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Nr. 42
Delep hon: Nr. 362.
Mittwoh. den 27. Mai 1914.
Telephon Sir. 362.
20. Iabra.
Polinrebe Rundfebau
Deutschland
* Der deutsche Kronprinz hat gestern abend eine Generalstabsreisc angetreten. Er ist um 10.13 Uhr vom Anhalter Bahnhose in Berlin abgefahren.
' Den Kaiserpreis im Prinz Heinrich-Fluo erhielt Leutnant Frhr. v. T h ü n a, den Preis des Prinzen Heinrich der Zioilstieger K r u m s i c k.
* Bei dem vorgestrigen Festmahle der Stadt Köln für bk Teilnehmer am Prinz Heinrich-Flug hielt Prinz Heinrich u. a. folgende Ansprache:
Wer heutzutage Gelegenheit hat, in der Welt Umschau zu halten, der kommt zu dem Resultat, dasz der Deutsche hochgeachtet und im Auslande gern gesehen ist und daß das Land, dem er entstammt, hoch geachtet und von sehr vielen viel beneidet wird. Wüßte nur ein jeder, der sich Deutscher nennt und den dieses dentsche Vaterland geboren hat, was cs h e i ß 1, e i n D « u t- s ch c r zu sein. Mancher würde vielleicht die Sprache nicbl sprechen, die er spricht. Man wird uns vielleicht auch auf diesem Gebiete, das üns am nächsten liegt, beneiden. In kurzer Zeit hat vermöge der Opserwittigkeit des Volkes, der Opferwilligkcit der Städte sowie der, einzelnen Bundesstaaten das Flugwesen eine Entwickelung genommen, die uns mit -berechtigtem Stolze erfüllen darf.
* Prinz Oskar von Preußen hat sich in Vüslow bei Teterow in Mecklenburg mit der Gräfin Ina Marie von Pettcwitz verlobt. Der Kaiser, hat seine Einwilligung gegeben.
' Bei der vorgestern vollzogenen Stichwahl im Wablkrcise Ostcrburg-Stendal erhielt - H o e s ch (kons.) 11561, Wachhorst de Mente (natl.) aber 14 436 Stimmen. Der nationalliberalc Kandidat ist somit gewählt.
* Auf der Landesversammlung der deutsch- hannoverschen Partei wurde beschlossen, den 70. Geburtstag des Herzogs von Cumberland durch eine große Feier in Hannover zu begehen.
* Der P a p st hat zu Kardinälen ernannt den Erzbischof Felii v. Hartmann-Köln, Erzbischof Dr. Frz. v. Bellinger-München-Freisrng, den Fürstbischof von Wien, Dr. Gustav Piffl rmd den Erzbischof von Gran und Fürstbischof von Ungarn, Johannes Czernoch. Der bisher in petto reservierte Kardinal ist Msgr. Bello, Patriarch von Lissabon. An Stelle des verstorbenen Kardinals Oreglia hat der Papst den Kardinal Della Volpe zum Kämmerer der heiligen römischen Kirche ernannt.
* Osnabrück, 26. Mai. Bei der heute erfolgten B i s ch o f s w a h I wurde der Religions- und Oberlehrer Dr. Wilhelm Berning in Meppen zum Bischof von Osnabrück gewähtt.
Ungarn.
* Budape st, 26. Mai. In der gestrigen Plenarsitzung der ö st e r r e i ch i s ch e n Delegationen berührte Graf B e r ch t o l d auch die Lage Albaniens. So führte er u. a. aus: Oesterreich-Ungarn und Jtaiien seien bezüglich Albaniens einig, sich möglichst wenig einzumischen, weil sie den Grundsatz verfolgten, ein selb - ständiges Albanien zu schaffen, und die Einrichtung des Staates tunlichst der nationalen Regierungsgewalt, die wieder von der internationalen Kontrollkommission beraten sei, überlassen wollten. Wenn, fuhr Graf Berch- told fort, im konkreten Falle besondere Maßnahmen notwendig erscheinen, so geschieht dies auf Grund s p e- ziellen Ei-n Vernehmens mit Italien. Dieses ist auch bezüglich der, provisorischen Schutzmaßnahmen anläßlich der jüngsten Vorfälle in Durazzo der Fall gewesen, welche in der Landung einiger Matrofen- Tetachements sowie darin bestauben, daß i'brei Kreutzer und einige kleine Einheiten unserer Kriegsmarine vorsichtshalber vor Durrazo liegen. Unzweifelhaft hat das junge albanische Staatswesen gegenwärtig einen e r n- st c n Moment dnrchzumachen.
England.
