schossen, dann aber von einem britischen Matrosen mit der Hand hochgehaltcn. Die Königsberg erlitt anscheinend keine oder nur eine geringe Beschädigung.
Wann Deutschland die Waffen niedcrlegt
(Ctr. Bin.) Der „Nieuwe Rolterdamsche Courant" vom 22. September bringt folgende Berliner Meldung: Anläßlich der unwahren Berichte über die Geneigtheit Deutschlands, sFyedensunterhändlungen - anzuknüpfen, kann mitgeteilt werden, daß der Reichskanzler am 6. September einem Reichslagsabgeordneten schrieb: „Unter diesen Umständen müssen wir durchhalten, bis die Sicherheit Deutschlands in der Zukunft ganz verbürgt ist."
Der Chef des Eeneralstabs v. M o l t k e schrieb am 7. September an dieselbe Adresse:
„Am Ende des Krieges muß unser Vaterland einen Frieden erworben haben, der mit den jetzigen beispiel - losen Opfern in Uebereinftimmung steht, die das deutsche Volk in seltener Einmütigkeit auf sich genommen hat, einen Frieden, der für ufrabsehbare Zeit von keinem Feinde mehr gestört werden kann."
Vom Krieg im Westen.
WTB. Großes Hauptquartier, 25. Spt., abends. Der Fortgang der Operationen hat auf unserem äußersten rechten Flügel zu neuen Kämpfen geführt in denen eine Entscheidung bisher nicht gefallen ist. — In der Mitte der Schlachtftont ist heute, von einzelnen Vorstößen beider Parteien abgesehen, nichts geschehen. — Ms erstes der S p e r r f o r t s südlich von Verdun ist heute Lamp-des -Romains bei St. Mihiel gefallen. Das bayerische Regiment von der Tann hat auf dem Fort die deutsche Fahne gehißt, und unsere Truppen haben dort die Maas überschritten.
Im übrigen weder im Westen noch im Osten irgend welche Veränderungen.
* * •
Poincarec in London.
Alle in Boädeaur erscheinenden französischen Blätter brachten übereinstimmend die Meldung, daß der Präsident P o i n c a r e e mit dem Ministerpräsidenten V i v i a n i und dem aus Paris zurückgekehrten Briand sich am 20. September nach London begaben, um mit den leitenden Männern Englands Rücksprache zu pflegen. (Etr. Bln.) t 0
Frankreich sucht Soldaten.
Der „Boss. Ztg." wird aus Bordeaur gemeldet: Da der gesamte Jahrgang 1914 bereits unter Waffen steht, hat die Regierung beschlossen, unverzüglich die 19jährigen Rekruten des Jahrs ganges 1915 einzuberufen. An alle Präfekten, Unterpräfekten, Bürgermeister und Ortsvorsteher ist der Befehl ergangen, die Listen bis zum 27. September fertigzuftellen. Die Aushebung soll alsdann in den ersten Tagen des Oktobers vor sich gehen, so daß die Einkleidung des Jahrgangs 1915 noch im Laufe des Oktobers erfolgen kann.
Frankreich ohne Verlustlisten.
Bis jetzt wurde keine offizielle Verlustliste in Frankreich veröffentlicht, aber jeden Tag kann man in den Zeitungen die Namen von Toten le-
Ein stiller Menlcb.
Roman von Paul B l i ß.
Nachdruck verboten.
Endlich bekam sie S1T n n >'t und ?raa<e «.t«he heraus: „Wa-t ist Ki,r<? ^-»rdlrnst mir etwas."
Er erschrak. Doch lächelnd antwortete er: „Du
ffestst Geivenster. liel-eK Tantchen. Ich vcrbcrae Dir nichts, absolut gar nichts."
Sie schwieg, i^ber ibre Nnriche wich nicht. Denn sie fühlte zu deutlich, datz er ihr doch etwas verheimlichte.
Ntlcich nach Tiich kam ibm eine rettende Idee.
Der Bruder! Wenn er ihm sein Herr anslchiittete, wenn er ihm alles beichtete! Vielleicht würde der ihm diesmal helsenl
Zwar sagte er steh wohl, dass wenia Aussicht dazu vorhanden war. und ebenso wurde es ihm herrlich schwer, gerade dort als Bittender zu kommen, aber schließlich waren sie doch Brüder, durch das Band deS Blutes rusammengcbalten: — ganz gleich, er tat es.
Megeu 3 Ubr subr er hinaus.
