Ausgabe 
30.9.1914
 
Einzelbild herunterladen

zier und 20 Soldaten getötet. Derselbe Stamm nahm den Scheich von Barzam und seine Anhänger fest, al­les russische Parteigänger, die vor längerer Zeit ge - flüchtet waren, und lieferte dieselben den türkischen Be­hörden aus.

Aus persischen Blättern übernimmt derJkdam" folgende Meldungen: Die Russen ziehen sich aus Persien zurück. Die russischen Kosaken sind aus Mefched über Aschabad angerückt, haben aber einen Teil ihrer Waffen, Kanonen und Munition zurückgelas­sen. Die Russen haben aus Angst vor der Revolution über alle von Muselmanen bewohnten Gebiete Ruh - lands den Belagerungszustand verhängt.

Die Nachricht, dah die Russen von den Oesteryei- chcrn und Deutschen geschlagen worden sind, hat «ine hestige Strömung gegen Ruhland hervorgeruscn. In T u r k e st a n dauert der Transport von Truppen nach Ruhland fort, der Post- und Handelsverkehr ist einge­stellt. Die Russen verstärken die Befestigungen an der afghanischen Grenze bei Kuscht. Die Afghanen haben den Hügel angegrissen, der den nach Afghanistan füh­renden russischen Tunnel beherrscht. Der Tunnel soll eingestürzt und niehrere Russen darin verschüttet sein. Der Emir von Afghanistan entsandte 180 000 Mann an die Grenze von Turkestan; diese Truppen sollen noch verstärkt werden. Die Russen sollen auch befürchten, dah die Perserprovinzen Aserbeidschan und Chor as- s a n gegen sie marschieren würden.

Deutsches Vorgehen in Afrika.

P r ä t o r i a. 24. Sept. Die Polizeistation R i e t- fontein wurde am IN. September von einer deutschen A b l e i l u n g, etwa 200 Mann stark, genommen. Es handelt sich um die ziemlich be­deutende englische Station Rietsontein, die östlich von Keetmanshoop liegt.

allerlei vnegsnachrichten.

WTB. Brüssel, 29. Sept. (Richtamtl.) Das Schösfenkollegium teilt der Bevölkerung durch Maueran­schlag mit, dah es während der A b w e s e n h e i t des B ü r g e r m e i st e r s Mar die Geschäfte sortsührt und für die Aufrechterhaltung der, Ordnung sorgt. Es schlicht daran die dringende Mahnung, Ruhe zu be­wahren. Der Sonntag ist vollkommen ruhig verlaufen. (Mar soll seines Postens enthoben sein.)

England der größte Feind des Islam.

K o n st a n t i n o p e l. Eine Sonderausgabe der angesehenen arabischen ZeitungAl Adel" beklagt sich darüber, dah die englische Regierung Aegypten vollständig isoliert habe, die Prinzen des Landes zuNr größten Teil in Gefangenschaft halte und indische Truppe n nach Aegypten gebracht habe. Aegypten ge­höre ganz und der Türkei. England habe es zu räumen und werm als der g r ö h t e Feind des Islams heute, seinen Lohn finden.

Tic Pcst uutcr den Japanern.

Aus Kristiania wird gemeldet: Einem Rund­schreiben des norwegischen Ministers für soziale Wohl - fahrt zufolge ist U. a. in folgenden Ländern die P e st aufgetreten: Vorderindien, Birma, Tonkin, F o r m o st a, Japan und Aegypten. Das Auf­treten der Pest in den englischen Kolonien ist deshalb besonders bedenklich, weil England durch seine angeb - lich nach Europa zu sendenden Hunderttausende von Hindus die Pest nach Europa verschleppen würde.

kin ftiller Mensch.

Roman von Paul Blitz.

Nachdruck verboten.

Alto Tn willst niUU?" fliest er endlich heraus.

Nein, ich will nicht! Ich verdiene mein Geld d-nm doch zu schwer, rnn es zum Fenster hinauszuwersen. Er­kläre Dich nur ruhig Deinem Vater, der wird seinem verzogenen Liebling schon ans der Patsche Helsen."

Der Haß, der kalte Haß spricht aus Dir!"

Mit finsterem Blick stand Britno da.Soll ich Euch vielleicht noch lieben? Dazu habt Ihr doch wahrhastig zu grausam an mir gesrevelt."