* Das englische UMerhaus hat in dritter LesuNg die Homerulebill mit 351 gegen 274 Stimmen angenommen.
Rußland.
* Einer offiziösen Meldung zufolge, hat Kaiser Nikolaus den Präsidenten P o i n c a r « e eingeladen, gegen den 20. Juli nach P e 1 e r s b u r g zu kommen. Der Zar habe dem PräsideMen gleichzeitig mit- teilen lassen, er würde sich freuen, wenn sein Ausent - halt vier Tage dauern würde, anstatt der ursprünglich in Autzsicht genommenen drei Tage. Präsident Poinca- ree, der die Reise nach Petersburg zur See unternehmen werde, dürste sich am 16. Juli einschiffen. Auf der Rückfahrt werde sich Präsident Poincaree nach Kopenhagen begeben, um den ihm von dem dänischen Kö- nigspaar abgestatteten Besuch zu erwidern.
Italien.
* Mailand, 25. Mai. Das in Udin« liegende italienische Alpenjäger-Bataillon Cividalehat
Befehl erhalten, sich zum Abgang nach Albanien bereit zu halten.
* EssaS Pascha ist plötzlich mit dem Abend- schnellzUgc von Rom nach Neapel zurückgekehrt. Ob diese Rückkehr mit der Zurückberufung nach Durazzo zusammenhängt. ist noch ungewiß.
Türkei.
* Die deutsch-türkischen Verhandlungen haben gestern in Konstanliuopel begonnen.
Albanien.
* Durazzo. Die Verhandlungen zwischen den Aufständischen und der Regierung sind bisher ohne Resultat geblieben. Die Lage ist kritisch.
* Der Kreuzer „G o e b e n" hat den Befehl erhalten, sich nach Durazzo begeben.
flu$ (km Rudrgebjel.
Dti Verein für diebergbaulichenJn- teressen im Oberbergamtsbezirk D o rt- lii u n d veröffentlicht seinen Geschäftsbericht für das Jahr 19 13. Der Bericht über,trifft seinen Vorgänger vom Jahre 1912 an Umfang, ein Zeichen für die abermalige Steigerung der allgemeinen Arbeitsleistung des Vereins. Aus dem Inhalt sei nachsolgend einiges heransgehivben:
Dem Grubenreltungswesen hat der Verein auch im verflossenen Geschäftsjahr wieder seine besondere Aufmerksamkeit zUgewandt. An dem Wettbewerb für den vom Verein ausgeschriebenen Preis von 25 000 Mark für das Modell einer elektrischen Grubenlampe mit zuverlässigem Schlagwetteranzeiger haben, als den Einzelbestimmungen des Ausschreibens entsprechend, 52 Erfinder teilgenommen, mit einer Ausnahme nur deutsche. Die in Betracht kommenden Lampen wurden teils von der Rettungsstelle des bergbaulichen Vereins selbst, teils von der berggewerkschastlichen Versuchsstelle in Derne praktisch geprüft; die Prüfung ist noch im Gange, da sich Zuverlässiges über, den Wert der Lampen erst nach mehrmonatigem Gebrauch scststellen läßt. Bei 42 im Geschäftsjahr vorgekommenen schwereren Unglückssällen im Bergbau wurden 20 mal Wiederbelebungsversuche mit besonders dafür hergestelllen Geräten, 22 mal ohne Geräte vorgenommen-, bei beiden Arten war, die Hälfte erfolgreich.
Von nennenswerten Stockungen im Eisenbahnverkehr ist der rheinisch-westsälische Jndustriebeziqk diesmal verschont geblieben. Nichtsdestoweniger tritt an die
Frei! — Frei?
Novelle von Eugen Werner.
(Schluß.)
Margaretha blieb. Die Diagnose des Arztes stimmte. Während die Sowie im Westen versank, brachen die Pharttasien wirklich aus. Mit zusammengepreßten Zähnen saß die junge Frau am Bette und lauschte den wirren Reden; ein einziges großes Geständnis der Liebe und Sehnsucht nach ihr. —
So vergingen mehrere Tage, ohne daß indeß im Befinden des Kranken eine Besserung eingetreten wäre. Daß derselbe aber wenigstens die Nahrung, die man ihm zusührte, behielt, erklärte der Medizinalrat als ein gutes Zeichen, wurde doch arff diese Art dem Krästezerfall wenigstens Einhalt geboten.
