Ausgabe 
22.4.1914
 
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Xus Stadt und Land.

Der rrstc @<ttfg.

Mil dem letzten Sonntag sind die Osterserien zu Ende gegangen, und am Montag begann das neu« Schuljahr,. Für unsere Jugend, die bereits Schulstuben- luft atmete, bedeutete der Tag einen Schritt vorwärts im Schulleben, ein Aussteigen in eine höhere Klasse, ein Eintreten in ein neues Pensum. Und das neue mag manchem so ein klein wenig das Herz bedrücken, aber sicher nicht lange. Anders aber ist es mit den Sechs - jährigen, die zum ersten Male an der Hand der Mut­ter den Weg zur Schule antraten. Natürlich voll Freu­de, voll Erwartung und Neugier. Das Neue im Le­ben des Kindes übt eben stets seinen wunderbaren Reiz, unbeeinflußt von Gesühlen und Stimmungen, wie sie den erwachsenen Menschen beseelen, wenn ihm neues ent- gegentritt. Und so haben unsere Schulrekrulen schon seit Wochen dem ersten Schultag mit fieberhafter Span­nung entgegengesehen und hundert- und mehrmals ge- sragt, wann sic den Ranzen aus den Rücken schnallen können. In ihren Eesichtchen stand der Frühling, der mit ihnen über die Straßen ging. Wie anders die Mutter! Wohl freut sie sich des Fortschritts im Leben ihres Lieblings, wohl ist sie sich der Notwendigkeit des Schulbesuchs bewußt und weiß, daß die Fäden zwi­schen Haus und Schule gesponnen werden müssen, diese Fäden, die aus dem unmündigen Kinde einen brauch­baren Menschen, ein Mitglied der menschlichen Gesell - schast heranbilden sollen.

* * Die Gewerbeausslellung Gie­ßen 19 14, die in jeder Beziehung Außergewöhnliches bieten kann, wird zweifellos eine bedeutende Anzieh - ungskrast ausüben, und dies wohl umsomehr, als die Eintrittspreise sehr niedrig gehalten sind.^ Der Preis der E i n z e l k a r t e n ist auf 1 Mark für Sonntags und 70 Pfg. süi Werktags angesetzt. Eine Familien- karte kostet 5 Mark, jede Beikarte 60 Psg., Stttden- tenkarten werden zu 3 Mark abgegeben. Vereine und Arbeitgeber erhalten eine besondere Ermäßigung: sie zah­len 40 Psg. für die Karte, wenn mindestens 20 Stück abgenommen werden. Schulen und Militär erhallen bei mindestens 20 Karten Zutritt für 20 Psg. Außerdem werden noch besondere Schlußkarlen ausgegebcn für 10 Psg., die nach dem offiziellen Schluß der Ausstellung gültig sind. Kinder, bis zu 12 Jahren sind frei, wenn sie sich in Begleitung Erwachsener befinden. Geöff­net ist die Ausstellung von 10 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends; Sonntags von 9 Uhr vormittags an. Eine besondere Erhöhung der, Eintrittspreise bei Kon­zerten finden nicht statt, nur die Schlußkarten werden bei solchen Veranstaltungen nicht ausgegeben; an ihr,e Stelle tritt ein Einheitspreis von 40 Psg.

* Schulfahrt an die Wasserkante. Der Hessische Landesausschuh des Deutschen Flottenver- eins veranstaltet im Juni eine von der Schulabteiluttg des Er. Ministeriums des Innern empfohlene Fahrt nach Lübcck-Kiel-Hamburg, zu der Lehrer und Schüler höherer Lehranstalten sich durch Vermittlung ihrer Schul­leitungen noch bis Ende April anmelden können. Pro­gramme ha' n die Schulen erhalten. Reiseleitung: Herr Hauptmann a. D. V o I l m a r in Darmstadt, Hein- richzftraße 99.

o Gießen, 20.April. Infolge eines Motorschadens stürzte der Aviatilr-Doppeldecker der Flugstation Darmstadt auf dem Fluge von hier nach Darmstadt ab. Der Führer, Unteroffizier Schlichting erhielt leichte Verletzungen. Der Apparat ging in Trümmer.

o Bad-Nauheim. In hiesigen maßgebenden Kreisen wie auch bei Landtagsabgeordneten ist man der Ansicht, daß für ein internationales Meltbad wie Bad- Nauheim die hiesigen Theaterverhältnisse nicht mehr pas-

noch zu j>/ttg um das zu wissen; fragen Sie meinen älteren Bruder, den Ihr Gegenüber verspeist."

Die junge Frau lachte lustig auf so lustig, daß die ganze Tafelrunde verwundert ausschaute.Nun trö­sten Sie sich, hier sind noch mehr!"

