Ausgabe 
30.5.1914
 
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BtWiffCfe 28 psg. monatlich

AerietfÄxriich 7t OarauSza^ibar, frei in* Hau». >b,«tz»ll ta infam GGPedttion ober in den Zweig- rtUgabefttOe* « m»8 *» r<i a. «0 Pfg. Grscheiu, Mi ««» « ch » unk C*w*tag«. Redaktion: Selter», »eg 88. K4K Änfbetoabrung ober Rückfenbung n icht verlangter Rannfkripie wirb nicht garantiert. Vertag der ,»Gietzener Zeitung" <«. m. b. H.

Wr. 43 . relephon: Nr. 382. Samstag, den 30. Mai 1014.

gnzeigenpreis 15 pfg. ,

die 44 nun breite Petitzeile für AuSwärtS 90 Pfg Die 90 mm breite Reklame-Zeile 50 Pfennig Extrabeilagen werden »ach Gewicht und Gröhr berechnet. Rabat, kommt bei Ueberfchreitung be» Zahlung», ziele» (30 Taget, bei gerichtlicher Beitreibung oder l- Konkurs in Wegfall. Platzvorfchriften ohne Verbindlich lei. Druck der (Biefjcncr BerlagSdruckerei. Albin Klein

T e l e p i> o n Ütr. 8K3. 20. ^0^0.

Pfingfien.

Sifn ist die Knospe Rose worden,

Zum Schmetterlinge Pupp' und Ei,

Die junge Saat am Hange dorten Steht schon in Halmen Reih' an Reih'; Fruchtahnend wogt's im.Aehrenmeer; Pfingstsonne leuchtet drüber her.

Wo immer wir ein Rest, erspähen,

Regt drinnen sich die junge Brut; - Und wo am Bach entlang wir gehen Lcucht't Leben uns aus kühler Flut.

Es scheint als ob da Engelshand Psingftsegcn streu« auf das Land.

Allüberall ein eifrig Weben,

Ein Wechselspiel von Alt und Neu.

Die Losung schallet:Sieg dem Leben!" Und laufend Kräfte werden frei..

Ein Jauchzen klingt durch die Natur, Psingstglocken auch in Moll und Dur.

Und wir auf unseren Wandcrswegen?

Die heltte wir so gerne ziehn

Spürt unser Herz von diesem Segen Etwas, von unsres Schöpfers Müh'n? Ist ihm durch heil'gen Geistes Macht, Psingslglaube noch nicht aufgewacht?

Erich Fried.

Pfingsten im W«r.

Feste sind dazu da, das; sic gefeiert werden, Und niser Volk ist auch niemals um Feierlichkeiten und selt- ame Gebräuche verlegen. Auch um das Pfingstfest rau­en sie sich in Fülle. Und wenn sie diesmal mehr hei- erer spielerischer als symbolischer Art sind, so entspricht ia gerade das am besten dem Charakter deslieblichen festes".

Da Pfingsten das Maien- oder Frühlingssest ist, st klar, dasz die Festfreude sich am liebsten draußen in >er Natur austobt. Und wenn wir auch von besonders igenartigen Sitten wenig noch finden (es sei denn, daß vir Psingstpartieen und' verregnete Picknicks unter die ftsingstgebräuche rangieren) in den Alpenländern aber, n Rufftand, im südlichen und nordwestlichen Europa, luch in einzelnen deutschen Provinzen entfaltet sich an >en Pfingsttagen ein frohes, buntes Leben.

Zunächst einmal muß der Pfingstochse sein Leben assen für ein lufttges Dorfvölklein, das ihn üppig be- ränzt imd mit Bändern geschmückt hat und im Triumph- uge durch das Dorf geleitet. Und dieses Mustererem-

Ladnsebmerren.

Humoreske vcn Adolf Thiele.

! (Nachdruck üjrboiiett.)

Zahnschmerzen, welch schreckliches Gefühl ! Wir alle :nnen sie, und wenn wir ihrer gedenken, so zieht uns in zuckendes Erinnern durch die Backen. Zahnschmerzen nd das einzige Weh, wobei man nicht einmal seinen -chmerz verbeißen kann; sie lassen Menschen aus der >aut fahren. Der wilde Löwe wird zahm, und das infte Lämmlein kommt in die gefährliche Laune, Dhr- igen zu verteilen.

Nun, so weit war es mit Ernestine doch noch nicht, bwohl ihre Zahnschmerzen unerträglich waren, denn azu hatte das hübsche junge Mädchen ein viel zu sanf- s Gemüt.

Aber etwas anderes hat sie, als sie schmerzgepei- igt durch die lebhaftesten Straßen der Stadt ging, sie at in eine große Konditorei, setzte sich an ein Tisch­en und bestellte einen Kognak.

Die zarte, edle deutsch»: Jungsrau einen Kognak k

Nun ja, eine Freundin hatte ihr geraten, den kran- n Zahn mit dem würzigen Trank zu bespülen und so :n Schmerz zu betäuben.

