Ausgabe 
29.4.1914
 
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teilte dem Staatssekretär Bryan mit, Deutschland werde durch seine Gesandtschaft in Meriko einen Einslutz dahin ausuvcn, datz Huerta sich bewegen lasse, die Vermitt­lung anzunchmen.

* W a s h i n g t o n, 27. April. Wie erklärt wird, hegt man in den Kreisen der hiesigen e u r o p ä i s ch en Diplomaten eine pessimistische Auffassung hinsichtlich der Vermittelungsvorschläge der sudamerikanischen Republi­ken. In amerikanischen amtlichen Kreisen wird die Ak­tion Deutschlands, Frankreichs und Englands, Huerta die Annahme der Vermittlung nahezulegen, mit grotzer Befriedigung ausgenommen.

* Weder in Washington noch anderswo glaubt man so recht daran, datz die Vermittelung der ABL-Mächte Argentinien, Brasilien und Chile zu einem befriedigenden Abbruch der nordamerikanischcn Meriko- aktion führen werde. Wahrscheinlich wird das einzige Ergebnis des Einigungsversuches eine Verzögerung der Kriegserklärung sein. Und doch ist das Eingreifen der füdamerikanftchen Staaten vpn historischer, man darf vielleicht sogar sagen epochemachender Bedeutung. Es bedeutet nämlich nicht mehr und nicht weniger als den Todesftotz für die Monroedoklrin.

' Die Erklärung der Vereinigten Staaten, datz sie keinen Eroberungskrieg führen wollen, werde dazu beitragen, die Parteien in Meriko zu versöhnen. Der amerikanische Erdteil dürfte ihnen seine Dankbarkeit und Anerkennung für das zivilisatorische Vorgehen nicht verweigern.

* Die amerikanische Flagge ist über dem Haupt­quartier! des Kontreadmirals Fletcher gehitzt worden». Bisher war sie nur über dem Zollamt gehitzt. Kontre- admiral Fletcher hat unter Kriegsrecht die LanduNgs- und Ladeplätze der Terminal Company, einer britischen Gesellschaft in Besitz genommen. Wie der Admiral er­klärt, war diese Maßnahme notwendig, um normale Zustände wieder herzustellen.

' Amerikanische Truppen landeten auf der ini Golf von Veracruz liegenden Insel Don Juan de U l l o a. Nach kurzem Kamps wurden die merika- nischen Truppen vertrieben und die Amerikaner setzten sich in den Besitz des auf der Insel befindlichen Forts. In den Kasematten fanden die Amerikaner eine große Anzahl dort von Huerta internierter politischer Gefan­gener in einem schrecklichen Zustande vor Unter ihnen befand sich ein Schwager des ermordeten Präsidenten Madera und einer der bekanntesten Gelehrten Merikos, Geschichtsforscher Jguacio C a l d e r o n , der wegen feiner Gegnerschaft gegen Huerta zU lebenslänglicher Kerkerhaft verurteilt war.

* N e w - ?) o r f, 27. April. DerNew- Park He­rold", der über die Rettung der amerikanischen Flüchtlinge in Tampico durch das Eingreifen des Ka­pitäns des deutschen KreuzersDresden" einen längeren Berscht bringt, erklärt in einem Leitartikel, die Haltung des Kapitäns Köhler habe dem amerikanischen Volke aufrichtige Freude bereitet!

* Es sind Nachrichten eingetroften, datz sich die merika nischen Bundestr uppen unter dem Befehl des Generals Maas weiter auf dem Rück­zug befinden und bereits Soloddat geräumt haben.

* Die merikanischenBundestr Uppen, die am Freitag Nuevo Larcdo geräumt haben und seitdem versuchten, 20 Meilen nördlich einen Räubzu'g ins Land zu machen, sollen von den Amerikanern zU- rückgeschlagen worden sein. Die Merikaner hätten 10 Tote und 20 Verwundete gehabt. Artf amerikanischer Seite seien keine Verluste verzeichnen gewesen.

* Die deutsche Kolonie in Meriko befindet sich wohl und ist infolge der getroft'enen Sicherheils- matznahmen guten Mutes.

)iU5 Stadt tmd Eattd.

