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22.4.1914
 
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Nr. »2.

Telep hon: Nr. 362.

Mittwoch, den 22. April 1914.

Telephon Nr. 362.

Polififcbe Rundfcbau.

Deutschland.

* Der Kaiser machte am Montag morgen auf korfu seinen gewohnten Spaziergang in der Beglet- ung des Reichskanzlers und-te später die Vorträge er Chefs des Marine, des Militär- und des Zivil-Ka- etts.

* Wie dieTäql. Rundschau" hört, hat sich der Kronprinz entschlossen, mit seiner Gemahlin den a den ersten Maitagen in Braunschweig stattflndendcn 'auf-Feierlichkeiten d.s jüngsten Welfensprosses ersönlich beizuwohnen. Der Kronprinz will damit zum lusdruck bringen, daß jeder Gegensatz zwischen ihm nd dem derzeit regierenden Welfcnfürsten verschwun- en tu.

* Zubern. Die Mer sind nun wieder in Za- crn eingezogen. Sie wurden von der Bevölkerung mit chiiicher Freude bewillkommnet. lieber'den Einmarsch m Samstag meldet das offiziöse Wolfsschc Telegra- henbiweau: In die schöne Vogesenstadt an der Zorn rächten die heutigen Nachmittagsstunden ein reges Le­en. Die halbe Stadt war auf den Beinen, um dem Viedcreinzug des Infanterie-Regiments Nr. 99 bcizu- lohnen. Um 4.47 Uhr traf, T>om Truppenübungsplatz )berhosen mit der Bahn kommend, ein Bataillon mit em Regimentsstab und der Musik hier ein und rückte nrch die Hauptstraße nach der Kaserne, begrüßt von mein reichen Flaggenschmuck in den deutschen und en e l s ä s s i s ch e n Farben und manchem frohen Zw as. Aus dem Schloßplatz wurden sogar von einem Ho­lbalkon Freudenschüsse ab,gefeuert. Unter klingendem -picl brachte die Fahnenkompagnie die Feldzeichen nach er Schloßkaserne, um dann nach den Kasernements ab- urückcn. Ein Zwischensall hat sich nicht r c i g n e t.

* Breslau, 20. April. DieBreslauer Zcitg." eröffcntlicht die vom Domkapitel am 7. April aufge- elltc Vorschlagsliste für die Breslauer Bischof- > a h l. Obenan steht ehrenhalber der älteste preußische lischof Korum (Trier), dann folgen die Bischöfe Dr. tchmitt (Fulda), Dr. Bertram (Hildesheim), sowie der ischöftiche Delegat Dr. Schäser- (Dresden); den Beschluß

machen vier Breslauer Domherren, der srühere Pfarrer Dr. Bergel, der frühere langjährige Geheimsekretär Kopps, Dr. Steinmann, der frühere Religionsoberlehrer Prof. Dr. Buchwald und der Universttätsprofessor Dr. Nckel.

Deutsch-russicher Wtrtschaftskampf. Von Rußland wird gemeldet, daß die Duma mit sehr großer Mehrheit die Einführung eines Einfuhrzolles von 30 Kopeken für ein Pud brutto auf Getreide, Erbsen und Bohnen angenommen hat Gleichzeitig hat die Duma die Dringlichkeit der Gesetzesvoclage über die Besteuer­ung deutschen Getreides in Finnland angenommen. Mit diesen beiden Beschlüssen istder große wirtschaft­liche Zweikampf zwischen Deutschland und Rußland", wie der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Ausschusses der Duma, Mussin Puschkin, sich ausdrückte, eröffnet worden.

England.

* Das englische Königspaar traf am gestrigen Dienstag in Paris ein. Das englische Königspaar nahm im Auswärtigen Amt am Quai d'Orsay Wohnung. Abends war Galadiner im Elysee, aus dem die mit großer Spannung erwarteten Trinksprüche dargebracht wurden. Heute Mittwoch wohnt das Königspaar, der großen Truppenschau in St. Vincennes bet.

Schweden.

* Nach der bisherigen Zählung der Stimmen für die Wahlen zur schwedischen Zweiten Kammer sind ge­wählt 75 Rechte, 67 Sozialdemokraten und 59 Liberale. Die Rechte hat 19 Sitze gewonnen und einen verloren, die Sozialdemokraten haben 12 gewonnen Und 4 ver­loren, die Liberalen haben 26 Sitze verloren.

Griechenland.

* Athen, 20. April. Mit großer Feierlichkeit sand gestern im Königspalast die Ueberreichung des Marschallstabes an den König statt. Die ganze Armee hatte Vertreter entsandt. Veniselos überreichte dem Kö­nig den Marschallstab mit einer patriotischen Anspra­

che. Der König, der von den Prinzen und den Hof- würdenirägern umgeben war, erwiderte mit stolzbcweg- ien Worten des Dankes für die Mitarbeiter des Sie­ges. Sodann zogen die militärischen Abordnungen Un­ter, großem Beifall an dem König vorüber.

Türkei.

* Das kaiserliche Jrade, das die in Paris abge­schlossene Anleihe vcn 500 Millionen Francs sanktio­niert, ist soeben erschienen.

China.

