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»Red' dock nicht so'n Zeug! — Eindrängen. — Was soll denn das beißen?'
.Ja, ist es denn vielleickt anders? Eristiere ick denn für die Familie hier überhaupt noch? Nur wenn man mich brauch«, wenn es — der Leute wegen — gar nickt zu umgeben ist, dann entsinnt man sich meiner, sonst dock nicht''
.Aber er ist und bleibt dock Dein Vater.'
.Sprich das Won nickt mehr aus ick bitte Dick darum! Es ist nicht gut. alte Wunden wieder auszureißen.'
.Mit ein wenig Liebe ist doch alles gut zu machen.'
Bitter lächelnd schüttelte Bruno den Kops. .Du irrst, Onkel Klaus, hier ist alles vergebens. Mein Vater und ick kommen nie innerlich wieder zusammen. Es steht jcntand zwischen uns, das ist meine tote Matter.'
Fragend sah der Alte den Jungen an. .Wie kannst Du nur so etwas lagen, Bruno?'
Der aber nickte, ernst und voll verhaltener Wehmut. »Es ist so. Onkel Klaus. Ebenso wie mein Vater kür meine arme Mutter nichts empfand, so hat er auch für mich nie etwas übrig gehabt. Ja. 1 a. es ist so Sag. was Du willst, es ist so. Klaub nur. ein Kind bat ein seines Gefühl für so etwas. Nickt umsonst bin ich so still und so verschlosien geworden.'
Jetzt erwiderte der alte 6m Nickis mehr. Still und ernst saß er da in seinem Lehnstuhl und tat ein oaar neie Züge aus seiner Zigarre, dann hob er langsam das Glas und leerte es.
Auch Bruno schwieg. Ihm war es unbehaglich. Er sehnte sich fort, weit kort.
Das merkte der andere, deshalb füllte er schnell die Gläser wieder und schlug einen anderen Ton an.
.Reden wir nickt mehr davon Ick schelte mich fttzl selbst, daß ick unser Gespräch dabin kommen ließ. Ich wollte ja etwas ganz anderes von Dir. Na. trinken wir mal erst. Prost"
Nachdem sie getrunken, fragte Bruno: .Also, was woll'-stt Du denn. Onkelcken?'
Der Alte war letzt wieder ganz Lebenslust. und Jrcudc. Sckcrzend ries er: .Ich habe 'ne Neuigkeit für Dich, iawobl.'
.So? Und was sür eine denn?'
.Ja, mein Jung', so ohne weiteres gebt das nun auch nicht. Erst mußt Tu mal ein ganz anderes Gc- sicht macken, damit ick iveiß daß Du all' den Krimskrams von vorhin oergesim hast. Ja ia! Es ist nämlich ne ganz besondere Neuigkeit, die ick sür Dick habe.'
Bruno mußte lächeln. Dieser prächtige alte Mann meinte cs gut mit ibm, Vas wußte er. und deshalb I alle er ibn ehrlich lieb. Eben wollte er ihm auch eine fröhliche Antwort geben.
Aber mit einem Male wurde hrc ,'nlle Unierbal- ung gestört. Kurt, vcr jüngere Bruder, ranz uuiger-rgt, .rat schnell näher.
.Ah, endlich finde ich Dich. Bruno! Allenthalben habe ich Dick schon geluckt!'
Ter ältere Bruder blieb ruhig sitzen und iragic verwundert: ..Mick hast Du gesucht?'
.Ja. natürlich. Wir haben nämlich eine Bitte an Dich. Tu entschuldigst wohl, Onkel Klaus, daß ich gestört habe!'
.Bitte, bitte.' erwiderte der, ohne sich vom Fleck zu rühren.
Bruno war gespannt. ,Na, also, was soll ich denn?'
.Sei doch so gut und engagiere Fräulein Breitmann zum Konter: sie hat nämlich keinen Herrn bekommen, und sitzen bleiben darf hcs Bürgermeisters Tochter doch nicht.'
Onkel Klaus kicherte in sich hinein.
Bruno aber wurde erst ein wenig blaß, dann antwortete er ruhig: .Ich tanze nicht, das weißt Du doch ganz gut.'
.Natürlich weiß ich das. Aber ich denke. Du wirst doch in diesem Fall mal eine Ausnahme machen. Wir. als die Söhne vom Hause, müssen doch sür unsere Käste sorgen.'
»Als die Söhne vom Hause', — es klang ziemlich scharf und bitter — „nun so opfere Du Dich doch!'
»Aber ich habe doch schon eine Dame!'
»Dennoch muß ich bedauern. Ich war eben im Begriff. zu gehen.'
»Aber Bruno, laß doch mit Dir reden! Es ist doch kein einziger jüngerer Herr mehr frei!'
»Aba. deshalb hast Du an mich gedacht, sonst auch nicht! Als Notbehelf, wie gewöhnlich! Nein, ich danke dafür', ries Bruno verbittert.
