Ausgabe 
27.5.1914
 
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Ls Kann die Ehre dieser Welt

Dir Keine Ehre geben,

was dich in Wahrheit hebt und hält.

Muß in dir selber leben.

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Räch' an deinen feinden dich, so wie sich rächet die Palme: Datteln wirst sie herab, wirfst du Steine hinan.

Zur viechunderljährigen Geburtstagsfeier Barbara Uttmanns, der Wohltäterin des Erzgebirges.

vierhundert Jahre sind dahingegangen, seit in Annaberg non Barbara llttmann und ihren Töchtern die SpitzenKlöppelci cingeführt und sie im Erzgebirge SOO fraucn init dem Anfcrtiaen fein« Spitzen beschäftigten. In einer Zeit des wirtschaftlichen Iliedergangcs hatte es die Iran des angc- sehenen Bergherrn Christoph von Uttmann verstanden, zur Linderung der Not arnicr Erzgcbirgler dadurch betzutragen, daß sie ihnen durch den verkauf der feinen Spitzen eine Einnahme verschonte, Die Annaberger Spitzen" erlangten bald eine solche Berühmtheit, daß auch Anna, die Kurfürstin von Sachsen, am S, Oktober 1560 bei der Christoph Utlmannin etliche Borten bistclllc

Die dankbaren Erzgebirglerinuc» umwobc» jedoch die Gestalt der Barbara Ilttmattn im taufe der Jahrhunderte mit so vielen Sagen und Legenden, daß ein klares Bild ihrer Wohltäterin wohl kaum mehr festzustellen ist, zumal zahlreiche feuersbrünste in Annaberg fast alle sebriflltchen Auf. Zeichnungen über diese edle frau zerstört haben, so daß sich weder der Tag ihrer Geburt noch der Ort, an dem sie das Licht der Welt erblickt hatfmit Gewißheit angeben läßt, wie bei komer Nt Griechenland, so streiten sich auch die verschiedensten Städte ln Deutschland und kolland um die Ehre, Sie Geburts- stätte Barbara Uttmanns zu fein, feststehend ist dagegen ihr

Gcburtsjabr 1514, das also zum vicrhundertjien Mal« wieder. _

ist, weshalb die Annaberger sich auch diese Gelegenheit, das Andenken an die tatkräftige frau in gebührender weise zu ehren, nicht entgehen lassen und am 17. Mai ein fest zu Ehren der Jubilarin begehen wollen.

Ebensowenig wie Geburtsort und Geburtstag läßt sich er­mitteln, ob Barbara, wie früher allgemein angenommen, die Erfinderin der Spitzenklöppelei in Sachsen, ob sic die^e feine ä^unst in kolland selber erlernt oder ob vertriebene Brodau- tcrinnen, die im Erzgebirge Ausnahme gefunden, sie diese kand- arbcit gelehrt haben. Das letztere wird im allgemeinen als das Richtigere angenommen, doch mag auch der eine dieses, der andere jenes für wahrscheinlicher halten, Tatsache ist und bleibt, daß dieUttmannin" ihrem engeren vaterlande eine reiche Guclle des Segens durch die Einführung der Klöppelei erschlossen hat.

Das einzige, im Museum zu Annaberg befindliche Bild der Jubilarin, das eine frau am Klöppelkissen darstcllt, ließ erst 186S der Annaberger Kaufmann Karl koste nach einer kleinen Elfenbeinfigur anfertigcn, die man imGrünen Gewölbe" zu Dresden fand und von der man behauptete, sie trage die Züge der Uttmann, Kulturhjstorikcrn tpitf» es jedoch sofort aus. fallen, daß die Kleidung der aus dl.n Bilde dargestellten frau nicht mit den zur Lebzcit Barbaras üblichen Trachten überein- stimmt.

Rach dem i»i Jahre 1553 erfolgten Tode ihres Mannes führte Barbara Uttmann die Geschäfte des verstorbenen selbst­ständig fort, da sie im Bergbau wohlerfahren und schon zu Leb- Zeiten des Berghcrrn ihm eine, talkräjtigc Mitarbeiterin gewesen war, wie viele annehmen, soll sic erst als Witwe den Spitzcn- handel erfolgreich betrieben haben, daß sie jedoch schon viel früher die erwähnte kandarbcit ausgcübt, beweist ein Schreiben aus dem Staatsarchiv zu Dresden, in dein es heißt, daß Barbara ihrem Lräutigan, einen feinen Spitzenkragen, wie sie damals auch von den Männern getragen wurden, geklöppelt habe,

