Ausgabe 
9.9.1914
 
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Der Fall von Termonde.

Ein holländischer Kliegskorrespondent, der den Fall von Tendermonde (Termonde) milerleble, berichtet: Ar­tillerie und BesatzunZstruppen dreier Anlwerpener Forts griffen bei der Verteidigung Dendermondes ein, doch vergebens. In wenigen Stunden war es von den Deutschen genommen.

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Zeppelins Arbeit über Antwerpen.

Von der ersten Fahrt desZeppelin" über Ant­werpen und der zerstörenden Wirkung seiner Bomben gibt, wie dieNordd. Allg. Ztg." mitteill. der Bericht­erstatter desDaily Chromcle" in einem verspätet ein- gelausenen Bericht noch eine eingehende Schilderung, aus der zu entnehmen ist, daß die Zahl der Häuser, die säst völlig z e r st ö r t wurden, aus 6 0 geschätzt wird, während 9 0 0 mehr oder weniger beschädigt sein sollen. 12 Personen wurden tödlich verletzt und 8 schwer ver­wundet. Nachdem der Zeppelin die letzte Bombe aus das Mittelgebäude der AMomobilsabr,ik von Berchem ge­rn crsen hatte, die vielen Materialschaden anrichtete, sUhr er davon Und verschwand schnell in der Dunkelheit, wäh­rend alle Geschütze der Forts ihn zu »essen versuchten. ; *

Englische Hinterlist.

In einem in Berlin eingetrofsenen Prioatbriej ist zu lesen:Man soll es nicht für möglich halten, dah eine zivilisierte Nation in derart schmachvoller Weise Krieg sührt, wie gerade die englische. Jeder englische Soldat hat zur Ausrüstung eine Art Schiffermessey, bei dem an der einen Seite ein gebogener, über einen Fin­ger langer Dorn angebracht ist. Mit diesem Dorn zer­fleischt die Gesellschaft die Verwundeten. In der Schlacht verschanzen sie sich mehreren Reihen hintereinander. Wenn unsere Truppen stürmen, hält die l Reihe weihe Fahnen heyaüs und hebt die Arme hoch, zum Zeichen, daß sie sich ergeben wolle, ufid wenn die Unsrigen näher kommen, werden sie von der zweiten Reihe mil Schnellseuer und Maschinenge - wehren empfangen."

Tic französische Jahrcsklassc 1815 cinbcruscn.

Paris, 7. Sept. Gestern ist ein amtliches De­kret veröfsentlicht worden, das bestimmt, datz die Jah­resklasse 1914 ausgebildet, nach Verlaus von einigen Monaten mobilisiert und sofort durch die Jahresklasse 1915 ersetzt wird, die ihrer­seits in der Weise autzgebildet wird, datz sie, sobald dies irgend möglich ist, ohne Verzug ins Feld rücken kann.

Bom Krieg rm Oste«.

Radom von de« Deutsche» besetzt.

WTB. Berlin, 8. Sept. Am 29. August be­setzten die Deutschen die Gouvernementshauptstadt R a d o m. Nicht weit von Radom ist K i e l z e, wo die russische Kavallerie schon am 21. August von den österreichischen Truppen geschlagen und in regellose Flucht gejagt wurde.

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Von unserer schlesischen Landwehr 1888 Russen gcfaugc».

Von dem stellvertretenden Generalkommando! in Breslau wird mitgeteill: Unsere schlesische Land­wehr hat am 7. September nach einem siegreichen Ge­fecht 17 Offiziere und 1000 Mann vom russischen Garde korps und dritten kaukasischen Korps g e - sangen genommen.

Japanische Artillerie für Russland.

Stockholm, 5. Sept. Russischen Zeitungsmel­dungen zufolge befindet sich eine starke japanische Belager ungsartillerie auf dem Wege nach dem europäischen Kriegsschauplatz. Sie soll jetzt die Uralgegend erreicht haben.

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Oesterreichische Waffenerfolge.

Um Lemberg.

Am 3. September haben die Russen die in weitem Umkreise um die Stadt Lemberg errichteten Erd - werke beschossen. Unsere Truppen waren jedoch bereits abgezogen, um die offen« Stadl vor einer Beschießung zu bewahren und weil auch operative Rücksichten dafür sprachen, Lemberg dem Feinde ohne Kampf zu' über­lassen. Das Bombardement richtete sich somit nur gegen unverteidigte Deckungen. Die Armee Dank! ist neuer­dings in heftigem Kampje. An der sonstigen Fwnt herrscht nach den großen Schlachten der vergangenen Wochen verhältnismäßige Ruhe.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: von H ö f« r, Generalmajor.