Kurt biß die Lippen aufeinander. Er kochte vor Wut. Aber er nahm sich zusammen. Hilfesuchend sah er zu Onkel Klaus. Aber der verhielt sich ganz passiv.
Jetzt kam auch Tante Marie angerauscht.
»Nun, wo bleibt Ihr denn? Die Paare stellen sich schon auf!' Ganz atemlos war sie.
»Bruno will nicht,' erklärte Kurt säst schroff.
»Was denn? Bruno, was soll denn das nun wieder? Es handelt sich hier um des Bürgermeisters Tochter?' Ganz außer sich war sie.
»Ich bedauere, ich tanze nicht," erklärte Bruno bestimmt. aber in ruhiger Weise.
Jetzt wollte Tante Marie sich noch einmal aufs Bitten legen, doch Kurt zog sie mit sich fort, indem er. ohne sich umzusebcn. leicht ironisch sagte:
.Laß doch, Du kennst ihn ja auch zur Genüge!' Schnell ginflen sie weiter.
Und wütend, mit zusammengepreßten Lippen, sah Bnino ibnen nach.
Da erhob sich lächelnd Onkel Klaus und sprach: »Dann wird mir wobl nichts anderes übrig bleiben, als daß ich mick opkere: des Bürncrmeisters Tochter, obschon sic 'ne alte Schachtel ist. darf doch bei uns nicht sitzen bleiben.'
Ruhig trank er seinen Wein aus, reichte Bruno, der noch verärqert dastand, die Hand hin und verabschiedete sich. .Fahr' Du man getrost nach Hauke, mein Jung', und fuchse Dick nickt mehr Nächster Tage da komme ick zu Dir hinaus. Dann erfährst Du die Neuigkeit. Gute Nackt! Ich werde Vätern von Dir prüßen.'
Während schon die Musik zum Konter begann, schritt der alte Herr dem Saale zu. Vruno aber, noch verbitterter als sonst, stieg auf seinen Wagen und fuhr in die helle, klare Jrüblinasnacht hinaus.
Erst als er die Stadt hinter sich ha-te und m duftete 7?eld binauskam. ans der stillen Landstraße, da erst wur^r ibm wobl und frei ums Herz.
Es war eine herrliche Frühlingsnacht. Am dunkel- blauen Himmel stand der volle Mond, und die Sterne blitz'en und biigferten in leuchtender Vrackt. Alles war in Glanz und silbersckimmernden Nebel eeZauckt. so daß dle scklankm Hrfi'ti am Wen beinahe aespensterbaft drein- sckau"n. Ganz lau und mild war die Lust. Ein leiser aa:ndbe,,ck web'e den Geruck von frisch aenstügtem A^er her. würzia und kraftvoll, lind allenthalben regte sich neues "eben, keimte und sproß und formte sich zu neuem Wei-den und Gedeihen. Der Trüblina war es. der lackende, 'ickernde Knabe, der mit seaenlvendenden Hände-, über die nenerstandene Wnndcrwclt schritt.
Ack. welche Wohl'at war das.
Behanlick leb-te Brnna im Polster imd »ah wie mit träumenden Augen in die stille zauberhafte Nacht hinein.
Nock einmal sckwebte an ihm vorbei, was der beniige Tan an Aeraer und Kummer ibm gebracht batte, arver er schob es alles bei Feite und kam zu dem festen Entschluß, iartan das näterlicke "»ans ganz zu meiden.
Veraeffen. alles, was aeickeben war. perae"en und a"«löschon aus dem Gedächtnis, das war schon das Beste.
arb^s das kannte' — Ein bitteres Lächeln kam aus kein Genckt. — Wer das wobl kertia brack'e'
Nnd aus einmal, obne daß er es rvoll'e stand wieder keine einsame, verbit'erte Juaer>d-eit he'l nnd klar vor ihm. — jene Zeit, als er die geliebte Mutter verloren. als er verwaist nnd verlassen dastand. als er aus ein liebes tröstende? Wart de-? Vaters gewartet, von Tag zu Tag umsonst gewartet hatte.
Heute lächelte er darüber mit verhaltener Wehmut, denn er redete sich ein. daß die Wunde vernarbt war. Damals aber, als er liebeheisckend mit brenn-»nden Augen zum Vater a»i!ab. damals batte es Nächte gegeben — auch solche Frnblingsnächte wie diele — in denen er schluchzend im Be-tc lag and vor Sckmsrz und Wut ins Kisten biß. um seinen Jammer nicht kaut werden zu lasten. Denn er '»'iblte es, daß er dem Vater nichts, gar nichts war. Mit dem seinen Instinkt des stillen, scheuen Kindes hatte er es gemerkt, daß der Vater die Mutter nickt l»cb«e, nnd daß diese Kleick- gültigkeit sich nun anck ans ihn übertrna Und diese Erkenntnis trieb ihm aas Bln» ins Gesicht. Von nun an i'mschmcichelte er den Va'er nicht mehr. Von nun an wurde er still und stolz, hielt sich einsam nnd sür sich. Sein Tiesstes, sein Heiligst-s war verletzt: er
wollte sich binaeben mit aanrer Seele nnd er wurde gleichgültia bei Seite geschoben Das traf ihn Der alte starre Stolz und Trotz seiner Vorfahren von mütterlicher Sei'e aus, das stolze Blul der alleingesestcnen Bauern, das regle sich nun. nnd das machte ihn hart und -äh. so daß er von nun an still nnd verschlossen, von den meisten verkannt, durch's Leben ging.
