Extrablatt.
Gieße«. de« 4. August 1914.
Ertrablatt-
Gietzener Zeitung
Redaktion, Druck und Verlag von Al bin Klein in Gießen.
Gießen, den 4. August 1914.
Aus Anregung der Herrn Professor Dr. Noeppe trat gestern Montag in der Kinderklinik eine Anzahl von Herren und Damen zusammen, die hiermit folgenden Ausruf erlassen:
Aufruf!
Kriegs- und Notjahre üben ihren schädigenden Einfluß besonders unheilvoll auf den Nachwuchs der Bevölkerung aus und setzen die Widerstandskraft der kommenden Generation herab. Mir Ausoruch des Krieges muß vorbeugende Fürsorge einsetzen. Die Zentrale für Mutter- und Säuglings- fürsorgc hat in ihrer Abteilung für Außenfürsorge schon Bestimmungen über die Sorge für die Säuglinge und ihre Mütter getroffen. Weiterhin treten Krippe und Kinderbewahranstalt wieder für eine Gruppe von zu Haus unbeaufsichtigten Kindern ein. Es bleiben nun noch die Kinder bis etwa 11 Jahre übrig, die der Aussicht bedürfen, besonders da, wo die Mutter krank ist oder durch die Abwesenheit des zu den Zahnen berufenen Vaters auf Verdienst auszugehen genötigt ist und d.e Kinder allein lassen muß. Erfahrungsgemäß erkranken diese unbeaufsichtigten Kinder sehr häufig und verursachen dann erhebliche Kosten und Mühe.
Es scheint deshalb geboten, für die Kriegszeit eine geordnete Aufsicht dieser Kinder zn organisieren, ohne Rücksicht auf Stand und Religion.
Damen und Herren, die sich an dieser Arbeit beteiligen wollen, werden gebeten, sich am Mittwoch Abend 8 l |* Uhr in der Kinderklinik einzufinden. Junge Mädchen vom 12. Jahre ab, die sich noch nicht anderweitig verpflichtet haben und bereit sind, ihre Kräfte den unbehüteten Kindern zu widmen, können sich täglich von 3 bis 5 Uhr in der Kinderklinik Friedrichftraße 16 melden.


