linie Ezerum-Erzinghin-Sivas, 5. die Linie Samsun - Sivas nach Konsianlinopel. Diese Eisenbahnlinien sollen binnen 6 Jahren serliggcslellt sein. Außerdem bewilligte die Psorte in Syrien die Konzession einer Eisenbahn - linie von R'ayak nach Ramleh, bezüglich welcher man hohl, daß die englische Regierung ersorderlichenfalls einer Beroindung mil dem ägyptischen Eisenbahnnetz zustimmen werde. Schließlich bewilligte die Pforte Konzessionen für die Häsen von Jaffa, Kaiffa, von asiatisch Tripolis, im Mittelmeer und für die Häsen von Jnedoli und Heraklea im Schwarzen Meer.
Xus aller Mil.
::: Wohnungsnot. Der 1. April, der große Umzuystermin, hat an vielen Orten sehr trübe Bilder einer schlimmen Wohnungsnot ans Licht gebracht. Ganz übel sind in den Städten ja schon seit langem die kinderreichen Familien dran, denen die Hausbesitzer immer häufiger ihre Wohnungen verweigern, weil sie den Kinderlärm, die Störung der anderen Hausbewohner und die stärkere Abnutzung der Häuser scheuen. In Dort - mund hat sich ein 37jähriger Arbeiter vor die Schienen eines Schnellzuges geworfen, weil er mit seinen acht Kindern keine Wohnung fand — auch eine Illustration zum Thema Geburtenrückgang! — und erst ganz vereinzelt hört man von Abhilfemaßregeln gegen dieses Unrecht, wie sie jetzt die Stadt Elberfeld plant, die zum Bau von Kleinhäufern ausschließlich für Familien mit mindestens 5 Kindern eine Summe von reichlich einer Million Mark zur Bersügung stellen will. Diesmal aber hat, und das ist das Neue, die Kalamität nicht nur besonders kinderreiche Familien getroffen. Vielmehr kommen aus zahlreichen Städten des rheinisch-westfälischen Industriegebietes, und auch aus Nord- und Ostdeutschland, jetzt nahezu gleichlautend die Meldungen, daß nach dem Wohnungswechsel vom l. April zahlreiche Familien, und zwar solche, die ihre Miete zahlen konnten und wollten, einfach obdachlos geblieben sind. Sie mußten von der Polizei mit Mühe in schnell hergerichteten öffentlichen Gebäuden, Armenhäusern, Asylen, Gefängnissen u!jw. untergebracht werden, weil es genug freie Wohnungen nicht gab. Es besteht eben an zahlreichen Orten schon jetzt ein positiver Mangel an Wohnungen und er wird voraussichtlich noch weiter wachsen.
* Berlin, 10. April. Die Förderung der s ü d- we st afrikanischen Pomonafelder hat im Jahre 1913 rund 600 000 Karat betragen. Da die guten Steine aus den Karat einen Wert von etwa 50 Mk. baden, so kommt als Gesamtwert der Förderung 30 Millionen Mark heraus. Es ist, so meinen die südwestafrikanischen Blätter, anzunehmen, daß daraus dem Fis - kus rund 18 Millionen Mark zufließen — eine schöne Summe, wenn sie zur wirtschaftlichen Erschließung des Landes verwendet wird.
::: Mannheim. Die Fabrikarbeitersehefrau 2. Meier stand vor den Geschworenen. Sie hat am 15. Dezember vorigen Jahres versucht, ihre 5 Kinder und sich selbst zu töten, indem sie den Kindern Veronal eingab und die Kinder und sich selbst dem Einfluß von Leuchtgas aussetzte; alle Personen konnten jedoch gerettet weiden. Die Tat geschah, weil die Frau unter bösartigen Verleumdungen der Nachbarinnen sehr zu leiden hatte. Die Geschworenen verneinten die auf Mordver - such gestellte Schnldfrage ; die Frau wurde s r e i g e -
::: Neu-Ulm. Hier wurde ein Mann namens Wilhelm Koch jestgeuommen, der verdächtig ist, den Raubmord an dem Kaufmann Dr. Brcchner im vorigen Jahre im Eisenbahnzug zwischen Frankfurt und Darmstadt begangen zu haben.
* Dresden. Nach längerer Anssprache^beschloß die sächsische Zweite Kammer mit 65 gegen 21 Stimmen die Verlegung der tierärztlichen Hochschule von Dresden nach Leipzig. Die Zustimmung der Ersten Kammer steht noch aus.
ses ging ihm durch den Kopf. Er konnte eine Lösung nicht finden. Er betrachtete das Straußenei noch einmal genau und stellte es auf den Schreibtisch.