22 Jahre überlebte sie ihren Gatten und mehrte in jeder kmsicht den Wohlstand ihrer familie, die aus 6 Söhnen bestand, wie groß die Zahl der Töchter ivar, läßt sich wieder nicht mit Bestimmtheit angeben, da urkundlich nur nachzuweisen, daß sie mit ihren Töchtern die Klöppelei betrieben und Laß eine Tochter den Münzmeister Biner geheiratet hat, der zu seiner kochzcit einen Rechenpfennig prägen lieh, besten eine Seite das Uttmannfche Wappen und dessen andere das Bincrfchc Ivappen trägt, (Siehe Abb, 5 und 4,) Dieses Uttmannfche Wappen hat sich in der familie bis auf den heutigen Tag erhalte», trotz der verschiedenen Schreibart des Hamens, die sich im Laufe der Zeit herausaebildet hat.

Hoch im Jahre 1300 schrieb man U t h m ann oder von Uthmann, von der ursprünglich aus Breslau stanimcnden fainilie, die auch in Dresden das Amt eines Rats­herr» bekleidete, wandcrle Christoph von Uttinann »ach Annaberg, wo er als wohlhabender Bcrgberr lebte und Barbara von Elierlein heirateie.

Er legte aber auf das Wörtchen von vor seinem Namen keinen Ivcrt, wes­halb cs sich bei einigen seiner Nachkommen auch nicht mehr findet.

Mehrere seiner Söhne betrieben später das Kupfcrschmicdehandwcrk in Zerbst, wo auch noch das von Uttinanns benutzte Petschaft der Kupfer- schmiede-Innung au'bcwahrt wird. In dieser Stadt finden sich nun in den Kirchenbüchern die Schreibart» Uttmann, Uthmann und Uthemanu vor, doch soll anderen Grtes auch Uhtmann ausgetreten sein. Nachkommen der familie leben noch heute in Dresden, Breslau, Posen, Berlin, Wies­baden, Darmstadt und Kiel, die sich teils von Uthinann, teils nur Uthcmann schreiben, aber alle das hier im Bilde gezeigte Wappen führen.

- I»I Jahre 1834 ließ der Chef der noch i» Annaberg bestehenden Kandelshäuser Eisenstuck u. Comp, über die der Barbara gesetzte Messing- platte aus Dankbarkeit ein Denkmal errichten, da der Wohlstand seines Kaufes aus der von Barbara Uttinann gepflegten Spitzcukunst erblüht war. Die Mcjsingplatte auf dem Grabe enthält die Inschrift:

MDLXXV (1575) Jar, den 14. Januar» ist die Erbare, und Erentugendsame, Fraw Barbara, des Erenvesten. Herrn Christof Uttmanns seelig, hinterlassene Wittfraw, in Gott seelig entschlaffen, deren Selen Gott der Herr gnad. Ires Alters LXI (61) Jar, hat erlebet LX1V (64) Kinder und Kindeskinder.

Auf dem von dem Dresdner Bildhauer pettich entworfenen und ausgeführten Denkmal auf dem Annaberger Kirchhof sind folgende Worte zu lesen, durch die irrtümlicherweise auch das Jahr 1561 als der Zeitpunkt ihrer Tätigkeit als Klöpplerin und Barbara als Erfinderin der Spitzenklöppclci angegeben werden,

»Hier ruhet Barbara Uttmann, gestorben den 14, Januar 1575, Sie ward durch das im Jahre 1561 von ihr erfundene Spitzenklöppeln di*

Wohlthäterin des Erzgebirges.

Auf der Rückseite erblickt man Anker, Mcrkurstab und mehrere Warenballen Sinnbilder des Kandels nebst einem Lorbcerkranze, sowie darunter die Worte:

»Ein thätiger Geist, eine sinnige Hand,

Sie ziehen den Segen ins Vaterland.

Auch durch ein auf dem Marktplatz zu Annaberg im Jahre 1886 errichtetes Barbara-Uttmann- Denkmal ist die edle frau von der Nachwelt geehrt worden. Das von dem Dresdner Bildhauer Robert kcnze geschaffene Denkmal gilt noch heute als schönste Zierde de, Marktplatzes, Die für den 17,-24, Mai in Annaberg vom kaufmännischen Verein veranstaltete Spitzenausstellung, die Spitzen aus den ältesten Seiten bis zur Gegenwart enthalten soll, wird besonders auch durch die Vorbilder- sammlung in Spitzen der Annaberger Posamentenfachschule, sowie durch die Erzeugnisse der Schnee- berger Klöppslmusterschule interessieren.

