte sich die Landesversicherungs-An- statt mit 1 500 000 Mk. Und überwies dem hessischen Landesverein des roten Kreuzes beim Kriegsausbruch sofort 10 000 Mark.
" Der Chef des stellvertretenden Generalstabes der
Armee hat bestimmt, dah das Photographieren auf dem Kriegsschauplatz und in den von den deutschen Truppen besetzten Gebieten »ur mit Genelnnig- ung des Ehefs des Generalstabes des Feldheeres und auf Grund der besonderen, von ihm erlassenen Bestim- mungen gestattet ist. Gesuche um Zulaffung sind an die Presse-Abteilung des stellvertretenden Generalslabes der Armee zu richten. Zur Ausnahme kinematographi- schcr Bilder ist eine besondere Erlaubnis erforderlich. Photographische und kinematographische Aufnahmen dürfen erst dann vervielfältigt, verbrettet oder veröffentlicht werden, wenn sie der militärischen Zensur zur Prüfung Vorgelegen haben und von ihr freigegeben find. Die Tätigkeit von Photographen und Berichterstattern ohne Ausweis des Generalftabes ist verboten.
* Außergewöhnliche Paketbeförde-
rung ins Feld. Für das 18. Armeekorps sind 2 Paketdepots eingerichtet worden und zwar in Frankftirt am Main und in Darmstadt. In der Zell vom 19. bis 26. Oktober ist daher im allgemeinen auf den Paketen für die hessischen Truppenteile des 18. Armeekorps in der Aufschrift „Paketdepot Darmstadt", für die preuhischen Truppenteile des 18. Armeekorps „Paketdepot Frankfurtmain" anzugeben. Die Austieferung der Pakete, die das Höchstgewicht von 5 Kilogramm nicht überschreiten dürsen, erfolgt bei den Pojtanftalten o h n e Paketkarte (Paketadresse) gegen ein einheitliches Porto von 25 Psg. In Darmstodt können die Pakete auch bei dem daselbst bestehenden Paketdepot, soweit dasselbe zufländig ist, kostenlos aufgeliefert werden. Von den Paketdepots aus erfolgt die Beför - derung der Pakete ins Feld durch die Militärbehörden. Die Feldpost ist an der Beförderung nicht beteiligt, lieber Näheres geben die Ortspostanftalten Auskunft.
Vom Eisend»!,nvcrkchrc.
* In der Presse ist schon vor einiger Zeit auf die Wahrnehmung hingewiesen worden, dah die Ordnmrg in den Zügen, namentlich in den D--Zügen, zu wünschen übrig lasse, weil seit Ausbruch des Krieges einzelne Reisende sich über die bahnpoiizettichen Vorschriften hinwegsetzen zu können glaubten. Im Anschluh daran war die Erwartung ausgesprochen worden, dah das deutsche reisende Publikum bei der allmählig sich vollziehenden Rückkehr zu dem Friedenssahrplan nunmehr auch die alte Ordnung hochzuhalten wiffen werde. Nach den bisherigen Wahrnehmungen ist dies leider in befriedigendem Umfange noch nicht der Fall. Noch immer oeben sich Reisende garnicht die Mühe, einen Platz in der ihrer Fahrkarte entsprechenden Klaffe aufzuflü cbcn, sondern setzen sich ohne weiteres in eine höhere