Dabei siel sein Auge auf das Bild eines lieblichen jungen Mädchens, das in einem kostbaren Rahme» an bevorzugter Stelle des Tisches stand. Das war Lucie Funke, die Tochter des Baumeisters Funke. Bei seinen öfteren Besuchen im Hause seines Vorgesetzten halte er Ke liebenswürdige junge Dame kennen gelernt. Die Schönheit und geistige' Bildung des jungen Mädchens mite sein empfängliches Herz tief berührt, und es waren ür ihn glückliche Stunden, wenn er im Haufe des Baumeisters verkehren durfte. Das Bild hatte Lucie ihm als Vielliebchengeschenk verehrt. Sie würde das sicher nicht getan, wenn sie dem juKgen Manne nicht wohl geneigt gewesen wäre.
Nachdem Herr Kühlcke einige Augenblicke sinnend dagestanden hatte, schien es, als ob iym plötzlich eine ausgezeichnete Idee gekommen sei. Er setzte behutsam das Osterei in den Karton zurück, legte seine Karte hinein und schrieb noch arj dieselbe: „Fröhliche Ostern!“ Dann nahm er einen Bogen Papier, machte ein schneidiges Paket und adressierte es an Fräulein Lucie Funke. Mit dieser Arbeit und Aussührung seiner Idee schien er außerordentlich zufrieden zu sein. Nachdem er gefrühstückt hatte, machte er sich sogleich aus den Weg. Er zögerte, wen er zuerst besuchen sollte, den Konditor oder Tante Miene. Endlich entschloß er sich, die liebe Tante zuerst zu begrüßen. Er gab einem Dienstmann das Paket an Fräulein Funke und begab sich nach der Wohnung der Frau Thomsen.
Die alte Dame saß noch am Kaffeetisch, als Herr Kühlcke die Wohnung ' clr.K (Ti wartete die Anmeld
er Dresden, 10. April. Als der Flieger Rei- chcll heute nachmittag & l / ? Uhr auf einem Eindecker mit einer Dame als Fluggast ausgestiegen war, erplodierte nach einer Schleisenfahrt über dem Flugplatz Kaditz plötzlich der Motor. Der Apparat stürzte brennend zur Erde. Die Dame blieb t o t, während Reichelt schwer verletzt unter dem zertrümmerten Apparat hervorgezogen wuyde. Der Flieger Reichelt ist kurz nach seiner Ein - lieferung ins Krankenhaus gestorben.
Xus Stadt und Land.
• Für die am 10. Mai statffindende Rote l Kreuz-SammlUng wutde ein Kreisautzschuh ge- | wählt, der die Sammlung leiten soll. In den größeren Orlen sollen weitere Ortsausschüsse gewählt werden, so j in Grünberg, Hungen, Wieseck, Lich, Klein-Linden, Ero- ! ßen-Linden, Heuchelheim und Watzenborn-Steinberg.
»Gießen. Da die Stadt Gießen sich nicht zutn Vau der elektrischen Straßenbahnlinie Eießen-Wieseck entschließen kann, so soll eine Krastwagenlinie von Wieseck durch Gießen bis zum Bahnhof Gießen eingerichtet werden.
n Gießen. Der Ausbrecher H o r n m a n n, der nach Aburteilung des Amtsgerichts Grünberg zu vier Jahren Zuchthaus aus dem dortigen Gefängnis ausgebrochen war, wurde auf dem Asterweg erkannt und gestellt und nach einer Verfolgung von einem Gendarmen und einem Schutzmann verhaftet.
o Friedberg. Großen Schaden hat im März das anhaltende Regenwelter am Bahndamm bei der ’ Station Erbftadt-Kaichen angerichtet. Auf eine Strecke von etwa 300 Meter ist im Einschnitt der Damm abgerutscht. Die Lett- und Sandmassen haben an vielen Stellen die Mauer am Bahnkörper mitgerissen.