Wie die meisten Mädchen, hatte auch Ernestine eine rüberwindliche Scheu vor dem Zahnarzt. Noch nie ar sie gezwungen gewesen, die Marlerstätte zu be­tten. an der solch ein blutdürstiger Unhold auf sein« pscr lauerte. So stellte sie sich wenigstens einen Zahn- zt vor.

Ah, Pardon, mein Fräulein!"

Vor ihr stand plötzlich ein Herr, der sich dadurch i ihr einsührte, daß er, ohne es zu beabsichtigen, ihr las Kognak umwarf.

plar -eines zukünftigen Festbratens stirbt den Märchrer- tod, sich dann am Spieß braten und bei fröhlichem all­gemeinen Gelage verzehren.

Fast allgemein üblich ist es, am Pfingstmorgen das Vieh zum ersten Wale aus die Weide zu treiben, und in manchen Gegenden, z. B. in der Psalz, im Rheinland, in Hessen, Hannover, Tirol, Herzegowina, schließen sich noch köstliche Zeremonien daran. Mit dem Vieh zugleich wird der personifizierte Mal hinausgetrieben. Das ist ein Bursch, aer ganz in Blätter und Maiendrün gehüllt isst zuletzt wird er in den Dorstcich oder in ein in der Nähe befindliches Gewässer geworfen, damit er autz dem Wasser, die Fruchtbarkeit und das Gedeihen herautzsische. Der diese Ehrenrolle spielen darf, heißt Psingftlümmel. Auch Psingstritte (das sind Umritte um die Saat - selber) wurden veranstaltet, um einen möglichst reichen Erntesegen herabzuflehen.

Sehr beliebt sind die Wettritte mit anschließendem Kranz- oder Bosselstechen. An einem Baumast wird ein Kranz aufgehäng! und der darunter durchsprengende Reiter muß versnchen, mit einem Stab den Kranz ab­zuheben, d. h. zu stechen. Natürlich wird da durch un­geschickte Burschen, die mit oder ohne Kranz vom Gaul herunterpurzeln, manch komische Situation heraufbe - schworen. Der Sieger ist Kranz oder Pfingstkönig und darf diese Würde bis zum nächsten Jahre behalten. Er ist! dann gleichzeitig Festordner unddarf" am Abend mit jedem Dorfmädchen mindestens einen Tanz tanzen.

Bei dieser Gelegenheit präsentiert sich dann ein selt­samer Gesell, der mit zweifelhaftem Vergnügen begrüßt wird. Das ist der Psingstnarr, eine wegen der Rück - sichlslosigkeit seiner Spässe bang gefürchtete Persönlich - feit. Er ist ganz in Stroh gehüllt, trägt eine Stroh - kröne, und einen Rohrstab in der Hand. Er sagt den Leuten alle möglichen Wahrheiten ins Gesicht, die unter Umständen ziemlich empsindlicher Natur sein können. Er untcrwirst ihre Arbeit, ihr Betragen einer kritischen Be­urteilung und hält auch nicht mit Besserungsvorschlägen zurück. Besonders die jungen Mädchen fürchten sein« Lästerzunge, denn manch heimliche, verbotene Liebe kam durch sie ans Sonnenlicht.

Aus der Ritterzeit erhielt sich ein lieblicher Brauch bis in unsere Tage. Das ist das Maiseuer oder das Mailehen, das in deutschen Gauen eine bedeutsame Rolle spielt. Am Vorabend des Psingstfeftes wandern Vur- ,chen und Mädchen aus dem Dorfe aus Anhöhen, wo bei Beginn der Nacht ein luftiges Feuer entzündet wird. Die Mädchen werden nun scherzhalber an die Burschen versteigert, de» Meistbietende erhält die Begehrte, die das Gebot ablehnen oder aber ihre Zustimmung geben kann. Dann befesttgt sie am Hute des Lehngemahls ein Sträußchen und muß gleichwie der Bursche die Ver -

sicherung geben, das ganze Jahr hindurch dem Lehns- gespons die Treue zu Hallen. Zur Bekräftigung dieses scherzhaften Gelöbnisses pflanzt der Bursche am Pfingst- j mcrgen einen Maienbaum vor dem Kammerfensterlein ! seines Mädels, und übers Jahr, da tut nicht selten der Priester die Beiden zusammen und läßt das Sprüchlein Wahrheit werden, das in der Pfingstnacht mit lachen­dem Ernst in das Maifeuer gesprochen wurde:

Heute zUm Lehen

Hebers Jahr zur Ehen...

jHus -Ildamen.

* Durazzo. Der hiesige Polizeidir, ek- 1 o r ist verhaftet worden, weil er das Gerücht ver­breitete, Effäd Pascha werde in einige» Tagen zurück­kehren.

* Die Fürstin besucht die in den letzten Käm­pfen Verwundeten täglich.

* Derwiftch Bey Elbassani, einer der Hauptführer der Aufständischen, ist nach ätägiger Ein­schließung gefangen genommen und von der Gendar-

i inerte gefesselt in das Gefängnis von Valona ge­bracht worden.

* Die dem Fürsten treue Stadt K u z a ftagte telegraphisch an, wie sie sich gegenüber der Aufslands­bewegung verhalten solle. Der Fürst erwiderte, die Stadt möge ruhig bleiben und nur im Falle eines Angriffes Mderstand leisten.

