Ausgabe 
5.9.1914
 
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sichen Zwischenbehörden zu, daß es trotz erheblicher Ver­mehrung des bis zum äußeyslen angespannten Personals nicht mehr im Stande ist, diese Eingaben selbst zu be­antworten. Derartige an das Gen.-Kdo. gelangenden Zuschriften werden daher fortan ausnahmslos zunächst der betr. Zwischenbehörde erster Instanz zur Prüfung, und, falls angängig, zur Entscheidung, andernfalls zum Bericht übersandt werden. Hierdurch entsteht für die betr. Briefschreiber zweifellos ein erheblicher Zeitverlust bevor sie einen Bescheid erhalten können. Da es sich aber in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle uNr sol­che Angelegenheiten handelt, welche im Wirkungskreis der Zwischenbehörde liegen und von diesen vollgüüig entschieden werden können, so liegt es im eigenen In­teresse der betr. Briefsteller, dah sie ihre Eingaben an diese Behörden und nicht an das General- Kommando richten. Ein Gleiches gilt für das persönliche Anoringen von Gesuchen. Bezüglich der zahl­reichen ohne Namensunterschrist hier eingehenden Briese, wird bemerkt, daß sie ausnahmslos in den Papierkorb wandern.

Der Gesundheitszustand im .Heere.

Das Urteil des L h e s s des F e l d s a n i t ä l s - wesens über den Gesundheitszustand aller Teile unseres im Felde stehenden Heeres ist g u t. Seu­chen sind bisher nicht ausgetreten. Freilich stehen unsere Truppen zum Teil in Feindesland, das sich bis dahin keiner so guten hygienischen Aussicht erfreute, wie un­sere Heimat, und dessen Bevölkerung manche Trägey und Keime ansteckender Krankheiten in sich birgt, doch waltet auch gegen diese Uebelstände weitgehende Vorsicht im deutschen Heere. Die P o ck e n s ch u tz i m p f U n g ist streng durchgesührt und wird im Notsall auch bei der feindlichen Bevölkerung durchgesetzt. Typhus-, Cholera- und RNhruntersuchungsgeräte nebst den nötigen Schutz- impsungsstossen werden mitgesührt. «achverständige Hy­gieniker befinden sich in den Reihen unserer Militär - ärzte', leider wurde auch von ihnen schon einer bei vor- scrgender Brunnenuntersuchung hinterrücks von Landeseinwohnern erschossen. Im I n l a n d e sind nennenswerte Häufungen übertragbarer Krankheiten eben­falls nicht zu verzeichnen. In dieser Hinsicht werden besonders scharf die Kriegsgefangenen über­wacht. Bon regelrechten Heeres geschossen verursachte Wunden zeigen durchweg gutes Heilungsbe­streben. Das deutsche Beroandsverfahren, insbesondere die Anwendung der deutschen Bcrbandspäckchen, b e - währte sich; in den vordersten Linien angelegte Ver­bände sahen noch zur Zeit des weiteren Rücktransports der Verwundeten gut. Ein groher Teil der zurückbeför­derten Verwundeten ist bereits in Genesung und drängt wieder nach der Front zurück.

Orden und Ehrenzeichen »nscr Feinde von den Deutsche» abgcschüttelt.

Im Namen vieler deutscher Gelehrter veröffentlicht Er nst H äck e l eine Erklärung, nach welcher die Un­terzeichneten auf alle ihnen von englischen Univer­sitäten, Akademien und gelehrten Gesellschaften verliehe­nen Ehrungen und die damit verbundenen Rechte verzichten.

Nochmals die Stadt Löwen.

Ueber die Vorgänge in der belgischen Stadt Löwen, wo die deutschen Truppen ganz plötzlich von der Bür­gerschaft überfallen wurden, wird noch geschrieben:

Auffallend war der plötzliche Uebergang vom tief­sten Frieden zu hellem Aufruhr. Es ist ganz klar, dah

dieser Aufstand von den Behörden gebilligt und orga­nisiert war. Durch welche Lügennachrichten man die Bürger von Löwen zu dieser wahnwitzigen Tat ge­trieben hat, wird wohl kaum ermittelt werden können. Es ist besonders bemerkenswert, dah zumeist autz den oberen Stockwerken, hinter Schornsteinen und Dachge­simsen hervor, von hinten aus die deutschen Truppen geschossen wurde. Die Belgier sind also in einer ge­radezu verächtlichen, meuchelmörderischen Art gegen die nichtsahnenden Deutschen vorgegangen, in der Art eines feigen Buben, der seinen Gegner von hinten nie-er - knallt, weil ey sich fürchtet, ihm offen entgegenzutreten.

