Ausgabe 
24.10.1914
 
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Nr. 85

Samstag, oen 24. Oktober 1914.

Telephon Rr. 363. 26. Jührg. ^

Harte Kämpft um die belgisch-frauMsche Küste am englischen Kanal. Die Deutschen behaupten auch dort die eroberten Gegenden.

amtliche Tagesberichte.

WTB. Großes Hauptquartier, 22. Ok­tober, vorm. (Amtlich.) Die Kämpfe am Pser-Kanal ballern noch fort. 11 englische Kriegsschiffe unterstützten die feindliche Artillerie. Oestlich Dirmude wurde der Feind zurückgeworsen. Auch in der Richtung Ppres drangen unsere Truppen erfolgreich vor.

Es ist einwaittffrei festgestellt, daß der englische Ad­miral, der das Geschwader vor Ostende besehligt, nur mit Mühe von der Absicht, Ostende zu beschießen, durch die belgische Behörde abgebracht wurde.

Die Kämpfe nordwestlich und westlich Lille waren sehr erbittert, der Feind wich aus der ganzen Front langsam zurück.

Heftige Angriffe aus der Richtung T o u I gegen die Höhen Thieucourt wurden unter schwer- sten Verlusten für die Franzosen zurück­geworfen.

Alls dem nordöstlichen Kriegsschauplatz fol­gen Teile unserer Truppen dem weichenden Gegner in der Richtung O s s o w t e e. Mehrere hundert Gefangene und Maschinengewehre sielen in unsere Hände.

Bei Marschau und in Polen wurde gestern nach dem unentschiedenen Ringen der letzten Tage nicht gekämpft. Die Verhältnisse befinden sich dort noch in der Entwickelung.

WTB. Großes Hauptquartier, 23. Okt.. vormittags. Am Y serkanal wurden gestern Erfolge errungen. Südlich Dirmude sind unsere Truppen vorgegangen.

Westlich Lille waren unsere Angriffe erfolgreich. Witz setzten uns in den Besitz mehrerer Ortschaften. Auf der übrigen Front des Westhee- res herrschte im wesentlichen Ruhe.

Im Osten wurden russische A n g r i f s e in der Gegend westlich von A u g u st o w z U r ü ck g c s ch l a- g e n und dabei mehrere Maschinengewehre erbeutet.

Vom! südöstlichen Kriegsschauplatz liegen noch keine abschließenden Meldungen vor.

Die ub e r st e Heeresleitung.

Bom Krieg im Westen.

trämpfc zwischen Lstcndc und Ricupori.

Dem holländischenTelegraas" wird aus Sluis ge­meldet: In Rollfselaere stehen die Häufer i n

Brand? Viele Bürger sind nach Frankreich oder Hol­land geflüchtet. In der Umgebung wütet der Kamps noch. Zwischen O st e n d e und N i e u p o r t sindet ein heftiges Eeschützgefecht statt. Die Deutschen bombardie­ren von Mariakerke und Middelkerke bei Ostende aus die Stadt Rieuport. Die Verbündeten erwidern das Feuer von der Landseitc aus Rieuport und auch die 11 englischen Kriegsschiffe beschießen die deutschen Stellungen über die Dünen hinweg. Das Terminus-Hotel in Ostende ist voll deutscher Verwun­deter.

DieTimes" schreiben in einem Leitartikel: Ob -

wohl im Westen der heftigste Kamps nicht an der Küste, sondern an der Linie südlich Lille über Lens und Ar rad nach Chaulnies stattsindet, ist es doch der Kampf um den Besitz der K ü st e, der in England be­sonders die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die Besetzung von Ostende durch die Deutschen hatte hier noch m)ehr Eindruck gemacht, als der Fall Antwerpens.

