Ausgabe 
21.3.1914
 
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einer ungeahnten Vermehrung des amerikanischen Nalio- nalvennögens sein. Der neue Gesetzentwurf ist mit gro­ßer Begeisterung ausgenommen worden. Man wies da­raus hin, Las; Deutschland ein wertvolles Präzedens ge­schossen habe, indem es der Verschleuderung des Halis ins Ausland entgegenlrete. Auch sei die Preiskonvention gegen ausländische Konsumenten namentlich deshalb wünschenswert und notwendig, weil im Ausland Ab- nehmervereinigungen beständen oder, im Entstehen be­griffen seien (Reichs-Petroleum-MonopoU), die mit der ausgesprochenen Absicht eingerichtet würden, einen Druck aus die Preise der Rohmaterialien auszuüben.

Kommt das Gesetz zustande, und daran ist _ bei dem praktischen Sinn der Amerikaner kaum - zu zweiseln, dann ergeben sich daraus Folgerungen für den amerika­nischen Handel mit dem Auslande, deren Tragweite heute kaum zu übersehen ist. Jedenfalls wird es nicht lange dauern, bis sich die amerikanischen Leuchtölsabrikanten über einen vom Ausland zu sordernden Mindestpreis verständigt haben. Die deutsche Monopolgesellschas! bleibt aber, wie allgemein bekannt und unbestritten, mit ihrem Bedarf zum weitaus gröszten Teil aus Amerika ange­wiesen und wird somit gewissermaßen ein Spielball in den Händen einer Preiskonvention sein, die alle ameri­kanischen Leuchtölsabrikanten in sich vereinigt hat.

Den Monopolsreunden möge das neueste Vorgehen Amerikas nur ein Beweis sein, wie zahlreich die Mög­lichkeiten sind, gegen einen vielleicht lästigen Feind aus dem Petroleummarkt Gegenmaszregeln zu ergreijen.

JHu$ Stüdt und Land.

n Gießen, 16. März. Der Kreistag des Krei­ses Gießen hat eine Satzung beschlossen, wonach der gewerbsmäßige Handel mit ländlichen G r u n d st ü ck e n sowie mit Hosraiten, die dem land- wirtschastlichem Betrieb dienen, ferner mit Waldbesitz, soweit solcher nicht im Besitz des Fiskus steht, mit einer Steuer von 30 Prozent des dabei erzielten Gewin­nes belegt wird. Trifft diese Steuer mit der Wertzu - wachssleuer zusammen, so darf der Gesamtbetrag b e i- d e r Steuern 40 Prozent des Gewinnes nicht überstei­gen. Der eingehende Steuerbetrag stießt in die Ge - meindekasse derjenigen Ortschaft, in deren Gemarkung die verkaufteil Objekte liegen. Von einzelnen Mitgliedern des Kreistags wurde die Notwendigkeit der Satzung bestrit­ten, da von einem das Gesamtwohl schädigenden Gü­terhandel in der Gegend sich nichts habe feststellen lasse». Regier,ungsrat Welker, der die Vorlage vertrat, erklärte, die Satzung sei als vorbeugende Maßnahme gedacht, außerdem schließe die hohe Steuer die Konkurrenz der gewerbsmäßigen Eülerhändler aus, sodaß sreiwerdender Besitz von den Gemeinden nicht allzu hoch angekaust werden könne. Die Satzung wurde e i n st i m m i g an­genommen.

* In einer starkbesuchten Bezirksbesprechung rhein­hessischer Genossenschaften in Alzey wurde von dem neuen Direktor der Landwirtschaftlichen Genossenschafts­bank mitgeteill, daß die Bank eine Schadenersatz­klage über 2 Millionen Mark gegen die Mit­glieder des alten Aussichtsrates eingereicht habe. Die Be­merkung des Direktors, daß dies von den Genossen - schäften wohl mit Freude ausgenommen werde, fand in der Versammlung Widerspruch. Man riet im In­teresse einer ruhigen Abwickelung und wohl auch we­gen der ungeheuren Kosten dieses im Ausgange jeden­falls zweffelyaften Prozesses znm Vergleich. Eine An­regung, den Direktor Mager von der Zentralstelle in den Aufsichtsrat der Bank zu wählen, wurde von dem Staalskommiffar Finanzrat Dr. Michel befürwortet. Auch die Regierung nehme schon wegen der Sicherstellung des Staatsdarlehns lebhaftes Interesse an der Liquidation der,. Genossenschaftsbank. Darüber müsse man sich viel­leicht in der nächsten Generalversammlung der Bank Un­terhalten.

