Ausgabe 
6.8.1914
 
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Drmnerölag. Den 6. August 1914.

Jeleobon Wv. 3*>2. 2G. QbT U .

Krieg nach drei fronten.

Nachdem Ausland und Frankreich in unser herrliches Vaterland eingefallen sind und dadurch im Osten und Westen unsere Brüder für die Verteidigung Deutschlands schon kämpfen müssen, hat nun das unbeständige England uns den Krieg erklärt. Die deutsche Flotte ist durch diese Nachricht zu Heller Begeisterung getrieben; es gilt dm Kampf um Familie, Haus und Hof. Ganz Deutschland aber ist einiger wie nie zuvor, und darum mit Gottvertranen in den uns aufgezwungenen Kampf!

Berlin, 4. August. Vom Reichstage wurde heute «in Kriegskrrdrt in Höhe von 5 Milliarden Mark ge- fcrdert und genehmigt.

Das eiserne Kreuz.

Berlin, 5. August. Durch Verordnung vom heu­tigen Tage hat der Kaiser für den gegenwärtigen Feld­zug den Orden des Eisernen Kreuzes er­neuert.

Deutsche Waffcnerfolge.

Deutsch« Kavallerie hat am 4. August W i e I u n, südlich von Kalisch, besetzt, von der Be­völkerung mit Jubel begrü'gt.

Kurz nachdem bei Soldau befindliche deutsche Trup­pen am 5. August angelreten waren, um starke russi­sche Kavallerie zurückzuschlagen, erfolgte der Angriff einer russischen Kavalleriebrigade. Unter dem Feuer der deut­schen Truppen brach der russische Kavallericangriff un­ter schwersten Verlusten zusammen. Die Stadt Soldau, liegt an dem Nebenfluss der Weichsel Soldau, 6 Kilo­meter von der russischen Grenze im Regierungsbezirk Allenstein, an der Marienburg-Mlawkaer Eisenbahn und den Nebenlinien Mlenftein-Soldau (83 Kilometer) und Graudenz-Illowo der Preuffischen Staatsbahn.

Am 4. August nachmittags griff deutsche Kavallerie das von Russen besetzte K i b a r 1 r> an, ein an der Grenze, nahe Stallupönen, gelegener russischer Ort. Die Besatzung von Kibarty verlieh fluchtartig den Ort, der von unseren Truppen besetzt wurde. Eine in der Nähe befindliche russische Kaoalleriedivisimt sah dem Kanrps untäti» zu. Der einzige Grenzschutz ist hiermit durch­brochen, was für unsere Aufklärung von größter Wich­tigkeit ist.

Die deutschen Kolonien.

Berlin. 5. AugUst. Die glühende, vaterländische Begeisterung, di« in diesen Tagen alle Deutsche des Mut­terlandes erfüllt, hat nach eingetroffenen Meldungen auch die Volksgenossen unserer Schutzgebiete ergriffen. So richtet der Gouverneur von Deutsch-Südwestt-Afrika folgendes Telegramm an den Kaiser:

Ew. Majestät versichern die Deutschen Südwest un- verbrüchliche Treue. Sie bitten zu Gott um den Sieg für das Vaterland. Die Truppe und die Bevölkerung sind voll Mut und Vertrauen. Allerunlertänigst Gou­verneur Seitz."

Italiens Haltung.

In der letzten Zeit sind Gerüchte im Umlauf, wo­nach man an Italiens Haltung und Dreibundspflichten zweifelt. Nach genau eingeholten Informationen liegt vorerst gar kein Grund vor. solches Mißtrauen aus- zusprechen.

Ruffisch Polen steht aus.

