Ausgabe 
8.7.1914
 
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Freiwilligen in vollen Wafsenausrüstung durch die Straßen marschierte, was ungeheures Aufsehen her­vorrief. Es kam zu keinerlei Ruhestörungen.

Belgien.

* Der belgische Kolonialrat nahm ge­stern den Gesetzentwurf der Regierung an, der eine Er­höhung der Kopssteuer sür die Eingeborenen, die der Vielweiberei huldigen, bezweckt.

Frankreich.

* Der radikale französische Deputierte A r m e z, der sür das Dreijahrgesetz gestimmt hat, brachte einen Gesetzesantyag ein, durch den die Rückkehr zur zweijährigen Dien st zeit ermöglicht wer­den soll. Armez schlägt vor, alljährlich 40 000 Frei­willige anzuwerben, die sich verpflichten sollen, füns Jahre zu dienen und dafür einen erhöhten Sold und nach beendeter Militärdienstzeit eine Prämie von 2500 Francs erhalten würden. Hierdurch würde es dem Kriegsminister ermöglicht werden, die übrigen Mann­schaften bereits nach zweijähriger Dienstzeit zu entlassen.

* Paris, 7. Juli. DemMatin" zufolge war die heute zur Ausgabe gelangende französische 805 Mil- lionemAnleihe gestern abend bereits an 3 0 m a l über­zeichnet. Man dürste eine 40sache Ueberzeichnung erwarten.

Spanien.

* Der spanische Senat hat das französisch - spanische Abkommen betr. die Eisenbahn TangerFez angenommen.

Türkei.

* K o n st a n t i n o p e l, 5. Juli. Die Kammer begann gestern in Anwesenheit sämtlicher Mitglieder des Kabinetts die Beratung des Budgets. Der Finanzmi- nistec Dschavid Bey erstattete ein eingehendes Finanz- erpojee und mit der in Paris abgeschlossenen groben Anleihe, für die die Türkei Frankreich ewig werde er­kenntlich sein müssen. Der Minister erwähnte auch das französisch -i deutsche Uebereinkommen bezüglich der B a g d a d b a h n und sagte, die Fran­zosen, die auf die Beteiligung an diesem Unternehmen verzichteten, erhalten als Gegenwert für ihre Bagdad­bahnobligationen Titres im Betrage von drei Millio­nen Pfund Sterling, die den zweiten Abschnitt der mit deutschen und österreichischen, sowie ungarischen Banken abgeschlossenen türkischen Anleihe darstellen. Somit gebe cs keine schwebende Frage zwischen der Türkei u. Frank­reich. Das türkisch-französische Abkom­men sei von außerordentlicher politischer Bedeutung, da Frankreich die Verpflichtung übernommen habe, an der Pariser Börse künftig türkische Anleihen zuzulassen.

Albanien.

* Turkhan Pascha gibt zu, daß die Kin­der des albanischen Fürstenpaares wegen der großen Hitze in Durazzo demnächst nach S i n g i a zur Köni­gin von Rumänien gebracht werden. Dies sei jedoch schon eine längst beschlossene Mahregel. Die F ü r st i n bleibt jedenfalls in Durazzo.

Die Freiwilligenwerbung in Wien hat bereits Schule gemacht. In Berlin hat sich, wie jetzt bekannt wird, dieser Tage ein Komitee gebildet, um ausländische ausgediente Soldaten aller Wagen - gattuNgen als Freiwillige nach Durazzo zu senden. Den Vorstand des Komitees bilden Konsul a. D. Richard Wackcrvw und Hauptmann a. D. Hans Walter. Die Kosten für den Transport der Freiwilligen einschließlich Verpflegung bis Durazzo übernimmt das Komitee und gewährleistet Rückfahrtkosten. Die weitere Verpflegung wird ^gestellt. Kochkessel, Menageschalcn und womöglich auch Zelte seien erwünscht, so wird aus Durazzo be­stätigt. (Es kann sich hier entsprechend den Verhält­nissen in Oesterreich nur um Richl-Rcichsdeulsche handeln, die sür Albanien geworben werden sollen. D. Red.) Auch in London soll einem Telegramm zufolge, ein Kcmitee in Bildung begriffen sein, das die Anwerbung von Freiwilligen für die Armee des Für­sten Wilhelm von Albanien beabsichtigt.

* Einer offiziösen Mitteilung zufolge bat das syan- zösische Ministerium des Aeußeren den Gesandten in Durazzo, de Fontanap, beauftragt, alle erforderlichen Maßnahmen zur Befreiung der von den Aufstän­dischen festgenommenen Franzosen zu treffen. Die Zahl der gefangenen Franzosen, unter denen sich eine Frau und ein Kind befinden, beträgt nach einer gestern eingetroffencn Meldung sechs.

Amerika.

