Ausgabe 
9.9.1914
 
Einzelbild herunterladen

SS Pf-, monatlich

7- Mrwuifa^lCxr, frei in* H«u» d,rtz»ti a «kw «**»inon oder tn den Zweig. M*«a-'^*XXm itjp i' i.'gth*. «0 Pig. Mrilhetut 0\rx\,4if Redakkton : Heller»,

»«i. « K4r » «ci»p»abrung oder^lendung

n I o wrt*''mrr olrk Nlrkn garantier!.

v»» (rilrtna" (fl. m. d t».

Nr. 73

Lxpe-ttlo«: Selterrwrg 85.

Mittwoch, den 9 . September 1914 .

gnzelgrnprelr 15 pfg.

dl« 4» mm breite Petitzrile für AuSwärt» SO Psg Die SO mm breite Reklame-Zeile 50 Piennig Extrabeilagen werden nach Gcwi-bl und Gröhr berechnet. Rabmt kommt bei Ueberschreitung de» Zahlung», ziele» (30 Taget, bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs tn Wegfall. Platznorschristen ohncBerbtndlichle'. Driitk der (Sirstcncr BerlagSdrurkcrei. $Blb\a Klein.

Telephon ?ir. 362. 26 . Ighrg.

Kaiser Wilhelm und der Reichskanzler gegen die Lügen und gemeinen Verdächtigungen unserer Feinde.

Ter Kaiser.

DieNorddeutsche Allq. Zig." veröffentlicht nach­stehendes Telegramm, dah S. M. der Kaiser an den Präsidenten Wilson gerichtet hat:

Ich betracht« es als meine Pslicht, Herr Präsident, Sie als den hervorragendsten Veilretcr der Grundsätze der Menschlichkeit zu benachrichtigen, dag bei der Ein­nahme der Festung Longwy mein« Truppen dort Tau­sende von Dum-Dum-Eeschossen entdeckt haben, die durch eine besondere Regierungsroerkstiätte hergcstellt waren. Eben solche Geschosse -wurden bei verwundeten Soldaten und Eesangcnen, auch b e i britischen Truppen gefunden. Es ist bekannt, dah solche Geschoss« grausame Verletzungen vemrsachen und dah ihre Anwendung durch die anerkannten Grund­sätze des internationalen Rechts streng verboten ist.

Ich richte daher an Sie einen stammenden P r o I e st gegen diese Art der Kriegführung, welche dank den Methoden unserer Gegner eine der barbarischsten ge­worden ist, die man in der Geschichte kennt. Nicht nur haben dieselben diese grausamen Waffen angewcndet, sondern die Regierung hat die Teilnahme der belgischen Zivilbevölkerung an dem Kam­ps« auch offen geduldet und seit langem sorgsältig vor­bereitet. Diese von Frauen und Kindern und G e i st l i ch e n in diesem Guerillakrieg begangenen Grau­samkeiten, auch an verwundeten Soldaten, Acrzteperso- nal und Pflegerinnen (Acrzte wurden getötet, Lazarette durch Ecwehrseucr angegriffen) waren derartig, dah meine Generale sämtlich gezwungen waren, die ä r g - st e n Mittel zu ergreifen, um die Schuldigen zu be­strafen und die b l u t d ü r st i g e Bevölkerung von der Fortsetzung ihrer fürchterlichen Mord-c und Schandtaten abzuschrecken. Manches berühmte Bauwerk und selbst die alte Stadt Löwen mit Ausnahme des schönen Stadthauses muhte in gerechter Selbstverteidigung und zum Schutze meiner Truppen zerstört werden.

Mein Herz blutet, da solche Mahregcln unvermeid­lich geworden sind, und wenn ich an die zahllosen un­schuldigen Leute denke, die ihr Leben und Eigentum verloren Huben infolge des barbarischen Betragens jener Verbrecher.

(Eez.) Wilhelm I. R.

* * *

Ter 'Reichskanzler.

DieNorddeutsche Allg. Zig." bringt folgende Mit­teilung des Reichskanzlers an die Vertreter der Unitid Preh" und derAssociated Preh":

Großes Hauptquartier, 2. Sep.

