Ausgabe 
21.3.1914
 
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gäbe an die Kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. machen.

d) Die Handelskammer hatte im Interesse der be­teiligten Kreise die Durchsührung der Züge der Solms- bachlalbahn lGraevcnwicsbrch-Älbshausen-Wetzlar) bis Gießen bczw. die Herstellung guter Anschlüsse zwischen den Zügen der Solmsbachtalbahn und denjenigen der Strecke Gießen-Wetzlar beantragt. Daraufhin bat die Kgl. Eisenbayndireklion Frankfurt a. M. angcoidnet. daß vom 1. Mai d. Js. ab die Personenzüge -4705 (Usingen ab 8.06, Wetzlar an 10.07 Vorm.) und 4706 (Wetzlar ab 1.32, Usingen an 3.10 Nacknn.) zwischen Wetz'ar und Erichen täglich verkehren werden. Weiter er­hält der Personenzug 4707 (Eraevenwiesbach ab 11.48, Wetzlar an 12.54 Nacknn.) in Wetzlar Anschluß an den Schnellzug D 1.23 nach Eichen. Fm übrigen soll ge­prüft werden, wie weit die Herstellung der Anschlüsse zwischen den Zügen der Solmsbachtalbahn und denjeni­gen der Strecke ErichenWetzlar verbessert werden kann.

e) Verpackung von Stückgütern beim Eisen bah n vcrsand. Eine Anfrage der König!. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. betr. Verpackung kleinerer Stückgüter zu gröheren Einheiten bat der Kam­mer Veranlassung glgeben, nackr Anhörung der beteilig­ten Kreise in einer Eingabe an die Kgl. Eisen'rahndirck- tion Frankfurt a. M. darzulegcn, dah eine übermäßig strenge Handbabung der bierüber bestehenden Vorscknis- ten eine erhebliche Erschwerung der Erpedition und auch eine Verteuerung dieser Güter mit sich bringen mühte.

s) Annahme von Stückgut a nr Güter- b a h n h o s Eichen. Nach den in § 1 Absatz 8, Teil 2 der allgem. Adfertigungsvorschristen niederaeleg- ten Beslimmunaen kann seitens der Eisenbahnvcrwaltnna verlangt werden, dah bei Ablieferung von Stückgütern dtc Annabmc der einzelnen Stückgüter mit den zugeböri- acn Frachtbriefen übergeben werden. Von der Veckehrs- insoeklion Eicken war nun die strenge Durchführung dieser Vorschriften angeordnet worden. Gleichzeitig war den Versendern bedeutet morden, dah eine Abstellung der Sendunaen in den Güterschuppen nicht mehr gehus­tet werden könne. Die Durchführung dieser Anordnun­gen stich in in der Praiis auf grohe Schwierigkeiten und führte schliehlicb zu lebhaften Klagen der beteiligten Kreise, welche in einer Einaabe an die Handelskammer zum Ausdruck gelanglenk Diese sab sich deshalb ver nnlahl, bei der Effenbyhndirektion Frankfurt a. M. vor- stellio zu werden. Die Angelegenheit ist alsdann den Vorschläoen der Handelskammer entsprechend zur Zu- sriedenbcit der beteiligten Krcilc erledigt worden.

g) A u s n a b in e t a r i f für Sendungen nach Spanien. Der im Eisenbahnverkehr mit Schweden und Norwegen über Nandrup und Sahnitz Trällebora bestehende deutsch-schwediscki-norwegisckic Ver- bandsllütcrtaris, welcher mit ermähigten Frachtsätzen rech­net. enthält u. a. auch einen Ansnahmetaris 4 für Eisen und Stadl. Zu diesem Tarif aebören auch gußeiserne ,Radiatoren. welche von der Abteilung Lollar der BrU derus'schen Eisenwerke Wetzlar hergestellt und nach Nor­wegen und Schweden ansaesührt werden. Nun ist ober die Station Lollar in diesen Ausnahmetarif nicht mit

einbezogen. Das Werk Lollar ist daher genötigt, zwecks , Anwendung des ermähigten Tarifes seine Sendungen von Lollar mit Umkartierung in Giegen abzurichtcn, wodurch naturgemäh nicht unerhebliche Kosten entstehend Die Kammer hat deshalb bei der Kgl. Eisenbahndirek­tion Frankfurt a. M. die Aufnahme der Station Lollar in den genannten Ausnahmetaris beantragt.

