dessen Denkweise nicht im geringsten demokratisch insi- ziert sei. Die Ziele der höheren Schulen dürsten durch die Einheitsschule in keiner Weise herabgesetzt werden und die Hauptsorderung müsse die Erhaltung der reinen Staatsschule bleiben.
Abg. Ulrich (Soz.) führt aus, es müsse aus der reinen Staatsschule notwendig die allgemeine religionslose Volksschule erstehen. Es habe keinen Sinn, an diejenigen Konzessionen zu machen, die den Religionsrm- terricht als den wichtigsten Teil der Erziehung betrachten.
Staatsrat S ü f f e r t verteidigt die Haltung der Regierung und ihre ablehnende Stellung zu Ulrichs Antrag. Dem Beschluß des Kieler Lehrertages ständen die Stadtverwaltungen in Frankfurt und Kiel gegenüber. Deutschland sei kein einheitliches Reich, sondern bestehe aus 25 Bundesstaaten, die gerade in der Wahrung ihrer Eigenart Erfolge hatten. Die Abschaffung der bestehenden Vorschulen würde nur dazu führen, datz anstelle dieser gut funktionierenden Schulen weniger gute Privatschülen treten würden. Die Forderung der zwangsweisen allgemeinen Volksschule sei undemokratisch, keineswegs liberal. Redner teilt dann die verschiedenen Erleichterungen für den Uebergang der Schulen mit. Wenn er Gegner der Einheitsschule sei, so sei er noch lange kein schwarzer Reaktionär.
Abg. Wolf-Stadecken (Bbd.) warnt davor, die Schulsrage bei den kommenden Landlagswahlen als Agitationsmitiel zu verwenden.
Abg. U e b e l (Ztr.) konstatiert, datz das ganze HauS von einer konfessionslosen Einheitsschule nichts wissen wolle. Dem Antrag Dr. Osann könne seine Partei nicht zustimmen.
Rach einer längeren Aussprache zwischen Abgeordneten Bajch und Staatsrat Süffert fchlietzt die Debatte utn 2 % Uhr. Da sich inzwischen die meisten Abgeordneten bereits entfernt hatten, so wurde beschlossen, die Abstimmung über die 5 Punkte des Antrags erst am nächsten Dienstag vorzunehmen. Nächste Sitzung Dienstag vormittag 10 Uhr.
)lli5 Stadt und Land.
* Gewerbe« üs st ellung G i e h e n. Zum JuUgmeistertag am Sonntag, den 21. Juni, sind zahlreiche Anmeldungen bereits eingegangen. Die AuSstell- ungsleitUng teilt auf vielseitige Ansragen allgemein mit, datz alle Handwerker mit ihren Angehörigen bei vorheriger Meldung an dieser Tagung zu billigen Preisen teilnehmen können. Anmeldungen per Karte sind aber umgehend erwünscht .
* Wie uns der Allgemeine Verband der deutschen Bankbeamten mitte'It, wird er in kürzester Zeit eine Spar- und Darlehnskasse ln der Unternehmungssorm einer Genossenschaft eröffnen, deren sozialer Zweck ist, die Bankbeamten mehr als bisher vor Bewucherung zu schützen. Die Erhebungen, welche den Gründungsanlaß gäben, hätten Verhältnisse bloßgelegt, die mit zwingender Notwendigkeit schleunigste Abhilfe auf dem vom Verband cingeschlagencn Wege erfordern.
* Vom hessischen Staatsschuldbuch. Die am 1. Juli 1914 fälligen Zinsen der in das Hessische Staatsschuldbuch eingetragenen Forderungen werden bei allen in Betracht kommenden hessischen Kassen und bei den Reichsbankanstalten vom 17. Juni ab gezahlt. Vom gleichen Tage ab wird die Staatsschuldenkasse die durch die Post oder durch Gutschrift auf Reichsbank-Girokonto zu berichtigenden Schuldbuchzinsen überweisen.
