gegen Lublin vor. Westlich hiervon Hallen die zwischen Bug und Wieprz vorgesührlen eigenen Kräfte am 26. August den Angriff aus die aus dem Räume von Cholm entgegengeriickle starke russische Armee begonnen. Hieraus entwickelten sich nach der Schlacht von Krasnik weitere hartnäckige, für unsere angriffssreudigen Truppen fiteg - reich verlaufene Kämpfe bei Z a m o s z, sowie nördlich und östlich von Tomaszow, in welche am 28. August aus dem Räume von Belz eine nun gleichfalls auf russischem Boden vordringende eigene Gruppe erfolgreich eingriff. In diesen Kämpfen wurden ebenso wie in den Schlachten von Krasnik Tausende von Gefangenen gemacht.
In O st g a l i z i e n behaupten sich unsere Truppen mit hervorragender Bravour und Zähigkeit gegen sehr stark überlegene feindliche Kräfte.
Aus dem südlichen Kriegsschauplatz fanden in letzter Zeit keine nennenswerten Kämpfe statt.
Born Seekrieg.
W.T.B. Berlin, 29. Aug. Im Laufe des gestrigen Vormittags sind bei teilweise unsichtigem Weiter mehrere moderne englische Kreuzer und zwei englische Zerstörerslottillen (etwa 40 Zerstörer) in der deutschen Bucht der Nordsee nordwestlich von Helgoland ausgetreten. Es kam zu hartnäckigen Ein- zelgesechten zwischen diesen und unseren leichten Streit - krästen. Die deutschen kleinen Kreuzer drängten heftig nach Westen und gerieten dabei infolge der beschränkten Sichtweite mit mehreren starken Panzerkreuzern ins Gefecht. S. M. Schiff „A g i a d n e" sank, von zwei Schlachtschiffkreuzern der Lion-Klasse auf kurze Enffern- ung mit schwerer Artillerie beschossen, nach ehrenvollem Kampfe. Der weitaus größte Teil der Besatzung (voraussichtlich 250 Köpfe) konnte gerettet werden. Auch das Torpedoboot „V 187" ging, von einem kleinen Kreuzer und 10 Zerstörern aufs heftigste beschossen, bis zuletzt feuernd, in die Tiefe. Flottillenchef und Kommandant sind gefallen. Ein beträchtlicher Teil der Besatzung wurde gerettet.
Die kleinen Kreuzer „K ö l n" und „Main z" werden vermifft. Sie sind nach einer beutigen Reutermeldung aus England gleichfalls im Kampfe mit überlegenen Gegnern gesunken. Ein Teil ihrer Besatzung (neun Offiziere und 81 Mann?) scheint durch englische Schiffe gerettet worden zu sein. Nach der gleichen englischen Quelle haben die englischen Schiffe schwere Beschädigungen erlitten.
W.T.B Wien, 30. Aug. In Besprechung des Seegefechts bei Helgoland hebt das „FremdenblaN" hervor, daß auch diesmal wieder die deutsche Ilner - schrockenheit und Tapseckeit zutage getreten sei, und fährt dann fort: Die Teilnahme und Bewunderung ganz Oesterreich-Ungarns wendet sich den heroischende üt- schen Matrosen zu, welche, wenn sie nicht siegen konnten, der Welt gezeigt haben, wie die deutschen Blaujacken zu st erben verstehen.
Englischer Bruch gegen das Völkerrecht.
W.T.B. Berlin, 31. Aug. (Nichtamtlich.) Wie die „B. Z. am Mittag" erfährt, hatte sich „Kaiser Wilhelm der Große" an der Mündung des Rio dcl Oro an der Nordwestküste Afrikas vor Anker gelegt und wurde vonsdem englischen Kreuzer überrascht, während er in voller Uebereinstimmung mit den Neutrali-
€in stiller Mensch.
Roman von Paul Blitz.
Nachdruck verboten.
Und indem u cm wenig überlegen lächelte, dachte er: es ist ja stets die gleiche Geschichte, — er ist der Umworbene und ich der Einsame! — So war cs ja immer schon gewesen! Warum sieb deshalb jetzt noch erregend Das Veste war eben, man weicht solchen Festlichkeiten ein für alle Male aus, — das tat er ja auch
seu Jahren schon, — beute aber, an des Paters Ehren
tag, heule durste er doch nicht scrn bleiben, das Kälte man ihm doch zu sehr verargt. So war er denn auch pünktlich und pflichtgemäß erschienen, hatte alles mitge- machl, was bei solcher Gelegenheit nicht eben zu um- geheu war, aber jetzt, wo der Jubilar nicht mehr im Mittelpunkt der Festlichkeit stand, wo auch die anderen ihren Anteil an dem Vergnügen haben wollten, jetzt
hielt es ihn, den Einsamen, den Bauern, nicht mehr län
ger hier, letzt zog es ihn zurück nach seinem Guishoj. nach dem traulichen Lampenschcin seines stillen Zimmers.
