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Nr. 47. r-lephon: Nr.302. Samstag, den 13. Juni 1914. Telephon,Ir. 903. 26. Iaht».
Kaifer (Uilbelm in Ronopifcbt.
• Kaiser Wilhelm, in dessen Begleitung sich der GeneraladjMaM v. Plessen, der Großadmiral v u n T i r p i tz und Oberhofmcisler Freiherr v. Reischach besinden, ist gestern srüh 9 Uhr aus dem bekränz- ten Bahnchos BeneschaU eingetroffen. Der E < z h e r - zog-Thronsolger war mit Gemahlin und Kindern erschienen. Die Herren begrüßten und küßten sich herzlich. Dann reichte der Kaiser der Herzogin v. Hohenburg den Arm und sührte sie zum Automobil. Unter 21 Salutschüssen erfolgte die Abfahrt nach Schloß Konopischt, wo beim Eintreffen der Gäste die Kaiserstandarte auf dem Turm erschien.
Vormittags 10 Uhr wurde ein Ründgang durch das Parterre und den üppig prangenden Rosengarten an- getreten. Kaiser Wilhelm äußerte wiederholt sein Entzücken über die einzigartige Schönheit des Rosengartens. Dann standen Wagen bereit, um die Herrschaften nach den entfernteren Parkparticn zu fahren. Zuerst, ging es zur Schiberna . Immense Gruppen von silberblau gefärbten Nadelhölzern geben der Szenerie einen uube - schreiölichen Reiz. Daß diese Bäume hier bei nicht allzu günstiger Bodenbeschafsenheit üppig gedeihen, zeugt von einer großen Sorgfalt, die.der Eitzherzog mit vieler Mühe diesen Pflanzen angedeihen läßt. Bon der Si- berna ging die Fahrt durch die prächtige Koniserenallec nach Frieder! und aem schmucken kleinen Jagdhaus uNd dann uM den großen Teich nach dem Schloß zurück.
' Prag, 12. Juni. Die „Bohemia" meldet: „Entgegen allen Dementis sind wir in der Lage, unsere MitteUung, daß der König von Schweden, der zurzeit in Karlsbad zur Kur, weilt, aus Anlaß des Besuches Kaiser Wilhelms beim Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand in Konopischt einen Besuch ab- slalten wird, auf Grund von Informationen an ein - wandsreier Stelle vollkommen aufrecht zu erhalten. Um den Besuch eines etwaigen demonstrativen Charakters, der ihm von dreibundseindlicher Seite beigelegt werden Sit könnte, zu entkleiden, wird über denselben amtlich >« n i ch t s b e r i ch t e 1. In eingeweihten Kreisen nimmt ij man an, daß der König von Schweden morgen vor- - mittag höchstwahrscheinlich mittels Automobil iickognito J von Karlsbad noch Konopischt abreisen wird."
\ Polififcbe Rnndfcbau.
Deutschland
* Der Großheizog von Mecklenburg- Str el i tz ist am Donnerstag abend 8.17 Uhr in Berlin g e ft o r b e n. (üroßi,erzog Adolf Friedrich war am 22. Juli 1848 zu Strelitz geboren. Er war erst am
eä 30. Mai 1904 zur Regierung gekommen. Verheiratet he mar er seit 1877 mit der Prinzessin Elisabeth von Anis halt. Aus dieser Eh« sind drei Kinder hervorgegangen.
Um der Raum willen.
jjj Eine heiter« Kaisergeschichte von Ad. Bauer-Opladen, ‘ij. B! Nachdruck verboten.
0 {S Die kleine Nenne Groß, staatlich angestellte Lehrerin in Dingsda im Belgischen, war bereits 23 Jahre alt geworden, ohne den Kaiser gesehen zu hoben.
^ Die Schuld lag nicht an ihr; gewiß nicht. Sie war M «ne rechte Patriotin Und schwärmte für das Kaiserhaus. " Schon zweimal hatte sie versucht, den Kaiser persönlich ZU Gesicht zu bekommen, aber jedesmal war der Versuch
mißglückt.
Zuerst in Düsieldorf im Jahre 1902. Da war die Aennc Groß mit dem ersten Zug nach Düsseldorf gefahren. In der Graf Adolf-Straße, die der Kaiser passieren sollte, hatte sie sich ausgestellt und unverdrossen ihren Standpunkt behauptet. Jedoch im entscheidenden Moment, als das Hurrarufen die Ankunft des Kaisers verkündete, flutete auf einmal eine Menschenwoge heran, welche gerade vor ihr staute. Ja, wäre Aenne 2 Köpfe größer gewesen, dann hätte sie ihn vielleicht gesehen, so rbek die äußerste Spitze eines weißen Federbusches Lies, was sie erspähte.