Dah von der deutschen Seite keifte Uebergriff« statt- gesunden haben, die Anlaß zu dem Vorgehen der Bel­gier hätten geben können, ergibt sich schon daraus, dah es zum Teil Landsturmiruppen waren, die in Löwen als Garnison verblieben waren. Diesen ruhigen älteren Leuten, die meist selbst Familienväter sind, wäre es sicher nicht im Traume eingefallen, auch nub einem Belgier irgend etwas zu Leide zu tuü. Die Hand des Krieges hat sich schwer, auf die Stadt Löwen gelegt, und sie hat durch ihren Untergang gesühnt, was ihre Einwohner begangen haben. Es sei aber nochmals be­tont, dah die eiserne Notwendigkeit dazu zwang, die Stadt den Flammen zu überliefern.

Die Japaner in China.

Daily Telegraph" zufolge bereiten sich die Japaner auf eine längere Kriegsdauer in Kiaut- schau cor. Sie wollen langsam und methodisch Vor­gehen und Menschenmalerial möglichst sparen. Das Par­lament werde die Kredite bewilligen, um die Heere bis zum nächsten Jahre in Schantung zu hallen.

*

In Budapest hat ein sozialdemokratisches Blatt sich wie folgt geäußert: Der Krieg, welcher jetzt gegen den russischen Zarismus und seine Vasallen geführt wird, wird von einer großen geschichtlichen Idee beherrscht. Das Dröhnen der Kanonen, das Knattern der Maschi­nengewehre und die Reiterangriffe bedeuten die Voll­streckung des demokratischen Programms der Völkerbe- freiuNg. Jedes Herz, das'fähig eines Gefühls für Ge­rechtigkeit und Menschlichkeit ist, muß wünschen, daß die zarische Macht vernichtet wird.

Auskunft über Militärpersonen.

In zahlreichen an den Generalquartiermeister ge­richteten Zuschriften wird Auskunft über den Verbleib und Aufenthalt einzelner Heeresangehöriger erbeten. Sol­che Auskunft vom Großen Hauptguarfter aus über einen einzelnen zu erteilen, liegt außerhalb jeder Möglichkeit. Die Zuschriften werdest daher dem Zentralnachweis - buleau in Berlin, Dvrotheenstraße, zugeleitet, bei dem alle Nachrichten über die Verluste beim Feldheer zufam- menlaufen. Es empfiehlt sich daher dringend, sowohl im Interesse der Beschleunigung wie auch der Geschäfts- entlastuNa derartige Zuschriften unmittelbar an das Zen- tralnachweisebureau zu' richten.

aller Mit.

Albanien.

Durazzo, 4. Septbr. Die Kontrollkom­mission begab sich gestern zu den Aufständischen und teilte ihnen mit, dah der F ü r st a b g e r e i st sei. Die Regierung Albaniens wird in nächster Zeit von der Kommission übernommen werden. Der Fürst hät v«r seiner Abreise eine Amnestie für alle Gefangenen unge­ordnet.

V a l o n a, 4. Septbr. Auf dem Regierungs-Pa­last weht die rotschwarze Fahne, während auf der Kaserne der Gendarmerie, in dey sich das Komman­do der Aufständischen befindet, die türkische Fahne weht. Der Führer der Aufständischen hat den Konsu­laten Zusicherungen betreffend di«' öffentliche Ordnung ge­geben. Die europäischen Kolonien verhalten sich nchig.

Koiislikt zwischen Griechenland und der Türkei.

Die Möglichkeit eines Konfliktes zwischen Griechen­land und der Türkei rückt nach einer Meldung des

Corriere della Sera" immer näher.

notwendige krdödung d. ftok*abfatze$.

Von zuständiger Seite erhalten wir folgende Zw- schrist:

Wie jeder Kenner der Verhältnisse weiß, bftdet für die rheinisch-wesffälische Bergwerksinduftrie feit mehreren Jahren eine ernste, von Jahr zu Jahr steigende Sorge die Frage, wie es möglich ist, den Koks-Verbrauch uüd -Absatz zu erhöhen.

Bei Prüfung dieser Frage darf als bekannt vor­ausgesetzt werden, dah die Herstellung von Koks und die Verwendung der dabei zeugten Gase zu Leucht-, Heiz- und Krastzwecken, sowie die Gewinnung der viel­seitig verwandten Nebenprodukte aus den Koksofenga­sen, nicht lediglich im Interesse einer Gewinnerhöhung für' die Zechen, sondern autz national-wirtschaftlichen Gründen eyiorderlich ist, da die Ausnutzung der Kohle durch Verbrennung in ihrer GewinnuUgsform als nicht wirtschaftlich bezeichnet werden muß.