5. Von unterrichteter Seite liegen der Kammer noch Mitteilungen vor über:

a) Zweifelhafte Firmen im Ausland (Argentinien, Belgien, Eanada, Frankreich, Griechenland, Großbritan- nien, Niederlande, Oesterreich-Ungarn, Spanien, Tür­kei).

b) Wirtschaftliche Lage in Portugiesisch-Ostasrika.

.c) Anknüpfung von Geschäftsverbindungen in Ca-

nada.

Näheres hierüber erfahren Interessenten auf dem Sekretariat der Handelskammer.

gelcdäilliedes.

:: Je öfter j e lieber. Wir bedürfen bei unseren Speisen viel mehr Abwechselung als bei unseren Getränken. Die meisten glauben, nur Bier, Wein oder Kaffee könne man täglich trinken, ohne mit der Zeit einen Widerwillen davor zu bekommen. Sie fassen | schließlich das Vorürtcil, dah man alles andere früher oder späterüber" bekommt. Das ist aber ein Irrtum! Der gesunde Kathreiners Malzkaffee ist ein Familicngc- Iränk, welches seit über 25 Jahren täglich von Millio­nen immer wieder und immer mit steigendem Genuß I getrunken wird. Weil er viel billiger ist als Kaffee, ha­ben manche ein Vorurteil gegen Kathreiners Malzkaffcc. Man bildet sich eben ein, etwas Billiges könne gar nicht out sein. Kathreiners Malzkaffee ist aber, billig und doch gut ! Wan gewöhnt sich leicht an ihn und gewinnt ihn jeden Tag lieber.

kirchliche Nachrichten.

Evangilische Grmcinde in Hiehrn.

Sonntag, den 22. März, Lätarc.

In der S t a d t k i r ch e.

Vorm. 9Yi Uhr: Pfarrer Schwabe.

Nachm. 2 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemernde.

Pfarrer Schwabe. Nachmittags 5 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Kon- sirmanden aus der Matthäusgemeinde.

Mittwoch, den 25. März, abends 6 Uhr: 5. Paf- sionsandacht. Pfarrer Schwabe.

Nächstkünftigen Sonntag, den 29. Marz, findet im Hauptgoitesdienst die Konfirmation der Kinder aus der Matthäusgemeinde und in Verbindung damit die Feier des hl. Abendmahls statt. Die Beichte dazu wird am Samstag, den 28. März, nachmittags 2 Uhr, gehalten werden.

Moftere Abendmahlsfeicrn finden in der Stadtkirche statt: am Gründonnerstag, abends 6 Uhr, und am Kar­freitag im Hauptgottesdienst.

In der Johanneskirche.

Vorm. 9Y t Uhr: Pfarrer Ausfeld.

Vorm. 11 Uhr: Kindcrkirche für die Johannesgemeinde.

... . Pfarrer Ausfeld.

Abends 6 Ht)r: Pfarmssistent Hoffman».

Abends VA Uhr: Vereinigung der konfirmierten weib­lichen Jugend der Lukasgcmeinde.

Abenos 8 Uhr: Versammlung und Bibelbcsprcchunq im Johannessaal.

Freitag, den 27. Mürz, abends ^ 6 Uhr: Vereinig­ung der konfirmierten weiblichen Jugend der Johannes- gcmeinde.

Abendmalilsfeiern sinden in der Johanneskirche stall: am Palmsonntag im Abendqottesdicnsl. am Grün­donnerstag, abends 7.45 Uhr, und am Karfreitag im Hauptgotlesdienft.

Hatholischr Grmeindr in Gießen.

Samstag, den 21. März.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gele- genheit zur hl. Beicht.

Sonntag, den 22. März.

4. Fasten-Sonntag.

Vorm. 6% Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.

Vorm. 7 Uhr: Die erste hl. Messe.

Vorm. 8 Uhr: Austeilung der hl. Konimunion.

Vorm. 11 Uhr: Hl. Messe mit Predigt.

Vorm. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.

Vorm. 11 Uhr: Heilige Messe mit Predigt.

Nacbm. 5 x /i Uhr:' Christenlehre; darauf Passions ° An­dacht.

Dienstag und Freitag, abends um 6 Y Uhr ist Fa- stenandacht.

Gottesdien st in der Diaspora In E r ü n b e r g um 9% Uhr.

