Ausgabe 
22.7.1914
 
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sehr weit ausgedehntem Terrain abwickeln wird, so werden diesmal auch ganz vesonders hohe Anforderun­gen an die Marschtüchiigkeil der Mannschasten gestellt werden. Um nun die einzelnen Fuhtruppen in dieser Hinsicht möglichst vollkommen auszubilden und sie all­mählich für die höchsten Anforderungen marjchtüchttg zu machen, werden von fegt ab allwöchentlich größere Ta­gesmärsche bei vollem Gepäck im Bataillons- und Re- gimentsverbande ausgeführt. Auf diese Weise sollen die Regimenter so weit trainiert werden, daß zuletzt Tages­märsche von 5 0 bis 60 Kilometer Entfern­ung erreicht werden, ohne daß ein größerer Prozent­satz- der Mannschasten fußkrank oder dienstunfähig wird.

n Gießen. Die Gewerbe-Ausstellung wird am kommenden Samstag nachmittag von unserem Eroßherzog und. seiner Gemahlin besichtigt. Nach der Besichtigung werden die hohen Herrschaften der AuMhrung der Freilichtbühne beiwohnen.

n Gießen. Oberbürgermeister Keller machte in der letzten Stadtverordnelensitzung die Mitteilung, » Geh. Kommerzienrat Heichelheim der Stadt Gießen als Grundstock für den geplanten L> a a l b a u 60000 Mark überwiesen habe. Zu dem kürzlich erfolgten Vertrag der Provinz Oberhessen mit der Schuk- kert-Gesellschaft in Mannheim über die Lieserung elek­trischer Energie wurde eine Entschließung angenommen,

! in der lebhaft gegen den Vertrag, der die Provinz und das Elektrizitätsweck Gießen schädige, prolcstieri wurde. Die Entschließung soll dem hessischen Ministerium und den Kammern der Landstände zutzehen. i n E i e ß e n. Die Abhaltung des Gießener V i e h- i Marktes ist' wegen der im Umkreis herrschenden i Maul- und Klauenseuche bis auf weiteres verboten worden.

n Gießen. Unter eigenartigen Umständen nahm die Polizei einen durchgegangenen Zwangszögling fest. Der 18jährige Bursche war seinem Lehrherrn vor 14 Tagen durchgegangen, und man vermutete, daß er hier, bei seinen Eltern eines Tages ankommen würde. Am Freitag vormittag man hatte festgestellt, daß der Durch- gegangene tatsächlich in Gießen war rückten drei Schutzleute vor das elterliche Haus. Ein Doppelposten blieb vor der Haustüre als Wache zurück, während «in Beamter, der den Burschen kannte, in die Wohnung ging, in deren Türe die Mutier den Gesuchten mit ihrer Person deckte. Der Vogel, der zweisellos Witter­ung von seinen Verfolgern hatte, brach inzwischen aus dem Boden des Fachweckhauses ein Gefach durch und entkam über den Boden des Nachbargebäudes; er ging sogar unangefochten an den beiden Schutzleuten vorbei, die ihn nicht kannten? Am anderen Tage redete der «ine Schutzmann dem Vater des Flüchtlings ins Ge­wissen und sprach die Ansicht aus, daß der Vater ja nur einen Antrag zu stellen brauche, um den Sohn aus der Zwangserziehung heraus zu bekonrmen. Dies Vor­gehen führte zu dem Erfolg, daß Vater und Sohn sich freiwillig auf dem Polizeiamt einsanden, und der junge Mensch wieder dahin gebracht werden konnte, wohin er gehörte. Aus der Polizeiwache händigte der Bursche einen geladenen Revolver und 12 scharfe Patronen aus, von denen er Gebrauch gemacht hätte, wie er freimütig versicherte, wenn man ihn mit Gewalt wieder festge - nommen hätte.

«o Gelnhausen. Wie der Verwaltungsbericht des Kreisausschusses mitteilt, ist der Stadt Gelnhausen von einem Privatmann ein großes Jugendheim im Werte von etwa 50 000 Mark gestiftet worden, des- len Ausführung der Neuzeit entsprechend aus Kosten des Stifters erfolgen wird.