Unwillkürlich sah er wieder hinüber nach dem Saal. Noch immer war dort drüben Kurt der Mittelpunkt des Trubels, >ctzl stand natürlich auch die Tante Marie bei ihm, — die war ja ohne ihren Liebling einjach nicht zu denken! — und nun trat auch noch der Vater zu ihm hin, und alles, was nur anlommen konnte umdranglc jic jetzt, dicht gedrängt im Kreis stand alles zusammen: weiß Gott, was da nun wieder besprochen wurde!
Und dann plötzlich dachte er: Und um mich kümmert sich niewand! Er lächelte zwar, aber cs war doch ein ganzes Stück Wehmut darin. So war es eben. „Wer sich der Einsamkeit ergibt, der ist gar bald allein." Niemand machte auch nur den Versuch, ihn zur Fröhlichkeit zu animieren. Man kannte ihn lckion zu genau und deshalb ließ man ihn möglichst altern.
Er raffte sich aus. Das Beste war eben schon, er verschwand so schnell als möglich. — vermissen würde ihn sicher niemand.
Ruhig ging er durch ernes der Nebenzimmer, um von da zur Garderobe zu gelangen. Aber aus einmal stand jemand hinter ihm und hielt ihn feit. Ter Cnfcl Klaus mar cs, ein Vetter des Jubilars.
„Bruno, Kerlchen, willst Tu Dich etwa gar schon drücken?" ries der lebenslustige alte Herr
„Ja, Onkel Klaus, ich habe jetzt genug von dem Kram dadrinnen," klang es mit leiser Ironie zurück.
tälsgesetzen Kohlen einnahm. Nach vorliegenden Depeschen ist der grötzte Teil der Besatzung „Kaiser Wil - Helms des Großen" gerettet worden. „Highsliyer" hat
einen Toten und acht Verwundete.
* * *
Apia, die Hauptstadt dep deutschen Samoainsel Upolu, die seit 1899 deutsches Schutzgebiet ist, kapitu? lierte, nachdem eine englische Erpedilion zum Kampf übergegangen war.
Allerlei Nriegsnachrichten.
Die Königin von Belgien ist mit ihren Kindern nach England „a b g e r e i st".
Nach einem Befehl des Zaren wird Petersburg künftig Petrograd genannt.
Ausländische Belohnung deutscher Tapferkeit.
14 Mann des deutschen Detachements, welches vor Ausbruch des Krieges in S k u t a r i war und dann mit den Oesterreichern Schulter an Schulter tapfer gegen Serbien gekämpft haben, erhielten die österreichische Tapferkeitsmedaille.
Deutsches Empfinden.
Der Herzog von Sachsen-Kob urg-Eo- t h a, der eine englische Erziehung erhielt, hat die ihm vom englischen König übertragene Stelle als Chef des Regiments Seasorth Highlander aufgegeben, da er es mit seiner Stellung als deutscher Bundesfürst nicht in Einklang bringen kann, Ehef eines Regiments zu sein, dessen Land uns in schändlichster Weise überfallen hat.
Eeneralstabschef von M o l t k e hat all seine französischen, englischen, russischen, belgischen und japanischen Orden zum Verkauf gestellt. Der Erlös soll dem Roten Kreuz zugewiesen werden.
Genügend Kriegsfreiwillige.
W.T.B. Berlin, 31. Aug. (Amtlich.) Der Bedarf an Kriegsfreiwilligen ist zurzeit gedeckt. Das Kriegsministerium kann daher bis auf weiteres Kriegsfreiwillige nicht an die Ersatztruppen verweisen. Meldungen, die schriftlich an das Kriegsministerium oder mündlich an das Sekretariat gerichtet werden, haben daher keine Aussicht aus Berücksichtigung. Sowie die Einstellung von Kriegsfreiwilligen wieder möglich ist, wird dies bekannt gegeben werden.
Mehrere 100 deutsche Eisenbahner aus Preußen, Hessen, Bagern, Sachsen sind zur Ausübung ihres Berufes nach Belgien abgereist.
Tcutschc Hilfe für Ostpreußen.
W.T.B. Hamburg, 30. Aug. Die Bürgerschaft hat auf Antrag des Senats 200000 Mark zur Unterstützung der vom Krieg betroffenen o st p r e U tz i - scheu Bevölkerung bewilligt uttd den Senat ermächtigt, für, die Dauer des gegenwärtigen Krieges ein durch eine hamburgische Behörde eingeleitetes oder vor einem Hamburger Gericht schwebendes Strafverfahren gegen zu den Fahnen einberufene Personen niederzu- schlagen.
