Ausgabe 
25.3.1914
 
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und die Aufmerksamkeit aller Aerzle aus diese Stelle hin- zulenken; Die Frage lautet: Wer kann etwas von den Mitteln zur Beseitigung der Schwangerschaft, ihrer An­wendung und ihrer Einwirkung aus Leben und Gesund­heit von Frau und Kind; wer kann etwas von der re­lativen Zunahme der Fehlgeburten und Aborte und ihrem veränderten Verhältnis zu der Zahl der Lebend- geborenen milteilen? Eine Sammlung derartigen Ma­terials, die anonym die Schweigepslicht des Arz­tes nicht berührt, wird der Sache außerordentliche Dienste tun. Mir haben bereits für ein kleineres Gebiet der­artiges Material gesammelt. Danach hat die Zahl der Schwangerschaften nicht abgenommem, das Defizit an Lebendgeborenen war nicht aus das Konto der anti - konzeptionellen Mittel, sondern aus das der Mittel zur Beseitigung der Schwangerschaft zu setzen. Unsere Un­tersuchungen haben weiter ergeben, datz karun eine In­dustrie eine derartig unheimliche Geschäftigkeit entwickelt, wie die Industrie, die mit den Mitteln Geld verdient, mit denen eine Nation Selbstmord begeht. Dieses Ma­terial muh noch vervollständigt werden. Es ist eine vornehme Pflicht aller Aerzte, dieser Sache ihr besonde­res Interesse zuzuwenden. Die Er. Zentrale für Mut­ter- und Säuglingsfürsorge in Hessen (Darmstadt) ist für jede Mitteilung dankbar. Dabei wird strengste Dis­kretion zugesichert.

* EinBerus, der noch nicht übersüllt i st. Gerade die jetzige schlechte Lage des geschäftlichen Lebens ist besonders geeignet, die Eltern und Vormün- der wieder aus den landwirtschaftlichen Be­rus aufmerksam zu machen. Hier droht keine Arbeits - losigkeit, im Gegenteil, die Landwirtschast braucht viel mehr Arbeitskräfte, als ihr z. Z. zur Verfügung stehen. Die etwas geringeren Löhne gegenüber der Stadt wer­den ausgewogen durch eine dauernde Beschäftigung und billigere Lebens- und Wohnweife. Die Kranken- Versicherung ist jetzt auch aus die ländlichen Ar­beiter und das Gesinde ausgedehnt, sodatz auch für die Tage der Krankheit gesorgt ist. Zur Cortbildung in dem landwirtschaftlichen Berus dienen besonders die landw. Wintcrschulcn, die unter Aussicht der Landwirtschafts - kammer bestehen.

u G i e h c n, 22. März. Oberbürgermeister M e - c u m, der 13 Jahre an der Spitze des Gemeinwesens stand, ist gestern in den Ruhestand getreten und siedelt nach Godesberg über.

n E i e tz e n. Für die Wahl des Ausschusses Und der Ersatzmänner für die Allgcnr. Ortskrankenkasse Gie- Hen-Stadt, die am 31. März hier stattsindeh sind 2 V o r s ch l a g s-l i st e n eingereicht worden, und zwar Liste Nr. 1 von dem aus den hiesigen Frauenvereinen und einer gröheren Anzahl hiesiger Arbeiter- und An- gestelltenoraanisationcn gebildetenAusschutz für die Krankenkassenwahlen" und Liste Nr. 2 von dem hiesigen Gcwerkschaftskartell der freien Gewerkschasten. Auher dem Kartell der freien Gewerkschasten treten alle übrigen in Frage kommenden Organisationen für die Liste 1 ein.

! Mainz. Ein deutsches Volkslrachtenfeft oder vielinehr das 1. deutsche Volkstrachtensest ! Dem Bayern- Verein Mainz gebührt das Verdienst, diesen Jdealge- danken in vorailssichtlich glänzender Weise zur Ausführ­ung zu bringen. Die Dauer des Festes ist vom 20. bis 25. Mai sestgefetzt. Als Hauptfesttag ist der 21. Mai (Ehristi Himmelfahrt) bestimmt. An diesen Tagen nachmittags wtrd der imposante Preisfestzug die sarbcn- prächtigsten, lebensrischesten Bilder, die Mainz jemals ge­sehen hat, den Festbesuchern vor Augen sühren. Die deutschen Volkstrachten! Welcher Formen- und Farben- yeichtunr und welche Fülle von herzerfrischender Schön­heit und Heimatkunst wird da zu sehen sein ! Vor allem wild da die originelle, farbenfrohe Schwälmer Tracht, welche durch die Gemälde hessischer Künstler schon welt­bekannt geworden ist, Aussehen erregen. Neben der mn- lerischen Volkstracht der Thüringer wird die urwüchsige bayrische Ecbirgstracht zahlreich vertreten sein und das Maidle" aus dem badischen Schwarzwald wird in sei­ner Anmut neben dem seschen Steirerdiandel eine beson­dere Abwechselung in das leben- und sarbcnsprühende Trachtcnbild bringen. Vom Rhein bis zum Jsarstraud und von Thüringens Höh'n bis zum Wiener Wald werden sich die Träger sowie Förderer und Erhal­ter der deutschen Volkstrachten zum ersten Male die Hände reichen, und es wird sich zeigen, welcher deutsche Gau, welcher deutsche Volksstamm noch seine Volkstracht bewahrt und erhallen hat.

