Albanien.
* In der Umgegend von Berat befinden sich gegenwärtig an 5000 mittellose Flüchtlinge in größter Notlage. Die griechischen Banden sind bereits in den Distrikt Skrapar eingerückt. Die beiden autz Koritza angekommenen holländischen Offiziere behaupten auf das bestimmteste, daß man nicht allein epirotischen Banden, sondern auch starken regulären grie- ch i-s ch e n Truppen gegenüberstehe, deren Vormarsch in der Weise erfolge, daß die Banden vorstoßen und sich, falls sie geschlagen werden, hinter die Front der griechischen Truppen" zurückziehen, worauf diese mit ihren regulären Kräften und Gebirgsgeschützen vorgehn. Bemerkenswert sei, daß bereits am 4. Juli in Koritza ein Ultimatum des griechilchen Majors Bardos eiMraf, welches die Forderung der Uebergabe der Stadt enthielt.
Xm Stadt Dsd.
rt Gießen. Ein hiesiger a b e n t e u e r l ü st i - ger Volksschüler unternahm ohne Wissen seiner Eltern eine Reise gen Frankfurt. Ein Revolver, den der IuNge bei sich hatte, entlud sich jedoch bei Nau- heim und verletzte ihm die Hand. Nach notdürftigem Verband wurde er nach Gießen zürückbefördert und von seiner inzwischen verständigten Mutter in Empfang genommen. Er kam in die Klinik.
):( Kro s dors. Nach mehrwöchigem Leiden verstärk» in der Eießener Klinik Hauptlehrer P. Hofimanu.
):( Nieder-Sa ulheim. Hier ist nunmehr nach dreijährigem Kampf Peter Weyerhäufer zum Beigeordneten der Gemeinde gewählt worden. Er gehört der Fortschrittlichen Volkspartei an.
):( Frankfurt a. M., 13. Juli. Ueber Frankfurt ging heute nachmittag ein etwa einstündiges Unwetter mit wolkenbruchartigem Regen nieder. Inden niedrig gelegenen Stadtteilen drang das Wasser in viele Keller ein, wo es teilweise erheblichen Schaden anrichtete. Sämtliche L ö s ch z ü g e der Feuerwehr muhten zum AuspuMpen der Keller herbeigerufen werden.
):( Bad Homburg v. d. H. Müssen Realschüler den Bürgermeister ihres Ortes grüßen? Diese Frage hatte das hiesige Schöffengericht zu lösen. In Oberutsel schlug neulich der dortige Bürgermeister Füller einem 15jährigen Realschüler die Mütze vom Kopse, und verabfolgte ihm noch einen Kopsschlag, weil der Schüler ihn nicht gegrüßt hatte. Darob strengte der Vater des Jungen die Beleidigungsklage gegen den Bürgermeister an.. Der Angeklagte machte geltend, daß man ihn als Mitglied des Schulkuratoriums zu grüßen habe und zog als Beweis dafür ein altnaffauisckes Edikt heran. ' Es kam schließlich ein Vergleich zustande, in dem festgelegt wurde, daß die Oberurseler Realschüler ihren Bürgermeister nicht zu grüßen brauchen.
o Bad-Orbk In der Kinderheilanstalt nehmen an dem Iuli-Badekurs 350 Kinder teil, eine Zahl, die bis jetzt noch niemals erreicht wurde.
o' Stromberg. Zwei merkwürdige Brunnen befinden sich im Besitze der hiesigen Stadl. Der eine von ihnen liefert säst eiskaltes ^Baffer, während der andere Wassel von einer Temperatur von 29 Grad liefert. Dieser warme Brunnen kommt schon im Jahre 1772 in alten Chroniken unter dem Namen „Stromberger Kinderquell" vor. Durch dte Felssprengungen, wie sie beim Bahnbau sich als nötig erwiesen hatten, ist dieser Brunnen zum Teil versiegt, er soll nunmehr instand gesetzt weiden.
