Ausgabe 
27.5.1914
 
Einzelbild herunterladen

~~

Königliche Ltaatsregierung die dringende Fordermrg her­an, im Bau von Güterwagen wie neuer Bahnlinien ernstlich weiter sortzusahren; denn es mutz seslgeftelll werden, datz der diesmalige Wegfall von Stockungen im wesentlichen auf das im Geschäftsjahr 1913 leider, zu be­klagende Sinken der gesamten wirtschaftlichen Lage zu- rllckzulführen ist. Was das Wasserverkehrswesen be­trifft, so gibt der Bericht einen guten Ueberolick über die Kämpfe um die Besahrungsabgaben und sonstigen Be­stimmungen für den Verkehr auf dem Rhein-Weser-Ka- nal, die noch frisch in Erinnerung stehen dürsten, sodatz ein erneutes näheres Eingehen hieraus an dieser Stelle erübrigt.

In sozial- und kommunalpolitischer Hinsicht beson­ders aktuell sind die den preußischen Landtag noch dau­ernd beschäftigenden Enlwürse des Wohnungs- und Kommunalabgabengesetzes. Beide haben den Berq- bauverein zu Gegenäutzerungen gn Staatsministeyum und Landtag Veranlassung gegeben. Auch gegen den Leuchtölmonopolentwurs der Reichsregierung hat der Vorstand des Vereins eine dringliche Eingabe an den Reichsstaatssekretär des Reichsschatzamtcs gerichtet, die bisher leider bei diesem aus wenig Entgegenkommen ge­flohen ist.

Ueber die Bergarbeiterlöhne während des Ge- , schästsjahres 1913 sagt der Bericht u. a.: Der Schicht - verdienst hat im Berichtsjahr in den 3 Bezirken seine aussteigende Entwickelung vom Vorjahr zunächst fortge­setzt! diese Bewegung ist jedoch im «aarbezirk bereits rm ersten Vierteljahr zum Stillstand gekommen, in Ober- schlesien ergibt sich sür das 4. Quartal nur noch «ine ganz geringfügige Lohnerhöhung und im Ruhrbecken ist ( zu dieser Zeit bereits der Rückschlag eingetreten. Für das ' ganze Jahr ist aber in den 3 Bezirken eine recht er­freuliche" Steigerung des Schichtverdienftes festzuftellen; jie ist am Stärksten im Ruhrrevier, wo der Schichtver­dienst aus den Kops der Gesamtbelegschaft gegen das Vorjahr um 33 Pfg. gestiegen ist. Im Saarrevier stellte er sich um 23 Psg. und in Oberschlesrcn um 13 Psg. höher als 1912. Es stand im Durchschnitt des Berichts­jahres im Oberbergamtsbezirk Dortmund der Schichtver­dienst höher als in Oberschlesien und im Saarbergbau ; aus den Kops der Gesamtbelegschaft um 1,73 Mark gleich 47,66 Prozent und 0,91 Mk. gleich 20,45 Prozent und aus einen Hauer (Gruppe A) um 1,62 Mk. gleich 33,40 Prozent und 1,29 Mk. gleich 24,90 Prozent. Ferner r,t von Interesse die nachfolgende Feststellung des Allgem. Knappschastsvcreins ZU Bochum: Die höchste Lohnklasse, welcher alle Vereinsmitglieder unfeinem 5 Mark über­steigenden Tagesverdienst (nicht Schichtverdienst) ange­hören, zeigte im Zusammenhang mit der Steigerung des Schichtverdienftes im letzten Jahr eine Zunahme ihres Anteils ander Milgliederzahl des Vereins von 77,7 auf 81 2 Prozent. Entsprechend ist der Anteil der anderen Lohnklassen gesunken-, 2,60 Mk. und weniger verdien­ten in 1913 nur 17 169 Mann gleich 4,2 Proz. (4,2 Prozent im Jahr vorher) der Belegschaft an der, woraus hierbei hingcwiesen sei, die jugendlichen Arbei­ter mit 3,7 Prozent beteiligt waren. 11 287 Mann oder 2,8 (4,0) Prozent der Gesamtzahl blieben mit ihrem Lohn zwischen 2,61 und 3,80 Mk., 48 322 oder 11,8 (14,1) Prozent verdienten 3,81 bis 5,00 Mk.