Damals hatte sie bitterlich über ihr Pech geweint, nsbeslmdere. da ihr die Reise nach Düffeldorf an Fahr- l«ld Und Beköstigung 8,45 Mk. gekostet hatte. Zu jener l Zeit war sie noch nicht angestellt und ganz auf den Teldbeutel ihrer Tante, bei der si« wohnte, und die ihr, >er atmen Waise, auch die Wittel zum Studium gegeben
Der neue Eroßherzog ist am 17. Juni 1882 geboren und noch nicht verheiratet. Er hat zwei Schwestern: Viktoria Maria, geb. 1878, und Jutta, geb. 1880, als Militza mit dem ^montenegrinischen Kronprinzen verheiratet. — Dem verstorbenen Großherzog von Mccklen- burg-Strelitz rühmen die Blätter große Güte nach. Tie „Voss. Ztg." hebt hervor,, daß er als Bundessürst frei von partikularistischen Neigungen war. Das Blatt erinnert an die Bereitwilligkeit des Großherzogs, au>s seinem Privatvermögen Opfer zu bringen, wenn eine Verfassungsänderung dnrchyesüiirt werden könne.
* An Stelle des verstorbenen Oberpräsidenten von Schwarzkoppen ist Unterftaatssekretär von Eisen- h a r t - R c t h e zum Oberpräsident der Provinz Posen ausersehen.
Frankreich.
* In Frankreich war vor einigen Tagen ein neues Ministerium Ribott an die Regierung gekommen, in dem der deutschfeindliche Delcassee Kriegsminister geworden ist. Schon 1905 hatte dieser Delcassee als Minister des Auswärtigen es auf einen Krieg mit Deutschland abgesehen. Gestern stellten die geeinigten Radikalen dkm neuen Ministerium eine Mißtrauens- T a g c s o r d n u n g, die mit 306 Stimmen gegen 262 angenommen wurde. Daraufhin mußte das Ministerium demissionieren und der Präsident Poincaree hat die Demission angenommen. Uebrigens soll sich das Ganze gegen den Präsidenten selbst richten, der demnach also nicht allzufest an der Spitze des Landes steht.
Rußland.
* Petersburg, 12. Juni. Der russische Minister des Aeußeren S s a s o n o w und der rumänische Gesandte in Petersburg Diamandi sind nach Con- stanza abgereist.
Albanien.
* D u r a z z o. Dem im Kampfe gegen die Rebellen durch einen Schenkelschuß verwundeten albanischen Oberleutnant Meld B e y ist vom Fürsten der Orden vom weißen Sterne Skanderbogs verliehen worden. — Achmed 33 c i) verhandelt mit den angesehensten Mohammedanern. Wenn seine Vermittelung erfolglos sein sollte, so soll spätestens am Samstag der allgemeine Vormarsch beginnen.
* Die „Albanische Korrespondenz" meldet: Es verlautet, der Mimfterrat habe beschlossen, an die A u s- ständischen ein Ultimatum zu richten, in welchem diese aufgesorderi werden, sich binnen 24 "Stunden bedingungslos zu uMerwerfen und die Waffen abzu- liesern. Im Falle der Nichterfüllung der Forderung soll am Samstag allseitig ein konzentrischer Angriff auf die Aufständischen erfolgen. Ferner verlautet, daß die ftirstcMreuen Truppen gestern Ifchmi erobert und die Aufständischen von dort vertrieben haben.
hatte, angewiesen. Sie mußte der mehr als sparsamen Tante Jette über jeden verausgabten Pfennig Rechenschaft ablegen. Wochenlang hatte ihr die TaMe die umsonst verausgabten 8,45 Mark vorgehalten.
Einige Jahre später, Aenne war inzwischen angestellt worden, bot sich ihr wieder die Möglichkeit, ihre Sehnsucht nach dem Kaiser zu befriedigen.
Gelegentlich der Brüsseler Ausstellung sollte der Kaiserliche Hofzug die Strecke Hagen-Elberseld-Köln durchfahren.
Diesmal gestalteten sich Aennes Reisekosten billiger-, denn Tante Jette hatte ihren Rucksack mit Butterbroten, einigen Eiern und einer Flasche Kaffee gefüllt, und see- lenvergnügl war die lleine Lehrerin auf Schusters Rappen bergauf, bergäb gewandert.
Zwischen Eruiten und Vohwinkel hatte Aenne Groß sich dann unter einer Akazie an der Eisenbahnböschung postiert und den Hofzug erwartet.
Wie Nopft! ihr Herz, als nach langem, langem Harren sachte und majestätisch, einer glitzernden weihen Schlange gleich, der Hofzug um eine Kurve bog und sich ihr näherte.
Doch, oweh, ihr frohes Winken wurde bloß vom Lokomotivführer und von dem Schaffner auf der Plattform des letzten Wagens bemerkt, welche beide ihr sehr sreundkich zunickten. Von den Insassen des Hcfzuges hatte Aenne nur einige hin- und heceilende, schwarzbe- ftackte Domestiken gesehen.