Ilm aber jedes Aufsehen und jeden Verdacht von vornherein abrulenkcn, nahm er nicht das Mesvann des Geschäfts, sondern ging von Hause zu Fuß weg und mietete >>ch erst am andere» Ende des Städtchens ein Fuhrwerk
Herzklopfend kam er in Schönau an. Nun erst empfand er das Peinliche, das Beschämende seiner Lage.
Als Bruno ihn kommen sah, war er ganz sprachlos. Was bedeutete denn nun das wieder? Erst der Vater und nun der Bruder. Sollte das vielleicht gar nochmals solche Komödienszenc geben wie letzthin? Das dürfte nett werden!
Schon die Begrüßung von seiten Brunos siel geradezu formell aus.
Aber dennoch raffte Kur! allen Mut zusammen und ging geradeswegs auf sein Ziel los.
„Staune nicht über mein Kommen," begann er mit bittenden Blicken, „wie Du mich hier stehst, bin ich in größter Not." i
sen, die von den Familien der Getöteten mitgeteilt wurden. Darunter befinden sich einige Generäle, man findet Oberste und höhere Offiziere in großer Anzahl. Auch einige Deputierte mußten bereits ihr Leben dem Vaterlande lassen, (ctr. mn.)
Vom Krieg im Osten.
Oestcrreichische Waffenerfolge.
Wien, 24. Sep. Der gänzliche Mißerfolg des serbischen Einbruches in Slawonien liegt jetzt klar zutage. Die Serben drangen in einer Stärke von mindestens 30 000 Mann in Slawonien ein und verschanzten sich in Wäldern, Kanälen und Gräben. Unsere Truppen rückten von zwei Seiten heran und bereiteten den Serben bei Jakowo und Alt-Pozug eine fürchterliche Niederlage. Syrmien ist von den serbischen Soldaten vollständig gesäubert. Es heißt, daß der Generalissimus P u t n i k die serbischen Truppen geführt habe.
* * *
Ein doppeltes Strafgericht über Serbien.
Da in Risch die Cholera immer mehr um sich greift, verlassen sehr viele Menschen die Stadt. Es verlautet, daß der Hof und die R e g i e r ü n g die Uebersiedelung nach U e s k ü b vorbereiten. — Täglich treffen in Risch große Sendungen von in russischer Sprache erscheinenden Soldatenzeitungen ein, welche ausschließlich Nachrichten über songesetzte russische, französische und englische Siege enthalten.
Die beherrschenden Höhen westlich Krapanj (Jogo- dajah, Biljeg, Crni, Vrh), um welche Tage lang erbittert gekämpft wurde, sind sämtlich im Besitz der Oesterreicher; der Widerstand der Serben wurde öebrochen.
Allerlei Uriegsnachrichten.
Der Herzog vonKoburg ist nach einem Aufenthalt von wenigen Tagen wieder zu seinem Regiment gereist.
Der Schwiegersohn' des Grasen Zeppelin, Hauptmann Eyaf Alerander von Branden st ein-Zep- p e l i n, erhielt das Eiserne Kreuz.
* Das Eiserne Kreuz wurde, wie wir Zeit- ungsmelduügen entnehmen, verliehen dem Prokurist E. Hosch von Offenbach, der als Leutnant der Reserve der 7. Kompagnie des Infanterie-Regiments Nr. 116 angehörte.
* Hugo> v. Nordeck zur Rabenau, Hauptmann uüd Führer im Reserve-Jnfanterie-Regi - ment Nr. 81, ist gefallen. Er war zuerst Leutnant im Jägerbataillon Nr. 11 in Marburg a. d. L. und dann sieben Jahre lang in der Schutztruppe in Ostafrika.
Russische Stimmen gegen England.
Die „Nowoje Wremja" polemisiert in einem Arttkel gegen die englischen Staatsmänner und macht ihnen zum Vorwurf, daß England nicht seine ganze Kraft bis zur restlosen Vernichtung dey d e u t- schen Militärmacht einsetze. Offenbar sehe England in der Erhaltung des Deutschen' Reiches ein nützliches Gegengewicht gegen die jetzigen Verbündeten, insbesondere Rußland. (Ctr. Bln.)
* Auf d e m Felde der Ehre gefallen ist der Er. Oberhofmarschall Major Freiherr von U n g e r n - S 1 e r, n b e r g, der vor ungefähr 14 Taigen als Kommandeur eines Ersatz-Bataillons des Jn°
' Schwelgend in eistger Ruhe, stand Bruno da.