Ich weih nicht, ro» s man in Amerika über diesen Krieg denkt. Ich nehme an, dah dort inzwischen der Telegrammwechsel des Kaisers mit dem Kaiser von Rußland und dem König von England bc- kanM geworden ist, der unwiderleglich die Vorgeschichte und das Zeugnis dafür ablegt, wie der Kaiser bis zum letzten Augenblick bemüht gewesen ist, den Frieden zu erhalten. Diese Bemühungen muhten aber vergeblich bleiben, da Rußland unter allen Umständen zum Krieg« entschloffen war und England, das durch Jahrzehnte hindurch den deutschfeindlichen Nationalismus in Ruß­land und Frankreich ermutigt Halle, die glänzende Ge­legenheit, die sich ihm bot, die so oft betonte Friedens­liebe zu bewähren, ungenützt vorübcrgeheri lieh: sonst hätte wenigstens der Krieg Deutschlands mit Frankreich und England vermieden werden können.

Wenn sich einmal die Archive öffnen, so wird die Welt erfahren, wie oft Deutschland England

die freundschaftliche Hand entgegcn- st r e ck t e, aber England wollte die Freundschaft mit Deutschland nicht. Eifersüchtig auf die Entwickelung Deutschlands und im Gefühl, dah es durch deutsche Tüch­tigkeit und deutschen Fleiß auf manchen Gebieten über­flügelt wurde, wünschte es Deutschland mit roher Gewalt niederzuwersen, wie es seinerzeit Spanien, Holland und Frankreich niederwarf. Diesen Moment hielt es jetzt für gekommen und so bot ihm der Einmarsch deutscher Truppen in Belgien den willkommenen Vorwand, am Kriege teil­zunehmen.

Zu diesem Einmarsch aber war Deutschland ge - zwnngen, weil es dem beabsichtigten französischen Vor­marsch zuvorkommen muhte und Belgien nur auf diesen wartete, um sich Frankreich anzuschliehen. Dah er für England nur ein Vorwand war, beweist die Tat­sache, dah Greg bereits am 2. August nachmittags, also bevor die Verletzung der belgischen Neutralität durch Deutschland erfolgte, dem französischen Botschafter die Hilfe Englands bedingungslos für den Fall zuficherte, dah die deutsche Flotte die französische Küste angreise. Moralische Skrupel aber kennt die englische Politik nicht. Und so hat das englische Volk, das sich stets als Vor­kämpfer für Freiheit und Recht gebärdete, sich mit Ruß­land, dem Vertreter des furchtbarsten Despotismus, ver­bündet, mit einem Lande, das keine geistige, keine reli­giöse Freiheit kennt, das die Freiheit der Völker wie Individuen mit Fühen tritt.

Schon beginnt England einzusehen, dah es sich verrechnet hat, und dah Deutschland seiner Feinde Herr werden wird, daher versucht es m i t dcn kleinlich- st e n Mitteln., Deutschland w e n i g st e n s nach Möglichkeit in seinem Handel Und seinen Kolonien zu schädigen, indem cs, unbekümmert um die Folgen für die Kulturgemeinschaft der weihen Rasse, Japan zu einem Raubzug gegen Kiautschau aufhetzl und die Neger in Afrika zum Kampfs gegen die Deutschen in den Kolonien

Gerechtigkeitsgefühl des amerikanischen Volkes hat, das sich durch den L ü g e n k r i e g, den unsere Gegner ge­gen uns führen, nicht täuschen lassen wird. Wer seit dem Ausbruch des Krieges in Deutschland gelebt hat, hat die große mcralische Volkserhebung der Deutschen, die, von allen Seiten bedrängt, zur Verteidigung ihres Rechts auf ihre Eristenz freudig ins Feld ziehen, selbst beobachten können und weih, dah dieses Volk keiner unnötigen Grausamkeit und keiner Roheit fähig ist.

Wir siegen dank der moralischen Wucht, die die ge­rechte Sache unseren Truppen gibt und schließlich wer­den auch die glühten Lügen unsere Siege so wenig wie unser Recht verdunkeln können.

Vom Slrica im Westen.

Nancy.

Großes Hauptquartier, 6. September. (Amtlich.) Der Kaiser wohnte gestern den Angriffs- kämpfen um die Befestigungen von Nancy bei.

