Ausgabe 
29.4.1914
 
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Sparsamkeit ist eine große Einnahme.

Vas Reick der frau.

Der Obst- und Gemüsebut.

Die Lreunde des Vogelschutzes haben nun wirklich energisch allen Ledern den .Krieg erklärt und nicht nur alle Arten von Reiher-, sondern auch die Straußfedern wünschen sie von den küten der Damen zu ver­bannen. Db ihnen das so plötzlich gelingen wird? Schwerlich können wir von den Damen, die noch im Besitz schöner echter Ledern sind, ver­langen, daß sie sie in die Rumpelkammer werfen und sie dort den Illotten preisgebe». Tatsache jedoch ist, daß die Modistinnen für Ersatz der ver- fehmten Ledern gesorgt haben, und damit wir nicht nur auf Bänder und Blumen allein angewiesen sein sollen, werden jetzt allerlei Gemüse und die verschiedensten Gbftarten in künstlichen Anordnungen auf den Lrüh- lings- und Sommerhüten der schönen kälfte des Menschengeschlechts prangen. Karotten, Rüben und Kartoffeln, genug, alle möglichen Leld- und lvaldgemüse sollen auf den kut .erhoben' werden. Kirschen und kleine Beerenfrüchte sind für küte ja längst alte Bekannte, aber diese Lrüchte allein genügen unseren Modedamen nicht mehr, seit man für sie Aepfel, Pflaumen, Birnen, Nüsse und Kastanien, ja auch Bananen ii»d andere exotische Lrüchte künstlich hergerichtet und zur Zierde des kutes ausersehen hat.

<Vb diese Produkte aus dem Pflanzenreich nun wirklich imstande

sind, ausreichenden Ersatz für wallende Straußfedern, wippende Reiher und wogende Phan­tasie- Ledcrgestecke zu bieten, wollen wir dahingestellt sein lassen. Jeden- salls haben sich die Labrikanlen künst­licher Blumen be­müht , den vogel­freunden. die nun einmal alles, was Ledern heißt, von den käuptern der Damen fernhalteii möchten, entgegenzu­kommen, und künst­liches ivbst und Ge­müse auf denkut- Markt" gebracht.

Li, bestimmten Grenzen angewandt, macht sich dieser neue kutschmuck gar nicht so übel, und somit ist es ja mög­lich, daß diese neuen Garnit,ireii den ge­wünschten Anklang bei der Damenwelt finden werde»

Abb i. Kelene Grube.

Moderne Garnierung für ein Tüllüberkleid.

gemusterte Spitzenstoffe lasten sich in gleicher weise mit den ange- gebenen Ziernähten versehen. Diese Art der Ausstattung wird jetzt für alle leichten und duftigen Stoffe sehr bevorzugt, doch ist es un­bedingt notig, daß die Aibeiten sauber und vorsichtig ausgeführt werden. Sorglos hergcstellte Maschinenarbeit würde in der Wäsche sofort unansehnlich werde». . ß. ®.

Zwei Kreuzer für hungrige Kinder!

Angebettelt werden mag niemand, und sei der Bettler noch so bedürftig oder der wohltätige Zweck, für den man Geld geben soll, noch so gut.

Neulich in Wien aber wurde mir auf so nette weise ein kleiner Belrag für einen Verein abgezapft, daß ich mit wahrem Genuß meinen Gbulus entrichtete. Ich will davon erzähle»; denn meiner Meinungach kennt man die'Art des Bettelns bei uns in Deutschlaiid iioch nicht.

Wir wohnten in einem große», hübschen kotel nahe der llnivcrsität. Auf der koteltcrrasse saß sich's und sich's recht gut- Nach jedem genossenen Mahle erschien der vornehme kcrr 'Zahl- Kellner und notierte mit würde das verzehrte. Dann reichte er >ins die Rechnung, die so aussieht: ein ziemlich schmaler, von einem Block abgerissener Zettel, in dessen einer Ecke das Bild eines ärmlich gckleidelen JStuöcs zu sehen, das einen Teller Suppe mit sichtlichem Be- bagcn auslöffclt. Darunter steht:Kuratorium zur

Speisung hnilgernder .Binder.

Behördlich bewilligte Sainm- liing unter Kontrolle der be­eidigten Bnchsachverständigen.'

Etwas weiicr unten: Lrei-

willige Gabe.02. Diese 02 Grenzer werden vom Kellner einfach zu dem ver­zehrten Belrag addiert, wenn man cs wünschte, würden die beide» Kreuzer sicher gestrichen werden. Aber wer hätte den Mut, nach einer guten, reich­lichen Mahlzeit zu sagen:

Lür hungernde Kinder habe ich keine zwei Kreuzer?"