Es gereicht mir zur besonderen Freude, bekannt­geben zu können, datz ungesähr 4000 Mann serbischer Truppen bei dem Versuche, östlich von Mitrowitza in unser Gebiet einzubrechen, gefangen genommen wur­den. Bei dieser Gelegenheit wurde von unseren bra­ven Truppen im Süden auch serbisches Kriegsmaterial erbeutet.

Erzherzog Friedrich, General der Infanterie.

W i e n, 7. Septbr. Nach späteren Meldungen er­höht sich die Zahl der bei Mitrowitza gefangenen Ser­ben aus 5000.

Wien, 7. Septbr. Aus den schon gemeldeten aber­maligen Kämpfen der Armee D a n k l, gegen welche der Feind mit der Bahn namhafte Verstärkungen her- ansührte, wurde bekannt, dah speziell die Gruppe unter dem Befehl des Generalleutnants Kastramek einen starken Angriss der Russen blutig ab­wies und hierbei weitere 600 Gefangene einbrachte. Sonst herrscht auf den Kriegsschauplätzen, soweit be­kannt ist., auch heute relative Rühe.

Der Stellvertreter des Chess des Generalstabs, von H ö f e !, Generalmajor.

Bom Seekrieg.

Der englische geschützte KreuzerP a t h s i n d e r" ist bei Tyme auf eine Mine gestoßen und untergegan- gen. Ueber 700 Menschen seien verloren.

Nach nunmehr eingetroffenen zuverlässigen Nach­richten ist Samoa am 29. August von den Eng­ländern ohne Kamps besetzt worden.

Allerlei Uriegsnachrichten. M7 ' I

Der Kaiser hat dem Sieger in der Schlacht bei den masurischen Seen, Generaloberst v. Hinden- b u> r g, den OrdenPour le merite" verliehen. Die Zahl der russischen Gefangenen, die nunmehr nach Westen be­fördert worden sind, betrug am 5. September 92 000 Mann.

Der Kaiser hat dem kommandierenden General des 14. Armeekorps, Frhrn. v. H e i n i n g e n gen.

Hüne das- Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen.

Prinz Eitel Friedrich von Preußen, der Schwiegersohn des Grvhherzogs von Oldenburg, hat das Eiserne Kreuz 1. Klasse schalten, weil er besondere Tapserkeit bewiesen hat im Ansturm mit seinem Regiment gegen feindliche Artillerie.

Der König von Sachsen verlieh dem General - obersten Frhrn. v. Hausen das Ritteickreuz des Mi' litär-St. Heinrichsordens, den höchsten sächsischen Orden.

Am 28. August ist der 22jährige Leutnant Prinz E r n st zur Lippe vor dem Feinde g e f a l l e n. Er war ein Vetter des regierenden Fürsten Leopold 4. zu Lippe.

Deutsche Post in Belgien.

WTB. Berlin, 5. Sept. (Amtlich.) Im Be - reiche des kaiserlich deutschen General - Gouvernements Belgien wird in den nächsten Tagen eine dem Reichs- postamt unterstellte Post- und Telegraphenverwaltung eingerichtet. Die Postverwaltung von Bayern und Würt­temberg sind ersucht worden, auch chrcrseits Beamte zu der deutschen Post- und Telegraphenveywaltung in Bel­gien abzuvrdnen.

* Kiel, 7. Sept. Die Skutariabteilung ist heute 2 Uhr 16 Min. zurückgekchrt. Prinzessin Heinrich be­grüßte die Soldaten am Bahnhof. Der Einzug in Kiel erfolgte unter dem Jubel der Bevölkerung, die den Trup­pen Blumen überreichte.

England gegen seine wabren Interessen.

Eine Rede des ehemaligen englischen Ministers John Burns, gehalten am 14. August in der Albert-Hall in London.

Dieser Minister ist aus dem englische» Kabinett aus­getreten, weil er mit dessen Politik nicht einig ging. Er hat nun in einer Rede seinen Standpunkt wie. folgt

dargelegt.