So ist er groß geworden »nd hat verwunden, was ihm das Schicksal versagt hakte.
»Aber als der Rater wieder heiratete, als diese zweite Ehe auch von einem .Knaben gesegnet war, und als dieser jüngere Sohn nun mit all der zärtlichen Liebe umgeben wurde, deren ein Vater nur sähig ist. da brach die halb schon verheilte Wunde im Herzen des Erstgeborenen wieder aus. und da ertrug er dies Zusammenleben nicht länger, packte sein Bündel und lies in die Welt binaus.
Ach nur zu gern sah man ihn gehen!
Rastlos und unstäl ist er dannumhergewanvert. hat sich vom unerbittlichxn Leben immer härter und immer zäher machen lasten, bis er endlich so weit war, das Gut, sein mütterliches Erbteil, zu übernehmen.
lind nun erst bekam sein Leben einen Inhalt.
Jetzt stand er aus eigenem Grund und Boden, jetzt war er in seinem kleinen Reich wie ein König. Nun vergaß er alles, was man ihm draußen in der Well Böses getan hatte, nun zog er sich aus seine Scholle zurück. Hier konnte ihn keiner erreichen. Und nun begann eine herrliche Zeit: Arbeit, das war das Allheilmittel sür alles.
Das alte zähe Wesen, das gesunde Blut seiner Vor- fahren, es siegle, es führte ihn aufwärts.
Jahrelang hatte er einsam gearbeitet »nd gerungen, bis er aus dem Gut eine Mnstcrwirtschast nach modernen Ansorderungen gemacht hatte. Nun war er ein reiser Mann und konnte von sich sagen, daß er seine Jugend genutzt hatte. Mit stolzer Befriedigung durfte er sein Werk sehen.
Ja, das durfte er!
Aber nun, was nun? Er war jetzt aus der Höhe des Lebens. Was sollte nun weiter werden? Für wen hatte er geschafft und gespart?
Einsam, einsam stand er da, — einsam sein Herz, einsam seine Seele.
_ Fortsetzung folgt. _
Verantwortlich: A l b in Klein, Eiehen.
Deutscher Luftflotten-Verein.
So ist es beim gekommen, schneller als man vermutete. Ganz Europa.' starrt in Waffen. Ein Krieg ohnegleichen ist über uns hereingebrochen. Eerüstet sind wir bis ins Kleinste.
Wie die Wehr zü Lande und zu Wasser, so ist auch unsere
Wehr in der Luft
vorbereitet. Voll Vertrauen dürfen wir hoffen, dah unsere deutsche Luftflotte sich bewähren wird.
Schon kommen Nachrichten von den Grenzen, die melden, dah nicht nur die Flugzeuge, sondern auch die Lustkreuzer Anteil haben an den kleinen und großen Erfolgen.
Auch unser Verein darf sich einen Teil dieser Er- solge anrechnen und als Frucht seiner Arbeit ansehen. Das soll un« ein Sporn sein, nicht zu erlahmen. Laßt uns nicht müde werden, sucht immer wieder das Interesse für unseren Verein zu wecken.
Werbet Mitglieder sür die große Sache!
Aber kein Stillstand. Nicht nur werben wolle» wir, sondern auch wirken.
Wieviel Lummer, Not und Sorge muh sich einfinden, die zu lindern alle Nichtkämpser berufen sind. Wohlan denn, denkt derer, die im Flugzeug oder Lustkreuzer ihr Leben, ihre Gesundheit einsetzen zum Besten des Vaterlandes. Da wird manche Not zu lindern, manche Träne zu trocknen sein.
Darum Ihr Mitglieder, die Ihr daheim geblieben, tut Eure milde Hand aus, sammelt Mittel, um in größter Not allen Opfern unserer Luftflotte zu helfen.
Unser Verein aber ruft allen seinen Mitgliedern, die zur Verteidigung des Vaterlandes eingezogcn sind oder dem aktiven Heer angehören, aus vertrauendem Herzen ZU'
Gott mit Euch, Gott helfe Euch zum Siege!
Gaben bittet man unter der Bezeichnung „L r i e g s- lufIslotte" zu senden an die Mitteldeutsche Kreditbank, Filiale Gießen.
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Grösste Spezialfabrik Deutschlands fUr Milch-Zentrifugen, Butter- Maschinen, Wasch-, Wring- und Mangel-Maschinen.
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