Erfahrung eines Candmädcbens aus dem Uogclsberg über die Giessener Gewerbe-Ausstellung.
Von <E. K. Keil, Gießen.
I Teil.
In Gieße is' e grußes Fest Schun seii gar viele Tage,
In der ale Klinik us'm Seltersbcrg Do is' e summe un sage.
Die aal Klinik is nu e schü GebäU Mit Lampe, Fahne un Blomme,
Un willst du se mal inne seh Mußte in die Ausstellung kommet
Die Gewerbe hawe ausgestellt Von Gieße un Umgejend,
Von weit un breit sei' se hergeeilt Ihr Sache auSzulege.
„Host du 'e Kort" schallt's am entgeje, .s'Wam er vonne nin will gih,
Daß Schluppe Hot hier ufgehört,
Daß is ja aach net schie.
Nü sei ich glücklich hinnerem Tor Un in dem grüße Goarte,
Die Musik kimmt mer himmlisch vor Mit all den viel Soldare.
O weh was für 'e Stumberei E Schiewe un a Dränge,
Ihr Leu müht aach vernünftig sei Ün dürft mich net so zwänge. .
„Ach Fräulein sein se doch so qout Un tun' se net so schiewe",
Potz Blitz! daß is' e seiner Kerl Der mit der Pauk do drüwe.
flu$ aller Mit.
* Harr und Frau von Krupp v. Bohlen- H a l b a ch stellten der Deutschen Kolonialgesellschaft 17 500 Mk. zur Verfügung, 'um damit die von der Deutschen Kolonialgesellschaft veranstaltete F r e i r e i s e nach Deutsch-O st asrika umfangreicher und nutzbringender zu gestalten. Dem Wunsche der Geber entsprechend vergrößerte di« Kolonialgesellschaft die Reise - gcsellschaft nacb Deutsch-Ostasrika um 6 den Arbeiterkreisen entstammende Mitglieder, sodaß sie nunmehr aus 37 Personen besteht. Die Führung übernahm Bezirks - j amtmann a. D. Karstedt.
::: Jena. In einem nahe gelegenen Dorfe hatte ein Schulmädchen Blumen in den Mund genommen; bald darauf entstand ein so bösartiger Ausschlag, daß man das Kind nach Jena in ärztliche Behandlung geben mußte.
::: Mannheim. Da ein großer Teil der Tabakarbeiter hier in den Streik getreten ist, haben die Fabrikanten die allgemeine Aussperrung sämtlicher Tabakarbeiter beschlossen.
::: Finsterwalde. Die Tertilarbeiter haben im Einvernehmen mit den NiederlaUsitzer Terlilarbeitern beschlossen in eine Lohnbewegung einzutretenu. neue Forderungen zu stellen. Es kommen 30 000 Arbeiter in Betracht.
::: Leipzig, 14. Juli. Etwa 1000 französische Buchgewcrbeindustrieelle besuchten gestern die Wartburg und fuhren dann nach Leipzig zur Besichtigung der B u g r a.
Ein wort an die Deutsche Curnerschast.
Von Oberstleutnant von Hoff, Stuttgart.
Wer in langjähriger Dienstzeit Tausende juttger Männer bei der Fahne eintreten und durch die Heeresschule gehen sah, der kennt die Verdienste der Deutschen Turnerschasl um die Erstarkung und Wehrfähigkeit des Volksnachwuchses mehr als jeder andere, der sieht im täglichen Berüse die Wahrheit des Wortes bestätigt, daß unser deutsches Turnen die Grundlage aller körperlichen Uebungen sein und für alle Zeiten bleiben muß. Uner- reichl in seiner mustergültigen, dem deutschen Volkswesen angepaßtcn Pflege geregelter Leibesübungen zur harmonischen Durchbildung des Körpers und erprobt durch mehr als ein Jahrhundert stellt das deutsche Turnen der Armee alljährlich mehr als ein volles Armeekorps Mannschaften, die im vaterländischen Geiste bei den Vereinen der, Deutschen Turnerschaft grötzgezogen, ihren Kameraden im Heere Vorbilder find an Ge - wandtheit und Körperkraft, Geschicklichkeit und Zuber- lässigkeit, Ausdauer und Selbstüberwindung, in tapferem Mut, Unerschrockenheit und im Geiste freudiger Unterordnung und Manneszucht, treuer Kameradschaft und Hilfsbereitschaft wie in der Freude an treuer Pflichterfüllung.