Ich glaube sogar. Du würdest Dich noch kreuen, wenn ich daran zugrunde ginae!" ries Kurt, dessen Er- reguna mehr und mehr zunahm

Würdest Du vielleicht weinen, wenn ich ans dem Leben mußte? Sicher nicht! Und übrigens bin ich sür Sentimentalitäten schon gar niebt zu haben. Dazu hat das Leben draußen mich zu sebr abgehärtet. Man geht nicht io leicht zugrunde, wie Du mir weismachen mochtest Und Leute Deiner Art schon gar nickt! Die finden immer noch eine letzte Rettung! So, nun wei' Du meine Meinung."

Kurt hatte sich erhoben.Mit anderen Worten: Du wirfst mich jetzt binaus!"

Bruno lächelte dazu.Aber bitte! Durchaus nicht! Wenn Du noch eine Tasse Kaffee mit mir trinken willst, bitte sehr! Nur reden wir nicht mehr von der Geld- angelegenheit."

Kurt stand unbeweglich da. Er war ratlos. Was nun? Was nun? Er sah, wie die letzte Hoffnung da- binsank, er sah, wie das Entsetzen, die Angst, der jähe Abgrund ihn ansticrte. Was nun? Was nun?

Noch einmal, noch ein letztes Mal wollte er es versuchen. Er drängte alle auskommende Erregung, al­len Stolz zurück uud machte sich klein, ganz klein.

Zitternd ergriff er des Bruders Hand, preßte sie an sich und flehte:Hilf mir doch, lieber Bruno! Dies eine Mal nur! Ich will es Dir nie im Leben ver­gessen! Bitte, bitte, hilf mir doch!" Und bebend sank er nieder aus die Knie,

Ter Kaiser bei den Schwaben.

Eine Krankenpflegerin in S t u t l g a r t weih von einem Besuch des Kaisers bei schwäbischen Berwun- delen im Lazarett zu L. eine hübsche Episode zu er­zählen: Der Kaiserschwäbelte" mit dan vielen Würl- lemvergcrn in der herzlichsten Weise. Er sagte dabei in schwäbischem^ Dialekt:Gelt, dene heul er's (habt ihr's) aber geba, ja, des weih i wohl, mit de Schwo- ba ischt net guät abandla (anbinden), dia saget's oim!" Nach dieser gut schwäbischen Einleitung suhl er fort: Ich soll euch Württembergern Grütze von euerm Kö­nig bringen. Ich habe ihn neulich in K. besuch!, und da gab? er mir viele herzliche Grütze an sein« lieben Schwaben aus," Alle stellten sie sich in ihren Kranken­betten, die biedern Schwaben, als der Kaiser in dieser traulichen Art sie anredetc, DerMonarch ging dann von Bell zu Bett und überreichte den Verwundeten mit einem Handschlag prachtvolle rote Rosen. Einige Zeit verweilte er am Lager eines jungen Kriegers, der mit lodernsten Augen zu seinem obersten Kriegsherrn aus­schaute und dabei erzählte, wo er seine schweren Ver­wundungen erlitten habe. Der Kaiser, fuhr dem schwer- verwundeten jungen Soldaten liebevoll mit der Hand über den Kops und sagte:Gott hilft, er ist mit uns im Osten und Westen; er wird auch dir helfen, mein Junge!" Kurz nachher trat auch der Generalstabschef v. Mvltkei in den Saal, in dem die verwundeten Schwaben lagen. Auch er begrühie sie alle mit Herz - lichen und aufmunternden Worten und berichtete sodann den gespannt lauschenden Verwundeten über die neue­sten S ege, die die deutschen Armeen errungen haben.

Ter letzte Gruß.

Ein verwundeter bayerischer Unteroffizier erzählte in Lindau folgendes: Im Elsah wars. Nach einem heihen; schrecklich heißem Ringen. Die Unseren stürm>- ten wie der Teufel aus den Feind. Nichts hielt sie zu­rück. Der Sieg war unser. Aber furchtbar teuer er­lauft. Rings lagen die Verwundeten, auch ich darün- 1er. Sie sehen, wie es mir ging. Und er zeigte seinen schrecklich hergerichteten Arm. Neben mir lag ein blut­junger Kamerad. Bleich wie der Tod. Karneyad, ries er mir, zu, hast Du einen Streifen Papier und eine Feder zum schreiben? Leider hatte ich wohl mein Dienst­buch, aber der Bleistift war im Kampfe verloren ge­gangen. Der Schwerverwun'dete aber, meinte lächelnd: Macht nichts, das Papier genügt. Und er ergriff einen Stmhchalm und tauchte diesen in sein eigenes Blut, das aus seiner schrecklich aufgerissenen Seite sickerte. Und die letzten Abschiedsworte lauteten:Marie, Du liebe, gute! Noch ein Stündchen vielleicht und ich lebe nicht mehr. Aber sei versichert, bis zum letzten Augenblick bin ich Dir treü geblieben, Dir und dem Vaterland. Behüt Dich Gott, grüh mir Alle, Alle, Geschwister, Vater, Mutter. Im Leben und Tod Dein Bräutigam." Nach einem Viertelstündchen war er tot. . . .

