Ausgabe 
22.7.1914
 
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Statthalter von Dallwitz es abgelehnt, den bisherigen Bürgerm ei st er Knöpfler in Zabern wieder zum Bürgermeister zu ernennen, obwohl der Eemeinderat Knöpfstr mit 17 von 23 abgegebenen Stimmen der Regierung zur Bestätigung empfohlen hatte.

Oesterreich.

* Der österreichische Eeneralstabschef Conrad von Hötzendorf, der seit 3 Tagen in Jnnichen im Pustertal zum Sommeraufenthalt weilte, hat seinen Urlaub plötzlich abgebrochen und ist infolge einer tele­graphischen Berufung nach Wien abgereist.

Bulgarien.

' Bülgariens Kriegsminister brachte in der Cobranje eine Vorlage ein, wodurch die Militär - Verwaltung ermächtigt wird, von Zeit zu Zeit sämtliche vom Militärdienst Besreiten bis zum Alter von 46 Jah­ren, soweit sie durch die ärztliche Untersuchung als zum Militärdienf» tauglich befunden werden, einzuberufen. Die Zahl der vom Militärdienst Befreiten beträgt 20000. In dem Motivenbericht zur Vorlage wird erklärt, datz diese Maßnahme sich deshalb als notwendig erweise, weil man bei dem letzten Kriege feststellen konnte, dah eine große Anzahl der Tauglichen zu untergeordneten Diensten verwendet wurden, während zahlreiche Kranke sich bei der Truppe befanden, und von dieser verpflegt wurden.

' An der rumänisch-bulgarischen Grenze lam ein neuer Zwischenfall vor. Die bulgarische Re­gierung verlangt eine internationale Kontrollkommis­sion.

Rußland.

» Präsident Poincaree ist am Montag in Kronstadt eingetroffen und vom Zaren Niko­laus empfangen worden. Am Abend fand in Pe- terhos ein Festmahl statt, bei dem Trinksprüche gewech­selt wurden.

Schweden.

' Im schwedischen Reichstag legte am Sonnabend der Minister des Innern einen Antrag auf Legung eines direk'ten Kabels Deutsch­land S ch w e d e n vor. Als Anteil für Schweden werden 360 000 Mark verlangt, unter der^ Voraussetz­ung, daß Deutschland sich mit derselben Summe be­teiligt.

Mexiko.

' Puerto M e r i k o, 19. Juli. Dem Verneh­men nach begibt sich der deutsche KreuzerDres­den" mit Huerta und Blanquet zunächst nach Jamaika. Der Kreuzer soll heute abfahren. Von Ja­maika aus wird sich Huerta mit der nächsten Fahrge­legenheit nach Europa begeben. Er wird dann dau­ernden Slüfenthalt in Paris nehmen.

Uom (Uulfcben UnioerfitätsfludiHm.

Darüber veröffentlichten dieFrankfurter Nachrich­ten" folgenden Artikel:

Der Besuch der deutschen Universitäten ist in den beiden letzten Jahrzehnten bekanntlich so rapid gewach­sen, dah er infolge der Ueberfüllung der meisten ge­lehrten Berufe die allgemeine Aufmerksamkeit erregt. Die enorme Vermehrung der deutschen Studentenschaft, die vor zwanzig Jahren erst 27 000 zählte, setzte vor et­wa 15 Jahren ein, wo sie bereits auf 33 000 gestiegen war; vor drei Jahren war die Zahl auf 57 230 em-

Tischtücher wern allweil gewowe,

Die sei'n für'n Grußherzog,

Die Kunst die muß mer darin lowc Mil Rosette, Stern un Boge.

Der Wewer is e fixer Kerl,

Der an dem Handstuhl stiehl,

Dos giter wie en Blitz un Schlag Un wirrer hot'er e Stück.

A Lauterbacher Master soll das sei, Die sei ja weltbekannt,

Was die all wewe schmuck un sei Git üwer Stadt un Land.

Es git nach in die neu« Welt Weit über's grüße Meer,

Das Lauterbacher Leine wohl bekannt Bei Yankee reich un schwer.