Warum sorgt die Deutsche Turnerschaft nicht mehr als bisher dafür, daß diese Mannschaft, die während ihrer Dienstzeit aus den heimatlichen Vereinen herautz- gerissen ist, sich in den Freistunden des Sonntages und an einigen Wochentag-Abenden bei den Vereinen ihres militärischen Standortes betätigt?
Warum treten die Turnvereine der Garnisonen nicht alljährlich zur Einstellungszeit der Rekruten an die Truppenteile mit dem Ersuchen heran, ihnen die deutschen Turner zu ihren Uebungen und Veranstaltungen zu senden, wo Zeit und Gelegenheit dazu bleibt?
Warum benützen die Vereine der Deutschen Turner- schast in Garnisonsorten nicht viel nachhaltiger als bisher diese Gelegenheit, um ihre Reihen zu stärken?
Warum fördern die heimatlichen Verein« der Re- ! kruten dies nicht, indem sie dieselben den Turnvereinen der Garnison namentlich auf die Dauer von 2 Jahren überweisen und sie vor dem Einrücken zur Truppe aus die Vereine weisen?
In dieser Beziehung sollte meines Erachtens von den leitenden Männern der Deutschen Turnerschast eine viel regere Arbeit zur Förderung ihrer Millioneickörper- schast betrieben werden. Sie würden damit nicht nur verhindern, daß Eleichgülfige, Lästige und Charakterschwache während der Abwesenheit vom Heimatverband ihr verloren gehen, uMer Umständen in ein anderes Lager abgezogen werden, ich bin sogar überzeugt, daß unsere Soldaten und ehemaligen Turner zum Besuche der deutschen Turnvereine ihres Standortes manchen Kameraden der Kompagnie, der bisher kein Turner war, mitnehmen und so eine erfolgreiche Werbetätigkeit für die Deutsche Turnerschast gerade in den beiden Jahren vollziehen würden, während man ihr Fehlen im heimischen Verein zu beklagen pflegt.
Im Heere werden die deutschen Turner jede Förderung ihrer dem Vaterland geltenden Bestrebungen finden. Wir Offiziere können uns mir darüber fteuen, wenn auch die aktiv dienenden Turner ihre Freiheit in nutzbringender Betätigung und unter vaterlandsliebenden Männern bei den Vereinen der Deutschen Turnerschaft verbringen, denen jeder gute Deutsche hohe Anerkennung zollt und vollstes Vertrauen schenkt! Mit Dank wird es die Armee begrüßen, wenn die deutschen Turner damit auch ihren eiqenen Bestrebungen entgegen - kommen, während die Militärdienstzeit allgemein in ihren Reihen Turnen, Spiel und Sport zu fördern und zu pflegen.
Ich persönlich möchte wünschen, daß die fast bei allen Truppenteilen in neuerer Zest alljährlich im Spätsommer veranstalteten Sportfeste noch mehr als bisher den Charakter mehr turnerischer Vorführungen U. Wettkämpfe tragen, daß die Turnvereine dazu ihre Plätze zur Verfügung stellen und vor allem an der Vorbereitung solcher Veranstaltungen durch Ausbildung von Vortnryertrupps während des ganzen Jahres mitarbei- ten. Dies würde lediglich eine Gegenleistung dafür darstellen, daß die Armee die Bestrebungen der Turner in jeder Weise fördert, besonders wenn sie mit dem militärischen Turnen und seiner praktischen Nutzanwendung im soldatischen Berufe sicherlich in manchem jungen Mann die Erkenntnis des Wertes harmonischer Körper- erstarkutzg weckt und ihn dadurch zum Eintritt in die Deutsche Turnerschast bewegt.