* Gewerbeausstellung Eietzen 1914. Zur Auszeichnung der auf der Eewerbeausstellung Eie­tzen 1914 wetteifernden Aussteller hat die Ausstellungs- leitunq eine Plakette anfertigen lassen, deren Entwurf von unserem einheimischen Bildhauer Johs. Ködding herrührt. Sie zeigt den auf einem Knie ruhenden ober- hessischen Riesen und trägt das von Alfred Bock ver­faßte Distichon: Harter, Scholle entsprossen, erhebst du die Augen zum Lichte, Tatsroh, stählern und stet zwingst du das Glück und den Sieg.

n G i e tz e n. Der Kreisausschutz hatte bekanntlich vor mehreren Wochen die gesamte Stadtverordncten- wahl für, Ungültig erklärt und es sollte bald der Termin zur Neuwahl bekannt gegeben werden. Jetzt hat der Bauunternehmer Joh. Eg. Pfaff Berufung ge­gen diesen Beschlutz eingelegt, sodatz sich nun der Pro- vinzialausschutz eventuell der Verwaltungsgerichtshos mit der Sache noch zu befassen hat.

n Gietzen. Zwischen Gietzen rttrd Wieseck schwe­ben seit vier Jahren Verhandlungen über den Bau einer S t r a tz e n b a h n l i n i e, die bisher noch zu keinem Ergebnis geführt haben. Oberbürgermeister Keller hat in der kurzen Zeit seiner Amtstätigkeit die Angelegen - heit soweit gefördert, datz in der Sitzung der Stadtver- ordneten-Versammlung ein von den vereinigten Aus - schüssen vorgelegter Antrag besprochen und gegen 4 Stimmen angenommen werden konnte. Nach diesem Anträge ist die Linienführung nur auf der Kreisstrahe und von dort weiter nach dem Mittelpunkt des Dorfes Wieseck, dem Lindenplatz, in Betracht zu ziehen. Somit ist nun wenigstens in den Reihen der Stadt - verordnten eine Einigung erzielt, und es ist anzuneh­men, datz der Eemeinderat von Wieseck auf den Beschluß eingeht, zumal im anderen Falle Gietzen nicht zögern wurde, die Verhandlungen sofort einzustellen.

n G i e tz e n. In eine etwas mißliche Lage ist der Gietzener Theaterverein geraten infolge von Auseinan­dersetzungen zwischen der Leitung und Kritik desGie­tzener Anzeigers" einerseits und zwischen demGietzener Anzeiger" und dem Darmstädler Hostheater andererseits. Veranlaßt durch avfälligc Besprechungen der bekannten Gastspiele des Darmstädler Opern-Ensembles in Gießen durch den Kritiker desGietzener Anzeigers", ecklärte die Generaldirektion des Hostheaters, zu weiteren Gastspie­len in Gietzen wenig Lust zu haben. Der Theaterverein, der seither die Gastspiele vermittelte, machte nutr den Gietzener Anzeiger" für diese Mitzlichkeit verantwortlich, worauf sich die Leitung des Blattes veranlaßt sah, am letzten Samstag zugleich mit der Veröffentlichung der gesamten diesbezüglichen Korrespondenz den Entschluß auszusprechen, fernerhin sich, der kritischen Besprechung der Operngastspiele überhaupt zu enthalten.

n Gietzen, 29. April! Gestern Abend kurz nach 11 Uhr kam -das Zeppelin-LuftschiffVikto­ria Luise" von Frankfurt über unsere Stadt daher ge­flogen Und zwar in ziemlich niedriger Höhe. Eine Zeit lang nahm es die Richtung des Seltersweg und flog dann in der Richtung über den Gleiberg weiter. Nür ab und zu wurden die Schifflichter aufgedeckt, sonst war alles ins Dunkel gehüllt. Der Koloß wäre weniger sichtbar, gewesen, wenn sich die weihe Hülle des Luft - schiffes nicht doch etwas von dem Dunkel der Nacht ab­gehoben hätte.

n Gietzen, 29. April. Im kommenden Herbst finden bekanntlich die Kaisermanöver in unserer Gegend statt. Zwischen Siegen und Fulda werden die Truppen verwendet und Gietzen wird der Zentralpunkt für diese großen Manöver sein. Die organisierten ehemaligen Soldaten, die Mitglieder der Krieger- und Militärver­eine hiesiger Gegend besonders, werden mit größerem Interesse diesen Truppenbewegungen ihre Aufmerksam - keit dann zuwenden. Es ist dieserhalb wohl kein schlech­ter Gedanke, wenn diese Vereine in zwangloser Form jetzt schon gröhere Ausflüge für ihre Mitglieder ins spätere Manövergelände anregen, speziell nach sol­chen Gegenden, die soUst weniger bei größeren Touren durchwandert werden. Der hiesige Kriegerve r- e i n will diesen Gedanken schon am kommenden Sonn­tag ausführen und ladet seine Mitglieder Und solche an­derer Militärvereine zu einem Ausflug nach Gla­denbach ein. Es ist gerade zuerst das sog. Hinter­land gewählt, weil besonders von Gietzen aus verhält­nismäßig Wenige diese Tour unternehmen, obgleich sie durch l an dschastlich schönes Gelände führt. In Gladenbach stehen den! Teilnehmern nach vollbrachtem Marsche gemütliche Erholungsstunden im dortigen Krie- gervereinslokalc bevor. Abfahrt mit der Biebertalbahn früh 8.03 Uhr. Näheres durch die Annonce in heutiger Nummer.