Vom 42 ein-Mörser.

Der militärische Mitarbeiter desBerliner Tagbl." schreibt über unsere 42 Zentimeter-Mörser: Ein törichtes Gerücht geht um, datz Arbeitsleistung und Lebensdauer des Unwiderstehlichen Geschützes nicht im rechten Ver­hältnis zu einander stehen. Wir glauben sagen dür­fen, dah es ausgeschlossen erscheint, dah das Seelen - rohr mit seinen Kühlungsbalken sich srühzeitig abnutzen wird. Bei der Herstellung hat man wohl darauf ge­achtet, die Ursache der Rohwusbrennung, die in der chemischen und mechanischen Wirkung der sehr heihen Pulvergase zu suchen sind, ans das denkbar geringste zw beschränken. Wie das geschah, ist deutsches Geheim­nis, und dem Gegner wird es nicht gelingen, während

Ruhig sah Bruno es an. Wie aus Stein ge­meißelt, so kalt blieb sein Gesicht. --- Da lag er

nun vor ihm im Staub, der Liebling der Gesell­schaft, der Stolz der Familie, nun rutschte er vor ihm auf der Diele herum, dieser elegante, verzär- telte Kulturmensch, vor ihm, dem stillen, dem störri- schen, eigensinnigen Bauern: und weshalb? lim die paar tausend Mark! ach, es war fast zum Lachen! Einen Augenblick war es ihm wie eine Genugtuung, wie ein leiser Triumph, aber plötzlich wurde ihm diese Szene zum Ekel.

Was soll das?" ries er hart.Steh" aus und sei kein Waschweib."

Sofort erhob sich Kurt.

Auge in Auge standen sie sich gegenüber.

Die so lange mit Gewalt zurückgehaltenc Erregung kam nun hoch in Kurt. Sein Stolz war tief verletzt. Er kam sich verächtlich, wie geschlagen vor.

Mi« vor Wut heiserer Stimme sagte er:Es tut mir leiv, daß ich Dich bemüht habe. Zwar hätte ich diesen Schluß eigentlich ja voraussehen können."

Nun also weshalb kamst Du überhaupt?"

Wieder sahen sie sich mit funkelnden, wilden Augen einen Moment lang stumm an.

Dann drehte sich Kurt um und ging mit flüchtigem Gruß davon.

Erst als er aus dem Wagen saß und heimwärts fuhr, kam ihm das Beschämende der ganzen Szene klar zum Bewußtsein. Er hätte jetzt heulen können vor Wut.

Doch auch diese Stimmung schwand bald dahin vor der Angst, vor der quälenden Angst.

Ratlos, der Verzweiflung nahe, saß er da. Kein Ausweq aus dieser qualvollen Situation keine Ret­tung, soviel er auch sann.

Nur das eine war ihm setzt klar: uir jetzt nicht nach Hause!

Jetzt würde er die fragenden Blicke der Seinen Nicht mehr ertragen.

So lohnte er bereits vor den, Tore des Städtchens den Wagen ab und ging zu Fuß weiter. Aber nicht durch die Straßen, sondern er wählte den Weg um den Wall, der zur Bahn führte.

der Dauer des Krieges ein Konkurrenzgeschütz zu bauen, (ctr. bin.)

Immer noch Kriegsfreiwillige. Trotz der Aufbietung des Landsturmes daueyn die Anmeld - ungen von Kriegsfreiwilligen noch ungemindert fort. Tie erreichten allein bei dem Eardekorps in der ver- flvffenen W-oche wieder die Zahl 13 200.

Der Polterabend des Kapitän! eul - n a n 1 s W e d d i g e n. Die Hochzeit des Kapitünleut- naitts Weddigen, der bereits imAugust mit seiner Braut kriegsgetraui wurde, sollle ursprünglich am 24. Sep - iember in der Hamburger Kirche staltfinden. Der Pol- lerabcnd war ans den 22. September angesetzt, also genau aus den Tag, an dem Kapilänleulnant Weddi­gen die drei englischen Kreuzer in den Grund bohrte.

S 1 r a tz b u r g, 27. Sept. DieStratzbuyger'Post" berichtet, nach demZüricher Tageblatt" vom 19. ds. Mts.: In L a n g e n d o r s ist eine erschöpfte Brief­taube eingesangen worden. In einem Gummiring an einem Füßchen eingeschlossen, tmg sie eine Botschaft an die französische Heeresleitung, welche über die Stellungen deutscher Truppen im Eisatz Ansschlich gab.

