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I Verlag der „v l «ft ,» er Zeit«»«" S. «. b. H.
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ver. 78.
Samstag, oen 26. September 1914.
(«irsteuer Tageblatt)
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t-lephon Nr. 363. 26. Jühkg.
V*tn Weltkrieg.
4 389571» 000 Mark Kriegsanleihe. Das erste Sperrfort bei Berdnn erobert.
S. M. S. „U 9", „U 21", „Königsberg" «nd „Emden". Die Serben wieder geschlagen.
Das endgültige Ergebnis der deutschen Kriegsanleihe.
Berlin, 23. Sept. (Amtlich.) Auf die Kriegsanleihe sind gezeichnet worden:
1 318 199 800 Mk. Reichsschatzanweisungen, 1 177 205 000 Mk. Reichsanlcihe mit Schuldbucheintragung,
1 894 171 200 Mk. Reichsanlcihe ohne Schuld buchetntragung,
Zusammen 4 389 576 000 Mk.
Das endgültige amtliche Ergebnis hat noch eine um nahezu 200 Millionen Mark höhere Zisser ergeben, als bisher bekannt geworden war. Nahezu 4,40 Milliarden Mark sind dem Reich innerhalb der kurzen Zeichnungssrist zur Verfügung gestellt worden. Dieser über alles Erwarten glänzende Erfolg sucht in der Fi- nanzgeschichle seinesgleichen. Er ist eine Tat des ganzen deutschen Volkes, das damit das unerschütterliche Zutrauen in das Reich kundgegeben hat. Den Kämpfern im Felde draußen mag dieser Erfolg ihren Stolz und ihre Freude mit dem Bewußtsein steigern, datz sie für ein Reich kämpfen, das ihnen ein deutliches Zeichen seiner, gewaltigen wirtschaftlichen Macht goib. Und unsere Feinde sind wieder um eine Ent - täuschung reicher geworden.
Der Betrag/ der Reichsschatz anweisun- gen, der aüf eine Milliarde sestgesetzt war, ist um 318 199 800 Mk. überzeichnet worden, so daß die Zeichnungen nicht voll zugeteilt werden können. Besonders erfreulich ist die hohe Summe der S ch u l d b u ch e i n- tyagungen; allein 1 177 205 000 Mk. Reichsanleihe sind zur Eintragung ins Reichsschuldbuch gezeichnet worden, das ist über ein Drittel des auf die Kriegsanleihen gezeichneten Betrages. Diese Schuldbuchzeichmmgen haben eine Sperrveipfkichtung bis züm 15. Älpril 1915. Diese 1,17 Milliarden Mark, die dem Reich zur Ein- tragimg ins Reichsschuldbuch überlassen wurden, werden nicht zum Umlauf in Handel rmd Verkehr gebraucht. Damit erfährt der Markt der Anleihe eine wesentliche Entlastung, die einen günstigen Einfluß auf die Kurs- Höhe uUd die Stetigkeit des Kurses der Anleihe haben wird. Der große Erfolg der Kriegsanleihen ist auch ein Erfolg unseres finanziellen Eeneralstabs, des Reichs - bank-Direktoriums.
Deutsche Siege zur See.
WTB. Berlin, 23. Sept. Das deutsche Unterseeboot „U. 9" hat am Morgen des 22. September etwa 20 Seemeilen nordwestlich von Hoek van Holland drei englische Panzerkreuzer „A b o ü k i ch, „H mg u e" und „L r e s s p“ zum Sinken gebracht.
Der stellvertretende Ehes des Admiralstabes: B e h n k«.
Das Unterseeboot U 9 und seine Besatzung sind Unversehrt zurückgekehrt.
Zur Besatzung des UMerseebootes U 9 gehören Kapitänleutnant Weddigen (Otto), Kommandant: Oberst. z. S. Spieß; Marine-Ingenieur Schön; Ober- steuermann Träbert; Obermaschinisl Heinemann; Boots- mannsmaate Schoppe und Hör; Matrosen Geist, Rosemann, Schenker, Schulz; Obermaschinistenmaate Marlow, Stellmacher, und Hinrichs; Maschinistenmaalc März und Reichardt; Obermaschinisten-Anwärter Wollenberg und v. Koslowski; Oberhcizcr Eisenblättcr und Scküsch- ke; Heizer, Karbe, Schober, Lied, Köster und Wollstclt ;
Funkenheizer Sievers. —
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Die kühne und mutige Tat des „U 9" ist natürlich sogleichs gebührend belohnt worden. Kapitänleutnanl Weddigen erhielt das Eiserne Kreuz 1. u. 2. Klasse, alle übrigen Helden das Eherne Kreuz 2. Klasse.
