werke, ihre Produktion in noch größerem Umfange einschränken, z. T- wie in Lothringen und Luremburg, seit Ausbruch des Krieges bereits fast ganz cinstellen müssen, sodah die Zechen für ihre Koksmengen einen Absatz haben, der nur noch etwa 10 bis 12 Prozent ihrer Beteiligungsziffcr beim Kohlensyndikat beträgt. Infolgedessen sind die vor dem Krieg schon vorhandenen großen Koksvorräte auf den Zechen und den sonstigen Etapetplätzen derart angewachscn, daß die Zechen zur weiteren Einschränkung und teilweisen Einstellung ihrer Kokereibetriebe und damit auch ihrer Benzol- und Teerölgewinnung gezwungen sind, wenn keine neuen Absatzmöglichkeiten für Koks geschaffen werden.
Im Interesse der vaterländischen Verteidigung besteht dahe? für jeden Brennstoffverbrauchei die Pflicht, zu prüfen, ob er an seinem Teil zu der Koksabnahme beitragen kann. Mit gutem Willen und bei richtiger Anleitung kann für viele Zwecke Koks ganz oder teilweise durch Vermischung mit Kohle als Ersatz für Kohle verwandt weiden. In erster Linie wäre es Sache der staatlichen Eisenbahnverwaltung als einem der größten Kohlenverbraucher, mit gutem Beispiele voranzugeben und zwar ohne Verzug. Mit der Anstellung von Versuchen ist keine Zeit mehr zu verlieren. Die Lokomotiven der Berliner Stadtbahn z. B. wurden früher nur mit Koks geheizt, warum sollten die Lokomotiven auf den anderen Strecken nicht auch mit Koks, wenn nicht ausschließlich, so doch mindestens mit einer Beimischung von Kohle, geheizt werden können?
jHu$ Stadt und Land.
* Wie vom Kriegsschauplatz berichtet wird, hat der Großherzog den bisherigen Gefechten beim General-Kommando des Armeekorps beigewohnt. Wiederholt Hallen die hessischen Truppen die Freude, rhren Landesherrn zu sehen, welcher hierbei seiner Genugtuung über das gute Aussehen, den vortrefflichen Geist und die außerordentlichen Leistungen der Hessischen Regimenter in Gefechten und Märschen zu erkennen gab. Besonders befriedigt war unser Eroßherzog auch von der hohen Anerkennung, die unseren hessischen Truppen von ihren Dicnstvorgesetzten zuteil wurde. Soweit es bei dem raschen Fortschreilen der militärischen Opera tionen irgend möglich war, hat der Großhcrzog die Verwundeten in den Feldlazaretten besucht und sich davon überzeugt, daß sie gut versorgt werden.
* E i n beherzigenswerter Rat. ^Die „Voss. Ztg." aibt in einem Artikel über die schöne Sitte, die Siege durch Aushängen von Fahnen zu feiern, den beherzigenswerten Ratschlag, den Fahnenschmuck nicht länger als bis zum folgenden Avend prangen zu lassen, weil ihr a l l z u l a n g e s Verbleiben A ü g e und Herz a b st u m p f t.
Landwirte sorgt für »ormalc Winterbestellung.
Nachdem die Getreideernte fast ganz geborgen ist, wird es in dieser ernsten Zeit zu einem dringenden Gebot, mit allen Mitteln für eine normale Winter- b e st c l l u n g zu sorgen. Es ist unter, allen Umständen erforderlich, daß die Winterbestellung, Bodenbear - beitung, Düngung mit tierischem uub künstlichem Dünger sowie Aussaat in demselben Umfange und mit derselben Sorgfalt vorgenommen wird, wie in Friedensjahren. Da das Wintergetreide in Deutschland fast 60 Prozent der gesamten Getreidefläche beansprucht, würde eine Vernachlässigung oder Einschränkung unserer Winterbestellung gegenüber ihrem normalen Frie- densstande geradezu eine Katastrophe nicht nur für die Landwirte selbst, sondern für die gesamte Volkseyiähr- ung hcrbeiführen können.
»Aber er ist mir ja ausgcwichcn, jawohl, direkt aiisgewichen, immer und immer! Ich habe nie den Weg zu seinem .Herzen und Vertrauen finden können!"
„Weil D» ihn verschüchtert hast. Solche Naturen wie er wollen verstanden sein!"
„Also ich hätte es somit nicht verstanden, wie?"