In Hungen um 9% Uhr.

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Zur Geschichte der Bewegungsspiele.

Von Dozenten Julius Hausmann-Prag.

Es ist keine leichte Aufgabe, eine Geschichte der Ju­gendspiele zusainmcnzustellen, da zwar genug Ouellcn über die Sitten und Gebräuche, Waffen und Kunster- zeugnisse, Kriege und Sagen und dergleichen vorhanden «sind, jene aber über Jugcndspielc recht spärlich stießen. Die ersten Versuche einer solchen Geschichte machten aus der Reihe der deutschen Schriftsteller G. U. A. Vieth in seiner Enzyklopädie der Leibesübungen, erschienen in 3 Bänden 17941818, und Dr. Friedrich Ratzel in sei­ner Völkerkunde. Die llaisischen Historiker des Altertums, Flavius Pyiloftratus, Lucian, Galenus, Pindar- usw. brachten nur gelegentliche und zumeist aphorristischc Be­merkungen über Jugendspiele; weitaus günstiger da­gegen steht es mit der Kunde üvcr die großen Festspiele, sowie über die körperliche Erziehung überhaupt.

Aegypten.

In den Grabkanrmern Aegyptens fand man bei den Mumien auch Spielsachen, die daraus schließen lassen, daß bei den alten Aegpplern Juqendspiele gebräuchlich waren. Bestärkt werden wir in dieser Ansicht durch die erhaltenen Wandzeichnungen und die Hieroglyphenschrist, sodaß wir sogar sagen können, welcher Art diese Spiele in den U'u'tcn waren. So ist in der Gräbergrotte zu Beni-Hasjau eine Gruppe von vier Ballspielerinnen ab­gebildet, von denen drei Jonglcrkünste mit ie 3 Bäl'en und die vierte nur ein einfaches Ballauffangen vorfüh- ren. Im Londoner sowie im Bcr'incr Museum sind solche Bälle aufbewahrt, deren Alter über 4000 Jahre geschätzt wird; sie sind ans Lederstücken verfertigt, die mit Kreutzftichen verbunden sind und mit Kleie oder Binsen ausgestopst wurden. Ihre Größe wechselt zwi scheu 7 und 3 Zentimeter im Durchmesser. Aus den Grä­bern von Memphis sind uns glasierte, teilweise nach Art unserer Ostereier bemalte Tonkugeln erhalten. Das von unserer Instruktion für Turnen usw. vorgeschriebcnc und von den Knaben der unteren Mittelschulklassen gern geübte SpielRciterball" war auch bei der ägyptischen Jugend beliebt, was alte Abbildungen beweisen. In ähnlicher Art wie bei uns scheint das Reifenspiel be­trieben worden zu sein; nur war damit ein Kamps um den Reisen verbunden, der mit gekrümmten Stäben, et­wa wie beim Hockey durchgesübrt wurde. Georg Ebers beschreibt ihn in seinerAegyptischen Königstochter".

Von Glücksspielen waren die FormenMorra", Gerad oder Ungrad", Erraten, wieviel Einheiten die vorgreifcnde Hand soeben ersaßt habe, allseits bekannt; Würfel und Damenbreit wurden häufig gespielt. In eigener Weise wurde das SpielRate, wer dich geschla- genhat" ausgcsührt. Der den Blinden darstellende Spie­ler mutzte mit verbundenen Augen in die Brücke nie­derknien, nun abwechselnd von den anderen hinter und vor ihm knieenden Spielkameraden die Streiche auf sei­nen Rücken zu empfangen. Erst bis er den Schläger er­riet, durfte er sich erheben. Das von den heutigen Mäd­chen geübteStandlrichterkreisen" ist in altägyptischen Ab­bildungen ebenfalls dargestellt. Ferner das heute noch in einigen Gegenden bekannteFischerstechen", das je­doch- in Alt-Aesypten offenbar nur von den Sklaven zur Erheiterung ihrer Hcrrschast gespielt wurde; auch das Ttockfechten", bei dem der Unterarm durch eine Schiene geschützt wurde, war in jener Zeit nicht unbekannt.

Puppen aus Holz, Ton und Leder, mit beweg - lichen und unbeweglichen Gliedern, manche sogar ver­goldet, bildeten auch vor 4000 Jahren die Herzens - sreude der kleinen Mädchen, während die Buben ihr Sinnen und Denken lieber dem Pferd und der Peitsche, dem Kreisel oder dem den Rachen aus- und zuklappen­den Krokodil zuwendeten.