Un in dem Zimmer newe 'a,

Da is' die Sattlerei,

Da ftet)t mer Kummet, Sättel, Riemenzeug Für Gäutcher grüß un klei.

Da sieht mer kräftig Riemenzeug Für schwere Arbeitspferde Un leicht Geschirr für Schees' im Boky,

Für Hansel, Lis', Hektar un Ereie. >

Zinngießer sieht mer aach do ärwen Mit Tiegel, Zinn un Blei,

Sie gieße Möwel un Soldare Un sonst noch vielerlei.

Da! komme ganze Regimenter Aus der Form heraus spaziert,

Franzose, Deutsche un Engländer,

Mit Musik un mit Trommelspiel.

porgeschnellt, im Sommer 1913 erreichte sie die gewal­tige Höhe von 60 346 Köpfen und im lausenden Halb­jahr sind die 21 Universitäten des Reichs von 60 943 Studierenden besucht. Ist die Jahressteigerung von 597 auch wesentlich geringer als die der voraus gegangenen Semester, so übersteigt sie doch noch die früheren durch­schnittlichen Jahreszunahmen von etwa 500 von 1880 bis 1895. Die neueste geringere Zunahme beruht übri­gens ausschließlich auf einer Steigerung der weiblichen Studierenden, die binnen Jahresfrist von 3436 auf 4117 emporstiegen. Das Anschwellen der Studentenziffer im letzten Dezenium, das übrigens in fast allen Kultur - staaten beobachtet wird, ist u. a. zurückzuführen auf die neuen Prüfungs- und Studienordnungen mit ihrer Stei­gerung der Anforderungen an den Einzelnen und der damit einhergehenden Verlängerung der Studienzeit, fer­ner auf das größere Bedürfnis von Staat und Gesell­schaft nach akademisch Gebildeten, zu einem beträchtlichen Teil aber auf das starke Hereinströmen von Angehöri­gen der mittleren und unteren Klassen unseres Volkes in die Hallen der Universitäten.

Wie die heutige Studentenziffer auf die einzelnen Fakultäten bezw. Studienfächer sich verteilt und wie die einzelnen Berufe dem Vorfahr gegenüber besetzt sind, zeigt die nachfolgende Gegenüberstellung: Philosophie, Philologie oder Geschichte studieren 14 321 gegen 15 471 im Vorjahr, Medizin 15 920 gegen 14 750, Rechtswis­senschaft 9824 gegen 10 396, Mathematik und Natur - Wissenschaften 8086 gegen 8346, evangelische Theologie 4345 gegen 3882, katholische Theologie2058 gegen 1965, Kameralia und Landwirtschaft 3876 gegen 3405, Phar- macie 1098 gegen 1073, Zahnheilkunde 980 gegen 655, Forstwissenschaft (in München, Tübingen und Gießen) 211 gegen 190 und Tierheilkunde (nur in Gießen) 203 gegen 213. Die Zahnärzte haben darnach am stärk­sten zugenommen, beträchtlich auch die Mediziner und die evangelischen Theologen, geringer die Kameralisten und Landwirte, die katholischen Theologen und Phar­mazeuten, während die Philologen und Historiker und die Juristen und die Mathematiker und Naturwissen - schaftler nach jahrelangem Aufstieg zurückgingen.

Dem nunmehr eingetretenen Abfluß vom höheren Lehramt und vom Justizdienst, denen die akademische Jugend in den letzten 10 Jahren so massenhaft zUge- strömt war, sodaß jetzt fast überall eine Ueberproduktion an Kräften vorhanden ist, steht sonach eine Zunahme der Zahnärzte und eine weitere wesentliche Steigerung der ohnehin so außerordentlich zahlreichen Mediziner und der evangelischen Theologen gegenüber. Die Besuchs - Ziffern der einzelnen Universitäten zeigen, daß insbeson­dere die Hochschulen der drei Großstädte Berlin, Mün­chen und Leipzig immer mehr zu Großbetrieben sich ent- wickeln. An ihnen befinden sich allein 20 523 Stu­