):( Marburg. Nachdem die Stadtverordneten­versammlung den Verträgen wegen Versorgung der Stadt mit elektrischer Energie aus den Kraftwerken der Buberuswecke und später der Edeckalsperre-Ueberland - zentrale zugestimmt hat, ecklärte jetzt der Kreistag des Kreises Marburg ebenfalls sein Einverständnis damit, daß die Landorte auf dieselbe Weise mit Elektrizität ver­sorgt werden sollen. Die Vorarbeiten sind schon soweit gediehen, daß die Betriebseröffnung am 1. Oktober er­folgen kann.

):( Frankfurt a. M. Stadtverordneter Adolf JUng ist am Montag vormittag in Bad Soden, wo er Genesung von schwerem Leiden suchte, gestorben. A. Jung ist 59 Jahre alt geworden. Er wurde in Rod a. d. Weil im Obertaunusireis als Sohn des Bürger­meisters Jung geboren, besuchte die Volksschule und ttat dann bei einem Metzger in Usingen in die Lehre. Als er ausgelernt hatte, ging er, um sich weiter au-s- zubildcn,in die Fremde". In den meisten Großstäd­ten Deutschlands hat er in seinem Handweck gearbeitet. 1875 trat er zur Ableistung seiner Militärpflicht bei dem Füsilier-Regiment von Eersdors Nr. 80 ein und wurde

Unteroffizier. Im Jahre 1882 machte er sich in Frank­furt selbständig. Mit weitschauendem Blick und immen­ser Arbeitskraft vergrößerte eg sein Geschäft immer mehr. Seine vor einem Jahrzehnt erfolgte Wahl zum Ober­meister der Fleischcrinnung bewies, daß seine Berufs - kollegen ihn hoch achteten. Bald darauf wurde chm dann das^ Amt des Vorsitzenden des Frankfurter Jn- nungsausschusses anveckraut. Vor vier Jahren wurde er zum Vorsitzenden der Handweckskammer für den Re­gierungsbezirk Wiesbaden gewähltk Als Veckreter des Bezicks Ostend gehöcke er seit einigen Jahren der Stadt­verordnetenversammlung an. 1887 war eg dem Frank­furter Schützenverein beigetreten, der ihn 1902 zum 1. «chützenineister und 1910 zum Oberschühenmeisler er­wählte. Seine Tätigkeit als Vorsitzender des Festaus - schusjes und 2. Vorsitzender des Zentralausschufses und Leiter des Zentralbureaus des 17. Deutschen Bundes­und goldenen Jubiläumsschießens 1912 ist noch in aller Gedächtnis. Mtt dem Prinzen Heinrich von Preußen, dessen Schwimmlehrer er während seiner Militärzcit ge­wesen war, stand A. Jung in freundschaftlichem Vey- kehr. Nun hat der Tod den nimmer rastenden Mann von schwerem Leiden, das ihn im letzten Jahre befal­len hat, erlöst. Möge ihm die Erde leicht sein.

! Viernheim. DerM e d i z i n a l - V e r - band Viernheim^ veranstaltete unter sehr stacker Beteiligung ein Waldfest, um die Kasse zu stücken, da die von den Mitgliedern aufgebrachten wöchentlichen Beiträge von 50 Pfg. für freien Arzt und Medizin nicht mehr autzreichen. Das Fest wurde durch 6 Gesangver­eine und einer Musikkapelle unterstützt.

! Groß-Gerau, 20. Juli. Ein Mädchen, das nach dem Genuß von Kirschen Wasser trank, starb un­ter schrecklichen Schmerzen.

):( Sprendlingen (Rheinh.) Am Mittwoch sollte hier eine Trauung stattsinden. Die aus Schims­heim gebürtige Braut war schon seit einigen Tagen hier, um die eheliche Wohnung einzurichten. Am Mittwoch vormittag teilte die Braut ihrem Verlobten mit, daß sie etwas Heimweh habe, sie wolle nach Schimsheim fah­ren, komme aber am nachmittag mit ihrem Bruder, der als Trauzeuge zu fungieren habe, wieder. Am Nach - mittag kam der, Bruder allein an. Nunmehr angestellte Ermittelungen ergaben, daß das Mädchen nach Bingen gefahren war, wo sie im Bahnhof ihr Handtäschchen abgegeben hat. In Schimsheim ist sie auch später nicht eingetroffen, wenigstens hat man bis Freitag früh von ihr noch nichts gehört.