„Alle meine Hilfsquellen sind erschöpft. Ich weiß mir absolut keinen Rat mehr. Deshalb komme ich nun zu Dir."
„Natürlich, der Notnagel bin ich Euch ja immer nur gewesen," klang es bitter zurück.
„Lieber Bruno, ich bitte Dich, jetzt nicht in diesem Ton! Es handelt sich bier um meine Eristenzfrage! Also sag', darf ich ganz offen zu Dir sprechen?"
„Wenn es sein muß, — bitte."
Sie setzten sich gegenüber, lind Kurt begann schweren Herzens zu beichten. Mit bebenden Lippen erzählte er alles, was er getan. Nichts verschwieg er. Sein ganzes leichtsinniges Handeln enthüllte er hier schonungslos und klagte sich vor dem Bruder an.
Der hörte ihn zuerst mit Verwunderung, dann mit wachsendem Erstaunen an Manchmal mußte er sogar an sich halten, um nicht zu lachen. Solche Dummheiten, solchen bodenlosen Leichtsinn begriff er absolut nicht. So konnte nur jemand handeln, der keine Ahnung vom Wert des Geldes hatte, der nie im 01 Vn einen Taler selber zu verdienen imstande war. S^.»t gab es keine Erklärung dafür.
Als Kurt zn Ende gesprochen, sah er den Bruder fragend an:
Der sagte nun: „Ja, da ist doch die einfachste Lösung, Du erklärst Dich dem Vater."
„Das ist nicht möglich, Bruno! Du hörst ja. daß Papa vor jeder Aufregung bewahrt bleiben soll."
„Nun, so geh doch zu Deinen reichen Freunden, mit denen zusammen Du Dein Geld verjubelt hast. In solchen Situationen pflegt man sich ja in diesen Kreiser, auch gegenseitig herauszureißen."
Kurt wurde rot vor Aerger, aber er nahm sich zusammen. Noch einmal bat er: .Bruno, laß doch in diesem Augenblick den ironischen Ton. Du kannst doch den Ernst meiner Lage nicht verkennen."
Ruhig erwiderte der Aeltere: „Wer hat Dich in diese Lage gebracht? Wer anders als Du?"
„Nun also rund heraus, willst Du mir Helsen?"
„Was denn? Hast Du Dir vielleicht einen Moment eingebildet, ich würde Dir die 12 000 Mark geben? Hast Du das wirklich auch nur einen einzigen Augenblick ernsthaft glauben können!?"
faitterie-Regimenls Nr. 115 in das Feld rückte. Der Dahingegangene stand bei Beginn des Krieges im 55. Lebensjahre und machte, nachdem er sich freiwillig in den Dienst des Vaterlandes gestellt hatte, als Major seines früheren Reginients den Feldzug mit.
Präsident Wilson bemüht sich nicht mehr.
Washington. Im Weißen Hause erklärt man, daß Präsident Wilson einstweilen keine Versuche unternehmen wird, um den Frieden zwischen den
Kriegfichrenden zu vermitteln, sondern zunächst eine bestimmtere Aeußerung des einen oder anderen abzuwarten, da es nicht mit der Neutralität der Vereinigten Staaten vereinbar fei, auf die Kriegführenden mit Friedensvorschlägen einen Druck auiszuübcn.
warme Unterkleider für die Truppen.
Von sehr geschätzter Seite wird der Dcutschbn Tageszeitung geschrieben:
Unser Kronprinz begehrt telegraphisch große Mengen wollener Strümpfe und Unteckleider für seine Sol - baten!
Die Armee des Kronprinzen wird binnen kurzem mit den gewünschten Sachen in reichlichen Mengen vev- sehen sein, wie sie bereits Zigarren und Tabak erhalten hat. Es geht also! Wey aber sorgt für die anderen Armeen, denen Tabak ebenso angenehm und Strümpfe, Hemden usw. ebenso notwendig sind? Daß Strümpfe und Hemden nach eineinhalbmvnatigem Kriegsdienst mit außerordentlichen Marsch- und Gesechtsleistungen un - brauch-bar geworden sein müssen, daß mit Eintritt der kühleren und kalten Jahreszeit wollen« Unterkleider von Nöten find, müßten wir uns allein sagen; dazu hätte es nicht erst der Mahnung eines Heerführers, wie unseres Kronprinzen, bedürfen müssen.