dierende, fast ein Drittel der Gesamtzahl oder so viel wie an den 12 kleineren und mittleren Schwester-An­stalten zulsammen . Berlin steht mit 8538 an der Spitze, München zählt 6626 und Leipzig 5359. Ihr Besuch hat sich seit 1895 etwa verdoppelt. Es folgen dann Bonn mit 4524, Freiburg hat 3178, Halle 2855, Göt­tingen 2834, Breslau 2813, Heidelberg 2668, Marburg 2522, Kiel 2330, Tübingen 2219, Münster 2169, Jena 2007, Wllrzburg 1605, Königsberg 1543, Greifswald 1451, Gießen 1432, Erlangen 1302, Rostock 1009. Mit 4086 außerordentlichen Hörern (3112 Männer und 974 Frauen), die zu einzelnen Vorlesungen zutzelassen sind, ergibt sich diesen Sommer ein Eesamtbesuch von 65 029 gegen 53 800 vor 5 Jahren.

* * *

):( Frankfurt, 20. Juli. Heute Nachmittag ist das Vorlesungs-Verzeichnis für die Universität Frankfurt erschienen und wird vom Sekretariat der Universität Frankfurt a. M. (Jordanstraße 17)auf V«r-

Munitions- un aach Bagaschewäge, Kanone un Kartäschen,

Un Offiziern mit huhe Krüge Un Dämcher in der Scheese.

Gar vieles wird da fabriziert Aus Kupfer, Blei un Zinn,

Un willst' de mal was seines hu,

Dann gehst zum Zufall hin.

Alt Hesse n!" Nu was ist denn das, Gewiß a Altertum,

Von auße sieht's ganz furchtbar aus,

Ich glab', ich dreh mich rum.

Ach nee, daß will ich doch net mache,

Ich denk', ich geh' mal nei,

Mer hört doch schwätze un aach lache,

Kann's doch so schlimm net sei.

Fräulein es kostet 20 Pfennig Für eine Biermack hier,

Un wenn se sich mal setze tu,

Dann trinkn'se a Gläsche Bier.

O weh, hier sieht's romantisch aus, Grad' wie 'a Räuwerhöhl,

Un duster ist's, es is'n Graus,

Eich denk, eich mach mich höim.

Uf amal awer a Glanz un Pracht Un viele Lichter brenne,

Vorbei is all dje Angst un Forcht,

Mer kennt vor Lache flenne.

Denn owe uf der Musikbühn,

Do sitze grüne Jäger,

Die spiele von Lenz un Liebesmai,

Aus Opern un aus Märchern.