jHa* di u d tad

» Postscheckverkehr. Die neuen F o r - mularmuster zu Zahlkarten, zu Nachnahmekarlen, Nachnahme-Paketkarten (bisher Postpaketadr,essen) und Postauslrägcn mit anhängendcr Zahlkarle sowie das Mu­ster zum neuen Scheckoricsumschlag sür den Verkehr der Kontoinhaber mit den Postscheckämtern sind erschienen. Die Forrnulare können sämtlich auch von der Privatin­dustrie hergcstelll werden, wenn sie in der Grütze und Farbe des Papiers sowie im Vordruck und, abgesehen von den Tcheckbricsumschlägen, auch in der Stärke des Papiers mit den amtlichen genau übereinstimmen. Die Muster sowie eine gedruckte Beschreibung über ihre Grö- tzenvcrhältnissc und die Beschaffenheit des zu verwcn - denden Papiers können von den Postscheckämtern kost,en- los bezogen werden. Zur Vermeidung von Weiterungen empfiehlt es sich, datz die Privatdruckereien vor der Her­stellung jeder neuen Auslage einen Probcabdruck dem Postscheckamt zur Prüfung einsenden. Die von der Pvst bezogenen blauen Zählkarten des bisherigen Musters so­wie die bisherigen braunen Rachnaümcsormulare mit anhängender Zahlkarte können bis auf weiteres aufge- braUcht werden. Hierbei wird darauf aufmerksam ge­macht, datz auch die Formulare zu Nachnahme-Paket - karten und Nachnahmekarten mit anhängendcr Postan - Weisung geändert werden, und datz die Poltpaketadressen die Bezeichnung Pakcckarte erhalten. In Aussicht ge­nommen ist ferner, neue Fonnulare sür Postausträge

mit anhängender Postanweisung einzuführen und die Herstellung dieser Formulare der Privatindustrie sreizrv geben. Wegen der Muster für diese Formulare u. s. w. wird näheres noch bekannt gegeben werden.

"Gießen, 25. Mat. Der Provinzialtag für Oberhessen beschloß auf Antrag des Provinzial- aurschusses, die alsbaldige Versorgung der Kreise Alsfeld und Lauterbach sowie des nördlichen Teiles des Kretscs Schotten mit elektrischer Energie gemein­sam durch die Provinz und durch ein industrielles Unternehmen (gemeint ist das Buderus-Werk in Wetzlar) vorzunehmen, da die Provinz Obeihessen allein wegen des damit verbundenen großen Risikos nicht in Frage kommt. Es soll in allernächster Zeit ein außerordent­licher Provtnzialtag etnberufen werden, um über eine spezialisierte Vorlage Beschluß zu fassen. Auf Antrag dttz Grafen Wilhelm zu Solms-Laubach beschloß der Provivzialtag ferner, den Provinzialausschuß der Frage einer öffentlich-rechtlichen Lebensversicherung nähertreten zu lassen, selber diele Frage ebenfalls zu prüfen, und sich mit den beiden anderen hessischen Prownzialvei Wallungen ins Benehmen zu setzen, um gegebenenfalls mit diesen gemeinsam zur Verwirklichung des Gedankens vorzugehen.

* Gießen. Tas Ergebnis der Wehrbeitrags­veranlagung für den Finanzamtsbeziik Gieß, n beläuft sich auf etwas über 900000 Mk, wovon 130000 Mk. auf die Landgemeinden entfallen. Die Zustellung der Veranlagungsbescheide wird Ende dieses Monats er- foigrn, so daß das erste Drittel des Wehrbeitrages bis Ende August l. I. zu entrichten wäre.

* Der Bergbau des Grotzherzog- t um s Hessen. Kurze Uebegsicht über geschichtliche Entwickelung und gegenwärtigen Stand des Berg-, Hüt­ten- und Saltnenwesens, vornehmlich in der Provinz Oberhessen. Mit 29 Abbildungen und 2 Karlen. Un­ter Benutzung amtlichen Materials zusammengestellt von C. K ö b r i ch, Erotzhl Bergrat. Darmstadt 1914. Staats­verlag. 101 Seiten. Broschiert. Preis 1 Mk. Die Literatur über den hessischen Bergbau ist. bislang sehr spärlich. Seit H. Tasches kürzer Beschreibung aus dem Jahre 1858 ist kein Buch mehr erschienen, das den Hess. Bergbau zusammensassend darstellt. Bei der kräftigen Entwickelung der bergbaulichen Industrie in Oberhessen, von der nur wenige mehr als eine ganz entfernte Kennt­nis haben, kommt das jetzt vorliegende Büchlein recht erwünscht. Es führt in übersichtlicher Form den Leser ein in das Werden Und Wesen des hessischen, vorzrigs- weise oberhessischen Bergbaues, des Hütten-, und Sali- nenbetriebes. Besonders willkommen wird allen denen, die weniger die technische Seite als die geschichtliche Ent­wickelung interessiert, die reiche Zusammenstellung histo­rischer Daten aUs dem hier behandelten Spezialgebiet sein; so die Nachrichten über die zahlreichen Salinen, die srüher in Oberhessen vorhanden gewesen sind und an die kaum noch eine Erinnerung sortbesteht, über die alten Blei- und Silberbergwerke, den blühenden Kup- serbergbau bei Haingründau, die Eoldwäscherei in der Eder usw. Auch die zahlreichen Heil- und Minerdl - quellen sind nach langer Zeit wieder einmal zusammen­gestellt. Ebenso sind mannigfache Nachrichten von den Bergleuten aus srüheren und neueren Jahrhunderten zusammengetragen. Den HaUptteil des Buches freilich nimmt die Darstellung der gegenwärtig wichtigsten Zweige, des Eisenerz- und Braunkohlenbergbaues ein, auch sie beide in geschichtlicher, Entwickelung dargestellt. Zahlreiche hübsche Bilder, gutes Papier und guter Druck geben dem ganzen ein gefälliges Aussehen. Die An­schaffung des Büchleins kann besonders auch Volks- u. Schulbibliotheken empfohlen werden.