o Bad-Nauheim. Wie wir erfahren, hat unser seit dem Jahre 1901 bestehendes guellentecbjnisches Laboratorium seit dem 1. d. Mts. eine erhebliche und bedeutungsvolle Erweiterung erfahren. Das Gr. Ministerium d!r Finanzen hat genehmigt, daß dem oben genannten Lcchoratorium ein« medizinisch-wisienschastliche Abteilung angegliedert wird. Die beiden Abteilungen zusammen bilden das neugegründete „Großh. Balneologi- sche Jnstatu-t". Dessen Vorstand und zugleich Leiter der uellentechnischen Abteilung ist der Er. Badedirektor; als Leiter für die medizinische Abteilung wurde der lang - jährige Assistent und Privatdozent an der Gießener medizinischen Klinik Dr. med. Arthur Weber berufen. Dieser hat sich bisher, ganz besonders mit Herzkrankheiten und Herzdiagnostik beschäftigt. Da er auch Rönt - genologe und bakteriologisch ausgebildet ist, wird er hier ein weites Feld für seine Forschung und diagnostische Tätigkeit finden. Praris. als Arzt darf Dr. Weber nicht autzüben; es ist ihm jedoch gestattet, auf Ersuchen von Bad-Nauheimcr Aerzten hin sich an Konsilien zu beteiligen. Außerdem gebärt zu seinen, Wirkungskreis auch die ärztliche Ueberwachung des Großh. Jnhalato- ! riums und des Emanatoyiums. Durch diese Einrichtung ! ist nun auch Bad-Nauheim in die Reihe jener großen, fortschreitenden Bäder gerückt, welche staatliche oder kommunale balneologische Institute besitzen, die auch der Forschung auf medizinisch-balneologischem Gebiete dienen, wie z. B. Salzbrunn, Marienbad und andere.
v Graß-Felda. Die Mitglieder einer Spinnstube verabfolgten kürzlich kleinen Kindern alkoholische Getränke. Ein 6jähriger Junge zog sich dadurch eine Alkoholvergiftung zu, der er jetzt erlag. Anzeige ist erstattet.
o Ossenbach a. M., 10. April. Der Gelegenheitsarbeiter Adam Preis wurde in der Karfreitag - nacht von dem Schirmflicker Karl Weingärtner, indessen Wohnung er, einzudringen versuchte, erschossen. Der Attentäter wurde verhaftet.
! Ans R h e i n h e s s e n. Vorige Woche fand ein Angenscheintermin betreffs Gesuches zur Erbauung
und Erweiterung des Tchutzdammes von Frej-Weinheim bis nach Sporkenheim und Gaulshetm statt, dem die Ministerialräte Dr. Kratz und Schliephale und einige andere Herren der Regierung, beiwohnten.
! M a i n z. Die Fernsprechverbindung Berlin — i Frankfurt—Mailand arbeitet so ausgezeichnet, chaß es ! möglich gewesen ist, diesen Verkehr alsbald auf Rvm > und andere italienische Provinzstätte auszudehnen. Auch i Mainz soll zu diesen Verbindungen ohne weiteres zugelassen werden, da die Anschlußftrecke Mainz—Frank - furt nur eine unerhebliche Verlängerung der Linie bedeutet.
):( W e i l b u r g. Der Direktor der hiesigen Land- wirtschaftsschule, Professor Dr. Kienitz-Gerloff, hat sich erschossen. Der Grund ;U der Tat ist unbekannt.
):( Brückenau. Die Verbindlichkeiten des Bürgermeisters Reinwald werden auf 450 000 Mark angegeben.
Turnen als Heilmittel gegen Laster.
In dem T'urnen und in der Ausübung dey Körperkultur sieht Dr. Sargent das einzige und wirksame Mittel gegen alle Laster und Verbrechen. Er meint, daß jede Stadt, wie viele oder wie wenige Einwohner sie haben mag, eine große öffentliche Turnhalle besitzen müßte. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend sollte diese Halle geöffnet sein, und allen Einwohnern mühte der Zutritt zu der Halle gestattet sein. Die jungen Menschen, Mädchen sowohl wie Knaben, erlangen die Reife, ohne die entsprechende Gelegenheit zu yaben, sich des animalen Geistes und des Ueberschufses an Krast zu entledigen. Daher kommt es, daß die Kinder auf allerhand Gedanken verfallen, daß sie sich Dinge zuflüstern, die aus den Heranwachsenden Menschen Verbrecher machen. Hätten die jungen Mäd - chen Gelegenheit, sch im Turnen und im Sport körperlich auszuarbeiten, milde zu machen, dann würden die Gedanken auf ganz andere Bahnen gelerckt werden. Man bekäimpft überall das Trinken, sucht gegen das Rauchen vorzugehen, und das alles ist ja nur eine Neutralisierung der Körperkräste, ein Versuch, sch irgendwie auszuleben. Es wäre nach Ansicht des Jugend - ayztes