Etwa 270 von den geretteten Mannschaften der 3 durch U 9 in den Grund gebohrten englischen Kreutzer sind' nach dem holländischen Internier
ungslager von Eaasterland gebracht worden, wo sich schon die belgischen Internierten befinden. Die amtlichen englischen Stellen nehmen an, daß nur 700 Mann gerettet sind. In Holland ist auch der Kommandant der Hogue, der das Geschwader führte, interniert.
London, 24. Sep. Die „Times" schlägt anläßlich des Unterganges von drei Kreuzern vor, d i e deutsche K ü st e mit einem Minengürtel zu umgeben, um den Feind einzüschliehen.
London, 24. Sep. „Daily Mail" meldet über den Untergang der Kreutzer folgende Einzelheiten: „Aboukir" wurde im Kohlenraum von einem Torpedo getroffen. „Cressy" wurde durch den ersten Schuß nicht ernstlich beschäftigt, obwohl die Erplofion heftig war. Während die Rettungsboote aüsgesetzt wurden, -stand die Mannschaft bei den Geschützen und gab einen Schuß auf das Periskop eines Unterseebootes, das wenige Sekunden sich zeigte, ab. Nachdem die „Cressy" von einem zweiten Schuß tödlich getroffen war, warf die Mannschaft Stühle und Tische über Bord, unr sich daran festzuhalten. Die Besatzung der drei Kreutzer zählte insgesamt 2734 Mann.
Die deutsche Flotte hat einen Beweis für die Leistungsfähigkeit der Unterseebootswafie geliefert, der in ganz Deutschland jubelnde Freude aüsgelöst hat und der den Engländern eine Anregung zU neuem Nachdenken über das Stärkeverhältnis beider Seemächte liefern «ird. Man versteht in Deutschland sehr gut, .daß die deutsche Flotte jetzt noch die schwierige, besondere Geduld und^AUsdauer, erfordernde Aufgabe hat, in ihrer Hauptstärke zurückhaltend und abwartend zü bleiben. Man versteht es, und so wenig wie die deutsche Flotte wird das deutsche Publikum aus die Versuche der Engländer, unsere Ungeduld zu reizen, hereinfallen. Aber hinter dem geduldigen Warten steht auch die allgemeine Erkenntnis, daß England recht eigentlich „der" Feind ist, weil England das Komplott zur Vernichtung unserer nationalen Zukünft in kalter Berechnung vorbereitet und geleitet hat. Daß England uns, wenn es könnte, wieder in die alte Ohnmacht zurückschlendern, unsere ^Veltstellung vernichten, unfern Ueberseehandel, unsere Schiffahrt ruin e- ren würde, das weiß heute jeder Deutsche. Daher der besondere Jubel bei jeder englischen Niederlage, daher die Begeisterung ob der beispiellos kühnen Tat des U 9 unter ihrem tapfern Kapitänleutnant Weddigen. In die Freude über das Erreichte mischt sich die srischge - näl,r,te Gewißheit, daß die Macht der Ziffer durch dre Güte der Waffe und die Geschicklichkeit der Führung ausgeglichen werden kann, daß wir der englischen Rie- senfllotte empsindliche Schäden beibringen können. Nach einer auf Angaben der englischen Presse beruhenden Berechnung sind von der englischen Flotte bis jetzt vier Panzerkreutzer, fünf geschützte Kreutzer, drei Torpedobootszerstörer, ein Torpedoboot und ein Schulschiff mit zusammen 72 000 Tonnen Verdräng vernichtet. Ein güter Anfang!