* Der chinesische Verfassungsbeirat Hai das Er­gebnis seiner geheimen Verhandlungen veröffentlicht. Der Name der Volksvertretung wird in Gesetzgebende Kör­perschaft umgewandelt. Das Ministerium wird abgc - fchafft und ein Staatssekreiariat nach amerikanischem Vor­bild eingesetzt. Der Präsident wird zum höchsten Herr­scher ernannt. Die Minister heißen in Zukunft Abteil - ungsleiter und verlieren ihren Staatsministerlitel. Die gesetzgebende Körperschaft verliert jeden Anteil an der Ernennung der höheren Angestellten und an den Ver­trägen mit fremden Staaten. Ein VerwaltuNgsbeirat tritt dem Präsidenten sür das Finanzwesen, aber nur beratend, zur Seite. Es besteht kein Zweifel, daß diese überraschende Aenderung einstimmig beschlossen worden ist, da die bedeutendsten Mitglieder des Verfaffungsbei- rats persönliche Sekretäre des Präsidenten waren.

Amerika.

* Die Vereinigten Staaten wollen die M e r i k a n e r mit Krieg überziehen, wenn diese nicht Abbitte leisten. Die Merikaner haben nämlich einige amerikanische Truppen gefangen genommen, sie wieder sreigelassen, sich aber nicht entschuldigt. Vier Schlacht - schiffe gingen von Hamptonroads nach Tampico ab, die anderen folgen, sobald sie reisefertig sind. 16 000 Land­truppen stehen marschfertig an der Grenze. Das Ma­rineamt w es die Pacisicflotte an, ebenfalls nach Me- riko zu fahren.

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Frei! Frei?

Novelle von Eugen Werner.

Und wenn nicht," gestand er sreimüiig,so bin ich arum doch nicht Unglücklich. Ich suche keine Freund - hast und keine Liebe, weil ich vorher weiß, daß ich ur enttäuscht werden würde. Hätte ich das letztere ge­lallt, dann wäre es mir nur möglich gewesen, wenn ) in meinem erwachenden Mannesalter mir ein Müd­en ein Kind nach meinem ureigensten Wesen Zogen haben würde. Aber so, eine ältere amc werde ich schwerlich finden, die sich meinem Eha- rkter anzupassen vermag, und eben darum blieb ich, as ich immer war: frei ganz frei !

Frei! ganz frei! In der jungen Frau war was lebendig geworden. Hier fand sie eine verwandte eele, aber dennoch war sie ihr fremd. Ihre erdachte reiheit war doch anders geartet als die ihres Nach - trs. Ihr kindischer Sinn konnte die Gedankcnsccle und röße des Fremdlings nicht erfassen.. .

Gnädige Frau sind zum ersten Male in Nizza ?"

Margaretha erschrak sichtlich.

Ich sragte, ob Gnädigste zum ersten Mate hier eilen", wiederholte der Tischnachbar mit seiner wohl- ngenden Stimmet

Sie bejahte.

Haben Sie die Absicht hier, länger zu verweilen?"

Gewiß! Das heißt: so lange es mir gefällt. Was bietet denn Nizza eigentlich an Besonderem?"

Je nach Bildung und Geschmack dreivtertel, qnädiqe Frau", war seine rätselhafte Antwort.

Nun! Das wäre?"

Menschen, Hölle und Paradies!"

Also doch mehr, als es sonst ein Kurort bietet!" lachte sie auf, amüsiert von seiner knappen Darstellung.

Natürlich!" Kein Stückchen Erde vermochte sich ja der Riviera qleichzustellen. Es ist ein Paradies für jene, die die Menschen scheuen und das Gold hassen, .."

Warum das Letztere?" unterbrach ihn fragend die junge Frau.

Weil Monte Carlo keine Menschen birgt, sondern bunt gekleidete Laster", war die rauhe Entgegnung. Und wenn Tie nicht in meiner Hochachtung fallen wol­len, gnädige Frau, dann besuchen Sie den Ort des Entsetzens, nie, sondern lassen es genug sein an der herrlichen Umgebung."

Monte Carlos Spielhölle interessiert mich weniger", gab sie ihm ruhig zur Antwort,allein die Reize der Umgebung, dächte ich, müssen doch unter ihrem Ein - flusse leiden?"

Das weniger. Ein ewig lachender Himmel ver­mag die unfreundlichen Gedanken zu bannen und wenn der gewonnene Eindruck jenes Ortes nicht erst durch ir­gend ein erschütterndes Drama verstäckt wurde, fallen keine düstere Schatten auf dieses köstliche Gemälde des Lebens.

Und sonst genießt man hier nichts?"

Nur was man sich gegenseitig bietet!"

Also das erste Ihrer rätselhaften Antwort: die Menschen

Ja, geistige Anregung, geselliger, Verkehr, sei es nun in großem oder bescheidenem Maße. Ohne den letz­teren ist es absolut unmöglich, hier ein Vergnügen zu finden. Die mächtigsten Eindrücke der großartigen Umgebung müssen sich äußern können, wenn sie den Geist nicht Niederdrücken sollen."

Das heißt also mit anderen Worten, daß man trotz seiner Freiheit nicht Herr seiner selbst ist? Daß manches mit in Kauf genommen werden muß, was man viel lieber entbehren möchte?"

Mir scheint, Tie zielen auf unser visa-vis ?" lachte er leise auf. Nachdenklich fügte er hinzu:Sie können ja rfchig den Platz wechseln, es zwingt Sie niemand hier sitzen zu bleiben."

Ja doch; für's erste schon", entgegnete sie ernst, denn Sie essen ja fast gar nichts. Hier, versuchen Sie doch diesen Fisch."

Der Fremde dankte, nahm ein kleines Fischchen von der Platte und beugte seinen schwarzen Kopf zu' ihm hernieder. .

Mut mutwilligem Lächeln sragte Margaretha:Sic wollen wie mir scheint, dies Fischchen befragen?"

Ja. denken Sie sich, ich sragte ihn, wer Sie eigent­lich seien und da sagte er: Ich weiß es nicht, ich bin