* Das erfreuliche Ergebnis der Vermittelungskon- ferenz von Niagara Falls, das Meriko den Frieden bringen soll, sollte der Präsidentschaft des Generals Huerta das Ende bereiten, wie es auch die Streitigkei­ten zwischen den Vereinigten Staaten und Meriko glück­lich beendet hat. In Meriko hat jetzt entsprechend dem Schlußprotckoll von Niagara Falls eine neue Prä­sidentenwahl stattgesunden, deren Resultat die Wiederwahl Huertas gewesen ist. Es ist also dem alten Fuchs nochmals gelungen, nach außen hin als der Erwählte seines Volkes zu gelten.

DerStern von Hrabant".

Ein neuer hessischer Orden.

Der G r o h h e r z o g von Hessen hat am 24. Juni einen neuen Orden verliehen. In der von der

Ordenslanz'-i veröffentlichten Stistungs urkunde heißt es:Um das Band, das Fürsten und Volk innig verbindet, mit einem sichtbaren Zeichen zu bekräftigen, das wir aus besonderer Huld Männern und Frauen verleihen wollen, die sich in unserem Dienst oder durch Werke der Nächstenliebe oder durch dem allgemeinen Be­sten dienende Bestrebungen zur Wohlfahrt des Landes auszeichnen, finden wir uns bewogen, einen Orden zu stiften. ZuM Andenken an unseren erlauchten Ahnherrn, der hl. Elisabeth Enkel, den ersten Landgrafen ven Hes­sen und Begründer, unseres fürstlichen Hauses Heinrich aus dem Herzogsstamm von Brabant, benennen wir den OrdenStern von Brabant" und bestim­men den Geburtstag unseres erlauchten Vorfahren, den 24. Juni, zum StistuNgstage. Der OrdenStern von Brabant" steht unserem Verdienstorden Philipps des Großmütigen gleich."

Die StistungsurkuNde führt dann die Klaffen des Ordens auf.

Der OrdenStern von Brabant" hat folgende Klas­sen: Großkr,euz. Eroßkomtur mit Türkisen, Grohkomtur 1. Klasse, Eroßkomtur 2. Klasse; Komtur 1. Klasse, Komtur 2. Klasse; Ehrenkreuz 1. Klasse, Ehrenkreuz 2. Klasse; Ritterkreuz 1. Klasse, Ritterkreuz 2. Llasse; Sil­bernes Kreuz 1. Klasse, Silbernes Kreuz 2. Klaffe. Zu dem Großkomturkreuz 2. Klasse, den Komturtreuzen, Eh­renkreuzen, Ritterkreuzen und Silbernen Kreuzen kann auch die Krone verliehen werden. Außerdem werden noch Medaillen des Sterns von Brabant erteilt. Der Damenorden des Sterns von Brabant zersällt in 5 Klassen, nämlich in: Ehrenkreuzdame des Sterns von Brabant, Dame des Sterns von Brabant I. Klaffe, Dame des Sterns von Brabant 2. Klasse, Dame des Silbernen Kreuzes und Dame der Meda lic.

Hu$ Stadt und Land.

* Die am 4. Juli in Barmen begonnene Weit- wettsabrl um den Vierländey-Pokal brachte dem Ballon des Eießener Luftfahrer-Verein einen vol­len Erfolg, trotz des recht ungünstigen Wetters. Der Ballon hat die Strecke von Barmen nach Andernach, Beuel und zurück nur um etwas mehr als die Hälfte an Zeit gebraucht als der nächst beste Ballon.

* Der deutsche Kaiser wird hessischen militärischen Vereinen nur noch nach 50jährigem Beste! en eine Fahnenschleife gewähren. Dagegen wird der Großherzog von Hessen allen militärischen Vereinen eine Fahnenschleife verleihen, wenn sie 2 5 Jahre bestanden haben, dem Landesverbände Haffia angehören und mindestens 30 aktive Mitglieder zählen. Kriegervereine, denen schon die Kaiserschleife verliehen wurde, wird erst nach 50jährigem Bestehen die Fahnen- schleise des Großherzogs verliehen.