Auf diese Weise könnten Deutsche Turnerschaft und Heer, die von jeher Hand in Hand gingen, einander viel nachdrücklicher sördern, stützen und Helsen als bisher, zum Wähle des Volkes und Vaterlandes. Damit würde das Verständnis dafür, wie wertvoll unser deutsches Turnen ist, in viel weitere Kreise der Bevölkerung getragen; der Deutschen Turnerschast würde mehr als bisher die volle Beachtung und Würdigung ihrer alt- erprobten Arbeitsweise geschenkt werden. Das vor allem möchte ich ihr wünschen und hoffen, das sie hierfür mehr tut, als bei ihrer unangebrachten Bescheidenheit und Zurückhaltung geschehen ist. Warum soll eine hundertjährige Millionenkörperschast mit solchen Erfolgen bescheiden im Hinlergrund stehen und zufehen, wie andere mit geringerer Berechtigung die Werbetrommel nur allzu laut rühren und sich mit neuen Gedanken in den Vor- | dergrzind stellen, deren Nutzen für die Allgemeinheit noch > recht umstritten ist?
Nu will ich mal ins grüße Haus Un mir die Sach betrachte,
Uf'm Vörplatz sieht's ganz freundlich aus Daß is net zu verachte.
„Führer gefällig!" schallt's a mei Ohr Von zwa bis drei paar Stimme,
„Aich hu ka Geald! laßt mich in Ruh Ich wer'n de Weg schon sinne."
Kalenner, Staadruck, Litograsie,
Und wie mer das tut nenne,
Mit Ecke, Schnergel un Blomme als Zier Is prächtig zu erkenne.
Perückenmacher sei aach da Mit lange Zöpp un dicke,
Aus grollig un aus Seirehaar Un vielerlei Perücke.
Perücke sieht mer alle Sorte In schwarz, in braun, in blond,
Mit glatt Frisur un mir'm Schädel Un Kämm, so schie wie Gold.
No aich hu kan's von bei're nötig Hu Haar so dicht, wie bei 'm Schaas Ün Zöpp so lang bis an die Knöchel Un Kämme und Schnalle, wie nach Maas.
En Bürschtebinner is aach hier,
Wohl autz der Schiitzer Gejend,
Der soll recht gute Bürfchte hu Für Stiewel, Schuh uN Klerrer.
Die Bürschte sei recht zoart un waich, Mer kehrt ka Moll mit weg'!,
Du nir verreiße, nir verderwe,
Sei gut für Staab un Dreck.
Die Gießer Meißbinner kenne was.
Die mache scheene Stuwe,
In Leimsarb un in Malerei "Da muh mer se nur lowe.
Die all hier hawe ausgestellt,
Sei Meister schlicht un recht.
Die mit Verstand un Kenntnis tun Ihr Arbeit gut un echt.
Un wenn du was zu mache hast In Oelfarb, Leimsarb, Malerei,
Empfehl ich dir die Meister hier.
Es sind ja vielerlei.
Die Schlosser hawe ausgestellt.
Das is' e wäre Pracht,
Viel Zierrat mit viel Blume werk Mit Künstlerhand gemacht.
Viel Schlösser mir'm Schlüffel drin Von Lehrlings autzgeführt, H
Un Blitzableiter ohne Zahl,
Beschläg für Tor und Tür.
Von Baumann, KrailingDörr
und Schön
Un wie se sich tu nenne,
Das aber kann mer hier fetzt seh'n,
Kann man noch vieles lerne.
Da muß ich hier a Firma lowe,
Doch nicht autz eitler Gucht,
Den „Ehre dem, dem Ehr gebiert".
Ich sprech von wahrer Kunst.
G r a e s e hat prächtig ausgestellt
In Eisen-Ornamentik,
Dazu gehört auch wahre Kunst Und nicht allein Geschick.


