Ausgabe 
25.3.1914
 
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I)

icftener Tageblatt)

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Nc. 24

Telep hon: Rr. 363.

Mittwoch, den 25. März 1914.

Telephon Rr. 363. 2().

Politlfcbe Rundfcbau

Deutschland.

* Venedig, 24. März. Der Kaiser isi um 9.40 Uhr hier eingetroffen und Hai sich sogleich an Bord derHohenzollem" begeben.

* Der Reichskanzler wird, einer Einladung des j Kaisers folgend, wahrscheinlich die Dsterzeil auf Korfu

> «i beim Kaiser zubringen. Die Enlscheidung über die Bc- \ setzung des Statthalterpostens von Elsaß-Lothringen wird sich, wie verlautet, noch einige Zeit hinziehen und zwar aus formellen Gründen, weil das ursprüngliche Abschiedsgesuch des Statthalters v. Wedel damit erledigt worden ist, dafz er bewogen wurde, noch einige Monate im Amte zu bleiben: es mufz also erst ein neues for­melles Abschiedsgesuch des Grafen Wedel vorliegcn, ehe die Ernennung feines Nachfolgers erfolgen kann.

* Im Reichslagsgebäude zu Berlin fand am 22. März eine von zirka 200 Personen besuchte Vertrau- ensmänner-Versammlung der beiden Fraktionen, d e u t- s ch e Rcformpartei und deutsch-soziale Partei statt, in der beschlossen wurde, die beiden ge­trennt bestehenden Fraktionen zu vereinigen unter dem Name» deutsch-völkische Partei. Zum ersten Vorsitzenden der Partei wurde der, frühere Rcichstagsabgeordnete, Amtsgerichtsrat Lattma'nn, gewählt.

Ungarn.

* Bukarest. Die Verlobung des Kronprinzen von Griechenland mit der, rumänischen Prinzessin Elisa­beth ist aufgelöst worden.

England.

* Feldmarschall Roberts wurde vom König tn Audienz empfangen und später in das Kriegsmini- sterium berufen, wo er mit dem Feldmarschall French eine Unterredung hatte. Die Aldershct, London and Southwestern-Bahn hat Weisung erhalten, Züge bereit zu ljalten, um 10 000 Mann Truppen nach Glasgow und anderen Häfen zu befördern, von wo sie nach I r- l a n d eingeschisst werden können. In der Provinz Ul­ster droht ein Bürgerkrieg.

Frankreich.

* Anstelle des zurUckgetr.elenen Ministers Monis wurde Senator E a u t h i e r zum französischen Marine­minister ernannt.

Belgien.

* Die belgischen Liberalen verlangen eine ganz beträchtliche Verstärkung der Heeres­macht.

Italien.

* Der italienische König ist in Begleitung des Mi­nisters des Aeutzern di San Giuliano und seines Ge­folges zur Begegnung mit Kaiser Wilhelm gestern nach Venedig abgereist.

Spanien.

* Wie aus Madrid gemeldet wird, soll Don Jaime, der Sohn des Don Carlos, auf seine Thronan­sprüche verzichtet haben. Die Carlisten werden auf- gefordert werden, die Dynastie des Königs Alfons an­zuerkennen und mit der äutzersten konservativen Rechten eine große katholische Partei Unter der Führung Mau­ras zu bilden. Man erfährt auch, daß Don Jaime sich mit einer Prinzessin Ccnnauight verheiraten werde.

* Am Sonntag fanden die Wahlen zum Senat statt. Nach dem amtlich bekanntgegebenen Wahlergebnis ist an dem Ueberwiegen der ministeriellen Stimmen nicht zu zweiseln. Es erhielten die Konservativen 98, die Liberalen 40, die Katholiken 10 Sitze (darunter acht höhere Geistliche), die Regionalisten 6 die Republikaner 3, die Iaimisten 2, die Integristen 2 Sitze.

Albanien.

* Fürst Wilhelm von Albanien soll, einer Meldung aus Durazzo zufolge, dem Kaiser bei seinem Aufen.halt aus Korfu einen Besuch abzustatten gedenken.

* Da sich immer deutlicher her,ausstellt, daß Du­razzo aus politischen und sanitären Gründen zur Re­sidenz des albanischen Herrscherpaares untauglich ist, er­wägen Fürst Wilhelm und das Ministerium ernsthaft den Plan, demnächst schon S k u 1 a r, i endgültig zur H a ü p t st a-d t von Albanien zu machen.

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Griechenland.

* A t h e n, 25. März. Die griechische Kö­nig s f a m i l i e wird sich morgen Donnerstag nach

K o r s u begeben, um Kaiser Wilhelm zu empsangen, der am Samstag eintrisft. Das BlattPalris" meldet, der König werde den Kaiser einladcn, Athen zu besu­chen.

Auftralicn.

* Der Bundesverteidigungsminister von A u st r a- l i e n bat sich energisch gegen die Flollcnpläne Chur­chills oewendet.

Amerika.

* Der amerikanische Senat lehnte den Antrag, den Flauen das Stimmrecht zu gewähren, mit 35:34 Stim­men ab.

Sudi und Land.

* Fahrpreisermäßigung für Kriegs­teilnehmer. Auf Grund allerhöchster Ermächtigung hat der Her,r Minister der östenllichen Arbeiten beschlos­sen, den deutschen Veteranen aus dein Feldzuge 1864, die nach den in Schleswig-Holstein gelegenen Gedenk - stätlen dieses Krieges reisen wollen, während der Mo­nate Älpril bis Dktober d. Js. die Hinsahrt dorthin und die Rückfahrt in die Heiniat bei Benutzung der dritte» Wagenklasse zum Militärsahrpreis, der zweiten Wagen­klasse zum doppelten Militärsahrpreis, in Schnellzügen ohne Zuschlag zu gestatten. Die Fahrpreisermäßigung soll unter ähnlichen Bedingungen gewährt werden, wie sie seinerzeit für die allgemeine Fahrpreisermäßigung für Kriegsveteranen zuM Besuch der deutsch-sranzösischen Schlachtfelder von 1870-71 maßgebend waren.

fi!cburtcilrückna»<i und Acrztc.