* Gießen Unglücksfall. Am Samstag nachmittag ist der Fuhrknecht des Getreidehändlers Dreist:?, Trechs- ler, von seinem eigenen Fuhcwcrk auf dem Wege zum Küterbahnbos in der Hammstraße überfahren worden. Ec trug erhebliche Verletzungen am Kops und am linken Arm davon, di-- vermutlich durch Husschlä,,c der Pferde hervorgerufen sind De- Unglücksfall ist dadurch ent­standen, daß der Fuh'knecht während der Fahrt aus der Wagendeichsel stand, um scheinbar etwas an dem Riemenzeug der Pferde zu ordnen Hierbei sind die Pferde unruhig grworden und durchgegangrn, wobei der Verletzte unter die Pferde geriet. Von Glück kann ein kleines Kind sagen, das im letzten Augenblick zur Seite sprang, da es sonst auch überfahren worden wäre.

Rach Anlegung eines Notvcrbandes im Städtischen Elektrizitätswerk wurde der Verunglückte durch die SanitätS-Kolonne in die Klinik gebracht.

* Gießen Bei dem am 19. u-d 20. Mai abge­hobenen Viebmarkt waren aufm trieb, n 1203 Stück Rindvieh und 585 Scheine. Der nächste Btarkt findet am M'iwocb, den 3. und Donnerstag, d-n 4 Jan, d I. statt.

* Der Vorschlag eines Reichstarifs für b i e A r b e i 1 s- und Eehaltsverhält- nisse der Rechtsanwaltsbureaubeam-- t e si ist vom Vertretertag des deutschen Anwollsvereins

mit der Begründung abgelehnt worden, datz die Ver­schiedenheit der ärztlichen Verhältnisse die Festsetzung und Beobachtung gleichmäßiger Grundsätze nicht gestatte. Des­halb haben die Vertreter der beteiligten Bureauange - ! stelltenorganisationen beschlossen, einmüttg gegen diese ! Stellungnahme der Organisation der Rechtsanwälte Ver­wahrung einzulegen, zugleich aber überall da, wo lokale Anwaltsvereinigungen bestehen, mit diesen in örtliche Tarisverhandlungen einzutreten. Es wird zu diesem Zwecke die Ahhaltung eines Allgemeinen Deut­schen Anwaltsange st ellten-Tages geplant, der am 7. Juni in Leipzig stattfinden wird.

* Die tzauptv rsammlung desLandeSgewecbe- Vereins sind,l im Herbst d. I. in Erbach i. O. statt.

o Rockenberg. In dem Hause des ehemaligen Gastwirts Klöh brach ein Brand aus, der größere Di- ; nienstonen annahm. Nachdem der Brand gelöscht war, j fand man bei den Ausräumungsarbeiten zwei K i n- d e r l e i ch e n eines Bewohners des Hauses. Die Kin­der haben anscheinend in Abwesenheit ihrer Eltern mit Feuer gespielt und dadurch den Brand verursacht, der ihnen das Leben kostete.

* UI ci A ft ein. Der Landbriefträger Kraft, ein noch junger Mann, Vater von zwei Kindern, wurde vom Blitz erschlagen. Er befand sich auf dem Heimweg von seinem Botenrana nach Helpershain, als ihn das Gewitter überraschte. Do er um die gewohnte Zeit nickt zurückkehrte, ging ihm seine Frau entgegen. Sie fand ihren Monn tot auf dem Wege liegen. Ein Loch in seiner Mütze und ein versengtes Hosenbein verrieten den Weg, den der Blitz genommen.