So vergingen drei Wochen; und noch immer regte sich nichts zur Besserung. Margaretha schwand dahin. Sie glich nunmehr einem Schatten. Das Bewußtsein, ihren Mann nun trotz aller Pflege dennoch verlieren zu müssen, warf sie zu Boden. „So kann das nicht weitergehen, Schwester Hedwig", tadelte eines Morgens der erfahrene Arzt, als Margaretha bleich und erschöpft von ihrem Stuhle aufftand, um ihm entgegenzUtreten. — »Schwester Margaretha ist nun bald am Ende ihrer Kraft. Von nun an gestatte ich ihr nur noch die Woche von morgens 3 bis mtttags 11 Uhr, verstanden!"
»Herr Medizinalrat, die Nacht ist so schön bat Margaretha. „Ihre Augen und Wangen noch schöner; wenn Sie gesund sind", schnitt ihr der Arzt kurz das Wort ab. »Es bleibt bei dem, was ich gesagt habe!" Unter der Türe drehte er sich noch einmal uM. „In einigen Tagen wird es sich übrigens zum Besten wenden. ' Das Fieber hat nachgelassen und auch sonst gl
i überall rasche Genesung ersichtlich."
Als der Arzt am anderen Morgen wiederkam, machte er ein äußerst vergnügtes Gesicht, trotzdem Margaretha und Hedwig ihm klagten, daß die Phantasien heute Nacht stärker gewesen seien als je.
„Ganz recht — ganz recht", meinte er lächelnd. „Da für dürfen Sie, FraU Margaretha, auch heute Nacht allein wachen."
„Sie glauben, Herr Medizinalrat — — —
In Margas Stimme lag ein seliger Jubel.
„Ja, ganz wie Sie vermuten, liebes Kind. Er wird "heute nacht erwachen und ich zweifle nicht, daß seine Genesung mit Riesenschritten vorwärts schreiten wird, sobald die Lust zum Leben aufs neu« in ihm
vacht." — — —
Und die schwer geprüfte Frau saß wieder bei schnöder Sonne am Bette, sah wie die langen Schatten c Nacht sich arff das blaffe Gesicht des Schläfers senk- ,, sah sein, von der schweren Krankheit schmal gewor- rtes Gesicht. Würgend stieg es in ihr empor. Mit ier übermenschlicher Kraft unterdrückte sie das heiß in - aufsteigenlre Weinen, neigte sich über die abgezehr- i Hände, die kraftlos ans der Decke lagen, und preßte -e bebenden, durstigen Lippen daraus.
Als ob ihr von der fleischlosen Hand neue Kraft nmen könne, hielt die junge Frau diese fest — immer ier. Ihr Kopf sank müde auf die Decke, ein heiliger jede schwebte auf sie nieder und der Engel des Leas kühle den bleichen Mund des Genesenden. Ver- rndert schlug am frühen Morgen Erwin zum erften- >le die Augen auf. Sein Blick fiel auf die.Schwester : vom Schlaf überwältigt. immer ncch seine Hand 1t. Er lächelte leise in sich hinein und besann sim- fl ja. er wollte verreisen. Das Heimweh hatte ihn er-
' griffen nach seiner FraU, und da war dann irgend ein Unglück geschehen.
Seine FraU! ? Der Kranke stöhnte leise auf.
Dann rief er: „Margaretha..."
Jäb erwachend fuhr die Schläferin empor. Eine namenlose Furcht hatte sie ergriffen. Noch immer spürte sie den Druck seiner Hand.
„Margaretha, mein Engel, meine Welt!"
Margas Augen entquoll ein Tiänenftrom. Sie beugte sich über ihn und schlang ihre Arme um seinen Hals. Sie weinte und der Kranke, hingerissen von dieser Liebe und unerwartetem Glück konnte sich eben - falls der Tränen nicht mehr erwehren. Nachdem die erste Freube sich gelegt, richtete der Kranke sich empor und schloß seine Marga mit den Worten in seine Arme : „Nun habe ich Dich wieder, mein gutes, liebes Weib, jetzt lasse ick Dich nicht mehr bis zu meinem Tode."
„Erwin ! . . . mein einzig guter Erwin ! Du kristollreiner edler Charakter; jetzt erst habe ich Deine reine, edle Liebe so recht eckannt, die ich Dir bis zu meinem Ende lohnen werde!"
War es das Fieber, das von neuem an ihm wütete?
Zitternd stand die junge Frau still und starr in die weit geöffneten Augen, die sie mit unglaublichem Staunen betrachteten. Nein, was aus diesen herrlichen Augen leucbtete, war kein Fieber — Liebe, grenzenlose Liebe und ein unfaßbares Glück war es.
„Marga ! sag, daß es kein Traum ist..."
Mit krampfhaftem Schluchzen warf sie sich in seine ausgebreiteten Arme, um bei dem Genesenden Heilung zu suchen für ihr eigenes, totwundes Herz.