Niemand! Soviel ich auch umherspähte, nicht ein ein- ziges Mal sah ich, daß der , Abb. 2.

kleine wohltätigkeitsbeitrag verweigert, hundertmal aber.

daß er stillschweigend bezahlt wurde. Ist nicht die Idee eine ausgezeichnete, nachahmenswerte?! nur meine ich, statt der 2 Kreuzer könnte man getrost Z setzen. A. D. <£>.

Lie^ailkS Kelclllckalistleid aus weihcr LdinaseiSe liilt> Liillub.rtleid.

diese ^er- odem we-

Tüll und Spitzen werden für den Sommer für unsere Damen­garderobe eine große Rolle spielen. Der an sich eiwache T: ll bedarf aber einer gewissen Ausstattung, die nicht allein durch kinzufngung von

Spitzen erzielt wird, sondern auch durch mancherlei kohl- und Aiersäume. Auch bei unserer Vorlage wurde das Tüllüberkleid reich mit kohlsäumen ver­ziert, Sie sowohl wie dieSäiimchen- gruppen" an dem Tüll recht vornehm wirken, was be­sonders dadurch er­reicht wird, daß die kohlnähte noch ertra mit Tüll unterlegt werden.

Jede Danie, die Luft und Liebe zur kandarbeit hat, wird

zierungen

nigstens die nicht geringen Vorarbeiten dazu selber arbeiten können. Die techni­schen Abbildungen 14 zeigen die Linien der einzelnen Nähte, die durch bunte keftfäden be­zeichnet sind. In diese Linien werden von einer Maschinen- stickcrin kohlnähte gestickt. Äbb. 4 veranschaulicht die Rückseite Ser fertigen Arbeit der Stickerin, auch ist klar daraus zu erkennen, wie die überstehenden Tüll- ränder auf der Außen- und Innen- feite der Bluse vor­sichtig knapp an der Hohlnaht ent- AKK. r. fernt werden, damit

die kohlsäume beim

waschen nicht ausreißen. In gleicher weise wie bei der Bluse erfolgt die Garniturarbcit an der Tunika. Außerdem ist dieses moderne Tüllüberkleid noch mit plissierten Tüllrüschen umrandet, und recht anmutig nimmt sich das aus farbiger Seide gebildete Gürtelarrangement aus. Bei gutem Tüll lohnt sich die hnblcbe kand- und Maschinenarbeit reichlich. Auch Seidentüll und nicht zu stark

Goldene Worte.

jeden

Kinder sind Blumen!

käst Du schon Blumenfreunde gesehen, wie sie sorgsam die jungen pflänzlein pflegen,

Tag ihr Wachstum beobachten, das tlnkraut sorgfältig entfernen?

welch ein Glück kannst du auf dem Gesichte solcher Blumenfreunde wahrnehmen, wenn ihre Pfleglinge in herrlichen Larben prangen!

Gute Eltern sind solche Blumenfreunde!

Kinder glei­chen dem un­bebauten Acker!

Ein guter Landmann läßt ihn nicht lange brach liegen, sondern in den ersten Lenzcs- tagen wird er gepflügt.

Dann wählt der Landmann sorgfältig den sür die Erde tauglichen Samen, verteilt ihn möglichst gleichmäßig und sieht zu, daß er kein Unkraut mit- säet.

Kluge Eltern ahmen diesem Landmann nach!

und

Kinder gleichen Efeuranken die Eltern dem Baume!

Sorget, das der Baum stark ist, sonst könnte er in seinem Lalle auch die Efeu- ranken erdrücken.

Ihr Bäume, fürchtet nicht allzu viele Efeuranken; denn diese sind ein guter Schutz des Lebens! Sollte auch der Baum alt und schwach werden, der Efeu wird ihm ein jugendfrisches Aussehen Ai>b. 4.

verleihen.

Keinen Menschen mußt du Haffen, - jedem Lieb' entgezentragen,

Dich auch nicht zu sehr verlassen auf der Menschen Tun und Sagen: Mußt auf eigenen Lüßen stehen, willst du frisch durchs Leben gehen.

Und bedrängt in deinem Kreise Dich ein flüchtig Mißgeschick, Lächle weise, hoffe weise Auf den nächsten Augenblick.

Briefpapiere, Briefumschläge, Korresfpondenzharten, Siegellacke

ln allen Tarten und Qualitäten empfiehlt

JÜbin Klein, Papierhandlung, Giessen. Seitenweg 8Z.