* Bei der Landesvcrsicherungsanstalt Großherzogtum Hessen sind im Monat Mai 1914 — 410 Anträge cingegangen, und zwar: 285 Anträge auf Invaliden- und Krankcnrente (I. u. K.), 15 Anträge auf Altersrente (A), 31 Anträge auf Witwen- und Witwcreute (W), 41 Anträge auf Waisenrente (O.). 17 Anträge auf Anwartschaftsbescheide (Anw. B.), 21 Anträge auf Witwengeld (Wg), — Ant ag auf Waisen- aussteuer (Oa.). Unerledigt wurden in diesem Monat übernommen 420 Anträge, sodaß 830 Rentengesuche in Bearbeitung standen. Es fanden Erledigung: 31t Anträge durch Bewilligung (235 1, 18 K., 8 A., 12 W., 5 Wg., 33 O.) 20 Anträge durch Anwartschaftbeschcid (ßtz 1258 und 1743 R.-V -O.)> 46 Anträge durch Ablehnung, weil unbegründet (34 I., 2 1,3 I, 4 O., 3 Wg.), 18 Anträge durch andere Weise — Zurücknahme usw. (11 I., 2. A., 2 W, 1 O-, 2 Wg.), zu- sammrn 395 Anträge. 28 Anträge wurden durch Umwandlung erledigt. Zusammen 367 Anträge, sodaß 463 als unerledigt auf den Monat Juni I. I. übernommen werden mußten.
* Nebenbahnen in Hessen. In der Regierungsvorlage betreffend die Förderung von Kraftwagenlinien findet sich eine Zusammenstellung der Nebcnbahnprojekte in den drei Provinzen. Hiernach sind in Starkenberg noch 16 Linien in der Länge von 183,7 Kilometer p-ojckticrt, wovon Gustavsburg- Goddclau mit 27,5 die längste ist. Auf Oberhessen
entfallen 18 Linien mit 294,5 Kilometer, an der Spitze Alsfeld - Ullrichffein—Schotten mit 38 Kilometer, und auf Rheinhessen 29 Kilometer für die Linien Stadecken — Niedcr«OIm, Wöllstein — Wendclsheim und Undenheim—Armsheim.
* Hegezeit der Amseln und Stare. Nach Artist! 7 dis Jagdgesltzcs von 19. Juli 1858 gehören die Amseln (als Drossclart) und die Stare zum jagd. baren Bild. Die Amseln dürfen während der allge- meinen Hegezeit (vom 1. Februar bis 31. August) und die Stare während der Zeit vom 1. Februar bis 31. Juli nicht erlegt werden.
(:) „Militär".Fleisch und „Zivil"-Fleisch in Hessen. Bei den jetzt stattfindendcn Fleischver- dingunpen für die verschiedenen Garnisonen Hessens und Nassaus treten ganz auffällige Unterschiede in Bezug auf die Preise zu Tage, die von der Zivilbevölkerung für Fleisch- und Wurstwaren gefordert werden. In Butzbach z. B. bieten die Metzger der Garnisonverwaltung das Ochsenfleisch für 73 Pfennig, das Kuhfleisch für 63 Pfennig, das Schweinefleisch für 68 Pfennig an, alles für ein Pfund. In Dich fordert man für ein Pfund Qchsenfleisch 64 Pfennig, Kuhfleisch 56 Pfennig, Kalbfleisch 85 Pfennig, Schweinefleisch 60 Pfennig, Hammelfleisch 85 Pfennig und Leber- und Blutwurst gar nur 45 Pfennig. Wenn man bedenkt, daß den Militärküchen nur hervorragend gute FIcischstücke geliefert werden müssen, so sind die Preise, die die Zivilbevölkerung anlcgcn muß, reichlich hoch.
* Gießen. Im Prozeß Dr. Winkler- Gr ü n e w a l d hat der Abg. Dr. Winkler Berufung gegen das Urteil der Strafkammer eingelegt mit dem Ersuchen, die weitere Verhandlung an die Strafkammer Mainz oder Darmsladt zu verweisen, da in Gießen kein unparteiischer Spruch zu erwarten sei.