langen unentgeltlich und postfrei. übersandt. Die Meld­ungen zur Immatrikulation haben im Wintersemester 1914-15 vom 5. Oktober bis 10. November im Unioer- sitätssekretariat persönlich zu erfolgen. Wer als Stu­dierender ausgenommen werden will, hat sich über seine bisherige sittliche Führung auszuweisen. Wer bereits vorher andere Universitäten besucht h<tt, ist verpflichtet, die ihm von diesen erteilten Abgangszeugnisse vorzu- legen. Zum Nachweise der wissenschaftlichen Vorbildung für das akademische Studium haben Angehörige des Deutschen Reiches außerdpin dasjenige Reife zeugnis einer deutschen neunskufigen höheren Lehranstatt beizubringen, welches für die Zulassung zu den chrem Studienfach ent­sprechenden Berufsprüfungen in ihrem Heimahlaate vor­geschrieben ist. In der philosophischen, der naturwis­senschaftlichen und der wirtschasts- und foziaiwifsenfchaft- lichen Fakultät werden außerdem immatrikuliert: In­länder, die ein Reifezeugnis nicht besitzen, aber wenig­stens dasjenige Maß von Schulbildung erreicht haben, das für die Erlangung der Berechtigung zum «injsth- rig-freiwilligen Dienst vorgeschrieben ist, mit besonderer Erlaubnis des Immatrikulationsautzfchnsfes auf die Dauer von vier Semestern (kleine Matrikel). Aus besonderen Gründen kann der JmniaIriku! ationsausfchuß die Ver­längerung des Studiums um zwei Semeiter gestatten. Für die wirtschasts- und sozialwiffenfchoftliche Fakultät darf von dieser Befugnis allgemein nttr zu Gunsten sol­cher Inländer Gebrauch gemacht werden, welche die Voraussetzungen der Zulassung zttr kaufmännischen Di­plom- oder zur Handelslehrerprüfung erfüllen, darunter z. B. bei Kaufleuten (Industriellen, Bankbeamten, Ver- sicherungsbeamtcn ufw.), welche die Berechtigung zum einjäbrigtfreiwilligen Militärdienst im Drutfchenl Reiche erworben und eine mindestens 2jährige praktische Tä­tigkeit beendet haben; bei seminarffttfch gebildeten Lehrern welche im Deutschen Reiche die Schiücmttsprüfungen be­standen haben, die in ihrem Bundesstaate vorgeschrie­ben sind. Ausländer können immatrikuliert und bei jeder Fakultät eingetragen werben, sofern sie sich über den Besitz einer Schulbildung ausweisen, welche der für die kleine Matrikel vorgeschriebenen für gleich - wertig zn erachten ist. Für Ausländerinnen ist die Immatrikulation nur mit Genehmigung des 5>errn Ministers zulässig. Von der Aufnahme ausgeschlos­sen sind: 1. Reichs-, Staats-, Gemeinde- oder Kir- chenbeamte; 2. Angehörige einer anderen preußischen öf­fentlichen Bildungsanstalt, sofern nicht besondere Bestim­mungen eine Ausnahme begründen; 3. Personen, wel­che dem Eewerbestande angehören. Die JnmratrikUla - tionsgebühr beträgt 20 Mk., und für diejenigen, die schon auf einer Hochschule des Deutschen Reichs oder auf einer deutsch-österreichischen oder deutsch-schweizeri­schen Universität immatrikuliert waren, 12 Mk. Autz - länder haben an Jmmatrikulattonsgrbühr, Instituts- ü. Seminargebühren, Praktikantenbeiträqrn, Änditoriengeld, Krankenkassenbeitrag die doppelten Sätze zu entrichten. Personen, die nicht in der Lage find, sich immatriku- licren zu lassen, können vom Rektor als Gasthörer zugelassen werden. In der medizinischen Fakultät wer­den in der Regel lediglich approbiette Aerzte und Me- dizinakpraktikanten zugelassen, andere Personen mir aus besonderen Gründen und mit jeweiliger Genehmigung der Fakultät. Für die Ausstellung des Hörerscheins, der immer nur für ein Semester erteilt wird, find von Inländern 5 Mark und von Ausländern 10 Mark zu entrichten.

Hn $ Staat und tml

* Marschübungen für das Kaiser- Manöver. Da das diesjährige Kaisermauöoer in­folge seiner außergewöhnlich starken Beteiligung sich auf

An Komiker war aach do dn«, Doas war en lust'ger G'sell,

Un wenn 'de den mal höre tust.

Dann lachste uf der Stell.

Wenn der sei Mäulche offe macht, Do gibt'? a Lache un en Krisch,

Un wer sich net beherrsche kann,

Der leit baal un'nerm Tisch.

Viel Mensche hu sich anrüsierl InAlt-Hessen" in der Räuwerbud,

Un wenn du mir's net glowe willst. Dann gih mal nin,Komm fei f« gut".

Im Koihstall bin ich aach gewest. Fürwahr recht nette Koih,

Mit Schnurbäck un mit Brillegläser, Mit Hoffe, Röck un Hoit.

Un aach die Ochse sei net Mecht, Die da herumspaziere,

Die wer'n net an'm Saal gelät Mer was die tun jo nichts verführe.

Jetzt will ich a bis'che wetter geh'. Leb' wohl dualtes Hessen",

Bei dir war es doch gar zu schs".

Das wär'n aich net vergeffe.

Un hinne in dem grüße Zelt,

Do is die Seilerei,

Die drewe Strick un Strickelcher Un Bennel dick un fei.

Die mache Stricke für Gerüst«

Un für Schiffe stolz un sei,

Zum Packe alle Sorte Kordel Un Seiler für die Turnerei.

(Fortsetzung fsfgj.)