Die Er. Zentrale für Mutter- und Säuglingssür- sorge in Hessen (Dar.mstadt), die sich seit langen! mit dieser schwerwiegenden Frage besaßt, sendet uns folgen­den Aufruf an die Aerztc Deutschlands: In der Bud- getkommissicn des preußischen Abgeordnetenhauses er­klärte der Vertreter der Regierung, daß das ungünstige Verhältnis zwischen Geburten- und Sterbezister rr "' t ' K)t -Upehme, und daß daran in erster Linie die MitteHr Betzi.1""^ der Schwangerschaft" schuld seien. Er fuhr sorl:In der Bevölkerung nn kGs nicht, eine

wie große Anzahl junger Frauen und Mu^eii an die­sen Mitteln zu Grunde gehen oder schwer erkran'r^. Damit ist die Stelle bezeichnet, an der unser Volkskör­per wirklich krank ist. Es gilt, die östentliche Meinung

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Zur Geschichte der Bewegungsspiele.

Das Werfen flacher Steine auf einen Wasserspiegel hieß Epostiakkismos. Jahn hat für diese Uebung 40 ver­schiedene Namen gesannnelt und veröstentlicht. Das Spiel, eine Münze mit einer anderen zu tresten, nannte man Streplinda, das Wersen Und Treffen spitzer Pflöcke, wo­bei man trachten mußte den fremden umzuwerfen und gleichzeitig den eigenen aufzuspiehen, hieß Kyndalis- mos. Chalkismos hingegen das Aufwcrfen einer Münze und Aüffvngen mit einer Fingerspitze. Geschah das Spiel aber mit 5 Sleinchen oder Knöchelchen durch Auf- ; werfen vom Handrücken aus und Auffangen mit dem Handteller, hieß es Pentalinda. Eicheln, Kugeln oder Würfel in eine kleine Grube werfen, hieß Tropa.

Den! hervorragendsten Platz bei Jung und Alt nahmen aber die Ballspiele ein; ja sie bildeten in spä­terer Zeit den wichtigsten Teil der schulmäßig betriebe­nen Gymnastik. Gab es doch in einem vollständig ein­gerichteten Gymnasium nicht nur einen eigenen Raum dafür das Korykeum, sondern auch eine besondere Lehr- krast, den sogenannten Sphäristikus. Sie wurden dem­nach von den Dichtem oft und oft besungen. Gespielt

wurde mit kleineren, derbgefüllten Leder- oder Stoff- bällen, dann mit mittelgroßen und lchliehlich mit dem großen Hohlballe. Dieser Vorahne des englischen Fuß- balles war aber nichts als eine aufgeblähte, getrocknete Rindsblalc in schützender Lederhülle.

Aus dem alten klastischen Episcyros wurde unser heutigerErenzball". Zwischen und hinter zwei gleich­starken Gegenparteien wurden Striche gezogen und von der mittleren aus der Ball mit dem Bestreben gewor- sen, ihn über jenen der Gegner zu bringen. Unser heu­tigeKönigsball" hieß Urania,Neckball" hingegen Phaininda. Wurde aber der Hchlball vor dem Schla- , gen mit der flachen Hand geprellt, so hieß das Spie! Äporraris. Wer die meisten korrekten Schläge erzielte, hieß König, der Gegner aber Etel. Wir sehen dem­nach hier den Vorfahren unseres Faustballes.

Harpafton, unser heutiger Raffball, wurde mit dem mittleren derben Lederballe gespielt und galt als wildes und gefährliches Parteispiel. Zwei oder auch mehrere laufen um den zwischen ihnen liegenden Ball und su­chen ihn als erster zu erhaschen und ihn durch Zuspie­len oder direkt ins feindlich« Mal zu werfen. Sogar ein Umklammem des Gegners war gestattet; nur sein« Ar­me muhten frei bleiben.

Römer.

Bei den allen Römem haben mit der griechischen Kultur auch die griechischen Spiele Aufnahme gefunden. Bekannt ist, daß dem Spiele die ersten Männer der Re- püblck, später sogar Kaiser persönlich huldigten. Bon römischnationalen Spielen haben sich das Ballon- und Boccia-jSpiel erhalten, die auch heute noch neben dem Fußballspiele leidenschaftlich gepflegt werden. Elfteres wird auf unseren Spielplätzen wohl nicht gespielt; eher das letztere, das als Ruhespiel und wegen Uebung des Augenmaßes allseitige Verbreitung verdiente. Gespielt wird von zwei Gegenparteien mit 14 bis 15 Zentimtr. großen Kugeln in zwei verschiedenen Farben und einer Zielkugel, die wieder anders gefärbt ist. Diese wird vom Spielkaiser geworfen, worauf die einzelnen Spieler, ab­wechselnd von jeder Partei, ihr so nahe als möglich mit ihrem Wurfe zu kommen trachten. Die kleinere Summe aller Strecken von der Zielkugel zu den Kugeln einer Farbe gibt als die besseren Werfer die Gewinner an. In Frankreich wird dieses Spiel, das den Namen Co- chonett führt, in dem großen vom Unterrichtsministerium herausgegebenen Spielbuche den Schulen besonders em­pfohlen. _