! Bingen. Der 8. Verbandstag der Vereinig­ung selbständiger Buchbindermeister in Hessen am letz­ten Sonntag, wies einen sehr guten Besuch auf. Die Versammlung wurde von Herrn O W e i tz-Dormstadt eröffnet und geleitet. Her,r Emmerich-Lampertheim stellte den Antrag, daß die Vereinigung dahin wirken möge, daß sämtliche Submissionen auf öffentlichem Wege be­handelt würden. Dem einzelnen Handwerker wäre es dann möglich, die Schleuderfirmen kennen zu lernen. Herr S 1 e i n h ä u s e r-Eießen stellte den Antrag, daß von der Vereinigung jedes Jahr in einem Rundschrei­ben die Preise der Vereinigung bekannt gegeben wer­den sollen. Dadurch hätte bei Streitftagen der Lieferant einen Ausweis. Beide Anträge wurden nach kurzer Aussprache angenommen.

Jiu$ aller Mit.

::: Die Rheinische Metallwaren- und Maschinen - Fabrik E r h a r r d t (Düsseldorf) erhielt von der serbi­schen Regierung einen Lieferungspuftrag über Gewehre und Munition verschiedener Socken in Höhe von fünf Millionen Mark. Die Zahlung erfolgt in fünf­prozentigen Schatzbons, die auf 4 Jahre ausgestellt wer­den und im Notfall auf 6 Monate prolongiert werden können. Der diesbezügliche Vertrag ist bereits beider­seitig unterzeichnet.

::: Berlin, 20. Juli. Das Baden in den of­fenen Seen hat gestern in Berlin und Umgegend wie­der zahlreiche Opfer gefordeck. Nicht weniger als a ch t Menschen sind bereits als ertränken gemeldet.

::: Berlin, 20. Juli. Unter dem Verdacht, das Revolverattentat auf die Rentiere Meyer in der Xantenersträße in Wilmersdorf begangen zu haben, ist der 52 Jahre alt« P a st o r a. D. Albeck Schmidt von der Kriminalpolizei verhaftet worden. Die nähere Untersuchung mutz erst feststellen, ob der Verdacht be­gründet ist.

::: München, 20. Juli. In der Grube B ö ck- h e i m bei Gastein sind ein Obersteiger und elf Berg­leute durch Kohlenoiydgas umgekommen.

::: Hamburg, 20. Juli. Ein gewalttgerBrand brach beute nachmittag kurz nach 5 Uhr auf der Werft

von Blohm & Voß auf den Dockneubauten für die Schiffe der Imperator-Klasse aus. Etwa 15 Arbeiter erlitten Verletzungen. Sechs Mann mutzten ins Kran­kenhaus gebracht werden. Ein unverheirateter Nieter konnte aus dem zusammenbrechenden Gebälk nicht mehr rechtzeitig befreit weiden und wurde erst später als vollständig verkohlte Leiche aufgefunden. Der Schaden ist sehr groß.

::: Aus Rom wird gedrahtet: Der Direktionsrat der italienischen Eisenbahnen wird Montag die diszipli­narischen Maßnahmen bekanntgeben, die gegen die Ei- senbahnangeslellten ergckffen wurden, die anläßlich des großen, mit revolutionären Erscheinungen verbundenen Maffenausstandes gleichfalls in den Streik getreten sind! 58 Eisenbahner werden gänzlich entlassen und 300 in untergeordnete Stellungen zurückversetzt werden, wäh - rend die fällige Gehaltserhöhung bei ungefähr 1000 Eisenbahnern auf längere Zeit hinausgeschoben werden wird. Die Vereinigung der Eisenbahnangestellten, die sozialdemokratischen Charakter hat, droht bereits mit einem 24stündigen Generalstreik auf asten italienischen Eisenbahnen zu antwocken, wenn auch nur ein einziger Eiscndahnbeamter irgendrvie bestraft werden sollte. Die Befürchtung vor einem Riesenausstand infolge dieser Maßregelungen war, so heißt es nun weiter, die einzige Ursache der vor einigen Tagen erfolgten Reservistenein­berufungen in Italien, und nicht, wie man vielfach ge­glaubt hat, eine bevorstehende militärische Erpedilion in Albanien. Es gährt eben, wie die Sonntagsblätter in verschiedenen Blättern aus Italien melden, überall in dem appeninischen Königreiche, so daß die Befürchtung sehr nahe liegt, daß die Bestrafung der streikenden Ei­senbahner, namentlich in der Romagna, zu neuen Re­volten führen dürste.