Der Wert der Pariser Forts
wird von einem italienischen Generalstabshauptmann als sehr gering bezeichnet. Es seien nur Werke aus Erde und Backsteinen, die alle vor 1886 gebaut und unmodern seien.
Die Verlegung der französischen Regierung soll für die nächsten Tage geplant sein. Nach Pariser Meldungen, die über Mailand kommen, wird man von Lhon aus weiter „regieren".
Der Alle lachte mit rie>em Behagen, und ivahrend er Bruno auf die Schüller klopfte, leuchtete aus seinem lebenssroben Gesicht die Helle Freude. Dann sagte er gutherzi- „O, Du Kind, Du Kind, von sechsunddreißig Fahren, Du ewiges Kind! Wirst Du denn nie und aimr:c vernünftig werden?"
Auch Brunos Gesicht tvar plötzlich wie von Sonar-schein erhell!, und leicht errö.end antwortete er: „Jetzt wohl kaum mehr. Onkel Klaus." Er wollle ihm sie Hand reichen uitd weilergehen.
Aber daraus wurde nichts. „Meinst Tu wirklich, daß ich Dich jortlasseu würde? Ach, Tu dummer Bengel! Das laß Dir nu' man vergeh'»!" Und kurz und bündig nahm er Bruno beim Arm und zog ihn mit fort, ins nächste Zimmer mir hinein, so daß dieser nicht anders als solgcn konnte.
„Siehst Du, mein Jung', den ganzen Abend habe ich danach geirachiet, mit Dir in Ruhe ma' ein paar Worte zu plaudern, aber nie bin ich dazu gekommen. Uno jetzt, wo ich Ticb endlich habe, willst Du mir aus- rückcn? Nee, Kerlchen, so läßt der Onkel Klaus denn »och nicht mil sich umspringen. Das solltest Tu doch wohl allein wissen. So. Und setz! lassen wir uns hier gemütlich nieder und ciablicren ein Chambrce separce. Du mußt nämlich wissen, daß ich uns einen ganz Herr- lichen Markobrunner hierher gerettet habe, so einen, der nur für Verständige da ist. So. Und nu' laß die da- »rinnen man lobe», soviel sic wollen, wir schassen uns hier auch ein Amüsement, aber aus unsere Art." Inzwischen hatte er Bruno in einen der liefen Sessel nie- dergedrückl und den blinkenden Wein cingeschenki.
Es half nichts, kein Reden und kein Sträuben. Bruno mußte bleiben. Lächelnd ergab er sich darin.
„So, mein Lieber, nu' trink' mal ordentlich eins! Wenn Du von dem Sasl da so'n Stück sechs Gläser im i Leib hast, dann wirst Du kein so griesgrämiges Gesicht mehr machen. Also Prosit aus!"
Sie tranken. Und wahrend der alle Herr schmunzelnd, fast liebkosend, das herrliche Weinchcn ansah. wurde Bruno ein wenig verlegen, denn er schämte sich, daß er sich vorhin eine Blöße gegeben und nicht besser aus seinen Gcsichtsausdruck geachtet hatte.
Um das wieder gut zu machen, sagte er nun: ^
Der Kaiserliche Motorjachtklub und der Kaiserliche Automobilklub haben die bis jetzt als Mitglieder geführten Belgier, Engländer und Franzosen aus ihren Listen gestrichen.
Deutsche Post in Lüttich
Ein Oberpostinspektcr und 20 Postbeamte gingen von Düsseldorf nach Lüttich ab, wo deutsche Post eingerichtet wird.
Amerikas Neutralität.
W.T.B. Washington, 29. Aug. (Nicht amtlich.) Präsident Wilson veröffentlichte eine Erklärung, in der die Neutralität der Bereinigten Staaten im Kriege zwischen Japan und Deutschland und zwischen Japan und Oesterreich-Ungarn ankündigt.
Aus aller Mn.
* In Valona ist das Gerücht verbreitet, der Für st von Albanien steh« im Begriff, Dnvazzo zu verlassen, da zu den militärischen Schwieygkei- ten sich infolge wirtschaftlicher Art zugesellt hätten, Oe- slerreich-Ungarn sich weigerte, weitere Vorschüsse auf eine Anleihe zu machen und die Regierung niemanden mehr bezahlen könne.
