Ausgabe 
30.5.1914
 
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fahren. Die Uebungsreise wft über

Molsheim gegen Diedenhofen. Samsie-q st:w':d d:r große Generalstab nach Baden-Baden fahren und dort bis Wontag verweilen. Donnerstag aM späten Nach­mittag nach der Ankunst des Kronprinzen sammelte sich vor seinem Straßburger Absteigequartier, dem Hotel Zur Stadt Paris" ein zahlreiches Publikum an und blieb trotz der eisrigen Bemühungen der Polizei, die Menge in Zirkulation zu halten, standhaft. Als der Kronprinz den Balkon betrat, wurde er mit stürmischen Hochrusen begrüßt, für welche Ovation der Kronprinz, nach allen Seiten sich verneigend, dankte.

* Generaloberst von Eichhorn, General-In­spekteur der, 7. Armeeinspektion, ist, wie uns ein Tele­gramm aus Metz belichtet, gestern morgen auf dem Ererzierplatz in Frescati bei der EskadronbesichliguNg des Hufarenrcgiments Nr. 13 mit dem Pserde gestürzt und hat sich dabei eine Muskelzerrung am Oberschenkel zugezogen.

England.

' Der Täglichen Rundschau" wird von besonderer Seile bestätigt, daß tatsächlich von russisch-französischer Seite an die englische Regierung die Zumutung ge­stellt wurde, der französisch-russischenFlot- t e n k o n v e n t i o n b e i z u I r e t e n. Bekanntlich ist die Flottenäbmachung des Zweibundes erst während der Marokkoschwierigkeilen, also viele Jahre nach dem eigent­lichen Bündnisvertrag, abgeschlossen worden. Während des Besuches des Königs Georg in Paris hatte der russische Botschafter Jswolski die Frage neuerlich zur Sprache gebracht und hat nun, wie dem genannten Blatte aus bester Quelle versichert wird, eine ableh­nende A-n t w o r t erhalten. JDu englische Regierung wünsche mit Rücksicht auf die Stimmung im eigenen Lande und die guten Beziehungen zU Deutschland die Vermeidung jeden Schrittes, der als gegen eine befreun­dete Macht gerichtet angesehen werden könne.

Amerika.

* Die Pläne zur Schäftung s r i e d l i ch e r Zu­stände in Meriko sind im wesentlichen fertiggestellt und dem Präsidenten Wilson sowie General Hueyta zur Billigung vorgelcgt worden.

kin grosses ScbifbungliicK.

Der DampferEmpretz os Jreland" der Canadian Pacific Eisenbahn ist in der Mündung des St. Lorenz­stromes nach dem Zusammenstotz mit einem in Norwe­gen beheimateten DampferStorestad" gesunken, wobei 1000 Menschen ertranken. Diese Katastrophe stellt sich als eine der grötzten in der Geschichte der Seeschiffahrt über­haupt dar. Es sind nur wenige Unglückssälle zur See zu verzeichnen, bei denen so viele hundert Menschen um das Leben gekommen sind. Die grötzte Katastrophe war der Untergang derTitanic" am 15. April 1912, bei dem rund 1500 Menschen ihr Leben lassen mutzten, an zweiter Stelle folgt dann der Brand des New-Pocker Vergnüa»mgsdampfersSlocum" im Jahre 1904, der rund 1000 Opser forderte, 1902 kamen mit dem eng­lisch-indischen SchiffCamorta" 739 Personen um, und es folgen dann einige Katastrophen mit je rund 600 Opfern.

Der Bericht des Kapitäns K e n d e l l, der Füh­rer desEmpretz of Jreland" lautet:

Als wir Donnerstag abend, 28. Mai, den St. Lorenzftrom hinabfuhren, setzte dichter Nebel ein. Ich lieh infolgedessen die Maschinen mit halber Kraft gehen, um die Geschwindigkeit meines Schiffes herabzu­mindern. Ich wich nicht von der Kommandobrücke und als um 2 Uhr nachts der Nebel noch dichter wurde, gab ich Befehl, die Geschwindigkeit noch mehr zu verringern. Wir befanden uns ungefähr aus der Höhe von Father Point. Plötzlich sah ich steuerbord von unserem Schiff eine Toplaterne aufblitzen und im selben Augenblick tauchten aus dem Nebel die Umrisse eines grohen Dam­pfers auf, der mit größter Geschwindigkeit auf uns zukam. Ich versuchte, dieEmpretz" nach Back­bord herumzulegen, aber es blieb keine Zeit mehr da­zu. Im gleichen Augenblick, wie das Glockenzeichen des Steuertelegraphen ertönte, erfolgte auch bereits der Zu­sammenstotz. Der fremde Dampfer, wie sich später her­ausstellte, der. norwegische KohlendampferStoreftad", prallte mit furchtbarer Gewalt auf dieEmpretz of Jre­land" auf. Der Stotz traf uns mittschiffs in der Nähe des Maschinenraumes. DieEmpretz of Jreland" er­schütterte in allen ihren Grundfesten und hatte sofort Schlagseite nach Steuerbord. Das Schiff war beinahe in zwei Teile zerschnitten. Ich gab sofort Befehl, die Rettungsboote klar zu' machen, was jedoch nur auf der Steuerbordseite gelang. Alle Passagiere konnten nicht in den zu Wasser gebrachten Booten Platz finden. Ein Teil der Boote schlug auch Um. Zehn Minuten nach dem Zusammenstoß ging dieEmpretz of Jreland" unter, nur noch ein Strudel bezeichnete die Stelle, wo die Wel­