n E i e tz e n. In einem Eisenbahnabteil zweiter Klasse auf der Strecke Siegen-Betzdorf-Gietzen wurde am letzten Mittwoch auf der Station Herborn ein junges Mädchen, das nach Gietzen reisen wollte, tot aus- gefunden. Ein junger Mann, der der Bahnbehörde in Betzdorf den Vorfall meldete, würde vorläufig in Haft behalten.

Gießen. Ein Opfer der Schundliteratur ist der von braven und ordentlichen Eltern abstammende Küier- lehrlina Wilbelm Jung von Pohl-Göns geworden. An­fang März sandte er an einen ihm als wohlhabend bekannten Privatier N. aus dem gleichen Orte einen Brief, in dem er dem Adressaten schrieb:Stecken Sie sofort fünf 10 Markscheine in das beiliegende Freikuvert, und senden Sie den Brief unterW. I. 11 Butzbach postlagernd" ein. Tun Sie cs nicht, schieße ich Ihnen eine Kugel durch den Kopf und sind sie verloren." N. benachrichtigte die Gendarmerie in Butzbach, sandte auch unter der verlangten Adresse einen Brief, der falsche Geldscheine von Heftpflasterbogen enthielt. Am nächsten Morgen wurde Jung, als er den Brief am Postamt Butzbach abholen wollte, von Gendarmen in Zivil in Empfang genommen. Bei seiner Verhaftung führte er einen mit 6 scharfen Patronen geladenen Revolver bei sich. Ec fand milde Richter, denn seine versuchte Er­pressung wurde von dem Gericht alsDummerjungen- streich" betrachtet und er nur zu einer Gefängnisstrafe von 6 Wochen verurteilt, die durch die erlittene Unter­suchungshaft für verbüßt erklärt wurde.

kinr furchtbare Bluttat int Uogthberg.

Crainfeld. Der jüdiscbe Händler Abraham Stein ist ermordet worden. Seine Frau und vier Kinder, von denen die ältesten 23 und 22 Jahre alt find, wurden schwer verletzt. Von den Tätern fehlt jede Spur.

DieFranks. Nachr." berichten darüber wie folgt: Um 1 I 2 2 Uhr ertönte in Crainfeld Feueralarm. Zwei Häuser, darunter das Haus des Händlers Abrahm Stein, brannten lichterloh, während man die Bewohner laut um Hilfe rufen hörte. Die Feuerwehr war schnell zur Hand und begann mit den Löscharbeitcn. Als die Hilfe­leistenden in das Haus eindrangcn, fanden sie die Ehe­leute Stein mit furchtbaren Verletzungen in ihrem Schlaf­zimmer. Kaum hatte man ihnen den ersten Beistand ongedeihen lassen, als man auch darauf aufmerksam wurde, daß die vier Kinder des Ehepaares, die im ersten Stock schliefen, nicht sichtbar wurden. Auch sie fand man schwer verletzt in ihren Betten. Der Familien­vater erlag schon um 5 Uhr seinen Wunden. Sofort wurde die Gerichtskommission aus Herbstcin zugezogen, um die erste Untersuchung einzuleiten. Wie die furcht­bare Tat sich abgespielt hat, läßt sich vorläufig nicht feststellen. Man nimmt an, daß Einbrecher in das Haus eingedrungen sind, nachdem sie alles Nötige zu einer Brandstiftung vorbereitet hatten, um die Spuren des

Verbrechens zn verwischen. Die Wunden der Familie rühren von Hieben mit einer Axt her, und wirklich fandcii Polizisten mit Hilfe von Spürhunden nicht weit vom Ort ein von Blutspuren zeugendes Beil. Merk­würdig ist, daß weder Geld noch Geldcswcrt von dem Einbrecher angerührt wurde, der jedenfalls durch den frühcn Ausbruch des Brandes überrascht worden ist. Verletzt sind der 22 jährige und 18 jährige Cohn und die 2ljährige und 16jährige Tochter, letztere am leichtesten.

Sie ist auch die einzme, die bisher einige unbestimmte Angaben über den Verbrecher machen konnte. Man denkt auch an die Möglichkeit eines Racheaktes, obwohl nicht bekannt war, daß der Tote oder feine Familie t besondere Gegner im Ort oder in der Umgegend hatten ; Stein galt als einer der begütertsten Leute im Ort.