* In Alessio versammelten sich mehrere tau­send bewaffnete Albaner, um einem etwaigen Ruse des Fürsten zU folgen. Eine Deputation Leute begab sich nach Durazzo, um den Fürsten zu bitten, diese treu ergebenen Streitkräfte, falls er ihrer nicht bedürfe, we­nigstens vor dem Auseinandergehen zu besichtigen.

* Rom, 28. Mai. Nach hier eingetroffenen Nach­

richten ist die Lage in Durazzo ä u ß e r, st besorg­niserregend. Den Aufständischen strömen immer neu« Scharen zu, die zum Angriff auf die völlig schutz­lose Stadt entschlossen sind, wenn ihre Forderung nach Abdankung des Fürsten nicht erfüllt wird. Jeder Wi­derstand ohne Mitwirkung der fremden Detachements wäre nutzlos und würde nur in ein furchtbares G e m e tz e l aüsartcn. _

politisch Rundfcbau.

Deutschland.

* Die Herren des Großen Generalstabes, darun­ter der Kronprinz und der kommandierende Ge­neral v. Deimling, sind Freitag morgen kurz vor 8 Uhr von Straßburg ans im Auto in das Gelände ge-

Kellner, ein Glas Kognak!" rief er dann.

C bitte lassen Sie doch" wehrte Ernestine und blickte erschrocken zu dem Herrn empört

Ein Mann Mitte der Dreißiger, nachdenkliche Züge, Brille, Vollbart, solide gekleidet, anscheinend ein Ge­lehrter.

Er schien nicht recht wissen, was er mit sich an­sangen sollte, und Ernestine saß mit niedergeschlagenen Augen da.

Glücklicherweise erschien der zweite Kognak bald.

Verzeihen Sie, gnädiges Fräulein, meine Unge­schicklichkeit !" äußerte jetzt der Herr, noch immer ver­wirrt.Meine Eile

Ehe noch Ernestine ein Wort erwidern konnte, stieß der Herr wiederum durch eine hastige Bewegung an das Tischchen und räarf den zweiten Kognak ebenfalls um.

Ernesttne wurde feuerrot, der Herr verstummte. Dann aber kam eine Wandlung über ihn. Mit ruhiger und geläufiger Stimme sagte er:Es tut mir wirklich leid, mein Fräulein, Ihnen ein solches Kabinettstück von Ungeschicklichkeit zu produzieren. Sie gestatten mir viel­leicht, daß ich noch ein Glas bestelle."

Ernestine dankte. Wenngleich noch immer verlegen, schien es sie doch zu befriedigen, daß sie sich jetzt über, ihre scheinbare alkoholistische Neigung aussprechen konnte.

Ich bestellte den Kognak", sagte sie,nur aus den Rat einer Freundin; es peinigen mich fürchterliche Zahn­schmerzen.

Wie Zahnschmerzen? rief der Herr.Dos ist ja herrlich!"

Nuü, ich bin nicht sehr entzückt davon."

Bitte, mich nicht mißzuverstehen!" erklärte der Herr.Sie gestatten, daß ich einen Augenblick Platz nehme ? Mein Name ist Wagler, Doktor der Medizin.

> Ich studierte einige Semester Zahnheilkunde und interes­siere mich für dieses Fach. Es würde mir eine Ehre sein, Ihre Zähne untersuchen und Ihnen Linderung verschaffen zu dürfen."

Das Erstaunen über die so unvermutete Konsulta­tion und zugleich die instinttive Angst vor dem Zahn - arzt ließen Ernestine verstummen.

Bitte, gnädiges Fräulein, öffnen Sie den Mund, damit ich Ihr Gebiß untersuchen kann!" drängte der Herr, indem er aufsprang und sich über das junge Mäd­chen neigte.

Ernestine überlegte. Der Herr sah so zuverlässig aus, es war also doch kein Scherz-, war es auch einer ! der gesürchteten Zahnärzte, nun so hatte er das war ja augenscheinlich doch keine Zange bei sich.

Ein plötzliches Zucken in ihrem kranken Zahn be­siegte ihr Zöger,».

Schönes Gebiß, gut konserviert!" sagte der Arzt, als das junge Mädchen den Mund öffnete.Und der kranke Zahn ?"

Bestürzt erhob sie sich.

Der allzu rührige Arzt wurde sich nun seines Ue- bereifers hewußt, er trat daher zurück und sagte mit einer leichten Verbeugung:Sie haben Recht, gnädiges Fräulein, eine Untersuchung hier im öffentlichen Lokal dürfte zu sehr auffallen. Bitte folgen Sie mir in - das Nebenzimmer!"

Willig trat Ernestine, was er erbeten.

Hier oben!" hauchte sie.

Hm, Wurzelhautentzündung ! Ist wahrscheinlich zn retten, brauchen wir nicht wegzunehmem Ich werde Ihnen ein Mittel verschreiben, mit dem Sie das Zahn­fleisch bestreichen: es wird den Schmerz lindern."

Wirklich?" slüstette Ernestine.