* Berstadt. Bei dem Sturm am SamStag war der Landwirt Josef Diefenbach mit seinem Sohne in den Waid gefahren, um Brennholz zu holen. Dabei wurde Herr Diefenbach, der hinter dem Wagen herging, von einer umstürzenden Tanne so furchtbar getroffen, daß er nach wenigen Minuten starb. Der Sohn mußte die Leickie seines Vaters auf den Wagen nehmen und brachte sie so zu der unglücklichen Familie zurück

* Lindenfels Am 20. ds. Mts. waren es 25 Jahre, daß die Personevpost LindenfelsReichels- heim verkehrt. Während dieser Zeit wurde der Post­betrieb ununterbrochen vom Posthalter Pfeifer V. in Lindenfels verwaltet

* Bens heim. Bei seinem Onkel in der Hasen- gasse stürzte der 12 Jahre alte Sohn der Witwe Mittecke durch dos Sckeuergebälk und erlitt lebensge­fährliche Verletzungen. Im vorigen Jahre ist »in Bruder des Verunglückten auf tragische Weise aus dem Leben geschieden.

* Fulda. Die vier Zigrunerweiber Ebrnder, die über V/a Jahre im Arbeitshaus« Brritenau zugebracht hoben, sind entlossen wordrn und hoben sich hier wieder niedergelassen. Sie wollen sich bemühen,irgendwo ehrliche Arbeit" zu finden.

Jli!$ aller Mit.

feine Versteigerung junger Mädchen. Eine merkwürdige Sitte herrscht in dem dicht bei dem Badeort Kreuznach im Süden der Rheinprovinz grlcgenen - schen R ü d e s h e i m. In der Woche vor dem lang­ersehnten Kirchweihtoge wird eine regelrechte öffentliche Versteigerung der jugendlichen Tänzerinnen vorge­nommen. Am festgesetzten Tage versamm ln sich die Torfschvnen in drm Tanzlokal, wo die Krrmisburschen ihrer harren. Ist die ganze tanzlustige Jugend des Dorfes versammelt, so tritt ein Ausrufer vor, der die Ranren aller anwesenden Mädchen verliest. Die Burschen bieten nun in heißem Wettbewerb aus die Person d-r- jenigen Maid, d e sie sich als Tänzerin für die Kirmes­tage wünschen. D'e Angebote sind s,hr verschieden. Schönheit, Jugend und Fertigkeit in der edlen Tanzkunst fallen besonders ins Gewicht. Bei manchen schlauen Burschen ist indes auch das Vermögen des Mädchens in erster Linie sür sein Gebot ausschlaggebend, denn nicht selten entwickelt sich, wie dos ja auch sonst Vor­kommen soll, aus den gemeinsam verlebten Ktrmes- freuuen ein Bund fürs Leben. Diesmal wurden einzelne Tänzerinnen schon für den gewiß billigen Preis von 20 Pfg. erstanden. Einzelne besonders zugkeäfrtge Nummern" kamen aber auch aus 46 Mk. zu stehen, da sich jetzt auch in wachsender Zahl die Kurgäste des durch feine Nadiumsurrde bekannten nahen Badeortes Kreuznach des Scherzes halber zu den seltsamen Ver­anstaltungen einfinden und wohl auch mitbieten.

Verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

Zum

ist jede Hausf. au da echt, einen wohlgelungerren selbstgebackenen Fest­

kuchen auf den Kaffeetisch bringen. Si- wird stets Ehre mit ihrem Kuchen einlegen, wenn sie dazu das echte Dr. Oetker's BackpulverBlilkrn" verwendet. (De, NameBackin" ist gesetzlich für Dr. Oetkers Fabrikate geschützt und darf nicht nachgemacht werden.)

I)r. Oetkers Festkuchen.

Zutaten, 250 g Butter, 200 g Zucker, 7 Eier, das Weihe zu Schnee geschlagen, 500 g Weizenmehl, 1 Päckchen uon Tr. Oetker'sBaltin", 100 g Korinthen, 100 g Rosinen, 50 g Sukkade, das adgericbene Gelbe einer halben Zitrone, 7« bis Liter Milch.

Zubereitung: Die Butter rühre schaumig, gib Zucker- Eigelb, Milch, Riehl, dieses mit den. Backin gemischt, hinzu und zuletzt die Korinthen und Rosinen, die Sukkade, das Zitronengelb und de» Eierschnec. Fülle die Masse in die gcscttcic und mit Mandeln ausgestrente Form und backe den Kuchen in rund 1'/- Stunde».

Rnmertning. Man gibt ,u dem Teig so viel Milch, daß er dick vom töffrl flirftt.

I

.J

Spiritus*

MARLA

3 brennt

mal so billig Petroloumlicht

Probelampe

ohne Kaufzwang

Gübr.Lauterbach Berlin 5 . 0 . 369 ,

Oranienstr.183