::: C a st e l l a m a r e di Slabia. Während eines heftigen Gewitters in der Umgebung der Stadt schlug Sonnabend der Blitz in eine Fabrik von Feuer­weckskörpern. Das Gebäude wurde in die Luft ge­sprengt. Alle P e r s p n e n, die sich dann befanden, wurden unter den Trümmern begraben. Sechs Leichen sind bisher geborgen worden.

Oeffentlicber Sprecbfaal.

Für die unter dieser Rubrik erscheinenden Veröffentlichungen übernimmt die Redaktion keine Verantwortung.

Die Wahlen der Stadtverordneten kommen durch gleiches Wahlrecht zustande. Besitz, Eigen­tum, Stand und Wissen gelten nicht mehr, haben keinen Vorzug. Wer die meisten Stimmen hat, ist gewählt und wenn, wie neulich die Sozialdemokraten schrieben, all die Arbeite», die in Gießen ihr Brot holen und auf den Dörfern wohnen, nach Gießen ziehen, dann haben auf einmal die Sozialdemokraten die Mehrheit und der Stadtrat besteht wie z. B. in Offenbach aus lauter So­zialdemokraten, die alles daran setzen werden, um ihr Programm zu verwicklichen. Zur Zeit fehlt die volle Hälfte der Stadträte, weil das demokra­tische Wahlrecht jedem erlaubt als gleichberechtigter Wäh­ler Einspruch zU erheben, selbst autz den albernsten Gründen. Ob dadurch das Gemeinwesen rutnieck wird oder nicht, darauf kommt es der Sozialdemokratie nicht im geringsten an. Ruhige Ueberlegung, Ordnung, Ge­meinwohl sind nebensächliche Dinge bei einem demokra­tischen Regiment, dafür kann man die Beispiele grei­sen. Das Fehlen der, halben Stadtvertretung in Gießen gereicht übckgens der Stadt nur zum Segen. Aller Zorn, alles Gezänk um Sonderinteressen willen und nur um sich hören zu lassen, sind in Wegfall gekommen. Die Stadtgeschäste nehmen auch bei wenigen Veckretern ihren ruhigen Fortgang, die Bürger können im Frieden ihrer Arbeit nachgehen.Das beste Regiment", hat einmal der gewesene Oberbürgermeister Mecum gesagt,ist für eine Stadt wie Gießen: das konservative und wenn an der Spitze nur ein Dutzend geschickte Männer ständen mit dem nötigen Ernst udd Neutralität, dann wären Gie­ßens Bürger am besten beraten." Was ich hier schreibe, ist mindestens 80 Prozent der Einwohner aus dem Her­zen gesprochen ; kein Dutzend aber wagt es laut zu sa­gen und bei der nächsten Stadtverordnetenwahl geht's wieder, wie immer bei demokratischen Wahlen, hoch her mit Versprechungen derer, die nicht alle werden.

_ Verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

:: Das unser heuttgen Nummer beiliegende Flugblatt der Deutschen Ammoniak - Verkaufs - Vereinigung befaßt sich eingehender mit der Spargel-Düngung. Wir wollen nicht versäumen, unsere Leser auf die in dem Flugblatt gegebenen sehr beachtenswerten Winke besonders auf- zu machen.

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Gebrauchsanweisung steht auf jedem Päckchen. Außerdem ffnd Dr. Oetker'S vollständige Re­zepte zum Einmachen von Früchten, Frucht­säften, Gelees in den Geschäften umsonst zu haben. Wenn vergriffen, schrcibe man eine Postkarte an

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