„Fch fürchte, Tn hast Dir nie die rechte Mähe dazu gegeben, lieber Waldemar " Ruhig zündete nch Onkel Klaus eine neue Zigarre an. Tann, da er Gäste kommen sab, brach er ab und sagte nur noch: Aber wir sprechen wohl besser ein andermal mehr darüber, nicht wahr""
Boa allen Seiten kamen nun die Gäste Man wollte j den Jubilar im Saale haben. Und er muhte, obgleich .; ibm im Augenblick gar nicht der Sinn darnach stand, wob! oder üf-cl solgen.
Und während er nun noch einmal von allen Seiten nmjubelt und aefeiert ward und er alles lächelnd über ■ sich ergeben lwaneerten seine Gedanken zu dem Ge- sprä.v zurück, das er eben mit dem Reiter gesührt hatte.
Es war etwas in ihm hasten geblieben van alledem. Ein leiser Vorwurf guälte ihn nun doch. So ganz frei_ von Schuld konnte er stch doch nicht sprechen. Tas muhte er sich nun cingeslcbcn.
Und dieser Vorwurf anälte ibn auch die ganze Nacht noch, als das Test längst beende« war und alle schon ibr Laaer ansocsucht batten. Schlaflos lag er da und sah mit starren Augen in das Helle Mondltcht. das bleich und schreckhaft den ganzen Raum füllte, und immer lvieder kam die mahnende Stimme in ihm zum Wort, die ibn immer von neuem anklagte, seinem ältesten Soün iinrcÄt getan zu baden.
Die ganze Nacht warf er sich ruhelos umber. Und erst, als er gegen Morgen zu der festen Vornahme nch durchgerungen. zu Bruno binaussahren zu wollen und ihm zur Versöhnung die Hand zu bieten, da erst fand er noch ein paar Stunden Schlaf.
Und wirklich, aleich am nächsten Tage machte er cs wahr. Ohne zur Schwester oder zu Kurt ein Wort von seinem Vorhaben zu sprechen, lieh er anGanncn und fuhr hinaus nach Schönau zu seinem ältesten Sohn.
Als er so in den Hellen, sonnigen Frühlingstag bin- einsuhr, sah er stnnend in die blaue Lust und übcr-
' G i e h e n, 3. Sept. Der Ortsgewerbe- verein hielt am Dienstag eine Vorstandssitzung ab, die jich mit den durch den Krieg besonders ungünstig gestalteten Verhältnissen im Handwerk beschäftigte. Der Vorstand beschloß, die beabsichtigte Gründung einer sogenannten Kriegskreditkasse tatkräftig zu fördern. Gleichzeitig wurde ein Ausschuß gewählt, der durch die jetzigen Verhältnisse in Not geratenen Mitgliedern durch Rat und Tat zur Seite stehen soll.
* Bad-Nauheim. Die Bade- und Trinkkur wird im vollen Umfange aufrecht erhalten. Täglich spielt die Kapelle an den Trinkkuranlatzen patriotische Weisen. Die Pensionen und mehrere Hotels bleiben den Winter über geöffnet.
* Leihgestern. Der Gr oh Herzog hat dem evangelischen Pfarrer Kirchenrat Karl S1 r a ck anläßlich seiner Versetzung in den Ruhestand die Krone zum Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
! Kassel. Die Stadtbehörden ernannten den Heerführer Generaloberst v. Heeringen zum Ehrenbürger.
* Essen. Der Zechenverband hat dem Landeshauptmann der Provinz Ostpreußen 100 000 Mk. zur Linderung der durch den feindlichen Einfall her- vorgerufenen Not in der Provinz Ostpreußen, deren Söbne unter den Bergleuten des rheinisch-westfälischen Bezicks zahlreich vertreten find, zur Verfügung gestellt.
Merkblatt.
Auf Anregung des Reichsamts des Innern und des Kgl. Preuß. Ministeriums für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, hercuuStzegeben von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft Berlin.
Verstärkung der Futtcrvorrätc.
Die Zeit für die Aussaat selbst der schnell wachsenden Stoppelsaaten, wie Senf, Buchweizen und Spargel, dürste für den größten Teil unseres Vaterlandes vorüber fein, wohl aber, kommen folgende Maßnahmen in Betracht:
1. Haushälterisches Wirtschaften mit allen zu Futter - zwecken verwendbaren Stoffen. Kein voreiliges Verkaufen von Futter- und Streumitteln.
2. Schleunigste Aussaat frühzeitig verwendbaren Frühjahrsgrünsutters.
a) Johannisroggen oder gewöhnlicher Roggen mit Zottelwicke;
b) Raps mit Fuiterroggen;
c) Inkarnatklee oder Schwedenklee.