' Staatlicher Beitrag zur Jugend­fürsorge. Die hessische Regierung beabsichtigt, den ihr im Budget zur Förderung der Iugendpslege aus der Staatskasse überwiesenen Betrag von 3 0 0 0 0 Mk. mittelbar nur an folgende große Verbände gelangen zu lassen: Landesverband Jungdeutschland, Mittelrheinkreis

Doch das Werk der tüchtigen Hausfrau war noch nicht vollbracht.

Sie trat zUm Tisch und blickte noch einmal in das ausgeschlagene Buch.

Roch einmal las sie die Stelle aus dem Leben des Demosthenes!Er schor sich das Haar ans einer Seite, um sich eine zeitlang jeden Ausgang unmöglich zu ma­chen und ganz auf sein Studium angewiesen zu sein."

Gleich daraus nahm sie ihre Schere und schnitt dem bewußtlos Daliegenden entschlossen das dichtwachsende Haar ab, dann seifte sie ihm das Haupt ein, ergriff das schon bereit gehaltene Rasiermesser und barbierte dte letzten Reste hinweg.

Freundlich wie ein neugeborenes Ei glänzte ihr der kahle Schädel entgegen.

Du wirst mir die nächsten Tage nicht ausgehend, sagte sie zufrieden, umhüllte den Kops des Gatten mit einer schützenden Nachtmütze und begab sich im Be - wußtsein einer guten Tat zur Ruhe.

Bei Tagesanbruch, zwischen Schlafen und Wachen, empfand Meister Häseke eine eigenartige Kühle aus sei­nem Haupte.

Der ungewohnte Zustand ermunterte ihn endlich, wie aber erstaunte er, als er sich mit dem Embleme schöner Weiblichkeit geziert fand und gleich daraus ent-

der Deutschen Turnerschaft, Verband für Jugendwohl- sahrt und Jugendfürsorge Darmstadt, Evangelisch. Jüng­lingsbund im Großherzogtum Hessen, Verband katholi­scher Jugendvereinigungen der Diözese Mainz, Landes­gewerbeverein. Die Mittel aus der Staatskasse sollen dauernd nutzbar verwendet werden zur Errichtung von Jugendheimen, Anschaffung von Turn- und Spiel-Ge­räten, Einrichtung von Leseabenden, Lesehallen, Biblio­theken rmd zur Förderung der Jngendwanderungen. Die unmittelbare Beteiligung der Regierung an diesen Be­strebungen ist nicht beabsichtigt, da keine amtliche Ju- | gendpslege in Aussicht genommen werde.

n Gießen. Herr Provinzialdirektor Geheimerat j Dr. U s i n g e r hat den Ehrenvorsitz über die Eewerbe- j Ausstellung Gießen 1914 übernommen. Ehrenvorsitzen- I der des Ausstellungsvorstandes ist Herr Oberbürgermei­ster Keller.

n Gießen, 18. März. Der Oberbürgermeister hat sich dieser Tage an die Eisenbahndirektion gewen­det mit dem Ersuchen, die beiden vorgesehenen Ueber - holungsgleise nicht an der Badenburg, sondern in der Nähe der Unterführung der Wißmarer Kreisstraße und des Rodbergs anzulegen und dabei den schon lange schwebenden Plan einer Personenhalte st eile Gießen-Nord zu verwirklichen. Bei dieser Lage der Ueberholungsgleise sei auch die Anlage von privaten Anschlußgleisen zu erwarten, die für die weitere Ent­wickelung der Gießener Industrie unbedingt nötig, beim Güterbahnhos aber, der zwischen der bebauten Stadt und der Lahn eingezwängt sei, kaum möglich wäre. Da­durch würde auch der sehr beschränkte Güterbahnhos Gie­ßen sehr entlastet werden.

n G i e ß e n. Bei der zweiten Versteigerung des W i n d h o f e s wurde dem Grasen Emil Friedrich von Schlitz genannt Görtz zu Schlitz für das Höchstgebot von | 41 000 Mork der Zuschlag erteilt. Diese Summe ist sehr ' gering gegenüber den Baukosten, die seinerzeit 185 000 Mark betrugen.

o Nieder-Weise l. Morgen feiern die Ehe­leute Samuel Krämer das Fest der goldenen Hochzeit.

o> I l b e s h e i m. Gestern feierte Fr.au Witwe E. Schnabel ihren 100. Geburtstag. Die Jubilarin dürste wohl die älteste Person des ganzen Regierungs­bezirks sein. Dabei ist ihr körperlicher und geistiger Zu­stand noch so frisch, daß sie mit regem Interesse Erin­nerungen aus ihrer Jugend zu erzählen vermag.