Herzlichsten Dank, Gnädigste; aber ich bin kein Freund von Fischen. Dort, das Geflügel ist mir viel lieber--Darf ich auch für Sie wählen?"

Als Fachmann?"

Wie Sie wünschen; nur entspricht mein Geschmack eher weiß Gott was, als den von dritten. Wenn Sie aber vorlieb nehmen wollen--

Ich vertraue vollständig Ihrer Eigenart."

Sie machen mich glücklich, gnädige Frau," sagte er mit leuchtendem Blicke,denn Sie erleichtern mir durch Ihre Worte eine große Bitte, die ich an Sie richten möchte."

Wenn es in meiner Macht steht sie zu erfüllen" ohne jede Ziererei sagte es Margaretha.

Ich möchte Ihnen gerne meine Dienste als Füh­rer anbieten, ohne jedoch aufdringlich zu erscheinen. Es ist ja selbstverständlich, daß eine Dame nicht allein an einem Tisch sitzen kann, ohne von zweifelnden Blicken angestaunt zu werden und deshalb männliche oder weibliche Begleitung um sich dulden muß. Und das letztere ist meist dann sehr unbequem, wenn man grö­ßere oder kleinere Fahrten oder Touren machte."

Das gebe ich von vornherein 311 ", nickte Marga - r,etha,Sie wollen mir also ein treuer Engel sein und acht haben, daß mein FUß nicht etwa an einen Stein stößt."

Wenn-ich die Erlaubnis von Ihnen erhalte, ge­wiß."

send sind. Das gut geleitete Gr. Kurtheater bedarf eines eigenen Theatergebäudes uttd nicht eines Saales, wie er schon vor 40 Jahren benutzt wurde. Auch müßte die Terrasse erweitert werden.

o Friedberg. Der neue Eüterbahnhos mit allen Gebäuden ist jetzt vollständig fertig und seit eini­gen Tagen dem Verkehr übergeben. Der alte Bahnhof , ist geschlossen. Das Kuratorium der hiesigen Städt.

Polytechnischen Lehranstalten wählte in einer Sitzung I den Marine-Stabsingenieur z. D. Schumacher zum Do- j zenten für Wärmekraftmaschinen.

o Reichelsheim (Wetterau). Am 12. d. M. waren es 40 Jahre, daß Oberpostsekretär Z i n s e r hier in den Dienst getreten ist, und am 24. Mai 36 Jahre, daß er das hiesige Postamt verwaltet. Im ganzen Be­zirk ist Z. als ein liebenswürdiger Beamter bekannt, und auch als Bürger seines Städtchens hat er viel zu dessen Hebung beigetragen. Allseitig wird man ihm des­halb zu seinem Dienstjubiläum die herzlichsten Glückwün­sche entgegenbringen.

o Homberg a. Ohm. Der Lehramtsassessor an der höheren Bürgerschule zu Ober-Ingelheim, Herr Hilsdorf, wurde nach hier versetz.', wo er die Lei­tung der Bürgerschule übernimmt.

o Nieder-Modau. Im Falle Adam U. Ge­nossen sind die beiden Urteile gegen Beck und Ihrig nach ! Verwerfung der Revision durch das Reichsgericht eben- salls rechtskräftig geworden und die Verhandlung gegen Isaak, dessen Berufung anerkannt wurde, dürfte Ende Mai oder Anfang Juni stattsinden.

o B ü d i n g e n. In dem Breitenborner Basalt - werk ist der verheiratete Arbeiter K. Schwab aus Ritt- derbügen tödlich verunglückt. Ein abstürzender Basalt - block verletzte den Mann so schwer, daß er auf dem Transport starb. Der Verstorbene hinterläßt eine Wit­we mit acht kleinen Kindern.

! Mainz. Die Bürgermeisterei hat im Einver - nehmen mit dem Seniorenkonvent beschlossen, den Ter­min für die nochmaligen Stadtverordnetenwahlen aus den 7. Mai anzuberaumen.

! Mainz. Der früher hier ansässige Antiquitä­tenhändler Fritz Br,oo, der vor einigen Jahren nach Köln verzogen war, wo er ein bedeutendes Antiquitä- lengeschäst betrieb, ist mit Frau und Kinder nach Ame­rika attsgerückt. Er hat betrügerische Schiebungen vor­genommen Und bedeutende Schulden hinterlassen. Der Flüchtling soll etwa 200 000 Mark mit nach Amerika genommen haben.

s D a r m st a d t. Eine Luftschifferhalle von 180 Meter Länge, 35 Meter Breite und 30 Meter Höhe wird in aller Kürze auf dem Weiterstädter Ererzierplatz vor den Toren Darmstadts zur Aufstellung kommen. Auch eine mächtig hohe Station für drahtlose Telegra­phie wird hergestellt.