Wien. 5. Aug. DieReichspost," meldet aus Krakau vom 3. August: In Russisch-Polen wurde gestern ein US Warschau datierter Auftus zu einem pol­nischen Aufstande verbreitet, welcher von zahlreichen pol­nischen Parteien unterzeichnet ist. Der Auftus erläutert die z> ' e Mtion:

Die Aufständischen, auch die Frauen, scrdert er da­zu auf, den russischen Behörden und dem Militär alle möglichen Hindernisse zu bereiten. Die polnischen Organisationen sollen ge­nau über die Bewegungen der Russen informiert wer­den. Jede Gemeinde wird aufgesordert, Behörden ein­zusetzen, um die Unabhängigkeit vom rus­sischen Reiche zu proklamieren.

R»mänien neutral.

DerKronpat in Sinaja hat die Mutralität° | rnäniens beschlossen.

Dänemark neutral.

Da der Krieg ausgebrochen ist zwischen Deutschland und RUszland und zwischen Deutschland und Frankreich, ! beschloh die dänische Regierung, absolut« Neu- j t r a l i t ü t während dieser Kriege zu wahren.

Die Aufregung in Paris.

Köln, 4. August. Ein aus Paris geflüchteter Deutscher versichert bei seiner Ankunft in Köln, in Pa­ris sei alles entgeistert. Männer und Frauen weinen und jammern. Die Menge ruft:Wir wollen keinen Krieg!" Bei der Abfahrt vom Pariser Bahnhof harrten 20 000 Menschen ihrer Beförderung. Um die Plätze in den Eisenbahnwagen entspannen sich Kämpse auf Le­ben und Tod. An der belgischen Grenze waren die Schienen aufgerissen. Die Reisenden muhten 6 / Kilo­meter Weg zu Fuh laufen. Die Passagiere waren 22 Stunden ohne Nahrung. Unser Gewährsmann muhte in Paris für 40 000 Mark Waren im Stich lassen und hatte nur gerettet, was er am Leibe trug.

Ruffische Gelder beschlagnahmt

Bei den Berliner Erohbanken sind die Rühland zustehenden Guthaben als Eigentum einer feindlichen Macht beschlagnahmt worden.

Achtung!

Naumburg, 5. Nug. Eins der Automobile, die von Frankreich Geld nach Rußland schaffen sollen und mit Damen besetz-t sind, führt die Nummer 1. 42386. Die Automobilisten sollen das Geld jetzt Radfahrern übergeben haben, die Maurerkleidung tragen.

Türkische militärische Vorkehrungen.

K o n st a n t i n o p e I, 3. August. (Meldung des Wiener k. k. Korrespondenz-Bureaus.) Ueber das ganze türkische Reich wird der BelageruNgszu- stand verhängt. Die ottomanischen Handelsschiffe stellten ihren Dienst im Schwarzen Und Aegäischen Meere ein.

Konstantinopel, 5. August. Wie verlautet, wurde die Sperrung des Bosporus und der Dardanellen infolge einer durch den Kapitän eines tür­kischen Dampsers überbrachten Nachricht verfügt, nach der die russische Schwarze Meetflotte unweit der Münd­ung des Bosporus gesichtet worden sei. Die Leuchttürme bei den Meerengen wurden gelöscht und Minen gelegt.

K o n st a n t i n o p e l, 5. Aug. Wie derTanin" aus Erzerum erfährt, haben sich die Rüssen nach Ver­brennung ihrer Blockhäuser und Lebensmittel-Depots von der türkisch-russischen Grenze zurückgezogen.

Bekanntmachung.

Für den Handel mit Waffen pp. jeder Art wird hiermit folgendes verordnet:

Der An- und Verkauf von Waffen im Trödel- oder Althandel wird hiermit untersagt.

Die Waffen- und Eisenhändler und dergleichen dür­fen bis auf weiteres Waffen und Munition nur noch an solche Personen verkaufen, welche sich als aktive Mi­litärpersonen oder zum Heere einberufen« Wehrpflichtige

letztere durch Vorweisung eines Einberufungsbefehls

oder als öffentliche Beamte genügend ausweisen. Der Verkauf von Feuerwerkskörpern, welche zum

Signalgeben pp. irgendwie geeignet sind, darf nur, an Militärbehörden erfolgen.

von Schenck.