! Gonsenheim. Die jahrzehntelange Steuer­freiheit der Ortsbewohner hat mit dem Rechnungsjahr 1914 aufgehört. Die reichen Einnahmen und Ue- berschüsse aus dem Ertrag der Eemeindeländereien reich­ten in den letzten Jahren nicht mehr zum Ausgleich des Haushallplanes aus. Infolgedessen erhebt der Ort in Zukunft 35 Prozent Gemeindesteuern. Ein weiteres An­ziehen der Steuerschraube ist zu erwarten, wenn eine neue Schule und die Klärbecken gebaut werden müssen.

s D a r m st a d t. Die hessische Regierung hat dem Elektrizitätswerk Rhetnhessen die Genehmigung zu den Vorarbeiten für die verschiedenen links- und rechtsrhei­nischen Vorortbahnen für Worms erteilt.

s D a r m st a d t. Wegen Unterschlagung und Be­trügereien wurde der Verwalter des Offizierkasinos des hiesigen Trainbataillons, der Unteroffizier A. Schmidt, sestgenommen und in das Militärgesängnis eingeliefert. l Er ist beschuldigt, im Laufe der letzten 10 Jahre 10 000 Mark unterschlagen zu haben.

):( Marburg. Die Lahn hat südlich von Mar­burg bei den Dörfern Argenstein und Roth, weite Strei­ken überflutet. Das Wasser steigt infolge des andauern­den Regens noch fortwährend. Auch die Nebentäler der Ohm, Wohra, Allna usw. sind völlig überflutet. Die Ueberschwemmungen der Schwalm haben eine Aus­dehnung angenommen, wie noch selten. Das ganze Tal von Schrecksbach bis Treysa gleicht einem riesigen See.

):( Kirchhain, 19. März. Bei dem gestrigen Ersatzgeschäst gelangte ein Rekrut zur Vorstellung, der das stattliche Längemaß von 1,97 Meter auswies. Der junge Mann, der aus Neustadt stammt, wurde zur Garde-Jnsanterie ausgehoben.

deckte, daß zwischen seinem Haupte und seinem Knie in Bezug aus Haaressülle kein Unterschied zu spüren

war.

Die moderne Delila, die mit Sorgfalt alle Spuren ihrer Gewalttat verborgen hatte, beobachtete das Erwa­chen ihres geschorenen Simson.

Bist Du jetzt munter mein Schatz?" rief sie. Sieh' nur, wie Dich Deine Zechbrüder zugerichtet ha­ben !"

Damit hielt sie ihm einen Handspiegel vor.

Erschrocken bemerkte Herr Häseke, daß er wie Scipio AfrikanuS kein Härchen auf dem Kopse hatte.

Das sind die gewesen ? Euch soll doch dieser und jener", ries er zornig und sprang aus. Am liebsten wäre er gleich, wie er war, fortgestürzt, um diese Schmach zu rächen.

Nicht doch, lieber Mann !" besänftigte Frau Häseke. So kannst Du ein paar Wochen gar nicht auf die Straße."

Aber alles wird mich auslachen", tobte der Mei­ster.Mas sollen die Gesellen denken?"

Das laß' mich nur machen!" Ich habe schon zu unserm Doktor geschickt. Du weißt, er ist ein verschwie­gener Mann. Da heißt es dann nachher, Du wärst in

):( Fulda. Die. Ttraskammer in Fulda als Be­rufungsinstanz sprach nach zweitägiger Verhandlung 11 Rhöner Familienväter aus Wolferts, Friesenhausen, Steinwand, Kohlberg, Birkenhos und Alteurain wegen des sogenanntenF i n k e n h a i n e r Schulstreiks" frei. Die Angeklagten wurden im September vor. Js. vom Schöffengericht auf eine Anzeige des Kmisschul-Jn- spektors Wulf zu Geldstrafen verurteilt, weil sie aus Be­sorgnis um die Gesundheit ihrer Kinder diese nachmit­tags bei schlechtem Rhönwetter nicht in die bis 5 Kilo­meter entfernte Schule geschickt hatten. Zur Berufungs­verhandlung waren 47 Zeugen und drei Sachverstän­dige geladen. Der Freispruch wurde allgemein mit Be,rredigung ausgenommen.

Kur aller Welt.

> :: U? bc ^ a ' 20. März. Am Schwarzen Meer

haben -r-tunn und Hochflut großen -schaden angerichtet.

Einem Radio-Telegramm zufolge sind von 10 000 (?)

I Astrachaner Fischern, die einen Tag vor dem Zyklon nutz- ! gelaufen waren, wie durch ein Wunder 800 wieder gelandet. Das Schicksal der übrigen ist unbekannt, j Tie Zahl der auf der Atschnjewsker Landzunge Er­trunkenen ist mit 3200 sestgestellt.

3 n Senebig ereignete sich eine große

S ch i s f s k a I a st r o p h e, bei der 50 bis 60 Perso- ] n en zugrunde gegangen sind. Ein kommunales Damps- ! 80 Personen an Bord stieß mst einem italie-

. mschen Torpedoboot zusammen. Der Zusammenstoß war ungemein heftig. Das Dampfbvot wurde glatt durckychnilten und saiik sofort. Sämtliche in der Kaiüte ! befindlichen Passagiere gerieten unter Wasser.