„Es ist am besten, du fährst nach Berlin und gibst
Einbeitsfcbule in Ressen
D a r m st a d I, 12. Juni.
In der heute fortgesetzten Beratung der Zweiten Kammer sprach sich zunächst der nationalliberale Abgeordnete Hauptlehrer Bach-Mainz ausführlich zugunsten der Einheitsschule aus und erläuterte nament - lich die Stellung des 130 000 Mitglieder zählenden Allgemeinen Deutschen Lehrervcreins dazu. Ter Gedanke geht nicht vvn einer politischen Partei aus, sondern er ist vor 100 Jahren aus der Not des Volkes geboren worden und Männer wie Scharnhorst, Stein-Hardenberg, Pestalczzi und Fichte nahmen ihn auf. Wenn heute die nationale Wehrkraft und die wirtschastlichen Kräfte aufs äußerste angespannt werden, so muß der Staat ' die freie Entfaltung jedes Talents ermöglichen, gewähren und darf die Schulorganisation nicht nach sozialen Gesichtspunkten einrichten. Der Redner erklärte sich mit drei Punkten des Illrichschen Antrages einverstanden: Der Einführung der nationalen Einheitsschule, der Aufhebung der Vorschulen und der Beschränkung der Schülerzahl in den Volksschulklassen auf 40.
Abg. Korell-Ingelheim (Forlschr. Vpt.) hat einen Unteranirag eingebracht, die Schülerzahl in Volksschulklassen nach Maßgabe der pädagogischen For- ' derungen zu beschränken. Er bittet dann um Auskunft, welche Maßnahmen aie Regierung getan habe, utn die vor mehreren Jahren versprochene Erleichterung des Ue- bergangs von einem Schulgang in den anderen duich- zuführen. Gegen die Einheitsschule könnten keinerlei nationale Bedenken geltend gemach, werden.
Abg. Io Utz (Wild) führt aus, daß die gründliche Ausbildung unter der großen Schülerzahl in den Klassen leide. Die Kinder würden auch viel zu früh auS der SAule entlassen.
Abg. Dorsch (Bbd.) erklärt sich sehr beftiedigt darüber, daß Abg. Ulrich hier gerade das Wort nationale Einheitsschule unterstrich und für die deutsche Sprache eintrat. Das stehe im Gegensatz zu dem Vive la France- Rufen seiner Genossen im Reichstag. (Widerspruch bei den Soz.) Mit der Beschränkung der Schülerzahl müsse man vorsichtig sein, weil dadurch schwache Gemeinden sehr belastet werden könnten. Redner betont schließlich die große Wichtigkeit des konfessionellen Religionsunterrichts.
Vizepräsident Korell-Angenrod verliest einen Antrag des Abg. Dr„ Osann, worin die Einführuüg der nationalen Einheitsschule nur unter Wahrung des konfessionellen Unterrichts erfolgen solle.
Abg. Dr. Osann (Natl.) begründet seinen Antrag und führt aus, daß eine freiheitlichere Gestaltung des UMerrichts und ein« ständige Berücksichtigung der Individualität notwendig sei.
Mg. Pros. U r st a d 1 (Fortschr. Vpt.) verteidigt sich gegen den Vorwurf der Inkonsequenz durch den Wg. Ulrich und polemisiert dann gegen Staalsrat Süffert,
deine Besuchskarte im Kaiserlichen Palais ab, sonst wirst du wohl nie den Kaiser zu sehen bekommen," verhöhnte Tante Jette ihre Nichte noch obendrein, als diese enttäuscht und hundsmüde nach Hause kam.
Jedoch Aenne Groß ließ sich nicht beirren. Im Stillen sparte sie für ihre dritte Kaiserreise. Mit dem Sparen war es aber schon so eine Sache. Ihr Gehalt wurde von der geldliebenden TaMe ohne Gewissensbisse stets aus Heller und Pfennig eingeheimst. Und hatte sie von ihrem Erlös vom Privatunterrichterleilen einige Mark erübrigt, so gingen die wieder an Extraausgaben für ihre Garderobe daraus, denn Aenne besaß auch ihr gutes Stück Eitelleit.
So hatte Aenne noch nichts Nennenswertes in ihrer Spardose, als die dritte Kaiserreise herankam.
In Köln sollte die Hohenzollernbrücke im Beisein des Kaiserpaarks sowie der Prinzessin Vittoria Luise eingeweiht werden.
TaMe Jette machte zwar ein griesgrämliches Gesicht, als ihre Nichte ihr mitteilte, daß sie sich Urlaub genommen für den Einroeihungstag in Köln, und unwillkürlich griff sie in ihre alte Ledertasche uMer der Schürze und ließ liebkosend ihre lieben Mäckelchen durch di« Finger gleiten.
Sie seufzte schwer auf, widersprach aber Aennes Entschluß nicht.
Um des Kaisers Willen mutzte man ja schon ein Opfer bringen.
(Fortsetzung folgt.)