Der reiche Segen der Spitzcnklöpxclei für das Erzgebirge machte stch schon im 16, Jahrhundert «eltend. denn mehr als 10 000 Klöpplerinnen gewährte diese Kunst derzeit den Lebensunterhalt.

Abb, i,

Bildnis der Barbara Uttmann.

Sette Mil vem uuman».Wappen.

Pa« Uilmanntche Wappen.

Die folgen des 30 jährigen Krieges legten freilich die Arbeit der sächsischen Klöpplerinnen etwas brach, während die Spitzenkunst sich im 17. und 18, Jahrhundert in frankreich und kolland zur höchsten Blüte entfaltete, doch nachdem Kauflcute aus Schottland die crzgcbirgischen Spitzen in den Welthandel gebracht hatten, lieferten sic den Erzgcb rglcrinuen immer noch ausreichenden Verdienst, und 1846 zählte mau noch 40000 Klöpxlcrinncu im Erzgebirge, bis durch die fortschreitend« Industrie (cs 10, Jahrhunderts die handgeklöppelte Spitze von der Masckinenspitze verdrängt wurde, so daß mau 1870 nur noch 20 000 Klöpplerinnen der! vorfand.

Erst unserer Zeit war es Vorbehalten, die kandjpitze wieder zu Ehren zu bringen. Spitzen- klöppeljchulcn und Vereine zur fördcrung dieser Selnilen entstanden in allen Gegenden Deutschlands, und allein im Erzgebirge gibt es letzt, aunir der Schnccberger, die über 100 Jahre alt ist, 40 solcher Schi! en, durch ü,e der Ruf der sächsische» echten Spitze:,erzcugnisse so gehoben wurde, daß sie sogar itl Paris und Brüssel hochgeschätzt werden Außerdem hat derfraucnbund zur fördcrung der deutschen Spitzenindustrie", der aus Düsseldorf hervorgcgangcu, auch itl anderen Städten, wie in kamburg und Stuttgart, Spitzenschulen errichtet. Die deutsche Spitzcnschule in Berlin, mit ihren Sweiaschule» in Elbing, Guedlinburg, Sto p und Tondcrn, die königlich banrische Schule in Schönsee und ibiesenbach, die schlesische Schule der fürstin plest, verschiedene Schulen in Thüringen, am karz, in kolstem, in der Eifel und manche andere Bestrebungen euer» mehr und mehr dem Siele nach, der dcutsihen echten Spitze überall Eingang zu ver: a en. Zahllosen kcimarbeiterinnen wird durch

diese Schll'c Arbeit gegeben und der sozial wirtschaftliche wert, den die genannten f rderuuaen der Spitzenklöppelei in Deutsch, land nach si t> ziehen, keimte recht bedeutend werden, wenn deutsche franen die Ucberzcugung erlangten, daß die ein­heimische: Erzeugnisse aus dem' Gebiet der echten Spihenkunst den ausländischen durchaus niecht nachstchen und aus diesem Grunde nur deutsche Spitzen zu ihrer Kleidung benutzen möchten.

kelene Grube,

Bescheidenheit in der Sommer­frische.

Nun naht sic w cdcr heran, die herrliche Zeit, in der jeder das 51c.; eben Erde anfsucht, das ihm am meisten bchagt: den sonnigen »(eeierstrand eder ein forsthaus mitten im Walde, ein weltfremdes Gebirgsdo-.f oder ein Modebad.

Und in, ganzen Deutschen Reiche, hier und dort, sitzen die pensionsmüttcr und warten auf ihre Sommergäste

Lange schon haben sie sich vorbereitet. Den langen Winter über sind Bettbezüge, Gardinen und Deckicn genäht worden. Die Einmachcgläscr und Kruken stehen gefüllt da, kofsnungsfreudig sehen die Wirtinnen dem Verdienst entgegen, den der Sommer bringen soll,

21I!cs ist teuer, Eier, fleisch, Milch und Butter koste» viel, Nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Lande, - Und nun sind di« lieben Gäste gekommen und setzen sich zu Tisch, Jeder hat die löbliche Absicht mitgebracht, so viel zu futtern, wie nur irgend möglich. In der frischen Luft hat mau sich bald einen Bärenhunger geholt.

