Ausgabe 
16.9.1914
 
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Nr. 75,

Mittwoch, den 16. September 1914. releph°n N«. M 2 . 26. Jahrg.

Vorn LVeltkrieg.

Die russische Nordarmee vernichtet Deutsche Verwaltung im russischen Gouvernement Tuwalki. Die Hauptschlacht in Frankreich zwischen Paris und Verdun. Englands eigene Feinde.

Vom Krieg im Westen.

WTB. Großes Hauptquartier, 15. Sep., abends. Der auf dem rechten Flügel lies Westhee--. res feit zwei Tagen ftattfindendc Kampf hat sich heute vuf die nach Osten anschließenden Armeen bis nach Verdun heran ausgedehnt. An einigen Stellen des ausgedehnten Kampffeldes waren bisher Teil-Er­folge der deutschen Waffen zu verzeichnen. Im übrigen steht die Schlacht noch.

Unter der UebcrschriftEule Aussichten im Westen" veröffentlichte vorgestern abend derBerliner Lok.-Anzei- ger" «ine augenscheinlich halbamtlich beeinflußte Aus - laffung, in der es u. a. heißt: Das Größte steht noch aus. Wir wissen es alle. Bei den Kämpfen, die je tz t zu schlagen sind, werden sich die Franzosen bis anfs Blut wehren, denn auch sie wissen, worum es geht. Ihre Feldarmee ist der letzte Schutz Frankreichs, bricht er zusamnien, so ist damit ein Zusammenbruch da, ge­gen den der von 1870 verblaßt. Feige sind die Fran­zosen nie gewesen. Ein erbittertes, zähes Ringen steht bevor, vielleicht ein Ringen, das uns auf eine schwere Charaklerprobc stellt als wir sie bisher zu bestehen hat­ten. Der Krieg mit einem kriegerischen Volk, das Rach­gier, Stolz, Eitelkeit und die gerechtfertigte Besorgnis, ausgclöfcht zu werden aus der Reihe der Großmächte, zu den äußersten Leistungen ausslachelt, ist kein Kin­derspiel, mrd es ist auch gut, daß es das nicht ist. Höch­stes wird von uns verlangt. Aber wir dürfen die un­bedingte Zuversicht haben, daß wir auch die schärfste Probe bestehen werden. Unsere hohen militärischen Stel­len, deren besonnene und bescheidene Selbstkritik wir alle in diesen Wachen aufs dankbarste achten gelernt haben, surd von unbedingter Zuversicht für das End­ergebnis erfüllt. Dies aussprechen zu dürfen, bedeutet noch nicht, den endgültigen Sieg zu verkünden, aber es bedeutet, ihn als unbedingt sicher anzukünden.

Die B. Z. a. M. schreibt: Das gemeldete Zurück- weichen des französischen Durchbruches ist sür die deut- sche Heeresleitung außerordentlich wichtig, da die Fra n- Zofen nun voraussichtlich über keine frischen Kräfte mehr verfügen. Deshalb kann auch die Ab­weisung des Durchbruchs als Vorstufe sür den schließ - lichen segensreichen Ausgang des ganzen Kampfes be­trachtet werden.

In Belgien ist vorgestern ein A u s s a l l aus Antwerpen, den 3 belgische Divisionen unternah - men, zurückgeschlagen worden.

Zahlungsschwicrigkeileu in Frankreich.

Rach der Vossischen Zeitung verschärft sich die s i - n a n z i e l l e Lage in Frankreich unheimlich schnell zu einer Zahlungskrisis. Rach Pariser Jnfor- mattionen werden die Coupons der Stadtanleihen und Pfandbriefe vom Credit Foncicr nicht bezahlt.

«

IWäs plant Eeiicral Pan?