! Weinheim a. d. Bergstr. In der Nähe von Großsachsen entstand ein großer Waldbrand, der einen größeren Waldbestand vernichtet hat. Wie verlautet, soll der Brand durch Kinder verschuldet worden sein.

):( Diez, 20. April. Mit der Fertigstellung der neuen Kasernen für das hiesige erste Bataillon des In­fanterie-Regiments Nr. 160 geht die bisherige fiskalische Kaserne am 1 . Oktoher d. Js. in den Besitz der Stadt über.

Von der Edertalsperre. Der Uber die Hälfte gefüllte Stausee ist zurzeit das Ziel vieler Reisenden, Touristen und Naturfreunde. Und in der Tat bieten sich dem Auge die mannigfachsten Landschaftsbilder von entzückender Schönheit, die uns ein Rundgang auf den neu angelegten Randwegen erschließt. Vorerst freilich ist die Benutzung der Randwege auf das linksseitige Seeufer beschränkt, da die im Ausbau begriffenen Wege auf der rechten Seite kaum zu passieren sind. Auch fehlt zurzeit

noch die Verbindung zwischen beiden Ufern, welche dm die über die Sperrmauer führende, noch im Vau begriffe« Straße hergestellt wird. Die Wasserstauung macht si bis oberhalb Asel bcmerklich. Die Brücke bei Asel, welä man bis zum Herbste zur Verkehrserleichterung steh, ! lassen will, steht unter Wasser, und nur einige Gelände I spitzen deuten ihr Vorhandensein an. Der P ersonenve kehr zwischen beiden Ufern wird durch eine Kahnfäh aufrecht erhalten. Das Werbetal fleht bis einige Hunde Meter unterhalb Niederwerbe unter Wasser. Mit d, Füllung des beim Orte angelegten Stouweihers soll den nächst begonnen werden, doch ist an ein erhebliches Steige des Wasserstandes vor Herbst oder Winter wohl kam zu denken.

Aus Waldeck. An der rechten Seite der Lani straße von Thalitter nach Obernburg hat man bei Anlao dieser Straße eine Zech st e in-Dolo mit höhle gesundes welche nach Lage und Beschaffenheit ganz der Einhon höhle von Schwarzfeld im Harz entspricht. Für Besuch! der Edertalsperre kann sie einen weiteren Anziehunq- punkt bilden.

- ! W i e s b a d c n, 20. April. Im Landeshauf

wurde heute abend der 48. Kommunallarrdtag für bei Regierungsbezirk Wiesbaden eröffnet. Der Landesaus schuß hat dem Kommunallandtag folgende bemerkens werte Vorlagen unterbreitet: Bereitstellung von Mittel, zur Verminderung der Staubplage bei gleichzeitiger Ver größerung der Widerstandsfähigkeit der Straßenober flächen, Schaffung der Stelle für ein« Fürsorge-Erzieh erin, Bewilligung von Mitteln für den Bau von Wohn häufen, für die Beamten der, 5. und 6 . Dienstklasse unt Angestellten des Bezirksausschusses, Errichtung eines Er weiteruttgsbaues für die Rassauifche Landesbank, di> Errichtung der Fürsorgeerziehungsanstalt in Usingen unt schließlich für Herausgabe des Heffen-Naffauffchen Wör terbuches; ferner: Mahl eines Landesrats, Schaffun« eines Darlehensfonds von 500 000 Mari zur; Unter stützung von Neubauten privater Erziehungs- und Heil anstallen; Bewilligung von Beihilfen für die Errichtung landwirtschaftlicher Winterschulen in Höchst und Lim burq! Abschluß des Vertrags mit den Kreisen Bieden­kopf und Limburg wegen Uebernahme der Vizinalweg« dieser Kreise in die Unterhaltung des Bezirksvcrbandes, Bericht über die Ausführung des Wanderarbeitsstätten- gesehes im Regierungsbezirk Wiesbaden.

Xus aller Mli.

:: H e i d e I b e r g. Auf dem Neckar ertrank beim > Rudern ein junger Mann aus Heidelberg dadurch, daß j er sich im Boot, einem sogenanntenSeelenverkäufer",

festgebunden hatte, um besser rudern zu können. Das Boot kenterte und der junge Mann hing mit dem Kopf nach unten im Wasser.

::: Frost im Schwarzwald. Im Schwarz­wald traten die ersten bedeutenden Frühjalprsfröste auf. Die Temperatur sank bis auf 4 Kältegrade.