3. Stehenlassen des alten Klees und Kräftigen desselben mittels angemessener, leicht löslicher Kunstdünger (nötigenfalls mit etwas Stickstoffdünger nachhelsen!) Eine schwache Stallmistdecke beschleunigt das Wachs- tum.
1. Einsäuern oder, gegebenenfalls Trocknen bezw. Heuen von Eründüngungspflänzen, wie Klee, Serradella, Lupinen (lediglich Einsäuerung), auch Rübcnblcttt oder Kartoffelkraut.
5. Teweiden der Stoppeln, Wiesen und Weiden , lange, wie nur irgend möglich, auch mit Schweinen. Düngung der Weiden und Futterschläge.
6. Dasßzur menschlichen Ernährung brauchbare) Getreide darf nicht verfüttert werden.
7. Verwendung des gesunden Strohes zu Futterzwrl- ken. Als Ersatz der Einstreu kommen in Frage vornehmlich Torsstreu, serner Waldstreu, Heidekraut, Sä- gespän«,» zum Füttern ungeeignetes Kartoffelkraut, Schilf, Binsen und Erde.
v-v-ue a'ies nocki einmal, was der gestrige Taa tbm an Ebren und Treiide bereitet batte. Bis auf den einen Mißklang mit Br"no war es nur Lieb« und Glück ge- wcien. lind so wie dieser Taa sich aeslaltet hatte, so war eigentlich auA sein ganzes langes Leben vewcscn: immer waren Glück und Freude seine steten Bealeiter gewesen, immer waren seine Unternehmungen von Erfolg gekrönt und iminer halte man ihn mit Anerkennung und Ekr-n überhäuft: so wie man jetzt — wer auch seinen! Waaen hier begegnen mvckite — tief den Hm vor ibm zog. i> war er altentbalben und immer mit Ehrfurcht begrüßt worden. Wabrhastig er konnte zufrieden sein, denn das Leben hatte ibn ant gebettet. Aber schließlich gab cs auch in seinem Hanke ein Gespenst. S i-nrnnze!nd mußte er es sich einacstehen. ttnd dieser dunkle Punkt in seinem sonst so freud ekelten Dasein. es war iene kurze, aber unersrcukiche Zeit seiner erste» ecks deren lebendes Andenken sein erstg-ba»
rener ^ohn Bruno ibm ständig vor Angen war. Mit bciml^„ot Entsetzen, backte er an iene Zeit, die ans sei- ner Erinnerung ausznti'aen. ihm noch immer nicht gelungen war. Sein "'»'er. ein willen-starker und jähzorniger Mann, batte i'n. den feschen und stvtten Lebemann. in diele Eb? bineingerwungen. Er. dess-m Herz an all' dm> Tand »nd Frohsinn der aroßcn Welt da draußen hing, er muß'e hier in dem kleinen Nest bleiben und eine reiche Heirat machen, damit das alte Han- delshaus neuen Glanz und neue Mittel bekam, damit man. um jeder au'blübrnden Konkurrenz zuvorzukommcn, überseeische Verbindungen großen Stils anknüpsen konnte. Ter kalten Spekulation eines autcn Rechners mußte er sein junaes. jauchzendes Lebensglück opfern. Er tat cs, weil ihm keine Wahl blieb. Wie in Zerknirschung und Verzweiflung tat er es. Man hatte ibm den Trost milgegeben, daß alles im Leben nur Ge
wohnheit sei, und daß er mit einigem guten Willen sich auch in diese Ehe ohne Liebe Hineinsinden würde. Gelacht hatte er dazu, denn er wußte, daß er nie so sein Glück finden würde. Und er hatte nur zu recht behalten. Eine qualvolle, eine grausame Zeit war es für ihn geworden. Zwar hatte er seine Frau stets mit
Zartheit und Takt behandelt, aber sein Herz, seine Seele gab er ihr nicht: innerlich blieben üe sich fremd und
8. Im gegebenen Falle Verfüttern von entschälten und gerösteten Rtotzkastpnien, Eicheln, Bucheckern, sowie Eintreiben von Schweinen in die Forst.
9. Es ist daraus hinzuwirken, daß alle vorhandenen Trocknereien, deren Zahl nach Möglichkeit noch zu vermehren ist, bis zur höchsten Leistungsfähigkeit ausgenutzt werden (Lohntrocknung). Das Trcckenfutter ist aufzuöewabre,,, bis alle wasserreichen Futtermittel verbraucht sind. Es ist ernstlich zu erwägen, einen Teil der Zuckenübencrnte, fysch oder getrocknet, zu verfüttern.