In vielen verschiedenen Sommerfrischen habe ich meine Tischgenossen beobachtet. Es kam mir manch­mal vor, als ob alle Menschen, gebildete und unge- bildete, junge und alte, ohne Unterschied, wohlerzogen, heit, Rücksichtnahme und Bescheidenheit zu kauf, lassen, sobald sie gegen festen Pensionspreis in einer Sommerfrische sind.

Seht mal dort, die treue familienmutter. In dem edlen Bestreben, die Ihrigen möglichst gut zu vcr- sorgen, leert sie die ganze Schüssel Rührei, welche sicher die Tischrunde machen sollte, auf den Tellern ihrer Jungens aus. Und da, der schmächtige Lehrer nimmt gleich zwei Kotelettcn auf einmal! Jeder kann »achzählen, daß pro Person aber nur eine gerechnet ist. Kuh, und wie alle in die Lutter hauen! Gb sie das im eigenen kaufe auch tun? Und seht mal den frechen Bengel da unten am Tisch! nimmt wahrhaftig den ganzen Rest Lachs vom Teller l Nun kann fein Nachbar, der alte kerr, sehen, wo er von dem delikaten Belag noch etwas bekommt.

Nein, aber die Schlimmsten sind doch die beiden dicken Damen da drüben, die erst ihren Teller mit allen schönen Dingen füllen, so hoch es nur geht und dann schließlich ihren kund damit füttern oder einen großen Teil ungegessen liegen lassen,

Soviel steht fest: um nichts in der Welt möchte ich penstonswirtin in einer Sommerfrische sein; der Unbescheidenheit rücksichtsloser Gäste stände ich machtlos gegenüber. Es wäre mir ein unsagbar peinliches Gefühl, wenn all« Schüsseln wie ausgeschrabt zurück in die Küche kämen, so, als ob nicht genug darin gewesen wäre. Noch unangenehmer aber, wenn ein Gericht unangerührt wieder zurückwandert, weil irgend jemand ein (und sei es noch so unbegründetes) Bedenken gegen die Tadellosigkeit desselben ausgesprochen hat und alle Gäste, ohne 2lusnahme, naserümpfend seinem Beispiel folgen,

Ja, wenn alle Sommergäste so einsichtsvoll wären wie jene Mutter, welche sagte:In einer teuren Pension kann ich nicht wohnen; und in einer billigen mag ich nicht wohnen, weil meine vier Jungens einen phänomenalen Appetit haben. Die Pensionsmutter würde nicht auf ihre Kosten kommen; und da» möchte ich nicht. Ich miete mir nun ein kleines kaus und wirtschafte selbst; dann kann ich die hungrigen Mäuler mit Buchweizengrütze und tüchtigen derben Brotschnitten, die auch einmal mit Margarine bestrichen sind, sättigen. Da» würde eine penstonswirtin

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nicht wagen und dann den Kürzeren ziehen.'

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Denkmal aas dem Annadeegie Nirchdsl-

Uörperhaltung der Kinder.

All« Eltern und Erzieher sollten der körperlichen kaltung ihrer Kinder, ganz besonders in der Zeit des oft so schnellen Wachsens, genaue Aufmerksamkeit schenken. Ein Nichtbeachten legt häufig den Grund zu körperlichen Mißbildungen und Gesundheitsstörungen, Die Kinder werden in solchen Zeiten häufig von einer allgemeinen Muskelschwäche heimgesucht und pflegen sich deshalb etwas gehen zu lassen', wie es im volksmundc heißt. Sie verlieren ihren ursprünglichen kalt und neigen Kopf und Schultern so weit nach vorn, daß die für die Lunge durchaus notwendig« Erweiterung der Brust verloren geht, kier ist ein fortgesetztes warnen der betreffenden Eltern und Lehrer geboten. Den Kindern muß gar häufig ein:lsaltet Euch gerade!"Brust heraus!" und dergleichen zugerufen werden, vor allen Dingen, wenn sie schreiben und lesen. Sie vergessen es selbst zu leicht wieder, wenn sie auch den guten willen haben, und müssen immer aufs neue an ein« richtig- gesunde Körperhaltung erinnert werden. Auch Kurzsichtigkeit ist oft auf die schlecht« kaltung in der Jugend beim fertigen der Sckularbeiten zurückzuführen. E, Ernst.

Briefpapiere, Briefumschläge, KorresfpondenzNarteti, Siegellacke

in allen färben uit<j Qualitäten empfiehlt

fllbin Klein, Papierhandlung, Giessen. $clf«r weg §)