Um die Wichtigkeit der vorliegenden Frage kuyz zu kennzeichnen, ist zunächst darauf hinzuweistn, daß im rheinisch-westfälischen Jndustriebezirk und Umgebung be­reits viele Städte und Gemeinden auf die Errichtung bezw. Wetterführung eigener Gasanstalten deswegen ver­zichtet haben, weil sie ihr Gas aus den Koksofenanla- gen großer Zechen zu billigeren Preisen beziehen köw neu.

Autz den Koksofengasen wird bekanntlich das Am­moniakwasser gewonnen und daraus das sür die Ernte- crträgnisse unserer heimischen Landwirtschaft bedeutsame Düngemittel schwefclsaurcs Ammoniak. Die außerdem gewonnenen Teere und Teeröle bilden die Grundlage unserer ganzen chemischen Industrie und ihrer weltbe - kannten Ferligfabrikate. Die Teeröle sind für unsere Marine, besonders in den heutigen Kriegszeiten ein hochwichtiges Heizmaterial, ebenso wie di« erzeugten Ben­zolmengen für die Kraftfahrzeuge unserer Landarmer umsomehr benötigt werden, als die Einfuhr des fast ausschließlich aus dem Autzlande stammenden Benzins (bezw. Rohöls) seit Ausbruch des Krieges erheblich zu- rnckgetzangen ist und möglicherweise zeitweilig ganz zum Erliegen kommt.

Während es demnach im Jntereffe der Landesver­teidigung unbedingt geboten wäre, die Benzol- und Teerölgewinnung nicht nur im bisherigen Umfange auf­recht zu erhalten, sondern noch zu vermehren, ist das Gegenteil zu einer zwingenden Notwendigkeit geworden. Durch die Einberufung eines Teils der Bergleute (etwa ein Drittel) zu den Fahnen, ist die Kohlenförderung na­turgemäß zurückgegangen und zwar nicht nur auf elwa zwei Drittel, sondern aus etwa die Hälfte, aus Grün­den, die hier nicht näher dargelegt zu werden brauchen. Damit ist ein entsprechender Rückgang in der Kokser - zeuguüg und in deren Folge der Benzol- und Tecröl- gcwinnung von selbst gegeben.

Aus demselben Grunde haben, ganz abgesehen von dem während der Mobilmachung herrschenden Magen - Mangel, die Hauptabnehmer des Koks, die Hütten -

Ein stiller Mensch.

Roman von Paul B l i ß.

Nachdruck verboten.

Jetzt in dieser kraftwürzigcn Frühlinasnacht, in der alles zu neuem Leben keimte und dränate, jetzt emp­fand er es zum ersten Male so ganz klar, wie wie unendlich einsam er doch eigentlich war. .

Ein leises, wehes Weinen ging durch seine Seele: die Erkenntnis von dem Unvollkommenen in der Welt, von der Sehnsucht, die nie Erfüllung findet.

Und mit einem Male dachte er wieder an den jün­geren Bruder. Ja, der stand mitten in Glanz und in Fülle! Den umjubeltc und verwöhnte man! Der war das Schoßkind des Glücks! Ihn aber, den einsamen" und stillen, ungelenk schwersälliqen Menschen, ihn mied man. ibn ließ man seiner Einsamkeit, mochte aus ihm werden, was wollte!

Das Herz krumpfte sich ihm zusammen vor Weh und verhaltenem Kummer. Und müde, wie hoffnungslos, ließ er jetzt, da niemand ihn beobachtete, einen Augen­blick den Kops sinken, und seine Augen wurden feucht. Aber auch einen Augenblick nur, schon im nächsten riß er sich zusammen, stolz und hart und zäh, richtete den Kobs wieder auf und blickte mutig und still in dietzu- kuuft

Inzwischen hatte man im Festsaal den Konter zu Ende getanzt. Onkel Klaus war wirklich bereit gewe­sen, das sitzcnaebliebeue Fräulein Brcitmann zu enga­gieren, aber als er zur Stelle war. hatte Kurt, der Unermüdliche, doch noch einen vakanten Herrn ausge­trieben, und so war die Ehre des Hauses' gerettet.

Still lächelnd giitg Onkel Klaus weiter. Es war ihm so auch lieber. Im Aebcnraum traf er seinen Vet­ter. den Jubilar. Gerade stand Tante Marie bei ihm und berichtete brühwarm, mit leiser, aber erregter Stimme, über den Zusammenstoß mit Bruno.

Ter alt? Herr hörte schweigend zu, aber aus seiner S-irn sammelten sich Fallen des Verdrusses und der Betrübnis. Endlich wandte er sich an Onkel Klaus mit der Frage:Was sagst Du nun dazu wieder? Ist so ein Benehmen nicht direkt unerhört?"