* Gießen. Der Provinzialausschuß verhandelte zum zweiten Male wegen der letzten Stadtverordnetenwahlen, gegen deren Gültigkeit von 2 Wählern Protest eingelegt wurde. Der Provinztalausschuß erklärte sämtliche Mandate für ungültig. Die Kosten des Vcrfahres hat die Stadt Gießen zu tragen.
* Gießen. Der Privatdozent für Chemie an der Universität Gießen, Dr. Phil. Hans Frhr. v. Liebig (aus Dinkelsbühl, Mittclfranken) wurde zum außerordentlichen Professor ernannt.
n Gießen. Die Kammersängerin Frau Professor L ü e r veranstaltete am 9. JuNi in der Eichener Landes-Heil- Und Pflegeanftalt für Geisteskranke ein Konzert. Die echte Kunst, wie Han- nah Lüer sie bietet, machte auf die Leidenden den tiefsten Und nachhaltigsten Eindruck. Sensation erregte das Söhnchen der Frau Professor Lüer, dem es außerordentliche Freude bereitet, seiner Mutter bei ihren Konzerten zu helfen. Er begleitete ihre Lieder Und Arien mit feinem Verständnis. Ein Wiesbadener Kammermusiker hat die Aufgabe übernommen, diesen phänomenal-genialen RatUrmufiker zu einem wirklichen Künstler heran- zubilden. Datz der Knabe Albrecht Lüer wie auch-seine Mutter des Augenlichts völlig beraubt ist, macht den Unterricht für den Lehrer und Schüler nicht leichter und zwingt den Ersolg um so höher zü schätzen, da das Kind alles auswendig lernen mutz, was es spielen soll. — FraU Professor Lüer wird in nächster Zeit mit ihrem Söhnchen in Franffurt a! M., Alzey und Goddelau! in den Anstalten für Geisteskranke konzertieren.
n G i e tz e n, 12. Juni. Seit heute ist im Pal- menhau's des Botanischen Gartens eine sogn. C e y - l o n - A u s st e l l u n g, in der Herr UniverMäts-Gar- teninspektor R e h n e l t die von ihm bei zwei wissen - schastlichen Reisen in den Jahren 1912 bis 1914 gesammelten Kolonialpfllanzen in bequem übersichtlicher Weise zu Jedermanns Besichttgung geordnet hat. Daneben sind noch andere Erzeugnisse und Sammlung; - gegenstände zu sehen. Auch Sonntags ist die Ausflell - ung geöffnet von 9 bis 12 Uhr. Die ganze Ausstellung ist sehr leicht verständlich, weil an allen Pslvnzen die deutsche Bezeichnung zu lesen ist. Der Besuch dieser Ausstellung kann nur empfohlen werden.
* >« rainfeld. In der Krainfeldec Mordsache dürfte festgestellt sein, daß die Familie Hofmann, deren Sohn sich in Haft befindet, im Besitze des Beiles war, mit dem die Tat verübt wurde.
* Frankfurt aM. Bet der Submission über Einfriedigung für die Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. war das Höchstangebot 14 300 Mark, das niedrigste Angebot 6250 Mark. Der Materialbezug ohne jegliche Bcarbeitung kostet 7700 Mark. Erläuterung überflüssig.
* Darm st ad t. Felix von Weingartner, dcssen Berufung als Generalmusikdirektor das Darmstädter Hostheater bereits am 18. Mai bekannt gab, tritt im Herbst sein neues Amt an Das Verhältnis des Künstlers zum Hoftheater wurde in schriftlichen Abmachungen festgelegt und laut amtlicher Meldung wird Weingartner nicht als Gastdirigent sondern als Grncralmusikdirektor die acht Hofmusikkonzecte und mindestens dreißig Opernaufführungen leiten und hat neuerdings sogar zugunsten DarmstadtS auf seinen
kontraktlichen Armerika Urlaub für nächstes Frühjahr
verzichtet.
*Bad Wildungen. Die Einweihung der Waldecker Talsperre soll nunmehr bestimmt im August statlfindcn. Da der Kaiser um diese Zeit auf Schloß Wilhelmshöhe weilt, wird mit dcffcn Anwesenheit bei der Einweihung gerechnet.