weit wichtiger, daß die Kinder am Tage 3 Stunden im Turnsaale verbringen, als das sie in der Schule sitzen und hier Dinge lernen, die wohl für die Bildurrg wichtig sind, für das praktische und moralische Leben aber wenig Wert haben. Das Beispiel der Helden aus der Geschichte hat noch kaum ein Kind zum edlen Menschen gemacht, das Turnen aber stärkt di« Moyrl, die Festigkeit der Anschauungen. Hier lernen die jungen Menschen, was Disziplin heißt, hier erfahren sie, daß die Anspannungen der Körperkräste den Grund legen zur eigenen Entwickelung von Moral und Gemüt. Man kann nach der Ansicht von Dr. Sargent die Erfahrung machen, daß die Kinder, die für den Sport und das Turnen eine Vorliebe haben, die besten Kinder einer Schule sind. Sie, die keine Angst kennen, die mutig aus das Reck, den Barren klettern, die von der Wippe herunterspringen, zeigen sich moralisch am weitesten hochstehend. Und wenn die Kinder diesen Mut und die Vorliebe zum Turnen nicht mitbringen, dann soll es die Pflicht der Jugenderzieher fein, in dieser Hinsicht auf die Kinder günstig einzuwirken. Die Erziehung im weitesten und edelsten Sinne erstreckt sich nicht auf die Ausbildung des Geistes allein, sie schließt die körperliche Aus- bildu-ng im weitesten Sinne ein. Je mehr in einem Lande geturnt wird, desto mehr sind die Kinder allen Ausschweisuugen abgeneigt, wie man das bei der englischen Jugend beobachten kann. Kinder, die von Müttern der Turnstunde serngehalten werden, die aus irgend einem Grunde die Anstrengungen des Turnens scheuen, entwickeln sich meistens zu schlechten imd verstockten Menschen. Aus der Turnstunde kommen die Kinder frisch, vergnügt, die schlechte Laune zeigt sich bei chnen nicht, sie besitzen Tatendrang und sind fleißig. Meistens sind
ung des Mädchens gar nicht ab und ging sogleich in das Wohnzimmer.
„Guten Morgen, liebe Tante", sagte der junge Mann, eintretend.
„Guten Tag, lieber Gustav. Willst Du eine Tass! Kaffee mit mir trinken ?" syug die Dame mit freund - lichem Lächeln.
„Wenn ich bitten darf, liebe Tante."
„Du sollst auch ein schönes Stück Osterkuchen haben."
„Du bist liebenswürdig und gut wie immer,, Tante."
„Nun, Du hast gewiß schon eine rechte Freude heute gehabt, wie?"
„Eiiu k 1 ;: Freude ! Hm! O, gewiß! Was ich doch j» . wollte, Herzcnstante, wie gefällt Dir mein Osterei ?"
„Dein Osterei ?"
„Das ich Dir sandte !"
„Du hättest mir ein Osterei gesandt?"
„Ja, ich war so frei! Ein seltsames Ei, ein Strau- ßenei."
„Lieber Junge, ich habe kein Osterei bekommen."
„Du hättest es nicht bekommen, oh!"
„Nein! Dagegen möchte ich Dich fragen, wie gefiel Dir mein Osterei?"
„Hm, welches Osterei? Welches Osterei, beste Tante?"
„Nun, auch ein sehr seltenes Ei, merkwürdigerweise auch ein Straußenei!"
„Ein Straußenei?"
„Ein Straußenei!"
„Und das hast Du gesandt, liebste Tante?"
„Wer sonst sollte Dir ein so kostbares Angebinde machen?"
„O, lausend Dank, Herzenstantchen k Aber sage mir
doch, wo kauftest Du das Ei?"
„Beim 'Konditor, Siegelt."
„Beim Konditor Siegelt?"
„Nun ja !"
„Ich falle aus den Wolken, liebe Tante, denke Du
nur, dieses Ei..."
„Nun?"
„Ich muß lachen, haha! Entschuldige mich, dieser
Ei habe ich sür Dich gekauft mit dem Aufträge, man soll es Dir senden."
„Aoer so was!"
„Man gab mir die Versicherung, es fei nur ein so seltenes Osterei vorhanden, also muß es das von mir bestellte Ei sein."
„Ich kaufte es gegen 9 Uhr gestern Abend bei Herrn
Siegelt."
„Und ich gegen sieben Uhr bei dem Ladenfräulein." „Das ist aber zu komisch >"
„Da muß eine heillose Verwirrung bei dem Koiu ditor herrschen, ich werde mich sogleich erkundigen, wie das zutzing." »
„Nun, es wird sich ja aufllnren ? Uebrigens bleibt das Ei doch nun in der Familie, lieber Gustav. Ich kann mir denken, wie Du Dich dazu gefreut hast."
„Ja, ich habe mich riesig gefreut, teure Tante."
„Und Du wirst es gut aufheben?"
„Es bekommt den besten Platz in memem Zimmer." „Selbstverständlich! Man muß stets dankbar sei» gegen Bringer von Freuden."
„Ganz richtig, liebe Tante."
(Schluß folgt.)
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