Meinen Wählern und meinen Freunden will ich

Rechenschaft geben über meine Stellung zu der Politik des Ministerpräsidenten Edward Erey und zu seiner auswärtigen Politik, die in der Aufgabe der Neutrali­tät zu Ungunsten Deutschlands ihren Ausdrück fand. Ich sah mich gezwungen, aus einem Kabinett auszu - treten, das meiner Ansicht nach, weit entfernt, der Kul­tur zu dienen, sich in ein Abenteuer begibt, das zur Stärkung unserer natürlichen Feinde und zur Zerklüft­ung unserer inneren wirtschaftlichen und politischen Ver­hältnisse sühren kann und mutz. Unsere natürliche Auf­gabe wäre die Durchführung einer strikten Neutralität gewesen nicht um unserer V.olksoerwandtschasl mit Deutschland willen, nicht wegen der freundschaftlichen Beziehungen, die wir uns bemühen, mit dem fleißigen deutschen Volke zu pflegen und zu kräftigen nein, um unserer selbst willen, die wir mit allen unseren Nerven, mit allen unseren Lebensinteressen an einem friedlichen Europa hängen,' und nicht zuletzt darum, weil nur die Neutralität imstande gewesen wäre, unser Land wirt­schaftlich zu heben und es in die Lage zu versetzen, aus den Wirrnissen Vorteile zu ziehen.

Ich will für meine Behauptungen den Beweis süh­ren: Englands Größe offenbart sich im Frieden, E n g- lands Schwäche zeigt sich im Kriege. Wir werden niemals in der Lage fein, ohne fremde Hilfe irgendwelchen Einfluß in der europäischen uüd außer - europäischen Politik' durchzusetzen, wir sind es auch

Ein llillrr Mensch.

Roman von Paul Blitz.

Nachdruck verboten.

Dann begann der Alte mit leiser erzitternder un bebender Stimme:So kann dies Leben, das wir sük ren, nicht mehr weiter geben, Bruno. Erst gestern wi­der die Szene vor dem Vallsaal. Gottlob hat es lei fremder Mensch gehört. Aber Du mutzt doch selb sagen, datz so ein Zusammenleben zu keinem guten End fuhren kann .*

Bruno lächelte bitter und enlgeanete ziemlich herb »Diese Einsicht kommt Dir etwas spät. Rater."

»Ich höre den Rorwurs sehr gut heraus." sagte de akte Herr,aber ich bitte Dich, sei auch gerecht. Woh mutz sch mich anklagcn, datz ich es nianchmal an de väterlichen Liebe Dir gegebenüber habe fehlen lassen."

Manchmal? O, bitte, sag' nur getrost: immer! rief Bruno ernst dazwischen.

Doch ruhig sprach der Rater weiter: Aber sei nui auch nial gerecht. Rist Du mir jemals mit Liebe un! Vertrauen entgegengclommen? Ich glaube. Du wirs das Nicht mit einem Ja bcan'wortcn können. Im Ge gentcil. Du hast Dich absichtlich von mir abgewendet »ü byt nur ausgewichen, wo Du nur konntest! Sage icl viellc-ch. zu viel damit?"

Bruno schwieg einen Augenblick. Mit zusammen gepreßten Lwpen stand er da und blickte crnlt säst sin Ü^^,,öor ^üch nieder Es war, als kämpfte er mir einen Entschlutz. Endlich richtete er den Blick wieder auf. sab den Rater scsi und sicher an und sragte dann: Weshalb denn das alles ansrührcn? Lassen wir dock da->. sind ja bisher so ausgelommen."

.... wll und mutz jetzt anders werden," er­

klärte beüimmt der Alte.

Glaubst Tu das wirklich? Glaubst Du. daß das so von beute aus morgen möglich wäre?" Wie ein lei­ser Hohn huschte cs über Brunos Gesicht.

»Nun denn, ich bin hierher gekommen, um mich wtzi mit Dir auszusöhnen. Hier hast Du meine Hand, --'-l,m cm. Rcrgessen wir alles, was geschehen ist: be- oinnen wir nun ein anderes Leben." Wartend ktand

der Rarer mit der ausgestreckten Hand da als aber Bruno sich nicht vom Platze rührte, starr und finiter und schweigsam in seiner Stellung verharrte, da sragte der Alte in leichter Erregung:Nun. Du kommst nicht? Du schlägst nicht ein? Du weisest die Hand Deines Vaters zurück?"

Und da fuhr Bruno ans:Meines Raters? Ja. bist Du mir denn jcnials ein Rater gewesen?"

Bruno'" Wie von einem Schlage getroffen, sank der alte Mann in einen Polsterstnhl.

