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Mittwoch, den 29. April 1914. r°l°ph°n »*. m. 26. Jahrg.
* Aus Gmunden sind mehrere Hofgalawagen als Taufgeschenk des Herzogs von Lumbeyland zu den Tausfeierlichkeiten in Braunschweig eingetroffen. Die dazu gehörigen Livreen und Geschirre sind dem B. T. zufolge genau denen des früheren Hannoverschen Königshauses nachgebildet.
* Die deutschen Militärflugzeuge sind zur Kennzeichnung mit je einem dunkelfarbigen Querstrich auf der unteren Seite der, Flügel, bei Doppeldeckern nur auf den unteren Tragflächen versehen worden.
' Die Heiraten der Offiziere behan- delt ein Erlast, in dem es U. a. heistt, er fei Tatsache, dah die aktiven Offiziere Heiratsvermittler stack in Anspruch nähmen. Um dem zu steuern, ist der Erlast herausgekommen, der den Ofsizieren der Armee und Marine zur Kenntnis gebracht wurde. In dem Erlast wird weiter erkläck, dast jeder Offizier, der sich in Zukunft an Heiratsvermittler wende, mit schlichtem Abschied entlassen werde. Gleichzeitig wird in dem Erlast eine Anzahl sol- } cher Vermittler, namhaft gemacht, vor denen speziell ge- « warnt wird.
* Zabern. Von den gegen den Militärfiskus seinerzeit seitens der in dem Pandurenkeller inhaftiert Gewesenen angestrengten Entschädigungsklagen ist jetzt nur noch eine einzige in Zubern anhängig, nachdem alle erhobenen Ansprüche bis auf diesen einen durch Abfindungen erledigt sind.
Ungarn.
* Die ungarischen Delegationen sind in B U - d a p e st zusammengetreten. Ein vom Ministerium des Aeustern den Delegationen vorgeleqtes Rotbuch über die Bahkankrise enthält 926 diplomatische Aktenstücke aus der Zeit vom 13. August 1912 bis zum 6. Nov. 1913. Der gemeinsame Voranschlag weist ein Gesamterfordernis von 586 Millionen Kronen auf. Austcrdem werden Speziallredite in Höhe von 182 Millionen gefordeck, von denen 81 Millionen sür das Heer und 101 Millionen für die Marine bestimmt sind.
herabgeholt und gestohlen. Die Polizei wurde von dem Vorfall benachrichtigt.
Frankreich.
* Unter Leitung des französischen Eeneralstabs - chefs I o f f r e traten 25 Generale und 230 andere sranzöftsche Offiziere aller Grade und Waffengattungen eine „Kriegsspielreise an, welche sich auf das Gebiet zwischen Paris und der belgischen Grenze erstreckt.
Spanien.
' Im s p a n i s ch e u Senat stellte Eavestany bei der Eröckerung der Thronrede den Antrag, dast der König eine Reise nach Argentinien unternehmen möge. Der Minister des Aensteren crwiedccke im Namen der Regierung, dast diese sich über die Bedeutung einer solchen Reise durchaus klar sei und dast er die Art und Weise der Ausführung dieses Planes prüfen werde, denn in Argentinien lebten über eine Million Spanier, welche diese Reise wünschten.
*
Griechenland.
* Die griechischen Truppen haben Nord-Epirus vollständig geräumt.
' Der, Kommandant der griechischen Truppen bei Tepeleni hat den Kommandanten der albanischen Gendarmerie von dem Abzug der Truppen verständigt, worauf die Gendarmerie die von den Griechen geräumten Stellungen bezog.
Norwegen.
* Der norwegische Dampfer „Fanny" hat 35 000 Gewehre und \ x / 2 Millionen Patronen nach Irland geschmuggelt. *
* Eine Infanterie-Abteilung hat Befehl erhalten, mit zwei Maschinengewehren von Omagh nach London- derry (Ulster) abzu'gehen. Der „Daily Mail" zufolge haben 6 Schlachtschiffe Befehl erhalten, sich zur Fahrt nach Irland bereit zu halten.
Politlfcbe Rundfcbau.
Deutschland.
* Der Kaiser begibt sich am 8. Mai über Kol- mar nach Tückheim und von dock über die drei Aehren nach Evaur, wo er einer Gebirgsübung beiwohnen wird. Am 11. Mai findet in Metz nach einem Vorbeimärsche des Königin-Infanterieregiments ein Frühstück m Offizieckasino statt. Nach Besichtigung der Besesttg- mgen nimmt der Kaiser dann im Generalkommando Wohnung.
* Staatssekretär v. Jagow hat sich ibcr unser Verhältnis zu R u h l a n d dahin erklärt, rast die russische wie die deutsche Regierung die alten reundnachbarlichen Beziehungen aufrecht erhalten wol- en und dah zu hoffen ist, dah trotz einer nicht zuver- ennenden UnteyströmUng und der vorgekommencn Aus- inandersetzungen in Oefsentlichkeit und Presse das alte Verhältnis aufrecht erhalten werde. — Hinsichtlich A l- > a n i e n s hoffe die deutsche Regierung, dast der Fürst eine Aufgabe mit Erfolg durchführen und das Land uospcrieren werde. Zur Organisierung des Landes verde dey albanischen Regierung eine Anleihe von 75 Millionen Francs garantieck werden, ebenso übernäh- ncn die Mächte die GaraMie sür eine Anleihe von 40 Millionen Francs für Montenegro. Hier wie dock wür- >en sich die Mächte eine Kontrolle über die produktive Verwendung des Geldes sichern. Die Regelung der «rutschen diplomatischen Veckretung in Albanien soll der- ck erfolgen, dast ein Generalkonsul zugleich als diplo- natischer Agent ernanM werde. — Der Staatssekretär umeckte dann, dah über die Kap-Kairo-Bahn eine Verhandlungen mit England schweben. — ) sr deutsch-türkische Handelsvertrag oerde in diesen Tagen um ein Jahr verlängcck..