::: Hörde. Die Bergleute Gebrüder Eamolfa ge­rieten mit dem Bergmann Hedlinski beim Kartenspiel

| in Streit. Sie überfielen ihn, mißhandelten ihn mit i einer Kaffeeslvsche und einem Stuhl und warfen ihn die l Treppe hinab. Hedlinski byach das Genick uttd war sofort tot.

::: H c r s f e l d. In Richelsdorf starb im Alter

von 74 Jahren der Einwohner H. Löwenstein. Wäh­rend seiner Krankheit war seine Katze nicht aus - dem Zimmer zu bringen und auch nach feinem Tode blieb sie regungslcs unter dem Sterbebett. Sie nahm bis nach dem Beerdigungstag keine Nahrung zu sich, so - daß sie verendete.

^ ::: K o b u r g, 20. April. Heute abend sind 13

Scheunen und Stallungen, darunter solche des herzog-

Eut machen wir also einen Versuch."

Obschon Sie noch nicht wissen, wer ich bin?"

Die junge Fr,au schaute in seine offenen Augen. Kleinliche Bedenken sind mir noch immer sein gelegen", sagte si« mit sicherer Ruhe,und dann ich habe Vertrauen zu Ihnen!"

Ich danke Ihnen, gnädige Frau. Wann darf ich mir dann erlaube», Sie zu erwarten?"

Sie dachte nach.Um drei Uhr in einer Stuttde etwa wenn es Ihnen so recht ist?"

Vorzüglich! Richte mich ganz nach Ihren Wün­schen. Noch eins: Ich habe im Hasen eine Segeljacht liegen; wenn Gnädigste Seefahrten lieben?"

Herrlich ! Kenne kein größeres Vergnügen als ryjit den Fischen um die Wette durch die schäumende See zu stiegen. Aus Wiedersehen also um 3 Uhr."

Die junge Frau war aufgestanden, hatte ihm noch einmal freundlich zugenickt und als erste der Tischgesell­schaft den Saal verlassen.

Pünktlich zur sestgesetzten Stunde kam Margaretha wieder hinab und fand ihren liebenswürdigen Ritter, be­reits wartend vor. In elegantem Kostüm, streng nach der Mode, machte er in dieser, Beleuchtung einen viel nachhaltigeren Eindruck als an der Tafel, und währenv er ihr elegant den Arm bot, meinte er lächelnd:

Man wird uns für ein Ehepaar halten, Gnä­digste !"

Was um so besser ist, denn dann brauche ich von keiner Seite Aufdringlichkeiten zu befürchten;" ging -sie auf seine» Scherz ein.

Langsam schütten sie den Strand hinab uttd be­gaben sich nach der Landungsstelle, allwo die schnee - weiß blitzende Pacht ihres Besitzers harrte.

Hier bitte", sagte er.Meine Alma."

Dann wandte er sich an den Kapitän:Francesco, avanti !" bot der jungen Frau seinen Arm und sühtte sie in einen bequemen Korbfessel am Reeling, von wo aus man die ganze arbeitende Besatzung überblicken konnte.

Langsam bugsierte das Schiff aus dem Hafen. Se­gel um Segel entrollte sich. Eine frische Brise füllte die Leinwand und mächtig in die blaue Flut bohrte sich der Schiffsrumps. Schäumend sprühte die Gischt aufs Vorderdeck und mit den weihen Flocken spielte Mar­garetha.

Seltsam! Sie war frei, frei und folgte dennoch den Wünschen eines Mannes. Warum nur ? Sie dach,« an die Vergangenheit: wenn Erwin jetzt neben ihr sitzen könnte ! Ihre Hand fest in seiner Linken pressend würde seine Rechte sanft über ihren Scheitel gleiten und selig sein rosiger Mund slllstern :ich Hab Dich so lieb". Wie wurden seine Augen mit verständlichem Blicke die Um­gebung mustern, sie aus dies und jenes aufmerksam ma­chen, was ihren Blicken entgangen war---

Sie schloß die Augen und träumte vor sich hin. Eine plötzliche Wendung ließ sie aufschauen. Ihr Ritter stand am Steuerrad und erteilte seine Befehle? In kreuz und quer wie ein mutwilliges Füllen, jagte er seine Alma" durch die Wasser,, bald nahe an dn'Küste dann wieder weit draußen in der offenen See. Erst spät nach­mittags trat er seinen Platz wieder ab und widmete sich seinem Schützling. Ein weiblicher Steward brachte Er- srischuttgen und mit gutem Appetit ließ das kuriose Paar sich das tadellose Wenige schmecken. Im Westen sank allmählich die Sonne tiefer und tiefer. Der, Fremde wurde einsilbig nachdenklich.

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