Onkclchen zoa die Augenbrauen hoch, zuckte mit den

ch'i, und sagte vorerst nichts. Die Anwesenheit der -unie V-.-Ac störte ibn.

* "ater aber sprach ärgcilich weiter:Das aanze atgen stört er einem, der Trotzkopf, Imme: rät- lelbafter wird sein Betragen Ich finde absolut keine Erklär,mn dafür."

'.Wirklich nirti?" - *yrao*nb lab Onkel Klaus auf. Erstaunt blickte das Geschwisterpaar den Sprechen­den an.

"Wie meinst Du denn das?" hob endlich Herr Wal- dcmar Büttner an.

Onkclchen setzte seine sarkabisebe Miene ans und erwiderte aanz ziclbewubt:Hast Du Dick, wirklich noch me ernsthaft gefragt, wodurch der Junge so still und so herb geworden ist, lieber Waldemar?"

Der alte Herr war einen- Moment ganz sprach­los und in üch gcscblossen,

Tante Marie aber toollte sick> empören, indem stc ironisch sagte:Es scheint. D» willst solchen Eigensinn gar noch entschuldigen!"

Me-ne liebe Base," entgegncte Onkel Klaus spöt- t.stud,ich glaube. Deine Anwesenheit ist drüben bei den Gasten entschieden vonnöten,"

Sie warf ibm einen Wntbl-ck zu. Immer ,'tand sic mit ihm aus Hieb und Stich. Tann rauschte sie wort­los davon.

ur a,l-!u waren, lad der Jubilar seinen Betz tcr an, ein wenig ungcher zwar, doch zwang er sein« stimme zur Ruhe.Ich glaube. Tu willst mir einer Vorwurf mawen, wie?"

Machst Tu Dir denn den nickt selber, liebe, Waldi?"

.-w,e,o? yavc nutzt stets ,ur den Jungen ge- sorg. solange er meiner bcdurstc? Hat es ihm je an irgend etwas gemangelt?"

"Aeußcrlich vielleicht nicht. Aber da drinnen! Fck, j! ra 0 e -'lh- hB er icmals Deinem Herzen auch nur halb so nahe gestanden, wie Tein Kurt? Nun bitte sei einmal ganz ehrlicb," '

. bube für den einen wie für den andern ge­

sorgt, 'lang cs ein wenig kleinlaut zuruck ,. "?^re"e ich nicht, lieber Waldemar, Aber inner-

«ich. wie liehst Tu da zu ihm? Ich fürchte. Ihr seid

Euch letzt völlig cmzrcmvei.'

.Uno wenn cs so ist, liegt cs vielleicht an mir?"

Ick, glaube beinahe,"

So? Also hätte ick vielleicht dem Trotzkops noch Abbitte leisten sollen, wie?"

Du hättest ihm die gleiche Liebe angedeihen las- scn sollen wie Deinem zweiten Sohn."

Kurl steht mir näher! Er liebt mich, wie ich ihn liebe!"

Und Bruno? Warum steht er Dir serner?"

Weil er störrisch und trotzig war. von allcrsrühc- ster Jugend an!"

Nein, Waldemar, Tu bist nicht ehrlich. Gesteh' cs Dir nur selber ein, Bruno stand Dir immer ferner, weil er von Deiner ersten Frau stammt. Das war der rechte Grund." Nuhig, mit milder Stimme hatte cs Onkel Klaus gesagt, und ebenso zart fuhr er nun sort: Ich mußte Dir das einmal sagen, lieber Vetter, ehe es zu spät wird, ehe die Kluft zwischen Euch unübcr- brückba, wird."

Der greise Jubilar hatte sich gesetzt. Der Borwurf traf ihn. Er Mußte seinen Kops stützen. Endlich be­gann er wieder:Was soll ich vor Dir einen Hehl dar­aus machen. Du weißt es ja, daß man mich in diese erste Ehe hincingcdrängt hatte. Es war eine reine Geldheirat. Mein Herz sprach nie darin mit."

Aber durch diese Geldheirat schufst Du Dir die Existenz und die Stelle, die Du heute hier einnimmst. Das vergiß nicht, Waldemar."

Ich habe es nie vergessen."

Es scheint doch. Sonst hättest Du Bruno nicht so auswachsen taffen."

Er war störrisch und unaufrichtig, stets, von frü- bester Jugend an!"

Du hast ihn nur nicht mtt der rechten Liebe ange- sehen."

Das ttotzige, dicke Blut serner Mutter und deren Vorfahren rollt auch in seinen Adern."

Schilt ihn deshalb nicht Solche Leute sind zäl und treu. Es ist Verlaß aus fl«! Der Kern muß gu sein! .Den Kultursirnis gewöhnt man sich leicht an."