len ihren Leib bearaben hatten. Ich selbst wurde von derHeureka" ansa-norncr."

Die DampferLady Evelyn" undyeureia^ nay- mcn 399 der Uebcrlebenden aus den wenig niederge - laffenen Rettungsbooten derEmpretz" auf. Diese sank so schnell, datz die wenigen Passagiere, welche sich in die Rettungsboote flüchten konnten, nur das nackte Le­ven retten konnten. Die Uebcrlebenden litten furchtbar unter ihren Bein- und Armverletzungen, sowie durch die Kälte. In den Rettungsbooten kauerten die Ueber- lcbenden stöhnend und betäubt, einige sterbend infolge der Verletzungen, die sie erlitten halten.

Die beiden Beamten, welche den Dienst für die drahtlose Telegraphie versahen, sind gerettet, ebenso der erste Ingenieur derEmpretz of Jreland".

Der DampferStoreftad", der einer norwegischen Gesellschaft gehört und am 17. April Venedig verlassen hat und am 18. Mai in Quebec angekommen war, hat, wie verlautet, einige Ueberlebende derEmpretz os Jreland" an Bord.

Hus Stadt und Land.

* Gießen. Die Stadtverordneten wählten in nichtöffentlicher Sitzung den Regierungsbau­meister Günther Krenzien zu Gießen zum be­soldeten Beigeordneten. Kreuzten ist am 15. September 1873 in Eisenach als Sohn des Postsekcetärs Krenzien geboren. Ec besuchte das Wilhelmsgymnasium in Kassel und w'dmete sich nach bestandener Reifeprüfung zunächst der Offizierslausbahn. Im Jahre 1900 bezog er die technische Hochschule in Darmstadt, Architektur zu studieren. Die Ferien seiner Studienzeit benutzte er, um sich als Hilfstechniker bei der Baupolizei der Stadt Frankfurt a. M. zu betätigen. Den Vorbereitungsdienst der hessischen Staatsbauverwaltung erledigte er als Negierungsbauführer bei dem Hochbauamt in Mainz und dem Kreisbauinspektor des Kreises Darmstadt, woraus ec als Regierungsbaumeistcr dem bautccbnilchen Büro der Ministeralabteilung für Bauwesen und dann dem Kreisbauinspektor des Kreises Offenbach zugeteilt wurde. Vom Frühjahr 1912 an war cr bei Neubauten einer Ohren- und einer Hautklinik und seit Beginn dieses Jahres als Regierungsbaumeistcr bei dem Gießenec Kreisamt beschäftigt. Das Gehalt für die Belgeocdneten- stclle hat die Stadtverordnetenversammlung aus 6000 b s 8500 Mark festgesetzt

* Gießen. Am 23 Mai fand in Darmstadt die mündliche Prüfung für die Finanz-Aspiranten der mittleren Finanz Beamten statt. Dicsem Examen haben sich die Finanz Aspiranten Hans Becker und Ludwig Höhn, beide von hier, zum ersten Mal unterzogen und bestand solches von 35 Kandidaten an 2. Stelle Herr Höhn und an 4. Stelle Herr Becker. Wir gratulieren.

):( Die hessischen Genossenschaften. Aus Anlaß der Genossenschaftskrisis hatte der Abg. Reh mit Unterstützung der fortschrittlichen Fraktion im Landtage beantragt, die Negierung um baldige Vorlage eines Gesetzes zu ersuchen, wonach denjenigen in Hessen wohnenden Mitgliedern hessischer landwirtschaftlicher Ge- nossenschaften, die aus ihrer Mitgliedschaft einen erheb­lichen Vermögensverlust zu erleiden haben, Darlehen aus der LondeSkreditkasse oder aus anderen staatlichen Mitteln bis zur Höhe von 85 Prozent des Wertes der belithenen Objekte gewährt werden. In der inzwtfchen verabschiedeten Vorlage über die Zentralkasse der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften ist den Anregungen der Abgeordneten Reh und Genossen insrfern Rechnung getragen worden, als auf die Unterstützung würdiger und bedürftiger Mitglieder einer Genossenschaft ein be­sonderes Augenmerk gerichtet werden soll. Dies soll dadurch geschehen, daß die mit Staatskredtt unterstützten Gcnoffenschaftin ihren bedürftigen Mitgliedern durch ausreichende Kreditgewährung ihrerseits helfen. Den Gedanken, einzelnen Mitgliedern einer Genossenschaft direkt aus staatlichen Mitteln Darlehen zu gewähren, lehnt die Regierung ab. Einmal der Konsequenzen halber, sodann aber auch, weil ec sich von dem landwirtschaft­lichen Grundgedanken und dem damit zusammenhängen­den Veranlwortlichkeitsgcfühl entferne. Auch würde eine Beleihung von Grundstücken bis zu 85 Prozent des Wertes eine bedenkliche Entwertung des Immobiliar­kredits bedeuten. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer hat sich in seiner Mehrheit diesen Bedenken angeschloffen; er glaubt deshalb den vocgcschlagenen Weg nicht als gangbar bezeichnen zu sollen und bean­tragt gegen eine Stimme, den Antrag Reh abzulehnen.