Ueber Bordeaur wird den G e n s e r Blättern ge­meldet: Der Festungskommandant in Calais hat die polizeiliche und militärische Absperrung von Calais an­geordnet. Der Zivilbevölkerung wurde eine Frist von sechs Tagen zum Verlassen des Fest­ungsgebiets gestellt. (Aus dieser Meldung geht mit Deutlichkeit hervor, daß der Kommandant von Calais, und also- auch die srnnzösische Heeresleitung, mit einem Angriff der Deutschen auf die historische französische Ka­nalfestung rechnet. Man ist also in Frankreich daraus gefaßt, daß es den Deutschen gelingen wird, ihren Vor­marsch längs der Küste des Kanals erfolgreich bis Ca­lais sortzufetzen.)

Der letzte amtliche französische Kriegs - bericht, der in später Nacht ausgegeben wurde, bereitet die öffentliche Meinung allmählich aus eine K a t a - st r o p h e vor. Er spricht von furchtbaren Käin- pfen zwischen den Meeresküste und bei La Bassee, die deutscherseits mit überlegenen Kräften unternommen wur­den, schweigt aber über Erfolge. Er erwähnt lediglich wichtige Positionen, die von den Verbündeten trotz wü­tender, Attacken behauptet worden seien. (D. T.)

Frankreichvermehrt" seine Armee.

Genf, 22. Okt. Nach einer Bekanntmachung des französischen Kriegsministeriums wurde die französische Armee durch das Rekrutenkontingent des Jahres 1915 um 250 000 Mann vermehrt. Der Abgang des in der Ausbildung befindlichen Jahrgan­ges zur Front soll am 30. Oktober erfolgen.

Das französische Konsulat in Genf fordert die in der, Schweiz aufhältlichen Franzosen zwischen den Jah­ren 17 bis 19 und 45 bis 48 zur Anmeldung als Kriegsfreiwillige auf.

Einzelheiten über die Befestigung B e l s o r t s wer­den, wie aus Rom gemeldet wird, in italienischen Blät­tern berichtet. Danach sind außer den eigentlichen Forts sämtliche Dörfer der Umgegend in kleine Festungen ver­wandelt- außerdem seien Kanäle vorhanden, durch- die die ohnehin unwegsame Gegend in wenigen Minuten überschwemmt werden kann.

Von dem englischen Millioncnhccr.

c. Rotterdam, 21. Okt. In Rotterdam «in­getroffene Deutsche , denen die Behörden die Rückreise in ihr Vaterland gestattet haben, lachen über die Eroß- , sprechereien der Londoner Blätter, über die Armee Lord Kitcheners. Sie erklären, daß sie noch knapp vor ihrer Abreise, also vor etwa einer Woche, Gelegenheit hatten, Hunderte der neuangeworbenen Rekruten zu sehen. Es waren dies fast durchweg unterernährte und schwache Bürschchen zwischen 17 und 18 Jahren, vorwiegend stellungslose Kaufleme, die, weil sie der Hunger plagte, sich hatten anwerben lassen. Trotzdem eine Anzahl von Kompagnien schon seit Wochen zusam­mengestellt waren und täglich ererzierten, hatten die Sol­daten noch keine militärische Ausrüstung, höchstens, daß der eine eine Uniformhose, der andere einen Unisormrcck und der dritte wieder, eine Unisorm- mütze trug. Sonst hatten alle Zivilkleidung an. Dabei trugen von mehreren Kompagnien nur ein paar Gewehre, was sich daraus erklärt, daß Großbritannien bekanntlich keine nennenswerte Militärgewehr-Jnduftric besitzt. Dieser Mangel macht sich am empfindlichsten be­merkbar.

Vom Krieg im Orten.

m. Krakau, 22. Okt. Die ZeitungPostep" mel­det: Die deutschen und österreichischen Truppen haben P u t t u s k i vor Warschau besetzt.

m. Der Zar hat durch einen Ukas in sämtlichen russischen Gouvernements den Landsturm aufge - boten.