-Hk- Auf Veranlassung des Reichskanzlers sollen während des Kalenderjahres 1014 Ermittelungen über das Durchschnittsgewicht der Schlachttiere stattsinden. Die Ermittelungen der Gewichte haben als Grundlage der Fleisch oerbrauchsberechnung für das Deut­sche Reich zu dienen, weshalb es darauf ankommt, mög­lichst zuverlässige Zahlen zu gewinnen. Großh. Mini­sterium des Innern hat sich in einem eingehenden Autz- schreiben in dieser Beziehung an die Großherzoglichen Kreisämter gewandt und Grundsätze aufgestellt, in wel­cher Weise die Ermittelungen vcrzunehmen sind. Die Durchführung dieser Anordnung stößt in den Kreisen des Metzgergewerbes auf Schwierigkeiten, da vielfach an­genommen wir;d, die Ergebnisse der Verwiegung fänden im Steuerinteresse Verwendung. Die Handwerkskammer hat sich daher aus Veranlassung Gr. Ministeriums mit dem deutschen Fleischer,verband ins Benehmen ^gesetzt und erkennt der Verbandsvorsland an, daß das Fleischerge­werbe das größte Interesse an einer Statistik über das Gewicht der Schlachttiere habe. Vor allem aber auch daran, daß dieser Statistik nicht angenommene, durch Schätzung erhaltene Gewichte zu Grunde gelegt, sondern nur solche, die auf Grund von einzelnen Verwiegungen eingesetzt werden. Wert wird weiter darauf gelegt, daß tatsächlich nur das F l e i s ch g e w i ch t festgestellt und deshalb Nieren- und Schlußfett vorher zu entfernen find. Der Verbandsvorsland hält es für seine Pflicht, die Be­hörden bei einer Aufstellung zur Statistik zu unterstützen, weshalb die Angelegenheit die verschiedenen Bezirkstage und den Verbandslag beschäftigen sollen. Die Hand - Werkskammer weist daraus hin, daß diese statistischen Er­hebungen im Interesse des Metzgergewerbes liegen, wes­halb cs sich empfiehlt, der Aufforderung der Großher­zoglichen Kreisämter auf das genaueste nachzukommen. Die Er. Kreisämter, sowie Metzgerobermeister Lautz zu Darmstadt sind jederzeit bereit, entsprechende nähere Auf­klärung zu geben.

* Für den 6. Verbandstag der D e t a i l l i st e n- Vereine im Großherzogtum Hessen in Darmstadt am 11. und 12. Juli ist u. a. folgendes Programm aus­gestellt: Hauptversammlung am Sonntag vormittag mit folgender Tagesordnung: Eröffnung des Verbandstages; Jahresbericht des Vorstandes; Rechnungsablagc; Vor­trag des Herrn Bürgermeister Dr. Eberle-Noffen:Die Gegenwart und die Zukunft des Detaillistenstandes"; Wahl des Vorortes und des Vorstandes 1914-15 ; Wahl des Ortes für den Verbandstag 1915.

* Die Lan desversamm lung der hessischen Fleisch- und Trichinenbeschauer, die in Bingen stattfand und recht gut besucht war, stand unter der Leitung des Verbandsvorsitzenden, Herrn Dahmer- Offenbach. Am Schluffe des Berichtsjahres zählte der Verband 503 Mitglieder. Leider sei die beantragte Gebührcnerhöhung und die Neuregelung der Gebühren­

ordnung bisher noch nicht eingettctra. SrrlSveterinär- arzt Dr. B ei l i n g - Mainz hielt einen Bortrag über Die Fleischversocgung Deutschlands*. Die hohen Flcischpreise, die im Jahre 1913 ihren höchsten Stand erreicht hätten, seien vor allen Dingen auf die Zunahme des Fleischkonsums zurückzuführen. Gerade tn den mittleren und unteren Schichten würde jetzt mehr Fleisch als früher verbraucht. Die Fleischbestände hätten tn der letzten Zeit ebenfalls zugenommen, sodaß Deutsch, land das nötige Fleisch selbst produzieren könne. Der Berkauf von billigem Fleisch durch die Städte sei in der Theorie sehr schön, tn der Praxis würden ftch aber so viele Schwierigkeiten ergeben, daß davon nur abge» raten werden könne. KreiSveterinärarzt Dr. Fauer­bach - Bingen sprach überDer Landesverband der hessischen Fleischbeschauer und seine Bedeutung". Redner regte in seinem Vortrage an, daß der Landesverband dahin vorstellig werden soll, daß die Laienfleisch- beichauer jedes Jahr etwa 8 bis 10 Tage an einem öffentlichen Schlachhofe einen neuen Kursus durch- machcn müßten. Zum Ort der Tagung im nächsten Jahr wurde Gießen gewählt.