10. Füttere nach Leistuug, d. h. bevorzuge bei der F»1- lerzuleilung die leistungsfähigeren Tiere.
Kirchliche Kachrichten.
Evang,fische Gemrindc in Giehrn.
Sonntag, den 6. September, 13. nach Trin. Kollekte für die Kaiscr-Wilhelin-Stistung für deutsche Kriegsinvaliden.
Gottesdienst.
In der Stadtkirche.
Vcrm. 8 Uhr: Pfarrers Schwabe.
Zugleich Christenlehre für die Neuionfirmierten aus der Markusgemeinde.
Vorm. 9% Uhr: Pfarrer, D. Schlosser.
Vorm. 11 Uhr: Kindeckirche für die Matthäusgemeinde.
Pfarrer D. Schlosser. Mittwoch, den 9. September, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfaner D. Schlosser.
Nächstkünstigen Sonntag, den 13. Septbr., wird Beichte und hl. Abendmahl für die MaithäuS- u. Mar- kuSgemeinde gemeinsam gehalten werden. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.
In der Johanneskirche.
Vorm. 8 Uhr: Pfarrer Ausfcld.
Zugleich Christenlehre für die Neukonsirmierlen aus der Johannesgemeinde.
Vormittags 9% Uhr: Pfarrer Vechtolsheimer.
Beichte und heil. Abendmahl für Lukas- uttd Johannesgemeinde gemeinsam. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.
Vorm. 11% Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde.
Pfarrer Vechtolsheimer.
Jeden Samstag zwischen 7 und 8 Uhl werden beide Kirchen geöffnet und darin bei Orgelspiel Gelegenheit zur stillen Andacht gegeben sein.
Katholische Gemeinde in Giehen.
Samstag, den 5. September.
Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gele- genheit zur HI. Beicht.
Sonntag, den 6. September.
14. Sonntag nach Pfingsten. Schutzengelsest.
Vorm. 6% Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.
Vorm. 7 Uhr: Die erste hl. Messe.
Vorm, 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion.
Vorm. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.
Vorm. 11 Uhr: Heilige Messe mit Predigt."^ Nachmittags 2 Uhr: Andacht zu den hl. Engeln mit Segen.
Nachm, um 4% Uhr: Jungfrauen-Kongregation.
Sonntag, Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag Samstag, abends um 7% Uhr ist Kriegs- Vittandacht.
Verantwortlich: A l b i n Klein, Gießen.
kalt gegenüber: lügen konnte und wollte er nicht. Und als der Himmel sie von ihm nahm, atmete er erleichtert auf, obschon er stch dessen schämte. Und an diese Ehe, an diese furchtbarste Zeit seines Lebens erinnerte ihn immer und immer wieder sein Sohn Bruno. Nein, er hatte ihn niemals geliebt. Offen und ehrlich gestand er es sich ein. Er hatte nur zu bald erkannt, daß der Knabe ganz und gar nach seiner Mutter geartet war. Nein, er hatte ihm nie halb so nah gestanden wie sein Kurt, Das alles gestand er sich rückhaltslos ein. Aber dennoch fuhr er nun hinaus zu ihm, um eine Aussöhnung anzubahnen. Er war ein alter Mann, seine Tage waren gezählt, und er wollte ruhig und mit gutem Gewissen von der Welt scheiden. Und deshalb war er dem Onkel Klaus dankbar, daß er ihm noch zur rechten Zeit die Augen geöffnet hatte.
Als der Wagen in Schönau ankam und in den Hos einsuhr, stand Bruno gerade am Fenster. Er glaubte, seinen Augen nicht trauen zu sollen. War das wirklich sein Vaier, der da aus dem Wagen saß? Ruhig ging er hinunter, seinen Gast zu begrüßen.
Das Willkommen fiel, trotzdem man stch von beiden Seiten entgegenkam, schon um den Leuten ringsum nicht Nahrung zum Klatsch zu geben, dennoch etwas frostig aus. Erst als sie oben im Zimmer waren, sah der Vater den Sohn an, versuchte zu lächeln und fragte ein wenig unsicher:
„Du wunderst Dich gewiß, mich hier zu sehe»/ wie?"
.Offen gestanden, jal" erwiderte Bruno rubia.
Prüfend, aber mit ircundlichen Augen, siano der alte Herr vor ihm. „Und Du kannst Dir gar nicht denken. weshalb ich da bin?"
Ein ruhiges und ernstes „Nein!" war die Antwort
Einen Moment sahen Vater und Sohn sich ernst und fragend in die Augen
Fortsetzung folgt.