Warum die Fcstpost znrückgchalicn wurde.

Aus Papieren, die in unsere Hände gefallen sind, geht hervor, daß der Feind durch das Vorgehen der Armeen der Generalobersten von K l u ck und von B ü l o w nördlich der belgischen Maas v o l l st ä n d i g überrascht worden ist. Noch am 17. August nahm er dort nur deutsche Kavallerie an. Die Kavallerie die­ses Flügels, unter Führung des Generals von der Marwitz, hat also die Armeebcwegungen vorzüglich ver­schleiert. Trohdem würden diese Beweguügen dem Feinde nicht unbekannt geblieben sein, wenn nicht zu Beginn des Aufmarsches und Vormarsches die Feldpost­sendungen zurückgehalten worden wären. Von Heeres- angehörigcn und deren Familien ist dieses als schwere Last empfunden und die Schuld der Feldpost beige - messen worden. Im Interesse der arbeitsfreudigcn und pflichttreuen Beamten der Feldpost habe ich mich für verpflichtet gehalten, hierüber eine Aufklärung zu gebe».

Der Generalquartiermeister: v. Stein.

* * *

Die Festung Maubeuge eingenommen.

40 OOO Gcsangcnc.

führte.

Und, nachdem es den Nachrichtendienst Deutsch­lands in der g a n z e n W e l t unterbunden, d e n Feldzug mit einer Lüge gegen Uns er­öffnet, so wird es ihren Landsleuten erzählen, dah die deutschen Truppen belgische Dörfer und Städte nie­dergebrannt haben, ihnen aber verschweigen, dah bel­gische Mädchen wehrlosen Verwunde­ten auf dem Schlachtfelds die AuqenaUs- g e st o ch e n haben. Beamte belgischer Städte haben unsere Offiziere zum Essen eingeladen und über den Tisch hinüber erschossen. Gegen alles Völker­recht wurde die ganze Zivilbevölkerung Belgiens auf- geboten, die in dem Rücken unserer Truppen nach an­fänglich freundlichem Empfang mit versteckten Waffen eine grausame Kampscsweise erhob. Belgische Frauen durchschnitten den Soldaten, die sie im Quartier ausgenommen und die sich zur Ruhe gelegt hatten, die Hälse.

England wird auch nichts von den Dum - Dum- Geschossen erzählen, die von den Engländern und Franzosen trotz aller Abkommen und heuchlerisch ver­kündeten Humanität verwendet werden und die Sie hier in Originalpackung einsehen können, so wie sie bei englischen und französischen Gefangenen ge­funden wurden.

Der Kaiser hat mich ermächtigt, alles dies zu sagen und zu erklären, dah er volles Vertrauen in das

WTB. Großes Hauptquartier, 8. Sep. (Amtliches Telegr.) Maubeuge hat gestern k a p i- t u l i e r. t. 40 000 Kriegsgefangene, darunter vier Ge­nerale, 400 Geschütze Und zahlreiches Kriegsgerät sind in unsere Hände gefallen.

Der Generalquartiermeistcr: v. Stein.

Die vorgesehene Kriegsbesatzung von Mau'beuge zählt rund 10 000 Mann. Da nun die Engländer bei Maubeuge geschlagen worden sind, ist anzunehmen, dah wir 3 0 0 0 0 in die Festung geworfene Engländer gefangen genommen haben.

Paris vor der Belagerung.

lieber Rom kommt aus Paris die Meldung, dast der dort vernommene Kanonendonner von einem Artillcrickamps in allernächster Nähe der Pariser ZortS herrührc.

Ostende wird von den Deutschen beschossen,

so wird ausländischen Zeitungen aus London gemeldet.

«- * * * *

Keinen -Separatfrieden.

Nach vorliegenden Meldungen sollen die englische, französische und russische Regierung durch den Staats - sekretär Grey, sowie die Botschafter Eambon und Benk- kendorsf einen Vertrag abgeschlossen haben, wonach die drei Staaten sich verpflichten, nur einen gemein­samen Frieden zu schlichen. Keine der Regierun­gen könnte allein Frieden schließen und Bedingungen stellen, ohne mit den beiden anderen Mächten sich be­sprochen zu haben.