Griechenland.

Nur wenige bildliche Darstellungen, die sich zumeist aus Vasen besinden, desto mehr aber Sagen und poe­tische Schilderungen geben uns Kunde von den Jugend­spielen Griechenlands. Die alten Ercchen betrachteten die Pflege des Jugendspiclcs als etwas ganz selbstver­ständliches und hielten es daher für überflüssig, sie des Näheren zu beschreiben. Dem Neugeborenen brachten die Freunde des Hauses Kinderklappern und -raffeln und anderes Spielzeug als Geschenk mit. Eine rege In­dustrie versertigte Tonfiguren und Puppen in den ver­schiedensten Gestalten, vom Hasen und Frosch angefan­gen bis zu dem berühmten Feldherr» und seinen sieg - reichen Truppen. Bei Eintritt in die Ehe weihten die Mädchen ihr Spielzeug der Göttin Aphrodite, die Kna­ben dem Gotte Hermes. Hierüber sind poetische Wid­mungen auf uns gekommen. Kreisel, Reisen und kurzes Schwungseil. Stelzen und Ziehtau waren in verschiede­nen Anwendungen schon in den ältesten Zeiten bekannt. Eine besondere Art des Scilziehens war das Helkü- stinda: zwei Gegner standen Rücken gegen Rücken und

« zogen das Seil über eine auf einem mannshohen Pfahle befestigte Rolle.

Unsere Form, mit dem Nackengurt im Liegestütz, wurde evenfalls gespielt.Fingerhäkeln" und umgekehrt Jemanden von seinem eingenommenen Platz wegstem- men" war allbekannt. Der berühmte Athlet Milon soll hierin unbesiegt geblieben sein. Unser Huckkampf im Kreise, sowie die verschiedenen Formen desUeber den Strich ziehen" undStabkamps" sind demnach griechi­schen Ursprungs. Ebenso die SpieleBlinde Kuh" und Plumpsack". Letzteres hieß Schönphilinda, wenn die Spieler im Kreise saßen und der Plumpsack hinter einem von ihnen gelegt wurde.Fuchs aus dem Loch" wurde mit der Abänderung gespielt, daß der aus einem Beine hüpsende Fuchs irgend einen der frei herumlaufenden Mitspieler mit emobenem Fuße berühren mußte. Der klassische Fuchs war demnach derber, als unser moder­ner. Eigenartig und lustig zugleich war das bei fest­lichen Gelegenheiten gerne vorgesührte Schlauchhüpfen, bei dem der Spieler trachten mußte, sich aus einem mit Wein gefüllten oder mit Luft aufgeblasenen Schlauche, der gehörig eingeölt war, aus einem Fuße stehend oder hüpfend möglichst lange zu erhalten. Bei Mädchen und Frauen war besonders das Hüpfen mit wechselseitigem Änfersen beliebt, das Bibasis genannt wurde. Eine spartanische Jungfrau, die das tausendmal zuwege ge­bracht hatte, wurde poetisch verherrlicht. Das Fragen im Kreise nach unserer FormJakob, wo bist du?" hieß Eherne Fliege". DasRate, wer dich geschlagen hat" KollabismuS Es wurde aber in der Form gespielt, daß derBlinde" erraten mußte, ob er mit der linken oder rechten Hand des Schlägers Bekanntschaft gemacht habe; im ungünstigen Falle mußte er weitere Streiche erleiden. Eigenartig war das Topsspiel, genannt Chü- trinda: Ein Spieler trug sitzend einen Tops auf dem Kopfe und wurde von den andern, die ihn umschwärm- tcn. solange gehänselt, bis es ihm gelang, einen zu er­haschen. der dann sein Nachfolger werden mutzte. Das auf unseren Spielplätzen geübteTag und Nacht" oder Schwarz und weih" hieß Ostrakinda oder Scherbenspiel, weil hierbei ein zweifarbiger Tonscherben verwendet wurde. Das Emporschnellen beim Fuchsprellen wurde mit einem Tuch oder Mantel, ausgeführt. Das Werfen in die Weite, als Kernwurf nach einem bestimmten Ziele hatte eine hervorragende Geltung.

(Fortsetzung folgt.)