Wa; ist nun bisher geschehen? EinzelsenduNgen von Angehörigen an Soldaten nimmt die Feldpost nicht an. Die Bahnlinien sind mit Heranschaffung von Munition und Verpflegung für das Herr sowie mit Nachschüben stark in Anspruch genommen. Es müßten, wenn die Bahnlinien versagen, andere Mittel imd Wege zur Erreichung des Zweckes- gefunden werden. Das Nöte Kreuz, dem ja der Löwenanteil aller Sammlungen zufließt, soll, wie Gräfin U e r k ü l l in den Zcttungen berichtet, erst 6000 wollene Jacken- bisher ins Feld geschickt haben. Das ist bei Unseren Millionenheeren gleich Null. Dabei ist anzUnehmen, daß es dem Roten Kreuz an Vorräten aus Lager nicht fehlt. Wo bleibt der Organisator, der den ungewöhnlichen Schwiengketten zuin Trotz neue Wege zu ihrer Ueberwindung findet ? Die Schwierigkeiten müssen überwunden werden, und zwar schnell; denn die kalte Jahreszeit rückt besonders im Osten im Geschwin-dschritt heran. Ander« Rückfühten müffen schweigen. Die geeigneten Persönlichkeiten müssen gesunden und gewonnen werden, ganz gleich, woher. Organisa - ticnstalente sind angeboren und die damit Behafteten sind nicht dick gesät; ihnen muß aber der Weg frei ge - macht werden!"
Inzwischen wird vcn Berlin die folgende Kund - gebuNg verbreitet, deren Inhalt wir, gestützt auf zahl' reiche Zuschriften, aufs wärmste empfehlen, mit dem Hinzufügen, daß eine solche Organisation möglichst sofort in Kraft treten müßte.
Auf Anregung Ihrer Majestät der Kaiserin und in Uebereinftimmung mit den Wünschen des Kriegsmini -steriums hat das Zentral-Komitee vom Roten Kreuz (Berlin, Reichstag) einen besonderen ^triegsausschuß für warme Untcckleidung" eingesetzt. Sein« Aufgabe lautet 7
„Ja, Bruno, und ich glaube es immer noch!"
Laut, schallend, im bitteren Hohn lachte Bruno auf. „Wirklich! Du bist, weiß Gott, noch ein großes Kind!"
Bebend vor Angst, wie ein gehetzter Mensch, der die letzte erhoffte Rettung wanken sieht, stand Kurt da. Noch einmal fleht er: „Sei doch gut. Bruno, laß Dich doch erweichen, bils mir doch dies eine einzige Mal! Wir sind doch Brüder!"
„So? Fällt Dir das jetzt plötzlich ein?"
„Bruno, ich bitte Dich, Hab Erbarmen!" 7
„Wer hat damals mit mir Erbarmen gehabt? Damals, als ich in die weite Welt hinaus mußte. Wer? Niemand von Euch! Ruhig habt Ihr mich ziehen lassen, froh, den finsteren Burschen los zu sein! Und nun kommst Du und verlangst von mir Erbarmen! Mit welchem Recht denn?"
„Ich verlange ja nichts, Bruno! Ich bitte ja doch nur! An Dein gutes Her; appelliere ich!"
„Wer sagt Dir denn, daß ich ein gutes Herz habe? Nun? Habt Ihre alle nicht reichlich dafür pesorgt, daß jeder Funke menschlichen Gefühls in mir erstickt ward? Ich glaube, daß ich damit nicht zu viel sage!"
„Vergiß das alles doch, Bruno? Das kann ja alles anders werden!"
„Ach! Meinst Du das? — Nein, mein Lieber, da bist Du gewaltig im Irrtum! Nieinals kann das mehr anders oder besser werden, denn so was vergeffe ich: nicht, — jawohl! ich nicht!"
Bebend stand Kurt noch immer da. er kielt sich an! einer Stuhllehne fest, er mußte etwas in der Hand j haben, was er drücken konnte, was er fest umklammern: konnte, denn er fühlte, daß seine Beherrschung schon im ' Schwinden war.
Noch einmal versuchte er das Lebte. Ich gebe Dir i mein Wort, daß ich Dir das Geld mit Zinsen zurück- ! zahle." versicherte er.
Bruno aber fuhr aus: „So? Und ich glaube daS f einfach nicht!"
Bleich und zitternd stand Kurt da und starrte sei- j nen Bruder an.
Fortsetzung folgt.