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Aus aller Mil.

* Bremen. Im 53. Lebensjahre starb hier

der Kaufmann Heinrich Vogelfang, dessen Namen mil den Anfängen der deutschen Kolonialpolitik verknüpft ist.

::: Oberndors a N. Geh. Kommerzienrat Dr. ing. Paul v. Mauser, Generaldirektor der Was- sensabrik Mauser A.-G. ist im Alter vcn 76 Jahren ge­storben. Mauser war der Nestor der deutschen Gewehr- indnstrie. Er erwarb sich als Konstruktor des Jnfan- leriegewehrs der deutschen Armee seit 1870 große Ver­dienste und schuf sich duych seine Waffenkcnftruktionen einen Weltruf. Seine Gewehrkonstruktionen sind fast in allen Auislandsstaaten eingesührt.

Sescdäitlicber.

Jeder Tag bringt Gewinn dem, der vorteilhaft cinkaufi. Natürlich muß inan die geeigneten Bezugsquellen kennen, ohne die Ersparnisse nicht möglich sind. Wir velweisen auf den der heutigen Ausgabe unseres Blattes beiliegenden, Prospekt der be> kannten Firma Hans vartmaun Aktiengesellschaft, Eisenach, die als leistungsfähiges SpezialhaiiS für Fahrräder, Sport- und sonstige Gebrauchsartikel einen weilen Rus genieß«. Die Prospekt- Illustrationen gebe» dem Leser ein ungefähres Bild über die Bedeutung dieses Hauses. Alle nützlichen Artikel für den täg­lichen Gebrauch und sür Geschenkzwrckc erhält man dort in aner­kannt vorzüglicher Qualität und ohne Frage sehr preiswert. Der Besteller hat also unbedingt Borteile Bo» Hundertlausenden ist dies anerkannt und durch häufige Nachbestellungen bestätigt worden. Im Interesse unserer geschätzten Leser empfehlen wir die Absordcrung des neuen reichhaltigen KatalogeS der Firma durch die dem Prospekt an hängende Postkarte.

BAD NAUHEIM

Programm

vom 31. Hai l»in 7. Juni 1914.

Sonntag, 31. Mai (1. Pfingstfeiertag), nachm, von 4 bi; 6 l / 2 Uhr, abends von 8 10 Uhr auf der Terrasse Konzer" der Kapelle des II. Bayr. Jägerbataillons. Abends 8 Uhl im Kurhaussaale Theater: Krieg im Frieden, Lustspiel Bad-Nauheimer Woche

Montag, 1. Juni (2. Ptingstfeiertag). vorm von 11'/, bi. 1 12 1 /» Uhr Militärkonzert auf dem Johannisberg. Nachm von 46 Uhr, abends von 810 Uhr auf derTerrasst Doppel-Konzert der Kurkapelle und der Kapelle de, II. Bayr. Jägerbataillons Abends 8 Uhr im Kurhaus saale Theater: Die spanische Fliege, Schwank.

Dienstag, 2. Juni, nachm, von 3'/,5 Uhr, abend, von 810 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kur kapelle. Im Kurhaustheater nachm. 5'/t Uhr Krstes Gastspiel des Baden-Badener Künsller-Marionettenthea ters: Der Teufel mit dem alten Weib, von Hans Sachs Der fahrende Schüler im Paradies, von Hans Sachs Auftreten der Salonmarionetten Bruno und Caruso Abends 8'/» Uhr: Zweites Gastspiel des Baden-Badenei Künstler-Marionettentheaters: König Violon u. Prinzess« Klarinette, von Mahlmann. Fastnachtsspiel von Paket Brey, dem falschen Propheten, von Goethe. Das Duell von Ludwig Thoma. Auftreten der Salonmarionetter Bruno und Caruso.

Als Krankenkost und Kindernahrung rühmt man feit 49 Jahren

Hriorr-Haferurehl.

Das Paket kostet nur 30 Pfg