Aus dem Reich.

Gietzen, 6. August 1914.

Alle Ansammlungen von Personen auf öffent­lichen Wegen, Straffen und Plätzen sind laut wieder­holter Bekanntmachung des Groffh. Polizeiamts Eieffen verboten.

* Ausgebildete Landsturmpflich- benen noch kein Gestellungsbefehl zugegangen ist, und die in den Jahren 1890 bis 1895 gedient haben, müs­sen sich, sofern sie der Kavallerie und Fuffarlillerie an­gehören, am 15. Mobilmachungstag, also am 16. Aro- gust. in Eieffen, 8 Uhr vormittags, im Hofe der Zeuig- hauskaserne stellen. Diejenigen Landsturmpslichtigen, die von 1890 bis 1895 bei der Infanterie, den Jä­gern und Schützen gedient haben, müssen ebenda am 16. Mobilmachungstag, also am 17. August, vormit­tags 8 Uhr, eintreffen.

Wir werden sie schon verhauen", solch« und gleiche andere mutige Aussprüche hörte man seit der Kriegserklärung, wenn sich Krieger untereinander oder mit^guten Bekannten begrüfften und das Gespräch auf den Feldzug lenkte. Man kann daraus ersehen, wel­cher vaterländische Soldatengeist und welcher grohe Kampfesmut in unserem Kaiser-Regiment innewohnt. So wie es hier, ist, so ijts aber auch bei allen Re­gimentern; ich selbst konnte mich darüber in Friedberg und in Frankfurt überzeugen und die Meldungen aus allen Garnisonen lauten genau so. Die gesamte Eieffener Bürgerschaft wolle darum auch unseren bra­ven 116ern bei ihrem Aulsrücken in den Krieg einen allerherzlichsten Abschied bereiten. Möge das Kaiserrcgimeni bald siegreich wicderkehren!

Die Hassia-Militärvereine Gießens geben folgendes bekannt: Unsere Pflicht gebietet, soweit wir abkömmlich sind, uns dem lieben teuren Vaterlande in diesen ernsten Stunden zur Verfügung zu stellen. Das Groffh. Bezirkskommando stellt noch Mannschaften für den Bewachungsdienst ein, für welche Leistungen Verpflegung und die gesetzliche Vergütung gewährt wer­den.^ Die Vorstände der Hassia-Militärvereine Gießens berufen zur Besprechung eine allgemeine Mitgliederver­sammlung aus heute Donnerstag, 6. August, abds. 8 Vi Uhr, im Saale des Felsenkellers ein, und rechnen bestimmt aus vollzähliges Erscheinen der Mitglieder. Die Tagesordnung wird bei Eröffnung der Versammlung bekanM gegeben. Männer heraus! Alle die­jenigen männlichen Einwohner Gießens, die bereit find, ihre Dienste in dieser Ehrensache dem Vaterlande ebenfalls zur Verfügung zU stellen, sind zur Versamm­lung herzlich eingeladen. Redner: Herr Geheimrat Pro­fessor Dr. E ck.

Berlin, 4. August. Gestern hat der Andrang bei den Wechselkassen der Reichsbank stark abgesllaut. Es machten sich erhebliche Rückflüsse bemerkbar.

Berlin, 5. August. Mit dankenswerter Hingabe hat sich die Bevölkerung der Ausgabe angenommen, an der Sicherheit des Vaterlandes durch Fahndung auf feindliche Spione mitzuwirken. Im Uebereifer sind aber mebrmch Maßnahmen getroffen worden, die nicht zweck­mäßig waren. Mehrfach sind Offiziere der eigenen Ar­mee als russische Spion« angesehen worden uNd in der Ausführung ihrer Tätigkeit gestört worden. Es ist durch­aus notwendig, daß von der schärfsten Aufmerksamkeit nicht um Haaresbreite abgewichen wird. Man enthalte sich aber jeder Tätlichkeit und sorge für die sofortige Klarstellung! durch den nächsten Polizeibeamten.