* Worms. Im nahen ÄriegSheim wurden zwei Landwirte beim Hcumachen vom Blitz getroffen. Einer von ihnen wurde fofort getötet, der andere trug eine schwere Lähmung davon.
G.
Biersacher Mord.
In dem sonst ruhigen Dörfchen H o s h e i m bei Worms ist vergangene Nacht zwischen 3 und 4 Uhr ein gräßlicher Mord verübt worden, der die ganze Familie des Bäckermeisters Philipp Back zuin Opfer gefallen ist. Die beiden Eheleute fand man verkohlt und die beiden 15 und 20 Jahre alten Kinder mit schweren Schädelverletzungen vor. Die Tal ist mit einem stumpfen Instrument geschehen. Alle Barmittel sind gestohlen, im Schlafzimmer sind die Betten völlig verbrannt. Als Täter kommt der bisher bei dem ermordeten Bäckermeister beschäftigte Bäckerbursche Philipp F l e r ch aus Monzernheim in Verdacht. Derselbe-hat noch in vergangener Nacht gebacken und sollte heute sein« Stelle verlassen. Er ist 30 Jahre alt, 1,60 Meter groß, blond, hat Aü- sang zur Glatze, O-Beine und geht etwas vornüber. Man nimmt an-, datz er sich nach einer Großstadt gewendet hat. Vor mehreren Jahren soll Flerch auch seine Braut erschossen haben. Die Staatsanwaltschaften von Mainz und Darmstadt waren schnell zur Stelle; für die Ergreifung des Täters sind die erforderlichen Recherchen eingeleilet.
Jlu$ aller Mil.
* Der Verband deutscher Eisenbahnhand. Werker und -Arbeiter, die größte und älteste deutsche Staatsarbeiterorganisation mit nahezu 100 000 Mitgliedern, hält in den Tagen vom 18. bis 21. Juri zu Hamburg seinen De legier teutag ab. Die Tagesordnung enthält u. a. Vorträge vom Regierungs- rat Rose über die Deutsche VolkSverficherung, von Adol Damaschke über die Bedeutung der Bodenreform für die Staatsbedienstcten und vom Generalsekretär Riedel über die Bewegung um ein Staatsardeiterrecht. Am Donnerstag wird abends im großen Saale des Conventgartens eine öffentliche Kundgebung veranstaltet werden, in. der zwei Redner über die Stellung deS Verbandes innerhalb der deutschen Arbeiterbewegung sprechen sollen. Es treffen etwa 220 offizielle Delegierte deS Verbandes ein.
* Leipzig. Das Reichsgericht hat gegen den elsäffischen G,meinderat Hurlin aus Montigny bet Metz das Verfahren wegen vollendeten Londesvcrrat eröffnet. Hurlin wird beschuldigt, auf seinen Grundstücken wiederholt höhere französische Offiziere heimlich einguartiert zu haben, damit diese von dort ouS die deutschen Bc- festigungswerke, die an HurlinS Brfitzung stoßen, aus- fpähen konnten.
* Leipzig. Das Reichsgericht verurteilte den Provinzial-Bureauassistenten MoxRofrnfeld aus Königsberg wegen vollendeten Verrats von militärischen Geheimnissen zugunsten Rußlands zu 15 Jahren Zuchthaus und 10 000 Mark Eeldstrasr.
Der Jahresbericht des Zecheuvertwndes im Ruhrbohlrmroier.
Das Jahr 1913 wird in dem veröfferMch- ten Jahresbericht des Zechen-Berlmvdes als ein Jahi der Ruhe bezeichnet; zu Konflikten mit der Arbeiterfchaf ist es auf keinem der Verbandsweck gekommen.
Der Bericht befaßt sich eingehend mit der im No vember 1913 vom allen (sozialdemokratischen) B e r g
arbeiterverband an den Vorstand des Zechen
Verbandes gerichteten Eingabe bekr. angeb lick
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