General Pan, der an der Südoslgrenze Frank- ceichs das 7. französische Armeekorps mit Gcneyalquar- icr in B e s a n c o n uud das letzten Herbst geschaffen« kl. Armeekorps mit EeneralqUartier in E p i n a l kom- nandiert, sowie das 8. Armeekorps mit Generalquär- ier in Dijo n, war vorgestern in Lons - le - Sau- rier, dem Hauptort des Iuradepartements. Lons-Ie- oaunier liegt von Dijon oder Besancon noch etwa 60 >is 70 Kilometer südlich. In der Schweiz scheint rnan cn die Möglichkeit! eines französischen Ein- 'ruchversUches in die Schweiz zu glauben.

Zeichnet die Kriegsanleihe!

Vom Krieg im Osten.

Reue Erfolge.

WTB. Großes Hauptquartier, 14. Sep. (Amtlich.) Generaloberst v. Hindenburg telegra­phiert an Se. Majestät: Die Milnaer Armee (2., 3.,

4. und 20. Armeekorps, 3. und 4. Reservediviston, 5. Kavalleriedivision) ist durch die Schlacht an den M a - surischen Seen und die sich daran anschließende Verfolgung vollständig geschlagen. Die Grodnoer Re­servearmee (22. Armeekorps, Rest des 6. Armeekorps, Teile des 3. sibirischen Armeekorps) hat in dem Gefecht bei Lyck st a r k e Berluste an Toten und Verwun­deten erlitten. Die Zahl der Gefangenen steigert sich, die Kriegsbeute ist außerordentlich. Bei der Frontbreite der Armee von über 100 Kilometern, der. ungeheuren Marschleistung von zum Teil 150 Kilometern in 4 Ta­gen, bei den sich aus dieser Kampssront abspielenden Kämpfen kann ich den vollen Umfang des Sieges noch nicht melden. Einige unserer Verbände sind scharf ins Gefecht gekommen, unsere Verluste sind aber doch nur gering. Die Armee war siegreich auf der ganzen Linie gegen einen hartnäckig kämpfenden, aber schließ - lich jliehenden Feind. Die Armee ist stolz darauf, daß ein kaiserlicher Prinz in ihren Reihen gekämpft und ge­blutet hat.

gez.: v. Hindenburg.

WTB. Berlin, 13. Sept. (Amtlich.) In Ost­preußen ist die Lage hervorragend gut. Die russi­sche Armee flieht in voller Auslösung. Bisher hat sie mindestens 150 Geschütze und 2 0 bis 3 0 0 0 0 unverwundete Gefangene verloren.

Das unter deutsche Verwaltung gestellte russische Gouvernement S u w a l k i grenzt an die Provinz Ost - preußen zwischen Lyck und dem Riemen. T«s Gouver­nement hat einen Flächeninhalt von 12 500 Quadrat­kilometern, ist also annähernd so groß wie das König­reich Sachsen.

In Oberschlesien verbreitete. Gerüchte über drohende Gefahr sind nicht begründet.

Oesterreichische Waffenerfolge.

Der frühere Krieqsminister Frhr. Schoenaich schreibt in derNeuen Freie Presse" zu der gegenwär­tigen Kriegslage im Osten:

Wir stehen in Galizien im Kampf mit einer nahezu doppelten nummerischen Ueberlegenheit. Wir sind in den harten Kämpfen nicht geschlagen worden, son­dern haben uns, trotz der Ungunst der Lage, noch im­mer nach freiem Entschluß, vom Feinde unbelästigt, auf sehr kurze Strecken zurückgezogen, immer von neuem den Kampf ausnehmend. Die nummerische lieber» legenhei 1 können wir kaum ausgleichen, aber der Kampfesmut unserer Truppen hat ihre Leistungen bedeutend erhöht und den Mut unseres Gegners, ohne dessen Tüchtigkett in Zweifel zu ziehen, bedeutend ge­mindert.