' B erlin, 28. Apckl. Sicherem Vernehmen nach st Bürgermeister Dr. R e i ck e zum Geheimen Regier- 'ngsrat errmmrt worden.
* Statthalter v. Dallwitz begibt sich eute Mittwoch nach Strastburg, um am 1. Mai die lmtsgeschäfte zu übernehmen. Eine Begegnung des euen Statthalters mit dem Kaiser wird in den ersten liaitagen in Colmar stattfinden. Herr v. Dallwitz wird «n Kaiser aiff der Reise nach Metz und Diedenhofen «gleiten. Ein Besuch Strahburgs durch den Kaiser ist ekanntlich nicht vorgesehen.
Luxemburg.
* L u r e m b u r g, 28. April. Heute nacht wurde die Fahne der französischen Gesandtschaft von der Stange
Amerika.
* Washington, 27. April. Der deutsche Botschafter sprach heute im Staatsdepartement vor und
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Frei! — Frei?
Novelle von Eugen Werner.
(Focksetzung.)
„Ah! Ich vergast mich ganzDer Angeredete rang empor. „Sosock wenden !" — und zu der jun- n Frgu gewandt, bat er : „Nur einen MomeM gnä- ge Frau, ich bin sosock wieder hier!" und mit raum Schcktte stieg er in das Schiffsinnere hinab.
Als er wieder kam, tyug seine Hand eine Zeit - >rift, die er mit einer ironischen Verbeugung seinem chützling überreichte rmd dabei bemeckte:
„Meine Visitentacke, Gnädigste!"
Margaretha dankte. — „Eine Art der Vorstellung, e ganz Ihrem Wesen entspricht."
„Ich hasse Form und Heuchelei, gnädige Frau, denn idc sind schuld, dah ich mein Glück verlor."
„Fanden Sie noch keinen Ersatz?"
„Für das wahre Glück gibt es keinen", erwidecke er II Trauer.
Instinktiv legte tch meine Hand auf seinen Arm.
„Konnten Sie das Glück nicht feschalten?"
„Gezwungen ist es kein Glück mehr. Frei nmst es ne Schwingen regen können um den Duft der Son- zu atmen, dann bleibt es ftoh und glänzend."
Margaretha erschauerte. Dachte nicht auch ihr Mann e dieser Fremde ? Hatte nicht auch er das Glück mit em Vögelein verglichen, das, wenn es vom Sehnen
befallen, man ungehemmt der Sonne entgegenstiegen lassen mühte? Ihre Augen hingen an seinem Mund als sie leise fragte:
„Zürnen Sie dem Glück, dah es von Ihnen ging ?"
„Zürnen?" — Fragend blickte er auf den nahen Strand und fuhr dann fort: „Wo man liebt, kann man nicht zürnen; aber meiden kann man, was man liebt."
„Dann begreifen Sie wohl auch meine Sehnsucht nach Freiheit?"
Er sah sie ausrnecksam an.
„Gnädige Frau sehen so glücklich und froh aus, dast man wohl ahnt, mit welcher Freude Sie Ihre Freiheit benützen und geniesten. Aber es ist eben doch nur eine kurze Vakanz, die heute oder morgen aus ist. Auch die köstliche Freiheit wirft aus die Dauer ermüdend und man sehnt sich wieder nach der süstcn häuslichen Knecht - schaft."
Mit regem Interesse folgte Margaretha den lebensernsten Wocken ihres Ritters und schaute erstaunt auf, als man bereits am Landungsplatz anlegte.
Mit schnellen Schcktlen gingen sie dem Hotel zu, um gerade noch Zeit zu finden, sich für das Abendessen umzukleiden. —
Während Margaretha zur Tafel schritt, übeckam sie eine plötzliche Neugier, ob Graf von Bissingen, den Namen mit seinem Bildnis hatte sie in der Zeitschrift entdeckt, wohl einen Tisch sür sie reservieck haben mochte. Doch nein — Dort sah er bereits an seinem alten
Platz ünd studierte das Abendblatt. Erst als sie den Stuhl rückte, sah er auf.
„Ich fürchtete Ihre Entrüstung und liest daher keinen Tisch für Sie reservieren, Gnädigste," sagte er. Falls Sie es aber dennoch wünschen und Ihnen meine Gesellschaft angenehm und genügend ist, werde ich das weitere veranlassen."
Margaretha dankte und folgte mit willigem Ohr dem Programm, das er für den nächsten Tag entworfen. Vormittags Korso durch die Promenade des Anglais und Kurmusik, nachmittags Fahrt nach Pegli, — abends nach dem Essen Küstenpromenade oder Kurgar- tenkonzeck.
Als Margaretha spät ihr Zimmer aussuchte, überdachte sie diesen ersten Tag ihrer Freiheit. Wie viel hatte er ihr geboten! Sie glaubte schon wochenlang Fremde zu überleben und war doch erst einen Tag hier. Sie konnte zufrieden sein mit dem Erlebten. Der Lebensernst des Grasen war gewih viel interessanter und unterhaltender als es die saden Bewunderungen und Liebesbeteuerungen irgend eines Lebemannes gewesen wären.
Frau Margaretha lachte leise auf: „Was wohl Erwin zu all dem sagen würde?"
„Wie herrlich ist doch die Freiheit! Und sich des Grafen Worte erinnernd wiederholte sie: „Wie herrlich !"
(Fortsetzung folgt.)