Die Ungarischen Truppen, die siegreich von Roz- wadow über den San längs des rechten Weichselufers nördlich vorgegangen waren, haben, wie ein aus Sarr- domir in Krakau eingetroffener Pole derNowa Re­form»" mitteilt, Sandomir eingenommen, das von den Russen schleunigst geräuMt worden war.

Vom Seekrieg.

Neue Arbeit derEmden".

WTB. (Nichtamtlich.) London, 22. Oktober. Lloyds Agent in Colombo telegraphiert an die Admi- ralttät, daß die ritischen DampferC h i l k a",T roi- l u s",B enmoh r",Clan Grant" und der für Tasmanien befttmmte BaggerP o n r a b b e l" von dem deutschen KreuzerEmden" versenkt ulld der DampferE r f o r d" gekapert seien.

Der deutsche KreuzerEmde n" hat außer den gemeldeten Schiffen noch den neuen DampferS i e g - b e r t" versenkt. Eine Reutermeldung besagt, das Auf­treten derEmden" müsse, obwohl es hinderlich sei, doch eine gewisse Bewunderung Hervorrufen, besonders da der Kapitän, dessen Tapseckeit und Ilnerschr.ockenheit sich genügend erwiesen habe, in allen Fällen menschlich und ritterlich gehandelt habe.

Karlsruhe" versenkte I» englische Dämpfer.

W^.B. London, 23. Okt. Das Reuterbureau meldet aus Las Palmas: Der deutsche DampferCre- f e l d" lief in Teneriffa ein mit den Mannschaften von 13 englischen Dampfern an Bord, die der deutsche KreuzerKarlsruhe" in der Atlantic versenkt hat.

*

DerTimes" wird von einem Augenzeugen aus Harwick, unterm 18. Oktover über das Seegefecht mit den deutschen Torpedobooten berichtet: Die Deutschen fechten wie Helden, aber sie hatten gegen überlegenes Geschütz zu kämpfen. In we­niger als 2 Stunden versank das letzte Torpedoboot. Die Deutschen kämpften bis züleht, die' Mehrzahl ist mit den Schiffen versunken.

Eine gciiicinc Berleyung der «Unser Abmachung durch die Engländer.

Berlin, 22. Okt. Nach englischen Pressenachrich­ten rvurde das deutsche LazarettschiffO p h e l i a", das nach dem Untergang der vier deutschen Torpedo - boote allsgeschickt war, nach Schiffbrüchigen zu suchen, von dem englischen Kreuzerdarmouth" an der Aus­führung seines Auftrages gehindert Und mit Beschlag belegt. Man begründete die Wegnahme des Lazarett - schiffes mit der Behauptung, es habe Minen an Bord. Ais die Durchsuchung diesen Vorwand sofort als h i n- fällig erwies, wurde die an Bord befindliche tele - graphische Einrichtung als gefährlich und die Beschlag - nähme des Dampfers begründend bezeichnet. DieOphe­lia" wurde in einen englischen Hasen gebracht.

Aus Tokio, 20. Okt. Das Marineministerium gibt bekannt, daß die M a r s ch a l l-, Marianen- und Karolinen-Jnseln autz militärischen Grün­den besetzt worden sind.

Ein Telegramm aus Shanghai über Roller - dam meldet: Sicherem Vernehmen nach ist der japani­sche KreuzerT a k a t s ch i o" vor Tsingtau nicht auf eine Mine gelaufen, sondern durch einen Angriff des Torpedobootes2. 90" vernichtet worden. Das Torpedoboot wurde nach dem Angriff 60 Seemeilen süd­lich von Tsingtau aus Strand gesetzt und gesprengt. Die Mannschaft ist gerettet. (Allem Anschein nach ist es nach seinem Zerstörungswcrk von überlegenen japanischen Strcickräften verfolgt und von der Rückkehr nach Tsing­tau abgcschnitten worden. Unter diesen Umständen blieb