):( Sprendlingen. Auf der Musterung der Militärpflichtigen ries der untersuchende Stabsarzt einen etwas schmalen, zukünftigen Vaterlandsverteidiger an: Aber Mensch, wo haben Sie denn Ihre Brust gelassen?" und dieser, lies spornstreichs hinter die Gardinen des Auskleideraumes und holte sein von der Mntter ge­waschenes' und neu gestärktes.Vorhemd", das hier Brust" genannt wird, und zeigte es der Aushebungs­

kommission triumphierend vork Es hat Minuten ge­dauert, bis das also heiter unterbrochene Musterungsge- schäft wieder seinen ruhigen Fortgang nahm.

s D a r m st a d t, 24. März. Kommerzienrat Wil­helm Opel überwies der Abteilung für Maschinenbau der Technischen Hochschule in Darmstadt 20 000 Mark zur Errichtung einer Wilhelm Opel-Stistung zur För­derung der Lustschissahrt, insbesondere zur Vornahme von Versuchen aus diesem Gebiet.

):( Wetzlar, 23. März. Auch im Ziykusleben geht heute der Zug in's Gyganlische, in's Ueberledens- grohe sozusagen. Dasür ist eine interessante und für das Zirkuswesen sehr bedeutungsvolle Premiere, die am Sonntag in Köln stattgefunden hat, das beste Beispiel. Die Premiere der Zirkus Carree-Festspiele nämlich, der größten Zirkus-Cestspiele der Welt", wie sie sich stolz nennen dürfen; eines Zirkusunternehmens von schlechthin amerikanischen Proportionen, das aus dem seit 125 Jah­ren eristierenden ZirsuS Caryee geschaffen wurde. Die Festspiele haben es zum ersten Mal, gewagt, statt des Zweimastenzelts, wie es alle anderen ZirkUsünterneh- men haben, ein D y e i m a ft e n z e l t konstruieren zu lassen, das denn auch ganz enorme Dimensionen aus­weist. Außerdem wurden zum ersten Male in einem deutschen Zeltzirkus zwei Manegen benutzt, statt einer. Zwei Manegen nebeneinander, in denen gleich­zeitiggearbeitet" wird. Dadurch wurden zwei Vorteile erstrebt und (wie die Kölner Presse einstimmig konsta­tiert) glänzend erreicht. Dadurch, datz immer gleichartige Artisten und Tiere, Akrobaten neben Akrobaten, schwe­dische ReitergrUppen neben französischen, chinesische Gauk­ler neben japanischen, dressierte Kamele rieften Elefanten und so weiter sich produzieren, spielt sich das ganze ge­wissermatzen in der Form von sportlichen Wettbewerben, artistischen Konkurrlnzen ab. Das altgewohnte Bild des Zirkus bekommt so eine ganz neue, modern-sportliche Note. Und ferner ist es durch die beiden Manegen mög­lich geworden, in einer Vorstellung das geradezu un­geheuerliche Programm von 70 einzelnen Nummern (al­so ein Isaches Zirkusprogramm; alle anderen Zirkus­unternehmen haben ja etwa 12 bis 18 Nummern im Programm !) vorzuführen. Ganz neu ist bei den Fest­spielen auch, datz die Wildwestszenen, großen Pserde- und Waaenrenncn usw. in einer, Rennbahn vor sich gehen, die den Raum beider Manegen umfaßt. Welche in Europa beispiellose Größe die Festsviele haben, geht daraus hervor, datz dieKleine Presse" in Frankfurt schrieb, sie seiender aus die Potenz erhobene Riescn- zirkuS, die verdoppelte Portion an Verblüffung, Lleist- ung, Qualität und Quantität, in ihrer Art wohl ein Gipfel des Möglichen, hart an der Grenze des Un­möglichen . . . ." Für unsere Stadt ist diese Nachricht noch besonders interessant, weil die Zirkus Carree-Fest- spiele, wie wir erfahren, ans ihrer Sommer-Tournee, die in Köln vor ausveriausten und überfüllten Häusern einen so verbeisungsvollen Anfang genommen hat. dem­nächst auch hierher kommen werden.

):( Kassel. Der Landesausschutz der Provinz Hessen-Nassau hat aus 6 Jahre je 1000 Mk. Zu­schuß bewilligt für die beabsichtigte Sammlung der deutschen Volkslieder.

Hu$ aikr Wer;.

::: Köpenick, $4. März. Heute abend gegen 5 l / 2 Uhr wurde auf der Spree ein Fährkahn, der von der Spindlerschen Fabrik nach der Lindenstratze über­setzen wollte, von einem Schleppdampfer angerannt und zum Sinken gebracht. Von den sämtlichen Insassen, et­wa 20 bis 22, darunter viele Frauen, konnten nur 7 gerettet werden.