Wien, 15. Sept. (Tel.) Der Kriegsberichterstat­ter derZeit" meldet: Der Abmarsch unserer Truppen

in neue Stellungen ist in vollständiger Ruhe und ohne Belästigung seitens des stark erschöpsten Gegners er­folgt. Die Tncppen sind mit dem Bewußtsein abgezo­gen, einen Erfolg errungen zu haben, da sie 80 dem Feinde abgenommene Geschütze und über 10 000 Gefan­gene mitführen. Die neue Stellung i st b e r e i ts bezogen worden. Der Geist der Truppen ist trotz des schlechten Wetters vorzüglich. Die Armeen Dankt und Aüffenberg haben sich mit 8er Hauptarmee ver­einigt.

WTB. Wien, 13. Sept. Amtlich wird bekannt- gegeben: In der Schlacht von Lemberg gelang es un­seren an und südlich der Grodeker Chaussee eingesetzten Strcitkräften, den Feind nach fünftägigem harten Rin­gen z u r ü ck z u d r ä n g e n, an 10 000 Gefangene zu machen und zahlreiche Geschütze zu erbeuten. Dieser Er­folg konnte jedoch nicht voll ausgenutzt werden, da nu­fer Rordflügel bei Rawaruska von großer Uebcrmacht bedroht wurde, überdies neue russische Kräfte sowohl ge­gen die Armee Dank! als auch in dem Raum zwi­schen dieser Armee und dem Schlachtselde von Lemberg vordrangen. Angesichts der sehr bedeutenden Ueberle - genheit des Feindes war es geboten, unsere schon seit 3 Wochen fast ununterbrochen heldenmütig kämpfende Armee in einen guten Abschnitt zu versammeln und sür weitere Operationen bereitzustellen.

Das Oesterreich-Ungar. Generalkonsulat Frankfurt a. M. hat folgende Erklärung ausgeqeben:

Russischer Generalstab versucht in langatmigen zu- sammensässende-n Auseinandersetzungen Siege der Armeen Dank! Und Aüffenberg zu leugnen, Hüter sich aber wohlweislich die Tatsache zu dementieren, daß unsere Truppen südlich Lublins und bei Komarov viele zehntausende Gefangene gemacht und ungefähr 300 Kanonen erbeutet haben.

Serbischerscits behaupteter Sieg an unterer Drina ist glatt e r s u n d e n. In Syrmien eingefallene Ser­ben erleiden eine Niederlage nach der anderen. Volle Säuberung Syrmiens im Zuge.

Hungersnot in Serbien.

Wien, 15. Tep. Berichten aus Risch zufolge ist die innere Lage in Serbien verzwei­felt. Die Serben geben ihre bisherigen Verlust« auf 25 000 Wann an. Schrecklich ist der Hunger, der im Lande herrscht.

Revolution in Indien.

Der deutsche Konsul in Aegypten meldet amtlich:

Bis morgen müssen die deutschen und österreichi­schen Konsuln Aegypten verlassen, die übrigen Deutschen stehen unter schärfster polizeilicher Aufsicht. Sie glauben, demnächst auch ausgewicsen zu werden. Bei den Eng­ländern macht sich eine starke Nervosität bemerkbar: vor, allem befürchten sie einen Angriff der Türkei auf Aegyp­ten. Die in Aegypten seit dem 25. August erwarteten 40 000 bis 50 000 Mann indischer Truppen sind noch nicht eingetroffen. Heber ihr Verbleiben laufen verschie­dene Gerüchte um. Einige behaupten, die Cholera, an­dere, ein Aufstamd sei in Indien ausgebrochen."

Dieses Telegramm wird ergänzt durch eine amt­liche Meldung der deutschen Gesandtschaft in Peking. Darnach b e st ä t i g t Japan der chinesischen Regier­ung amtlich den Ausbruch einer Revolution in Indien. Japan, das von England um militärische Unterstützung gegen Indien gebeten wurde, habe Hilfe zugesagt, aber gegen Stellung schwerer Bedingungen, nämlich der freien Einwanderung nach den britischen Be­sitzungen im Stillen Ozean, der Gewährung einer An­leihe von 200 Millionen Dollars, sowie freie Hand in China. England habe diese Bedingungen a n g e n o m- m e n." (Ctr. Bln.)