HanveSstkaWmer Gietze»

(Schluß.)

! b) Fahrplanänderungen auf der ! Strecke G i e ß e n F u l d a. Das Eroßh. Mini­sterium der Finanzen, 'Abteilung für Finanzwirtschaft j m ?o (£t|enoal)ntDe[en, yat der Kammer mitgeteilt, dah 1 mit Rücksicht aus die von ihr vorgebrachten Bedenken ' von der geplanten Verlegung des Eilzuges 227 auf den Vormittag abgesehen worden ist, daß dagegen für die Neueinlegung eines Vormittagseilzuges nach Ansicht der > König!. Eisenoahndirektion Frankfurt a. M. «in allge- ! meines und dringendes Bedürfnis nicht gegeben fei. *

Dieselbe Ministerialabteilung hatte der Kammer wei- I ! ter mitgeteilt, daß dte Kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt ! a. M. beabsichtige, um den Eilzügen 227 und 228 i

i mehr den Charakter eines Eilzutzes zu geben, die An- ! <

schlüsse in Fulda sicher zu stellen und einen Anschluß in '

! Gießen an den Zug D 28 nach Bad-Nauheim. Bad - l

j Homburg, Wiesbaden und Frankfurt a. M. herzustellen '

! eine Einschränkung der Aufenthalte vorzunehmen. Dem- i

|| nach sollten vom l. Mai 1914 ab bei dem Eilzuge227 j!

j (ab Gießen 2,16 nachm.) die Halte in Zell-Romrod i

Renzendorf und Großenlüder und bei dem Eilzug 228 t

! (ab Fulda 2.33 nachm.) die Halte in Großenlüdeii Wal- t

I lenrod, Renzendorf, Zell-Romrod und Ehringshausen ! (Hessen) sortsallen. Diese vorgesehene FährplanändenMg | war nun Gegenstand einer sehr eingehenden Besprechung,

| wobei sich ergab, daß in diesem' Falle die' Interessen Gießens und der an der Strecke gelegenen Orte, insbe­sondere aber diejenigen von Alsfeld und Lauterbach fick, | diametral gegenüberstehen. Angesichts dieser widerstrei- ! s tenden Interessen hat die Handelskammer von einer eige- f s neii Stellungnahme abgesehen und die entgegengesetzte» , Standpunkte und die hierfür geltend gemachten Gründe iij in objektiver Darstellung zur Kenntnis der maßgebenden t j Stellen gebracht. I ^

c) Von Seiten mehrerer Mitglieder wurde Klage * i ( darüber geführt, daß in den auf der Strecke Gießen^- » > Fulda bezw. FuldaGießen verkehrenden Perfonenzü- JJ

\ gen (ab Gieße» 5.52 nachm, und ab Fulda 2.31 n.) -

| insofern unhaltbare Zustände bestehen, als niemals für , J, eine genügende Anzahl Wagenabteile 3. Klaffe gesorgt i ist. Die Folge davon ist, daß stets ein Teil der Reisen- ,| - den 3. Klasse in der 2. Klasse Platz nehmen muß, was , zu mannigfachen Unzuträglichkeiten geführt hat. Die l Kammer wird diese Klagen zum Gegenstand einer Etn-

| Gesahr gewesen die Kopfrose zu bekommen, und wir 5) I selbst hätten Dir deshalb die Haare abgeschnitten. d.

Du trägst zu Hause ein Käppchen die Gesellen to werden darüber nicht lachen und in einer Woche ist i tr alles wieder gut." I ft

Aber die Kerle, der lange Nonnemann und der ft Malesizkammerjäger und der verdammte Struuzel, denen tz muß ich's doch stecken." g,

Tue das nicht, lieber Mann!* Was willst Du ur

ihnen anhaben? Sie werden Dich nur auslachen, wenn [ ti sie sehen, daß Du Dich ärgerst. Aber verkehren würde I«! ich nicht mehr mit ihnen." I g«

Verkehren? Wie, verkehren? Merken kaffen will fii ich mir nichts, aber ehe ich einen von der Bagage wie- Vi der ansehe, eher lasse ich mich noch einmal scheren." Ich Nachdem der verschwiegene Hausarzt, den Frau ft,

Häseke in ihr Geheimnis gezogen, vor allen Gesellen gar laut und lange über die Gesährtichkeit der Kopsrose ge- »o sprachen und endlich gegangen war, sagte sich Frau- »» seke:So, das wäre eingefädelt. Was nicht die Kinder flti heutzutage alles in der Schule lernen? Der Demoft- henes muh aber doch ein sehr gescheiter Mann gewesen ift sein. [ Jri(

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(Schluß.,