* Die Militärverwaltung in Halle a. S. hat zur Linderung der Not der Arbeitslosen den Weihen - selser Schuhfabriken einen Auftrag in Mili 1 ärst i e- feln für 2 Millionen Mark gemacht.

Einen Lazarettzug zur Abholung von Ver­wundeten hat am Donnerstag der Bezirksverein Düs­seldorf des Röten Kreuzes zum ersten Mal an die Front abgehen lassen. Diese Einrichtung war schon zu Friedenszeilen vorgesehen worden. Der Zug soll bei jeder Fahrt etwa 600 Verwundete abholen. Der Be­zirksverein hat die Ausstattung des Zuges in 24 Stun­den auisgeführt. Der Zug besteht aus 40 Eisenbahn - wagen.

Tie Dciltsch-Nmcrikaner gegen England und Japan.

9111 c Zeitungen der Vereinigten Staaten haben einen Aufruf veröffentlicht, der in stammenden Wor­ten gegen die Aufbietung der Japaner durch die Engländer zum Kampfe gegen Deutschland protestiert.

Der Dreiverband verteilt die Welt.

1. Ter russische Plan.

Von vertrauenswürdiger Seit« erhält dieVoss. Zig." aus B u k a r e st den russischen Plan der Ver­teilung der Beüte, bevor der Löwe erlegt ist Die Russen können gar nicht glauben, datz Frankreich be­siegt werden könne, und halten ihren eigenen Tieg schon sür ansgemacht. Der Plan, den st« sich zurechtgclegt ha­ben, lautet solgendcrmatzen:

Den Hauptaitteil erhält Rußland, indem es Galizien und den nicht rumänischen Teil der Bukowina annekttert, ferner die Moldau bis zum Sereth und mit Einschluß der Donau>-Müudungen, dann die ganze euro­päische Türkei und Kleinasien sowie Nordpcrsien.

England erhält Palästina und Arabien sowie die überseeischen Besitzungen Deutschlands.

Frankreich wird mit Elsaß-Lothringen abge­funden und mit der Tatsache der Zerflörung der deut­schen Flotte.

Belgien erhält Luremburg.

Serbien gelangt in den Besitz der südslawisch. Länder Oesterreich-Ungarns mit einem Zugang zum Adriatischcn Meer, wobei Dalmatien zwischen Serbien und Montenegro geteilt wird.

Er kam auch ungesehen weiter, nur kurz vor dem Bahnbos begegnete ibm der Steucrinsprkt ir, der ihn ehrerbietig grüßte, obschon er ihn ein wenig erstaunt ansab. ihn ans diesem einsamen Weg za finden.

Gerade als er den Perron betrat, lief auch der Zug ein.

Schnell sprang er hinein, sah gar nickt mehr, wie tief der Stationsvorsteher und Bahnhosswirt ihn grüß- ten, denn alle seine Gedanken waren schon in Berlin, wo er Hilfe er.wartete.

Und nun zuerst zu seinem Frennde Stettens viel­leicht wußte der ihm zu raten.

Aber der Weg war umsonst. Nnr der Bursche war daheim. Der Herr Leutnant habe Besuch ans der Hei­mat bckonimen und sei nach Potsdam gejahren.

Niedergeschlagen ging er weiter.

Was nun? -

Er zog die Uhr. Es war kurz vor sieben. Am be­ster- schon, er ging direkt in den Klub. Vielleicht tras er dort einen Freund, dem er sich erklären konnte.

Aber auch das war umsonst. Zwar waren gute Be­langte acnug da. die ihn mit offenen Armen willkom­men hießen, doch keinem von ihnen stand cr so nahe, daß -r zu ihm davon hätte sprechen können.

Es wurde auch gejeut, aber mir der Uitterhaltung wegen und nicht um grobe Summern

Enttäuscht ging er wieder fort.

Der Abend kam. Die Laternen stammten auf. In den Straßen wogte das Leben der Großstadt.

Planlos ging cr weiter und weiter.

Was sollte denn nun bloß werden?

Ratlos irrte er umher.

Plötzlich kam ihm eine Idee.

Drüben in der Französischen Straße, ganz versteckt lm Gartenhaus, wurde hoch gespielt. Er kannte diesen Privatklub von seiner Mililärzeit her. Man tras nicht gerade die beste Gesellschaft dort, manchmal sogar höchst zweiselhaste Existenzen, aber es wurden dort große Summen umgcsetzt: das wußte er genau.

Also dorthin jetzt: Noch einmal, das letzte Mal, einen großen Wurs gewagt!

Fortsetzung folgt.