Aus Stadt und Laad.
otzG roßen-Linden. Einer Aufforderung des Bürgermeisters Leun, für die Verwundeten grüne Bohnen und frische Eier zu spenden, ist schnell und in ungeahnter Weise entsprochen worden. Es wurde ein ganzer Wagen voll Bohnen in die Turnhalle gefahren. Innerhalb einer Stunde nach der Bekanntmachung waren in der Bürgermeisterei 2300 Eier abgeliefert.
s D a r m st a d t. Die JahrhUndert-AUs- stelkung deutscher Kunst 1650 — 1800 im Residenzschlotz zu D a r m st a d t, die mit dem ersten Mobilmachungstage hat geschloffen werden müssen, ist am 1. September dem Publikum wieder allgemein zugänglich gemacht worden und soll auch bis Anfang Oktober geöffnet bleiben. Die AusstelluNgsleitung weist mit. Recht darauf hin, daß diese Veranstaltung gerade in den gegenwärtigen Wochen, wo unser Vaterland die Prüfungen eines Weltkrieges an sich erfährt, doppelt zu den Herzen der Befuch-r sprechen wird, da sie ein Stück nationaler künstlerischer Vergangenheit in einem 'Zeit - alter veranschaulicht, das trotz der schweren äuheren und inneren Krisen unserem Volke die Grundlagen der modernen Kultur gegeben hat.
* .Die Zentralkasse der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften, e. E. m. b. H. zu Darmsladt, ist A n n a h m e st e l l e der- hessischen Kriegsversicherungen aus Gegenseitigkeit für den Krieg 1914. Damit ist die umfassende Organisation des landwirtsch. Genossenschaftswesens in Hessen mit rund 335 der Zen - tralkasse angeschlbssenen Einzelgenosscnschasten in die Dienste der Kriegsversichernng gestellt. Jede dieser Genossenschaften kann durch Vermittelung der Zentraikassc die erforderlichen Versicherungsscheine beziehen und in der denkbar einfachsten Weise die Dergechnünq vornehmen. Es empfiehlt sich dringend, daß die Genossenschas- len von dieser segensreichen Einrichiung Gebrauch machen und erneut ihre wirtschaftliche Kwst und ihre Eri- stenzbercchtigung in der Volkswirtschaft unseres Landes dartun. Die Zentralkasse ist bereit, den Genossen - schäften 'jede gewünschte Auskunft zu erteilen.
rrrzr, Onrel Kraus, ick, war durchaus nicht mißgcstimutt und schlechter Laune "
Aber weiter kam er gar nicht, denn der alte Herr rief heiter: „A nee, mein Jung', ich irr' mich gar nicht! Ich kenn' Dich denn doch zu genau! Und schließlich verstehe ich ja auch Deinen Aerger recht gut; ich an Deiner Stelle würde mich ja auch fuchsen, wenn ich sähe, wie sich alles um den schönen Kurl drängt und schar!, während sich um mich kein Mensch kümmert. Aber sei doch auch mal ganz ehrlich. Bist Du selber nicht auch schuld daran? Hast Du Dich nicht mit aller Gewalt zurückgezogen von allem Umgang mit der Familie? Nun, ist cs vielleicht nicht so?"
Das ernste Gesicht des Jüngeren wurde jetzt hart und finster, und als er antwortete, Hang cs kurz und herb: „Ja, es ist so. Und ich will es auch nicht anders haben."
Onkel Klaus nickte nachdenllich. „Ich versteh' Dich ganz gut, mein Jung'. Du grollst Deinem Vater, daß er seinen zweiten Sohn mehr liebt als Dich."
„Mehr als mich? Mein Vater hat mich nie geliebt, nie! — Jawohl, das sage ich, — nie hat er für mich etwas gefühlt!" klang es scharf zurück.
„Bruno, er ist Dein Vater," mahnte sanft der alte Onkel Klans.
„Ja, wäre er es nur mehr gewesen! Aber er war es nur dem Namen nach."
„Du darfst über Deinen alten Vater nicht richten wollen, Bruno."
„Das will ick auch nicht. Aber ich will auch nichts heucheln, was nicht in mir lebt. Ich habe mich setzt mit der Tatsache abgefunden, und ich will nur mein Recht, nämlich meinen eigenen Weg gehen: alles andere ist mir gleich."
Wieder versuchte der alte Herr einzulenken.
„Und wenn Du nun doch Deine Mcimmg ein wenig ändertest, lieber Jung'? Sich, Dein Vater ist ein Greis, seine Tage sind gezählt. Wenn Du mm noch ein wenig nachgcben würdest?"
Bruno sah ehrlich erstaunt aus. „Rachgcbcn soll ich, Onkel Klaus? Ist das wirklich Dein Ernst? Ich sollte hierher kommen und mich eindrängcn? Hast Du mir das wirklich Zutrauen können!?"