::: Bielefeld. Kommerzienrat Dr. A. Oetker, der Inhaber der hiesigen Vackpulverfabrik, stiftete aus Anlaß seiner silbernen Hochzeit 100 000 Mark, deren Zinsen zur Unterstützung für in Not geratene Angestellte und Arbeiter der Firma verwendet werden sollen.

::: Goslar. Die Frau des aus unbekannten Gründen spurlos verschwundenen hiesigen angesehenen Baumaterialienhändlers Otto Deitzmann erhielt von ihrem Gatten aus Blankenburg einen Abschiedsbries mit der Andeutung, er werde sich das Leben nehmen, wo­raus sie sich mit ihrer 16jährigen Tochter und ihrem 10- jährigen Sohn, mit Trauerkleidern angetan im Schlaf­zimmer erhängte. Der Verbleib ihres Gatten ist weiter unbekannt.

Krsisfurniag des Iflifttlrbeinkreifes.

B i n g e n, 23. März. Der 76. Kreisturntag wurde am 22. März in der Festhalle zu Bingen abgehalten. Jhnr ging am Tage vorher eine Ausschutzsitzung vor­aus. Ueber das Schülerturnen, dem in manck 'egen­den noch Schwierigkeiten bereitet werden, berm-ut der Kreisvertreter Schulrat Schmuck-Darmstadt, datz es in

Hessen dank dem Entgegenkommen der Regierung, in sehr zufriedenstellender Weise geregelt worden ist.

Der Kreistag wurde am Sonntag morgen eröffnet. Dem Belicht des Kreisausschuffes ist folgendes zu ent­nehmen: Der Kreis hat im Jahre 1913 einen stacken Aufschwung genommen. Die Zähl der Vereinsorte be­trägt am 1. Januar 1914 1261 (mehr 84 gegen das Vorjahr), die Zahl der Vereine 1410 (mehr 86). Der Kreis besitzt männliche Vereinsangehörige über 14 Jahre 141 939 (mehr 7176), davon sind jugendliche bis zu i 20 Jahren 49 694 (mehr 2254), unter diesen Zöglinge (bis zum 17. Jahr) 28 185. An den Hebungen nah­men teil 51 070 (mehr 2793). Als Turnwarte u. Vor­turner wicklen 5356 (mehr 215) Personen. Zu ihrer Weiterbildung fanden 3909 Vorturnerstunden statt. Ge­turnt wurde in 129 494 (mehr 7281) Turnzeilen mit einem Gesamtbesuch von 2 544 764 (mehr 76 775) Per­sonen.

Die Frauenabteilungen zählen 5109 (mehr 47) Mit- glieder. In ihnen turnten 3810 Mitglieder in 10 196 Turnzeiten mit insgesamt 145 648 Turnbefuchen.

Kinderturnen betreiben 416 Vereine mit 13 281 Kna­ben und 5221 Mädchen.

Nur 22 Vereine tuynten im Winter nicht. Schul- und Eemeindeturnhallcn werden 94 benutzt, Vereins - eigene Turnplätze gibt es 403 (mehr 22), vereinseigene Hallen 203 (mehr 14). In das Heer getreten sind 5391 (mehr 1406) Turner. Diese Zahlen reden eine deutliche Sprache über den Fortschritt der deutschen Turnsache in unserem Kreisgebiet, besonders für diejenigen, die das Gegenteil vorher gesagt haben.

Die Rechnungsablage beschließt mit 19 601,75 Mk. Einnahme und 15 858,77 Mk. Ausgabe, also mit einem Ueberschutz von 3742,98 Mark ab. Von diesem werden überwiesen 1150 Mark für Steuern, 1000 Mark für die Rothermelstistung, die sich bis jetzt auf 6655,08 Mark beläuft und 1000 Mk. für die vom Kreis zu errichtende Unfallversicherung für alleMitglieder, deren Errichtung fast einstimmig angenommen wurde. Damit ist ein sehr wichtiges Weck für den Kreis und seine Angehörigen geschaffen worden. Die Besprechung über unser Verhältnis zu anderen Verbänden zeitigt das Ergebnis: Festhallen an unseren alten, bewährten Grund­sätzen, aber vernunstsgemützer Ausbau nach neuzeitlichen Anschauungen. Die Anträge des TurnaUsschuffes nnd der Spielerschast, tm laufenden Jahr ein Kreisspiclfest mit Mannschaslskämpsen veranstalten zu dürfen und bei Gelegenheit des Kreisschwimmeckages Wettkämpfe zu ge­nehmigen, sind slattgegebcn. Durch die Anträge des Gaues Frankfurt, die Kreismeisterschast im Wasserball - spiel möglichst alljährlich auszuspielen und die AuS - kämpsung für die deutschen Turnfeste anzustreben, wurde genehmigt.

Anwesend waren 13 Mitglieder des Geschäfts- u. Tnrnausschusses, 24 Eauvertreter, 16 Gauturnwacke und

398 Abgeordnete aus 265 Vereinen, zusammen 451

Vertreter.

Verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

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