*, Die Verpflegung der Truppen im diesjährigen Kaisermanöver Durch die Ver- einigunp großer Truppcnmassen, werden, wie eikiärlich, im diesjährigen Kaisermanöver große Schwierigkeiten entstehen. Gerade daourch aber wird das Kaiser- Manöver in diesem Jahre zu einer außerordentlich lehrreichen Hebung für Generalstab und Intendantur in der Verpflegung unter Verhältnissen, die denen des Krieges nahe kommen. Auf eine völlig kriegsmäßig durchgeführte Verpflegung muß allerdings auch in diesem Kaisermanöver verzichtet werden. Die Aufstellung sämt- lichec KriegsverpflegungSkolonnen würden ungeheure Kosten verursachen und der Bevölkerung der betreffenden Gebiete zu viele Fahrzeuge entziehen. Aus diesem Grunde muß auch die Ausstellung der Gtoppen-Ber- pflegungskolonnen unterbleiben. Die Verpflegung wird sich wie folgt gestalten: Die Fußtruppen entnehmen ihren Bedarf den unmittelbar bei ihnen befindlichen Feldküchen. Diese ergänz,» sich ouS den Lebensmittel- wogen, welche sich bet oer großen Bagage befinden. Die berittenen Truppen, die nicht über Feld- küchen verfügen, veipstegen sich unmittelbar auS den Lebensmittel- und Fulleiwagen. Die Wtedeifüllung dieser geschieht aus den Kolonnen, welche ten Armee­korps oder Divffionen mit kriegsmäßigen Abständen folgen. Auch von freihändigem Ankauf der VelpstegungS- vorrüle zur Wuderfüllung der Lebensmittel- und Jutter- wagen wird weitgehender Gebrauch gemacht werden, lote eS auch im Kriege, soweit rS die im Lande Vorge­fundenen Vorräte erlaubrn, der Fall >etn wirb. Die Veipflegungskolonnen ergänzen ihren Bedarf aesVer- Pfiegungszügcn der Eisenbahn, die von der Intendantur nach Bedarf vorgezogen werden. Die den Armeen vorauSgchende HeereSkavollerie kauft ihren Hafecbcdarf im allgemeinen freihändig auf, für den Notfall werden ihre Lastkraftwagenkoionnen füc den Haferersatz zur Verfügung flehen, während sämtliche Truppen, wie im Kriege, für dcu Notfall eiserne Portionen mir sich führen.

o L i ch. Am 11., 12. und 13. Jrcki wird hierun­ter dem Protektorate des Fürsten Kart von Solms-Ho- hensolms-Lich das 30. Bundesjest des L a h n 1 a l - Sängerbundes abgchvlten werden. Es vierspricht besonders schön zu werden, denn ein prächtiges Pro­gramm liegt ihm zugrunde. Am Samstag nachmittag finden vor dem Schlosse ein Konzert der Kapelle des Leibdrayoner-Regiments und abends Kommers statt. Ter Sonittag bringt von 10 Uhr vormittags ab das Wcrtungssingen der Bundesvereme in Steins Saalbau unter der Kritik des Kgl. Musikdirektors Parlow aus Frankfurt a. Pt. Am Nachmittag bewegt sich ein Fcst- zug nach dem Festplatz zum großen Festkonzert. Für Montag früh ist ein Ständchen vor dem Fürstenfchloh vorgesehen; daran schließen sich der Süngertag imHoll. Hof" unter Leitung des Bundespräfidenten und -nach­mittags Konzert. Bemerkt sei noch, daß Sich die Va­terstadt des Frankfurter Sangesmeifter und Männerchor- Dingenten N e e b ist.

*) Bad-Nauheim. Die Nachricht, daß die i

Elizabeth Drmcan-Schule aus Darmstadt am 15. Juli * (nachmittags 5 Uhr), eine Fest-Aufführung im Großh. Kurhaus zu Bad-Nauheim veyanstakten wird, begegnet unter den Kurgästen, wie unter dem einheimischen Pub- - likum allgemeinem und sehr lebhaften Jnlercsse. Ist doch der Ruf der Schule Elizabeih Duncans international . und in der ganzen Welt begründet. Man weiß heule allgemein, daß- auf der herrlich gelegenen Maricuhöhe bei Darmstadl, unter dem persönlichen Schutze des Groß­herzogs von Hessen, Elizabeth Duncan (die Schwester der berühmten Tanzkünstlcrin Isidora Dun­can) eine Schule für; edelste Körperkultur gegründet hat. Hier sollen keine Tänzerinnen ausgebildet weiden! Es ' gilt lediglich den Körper des jungen Menschen zu seiner vollendetsten Ausbildung zu führen. Daß sich die Grenze von Gymnastik und Kunst hierbei allmählich verwischt und, ganz wie von selbst, aus diesen Kindern und jun- : gen Mädchen Künstlerinnen der Bewegnng werden, das ist das Wunderbare und Schöne bei der Sache. Neuer­dings hat es sich die Schule zur Ausgabe gemacht, auch Lehrerinnen auszubilden, die den Geis! 'der Schule in die Welt hinaustraqen. Ebenso sollen Zöglinge der Schule von ibrem Wirken und ihren Erfolgen aus der Olympiade 1916 zu Berlin Zeugnis ablegcn.

-B- Beuern, 5. Juli. Unser M i s s i o n s f « st, das zur Erinnerung an die vor 2 Jahren erfolgte Or­dination des von hier gebürtigen Missionars Heinrich