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Heuchelheim. Feuer brach Montag nachmittag J 4 l /i Uhr in der Scheune des Landwirts Engelhardt neben 1 dem Backhause aus. Zwei Gebäude nebst Stallungen I und Nebengebäude brannten nieder; eine Anzahl Obst- 8 bäume wurde vernichtet, sämtliches Vieh bannte gerettet jj werden. Die Heuchelheimer Feuerwehr und die Gietzener I Wehren vollführten die Löscharbeiten.

Hungen. Revolvkiheidkn veiübtcn einen Einbruch - bei dem Bahnwärter Metzger, der zwischen Ltch und tl Hungen an der Strecke nach Nidda wohnt. Der Ab- « löser Metzgers bemerkte die Einbrecher und weckte Metzger.

Auf beide wurden drei Schüsse abgegeben, dann ver­schwanden die Einbrecher.

Allertshausen. Die Erbauung der Wasser­leitung ist vom Eemeinderat beschlossen worden. Sie wird von der Kreisbauinspektion Gietzen ausgeführt.

Bad Homburg, 28. Apr. Der verstorbene Chemiker Dr. Wilhelm Emmerich hat der Stadt fcin größtenteils aus Liegenschaften bestehendes Vermögen im Betrage von etwa 90000 Mack vermacht mit der Bestimmung, daß, wie heute in der Stadtverordnetenversammlung bekannt wurde, 14 Beamte der städtischen Polizei sowie zwei Berliner Polizeibeamte mit je 1000 Mark bedacht wurden.

Darmstadt. Der Hilfsbeamte bei der Retchsbank. der 27 Jahre alte Karl Götz aus Ulm, ist beschuldigt, am 10. März von dcm Zähltisch der Rcichshank den Betrag von 1000 Mark in einer Rolle von 20 Mark­stücken entwendet zu haben. Er wurde gestern von der Strafkammer trotz seines Lcugnens zu einem Jahr Ge­fängnis verurteilt.

Bingen. Im Alter von 54 Jahren ist der weit über die Grenzen der Stadt bekannte Kommerzienrat Georg Adolf Racke, Wcingutsbesitzcr und Fabrikant, ge­storben. Racke stand seit Jahren im öffentlichen Leben; besonders galt seine Tätigkeit den Bestrebungen im Interesse des deutschen Weinbaues.

Nassau. Bei dcm Tode der letzten Enkelin des Rcichsfreiherrn vom und zum Stein, der Gräfin von der Groeben, geborenen Gräfin v. Kielmannseeg, war verschiedentlich gemeldet worden, Graf Unico von der tt Groeben sei durch den Tod feiner Mutter in den Besitz " der Standcshcrrschoften Nassau und Kappenberg ge­kommen. Dies trifft nicht zu, denn Gräfin von der Groeben hat ihren gesamten Besitz ihrer Tochter, der u Gräfin Therese, Gemahlin des Grafen von Kan tz, ver­macht, die auf Saskoschin im Kreise Donziger Höhr residiert. Die großen ursprünglichen v. Steinschen Güter vererben sich nun zum dritten Mole durch weibliche Erbfolge anstatt auf die männliche Deszendenz.

flu$ aller Welt.

::: N e w - P o r k, 28. April. Einem Telegramm aus Beckley (Weft-Virginien) zufolge soll aus dem Koh­lenbergwerk in E c c I e s eine große Erplosion stattge- s sunden haben. Man nimmt an, daß etwa 250 Berg- ,

leute cingeschlossen sind. Nähere Einzelheiten fehlen.

Mannheim. Kommerzienrat Philipp Platz in Mannheim wurde von der Strafkammer zu 300 Marl Geldstrafe oder zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Er ! hatte am 27 Oktober in der Nähe von Schriesheim den 62 Jahre alten Tagelöhner Michael Leitner aus ' Rimbach auf der Landstraße mit seinem Automobil ! überfahren. |

Neersen lKr. M.-Gladbach). Der verstorbene Textil- industrielle Gustav Klemme hat eine Million Marli zu evangelischen Wohlfahrtszwecken vermacht.

_ Verantmoitlick: Al bin Klein. Gietzen.

Panama-und Strohhufe kann man jederzeff mttStrobin selbst reinigen und hat die grosse Annehmlichkeit, den Hut sofort wieder In Gebrauch nehmen iu können. 5trobin Ist absolut unsdiadlich für das Geflecht und die Form; ln Apotheken und Drogerien erhältlich. Max QiieUncr, Chemische Fabrik, Cherfcjöraburg *-

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