Wie? _ Oder läge ich vielleicht zuviel damit? Ich glaube wohl kaum. Zwar machst Du mir ja noch den Vorwnri, datz ick: Dir ousgewichen sei. Ölewitz bin ich es. Aber bitte, frage Dich auch inal, weshalb ich das getan habe."

Wc-.l D» störrisch und eigensinnig warst'"

,.O nein! Das bin ich erst durch Dich geworden Rater! Nein, ich wich Dir aus. w:il ick: es suhlte, datz ich Dir gleichgültig war. mehr noch, datz ich Dir eine Last war! Siehst Du deshalb wurde ick, scheu und verschüchtert, vder auch störrisch, wie Tu es ncunst."

Schweigend, erschüttert, sckwer atmend satz der alte Mann da und sah n:it unruhigen Augen zu Bruno empor

. Der aber war nun in Erregung gekommen. Was jahrelang still und vergraben in feiner Bru.'t geschlum­mert batte, das wurde nun wach. Endlick,, endlich ein­mal konnte er feinen Groll und seine quälende Bitter­keit los werden. Hock, ausgerichtet wie ein Ankläger jtand er da und mit fester, wuchtiger Stimme fuhr er fort:Da Du nun aber glaubst, datz so ein Bruch sich von heute aus morgen zusammcnkittcn läßt, so beweist das, datz Du gar nicht ahnst, was Du eiaentlich an mir getan hast. Und darum will ich cs Dir nun mal sagen.

Du ha,t das Beste, das Heiligste in mir vernichtet! _

Damals, als ich klein war, da suchte ich Dich und Deine Liebe aber da merkte ich, datz ich Dir nichts war7 wie Dir auch meine Mutter nichts war. Ja, Ratec. das merkte ich! Und an diesem Tage brach etwas in mir entzwei, was nicht wieder zu heilen war. Ron diesem *°.2 e /L n wurde ich still und in mich gekehrt, oder D» foacn. C ' e °' bnä wollte ich

da »nd sah ,'chtvcigcnd vor sich nieder. In seinen Au- gen wurde cs s-ncht. Jo, ja, er fühl» sich fetz, schul­dig. Heimlich, innerlich, hatte er sich das sa schon seit Jahren eingestanden, wenn er über diesen dunklen Punkt aus seiner Vergangenheit nachdachle, aber so kla- und kratz, wie in diesem Augenblick, war noch nie der Schleier von seiner Seele gerisicn worden. Jetzt erst sah er wirklich ein, wie lies er sich an feinem äliesten Sohn versündigt hatte. Mit bebendem Herzen erkannte er es. Und ihm graute davor.

Aber endlich ermannte er sich. Noch einmal hielt er Bruno die Hand hin und bat: .Also lasten wir die Vergangenheit vergessen sein. Komm, komm, Bruno!"

Der aber kam auch jetzt noch nicht. Ruhig und ernst antwortete er:Nein, Vater, so etwas vergißt man nicht, niemals! Das ist da drinnen, als wäre es ein­gebrannt!"

Aber ich bitte Dich, sei wieder gut! Ich bin ja herausgckommen, Dich wieder zu gewinnen! Mach es mir doch nicht so schwer!" *

Doch ruhig, aber auch mit stählerner Härte, entgeg- netc Bruno:Nein, Vater, laß das nur. Damit bes­sern wir doch nichts. Das alles wäre nur äußerlich. Hier drinnen, im Herzen, ändern wir dadurch doch nicht das Geringste."

Bebend ries der alte Mann: .Dn weisest meine Hand zurück, Bruno? Ich bin gekommen, wieder gut­zumachen, nnd nun verharrst Dn in Deinem Starrsinn?

Wehmütig lächelnd verneinte Bruno:Das ist cs 1a eben, was Du nicht einsiehst. Du kann» nicbts wll-. der gut machen an mir! Was einmal an mir geschehen ist, das wischt kein noch so gut gemeintes Wort wie- der fort. Darum ist es bcffer. wir lassen alles, wie cs gegenwärtig ist." " ' ,e

"Und wenn ich Dir meine Liebe anbiete, wenn ich

Dich itsstandigst anflehe, komm, sei wieder gut, bleibst Du auch dam, noch hart und störrisch?" Mit weicher tranendnrchzillerter Stimme erklang es.

und kam nicht ,nn einen Schrill Aber auch er war durchgcrüllell von der Gewalt m>7i^», ^ U 0 enblicks. Es erklang etwas in ihm. wie eine Melodie, aus die er lange, sebneud. veraeblich acbarrt