Berlin, 23. Sept. (Tel.) Die erfreulich« Tatsache. daß die englische Flotte drei ihrer Panzerkreutzer verloren hat, erscheint hiernach um so bedeutungsvoller, als es ein einziges deutsches Unterseeboot war, das uu- serm Feinde diesen schweren Schaden zugesügt hat. Die drei Panzerkreuzer sind 1900 vom Stapel gelaufen und vielleicht 1901 oder 1902 in die Front eingctretcn. Ihre Wallerverdränceung beträgt 12 200 Tonnen, die Geschwindigkeit 2~1 bis 22 Meilen. Die Bestückung besteht, wie schon erwähnt wurde, aus je zwei 23,4 Zentimeter-Geschützen, zwölf 15 Zentimeter-Geschützen und zwölf leichten 7,6 Zentimeter-Geschützen. Die Schiffe siird außerdem mit je zwei Unterwasser-Torpedorohren ausgerüstet. Die Masfchinen (Kolbenmaschinenl cickwickeln 21 000 PK und treiben zwei Schrauben. Die Länge der Kreutzer beträgt 134 Meter, die Breite 21 Meier, der Tiefgang 8 Meter. Bei einer Besatzung von je 755
^rann wuroe ,ny eine Gesamtbesatzung von 2200 Mann ergeben. Ueberlebende berichten, daß etwa drei Mertel .Besatzung ihr Leben eingebüßt haben. Nach einer englischen Meldung und auch nach Privalnachrichten sollen auf deutscher Seite mehrere Unterseeboote beteiligt gewesen seikl. doch ist dies, wie au's obiger amtlicher Meldung hervorgeht, nicht richtig. Einzig und allein unser Boot U 9 kommt in Frage, und lediglich seinem tapferen Kommandanten und seiner tapferen Besatzung ist dieser herrliche Erfolg zu danken. Der Kommandant des Bootes ist Kapitänleutnant Otto Meddi- gen aus Herford. Er ist 1901 in die Marine eingetreten, jetzt 32 Jahre alt ünd hat in den letzten Jahren als Unterseebootsoffizier bezw. -kommandaM, sowie auch als Flaggenleutnant bei einer U-Boot-Flottille Verwendung gesunden. Erwähnt sei auch, datz er die Rettungsmedaille am Bande tragen darf. Ueber den Kampf selbst verlautet, daß der erste Angriff auf den Panzerkreuzer Aboukir bei Hellem, klaren Wetter um 6 Uhr früh erfolgte; das Schiff soll in 5 Minuten gesunken sein. Die beiden anderen Schiffe beteiligten sich an der Rettung der Ueberlebenden, doch dann ereilte das Schicksal auch die „H o g U e", die nach 3 Minuten untergegangen sein soll, und gegen 8 Uhr auch die „C r e s s y", nachdem es den Engländern inzwischen klar geworden, daß die anfängliche Annahme, die Aboukir sei auf eine Mine gelaufen, nicht zutcaf.
Das Wiener Ertrablatt schreibt: Vor wenigen Tagen klagte eine englische Marinegröße wehmütig darüber, daß, wenn England das Meer beherrsche, Deutschland' den Meeresgrund beherrsche; und sofort liefert Deutschland Beweise für die Richtigkeit dieser Klage. Die Nachricht wird überall in Deutschland und Oesterreich - Ungarn mit freudigstem Jubel begrüßt werden. Sie ist ein neuerlicher Beweis für; die absolute Ueberlegenheit der Verbündeten beider Kaiserreiche auf allen Gebieten.
Wie von amtlicher Stelle mitgeleilt wird, ist der Verlust des englischen Kreuzers P a t h f i n d e r, der am 5. September vor dem Firth of Forth unter - ging, ebenfalls auf ein deutsches Unterseeboot zurückzu- führen. Es war dies U21, Kommandant Oberleutnant zur See H e r s i n g.
WTB. Madras, 23. Sept. Der deutsche Kreutzer „Emde n" hat, wie weiter gemeldet wird, bei dem Bombardement 9 Schuß aogegeben. Er traf die Tanks der „Birma Oil Compagny", von denen zwei brennen. 1 y 2 Millionen Gallonen Del sind verloren. Auch das Telegraphenamt und das Seemannsklubhaus wurden getroffenf Ein englisches Fort erwiderte das Feuer. „Emden" löschte die Lichter und verschwand nach 15 Minuten.
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Kapstadt, 23. Sept. (Telegr.) Folgende Einzelheiten über das Gefecht zwischen dem englischen Kreuzer „P e g a s u s" und dem Kleinen Kreuzer „K ö- n i g s b e r g" bei Sansibar werden amtlich be - kanntgegeben:' Die Königsberg näherte sich am Sonntag' früh um 5 Uhr mit hoher Geschwindigkeit und machte ein britisches Wachtboot durch drei Schüsse kampfunfähig. Dann eröffnete die Königsberg aus etwa 8000 Meter ein wohlgezieltes Feuer auf den „P e g a f U s" und setzte dieses bis auf 6000 Meter Ent- sernung fort. Die Breitseite des „Pegasus" stand un - ter der Feuerwirkung und wurde in 15 Minuten zum Schweigen gebracht. Nach einer Kampfpause von fünf Minuten eröffnete die Königsberg das Feuer von neuem, das eine Viertelstunde wähne. Der Pegasus war nickt in der Lage, das Feuer zu erwidern. Beinahe alle Verluste der. Engländer traten bei den Geschützen aus dem oberen Deck ein. Das Sckiff, das mehrere Treffer in der Wasserlinie erhalten hatte, legte sich stark auf die , Seite. Die britische Flagge wurde zweimal bcruntergc-


