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Nr. 24
Telep hon: Nr. 382.
Sumstag. den 21. März 1914.
Telephon Nr. 362.
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Polttifcüe Rundfchau
Deutschland.
* Der Kaiser besuchte vorgestern vormittag den Großadmiral v. T i r p i tz, der seinen 65. Geburtstag feierte ik. Die Kaiserin traf nachmittags von Brauu- schweig in Berlin Heder ein. Der Kaiser empfing sie aus dem Bahnhose und geleilele sie nach dem schlösse. Die Rückreise noch Braunschweig erfolgte abends.
* Die Herzogin von Braunschwcig, des Kaisers Tochter, ist am 18. März früh um 5 Uhr von einem Pr, i uzen entbunden worden.
" Die Mocgenblätter melden, die Ernennung des preußischen Ministers des Innern v. Dallwitz zum Statthalter^ von Elsaß-Lothringen stehe bevor.
* Die hessische Regierung hat mit dem Scnioren- konvent der Zweiten Kammer über die Aenderung des Gesetzes belressend die Diäten sür A b g c o r d n e te beraten und sich dahin geeinigt, sür auswärts wohnende Abgeordnete die Diätensätze aus '15 Mk. und sür Uebcrnachlcn aus 5 Mark zu erhöhe». Bisher betrugen die Sätze 9 Mark und 3 Mark. Ferner, sollen in Zukunft auch die in Darmstadt wohnenden Abgeordneten, die seither aus keinerlei Eittschädigung Anspruch hatten, 10 Mark Diäten erhalten. Aus dieser Grundlage wird die Regierung voraussichtlich demnächst dem Landtage «ine Vorlage machen. — Der Gesetzgebungsausschuß der E r st e n Kammer hat den Antrag der Abgg. Schmitt und Genossen über die Zulassung d e r g e i st- l i ch e n Orden im Großherzogtum Hessen im wesentlichen nach den Beschlüssen der Zweiten Kammer an-! genommen.
* Rach einem Erlaß der bayerischen Regierung ist j die Lieferung von Petroleum, das von der Standard Oil Comp, herrührt, für alle bayerischen Staats - betriebe vollständig ausgeschlossen.
Ungarn.
* Im ungarischen Abgeordnetenhaus kam es bei der Nationalrtätendebatte zu einem scharfen A n g r i s s gegen den Dreibund. Der Abgeordnete und frühere Justizminisler Polonrsi hielt eine Rede, in der er dem Grasen Michael Karoly den Dan! der Opposition aussprach, weil dieser eine Aktion zur Bekämpfung der Dreibundpolitik eingeleitlt hat. Er verlas einen Artikel der „Norvoje Wremja", in dem ausgeführt wird, daß Rußland zu Ungarn in innigere Beziehungen zu treten wünsche. Die Oppositionspartei feierte den Redner durch laute Ovationen.
Schweden.
* Die neue Verteidigungsbioschüre, die in der letzten Zeit von Sven Hedin unter dem Titel „Die zweite Warnung" ausgcarbeitet wurde, wird in diesen Tagen in einer Million Eremplaren in ganz Schweden verteilt. Sven Hedin sieht in der bisherigen Neutralitätspolitik nach allen Seiten Gefahr und fordert zum Anschluß der schwedischen auswärtigen Politik a n die Mächte des Dreibundes, hauptsächlich a n
! Deutschland, auf.
Albanien.
* Das albanische Ministerium wurde folgendermaßen gebildet: Turkhan Pascha: Vorsitz und Aeußeres; Essad Pascha: Krieg und Finanzen; Fürst Bibdoda, Inneres und Post und Telegraphen: Aziz Pascha: Justiz und Kultus; Dr. Turtulli: Unterricht; Hassan Bei-Pristing: Ackerbau und Handel.
Montenegro.
* Der srühere montenegrinische Finanz - minister Drljevic tritt in einem offenen Schreiben sür die
, diplomatische, militärische und zollpolitische Union
! Montenegros mit Serbien ein. Drljevic er-
I klärt, daß die Unionsidee, die ini montenegrinischen Volke I bereits großen Anhang gesunden habe, nicht nur, die Frage des finanziellen Bestandes Montenegros, sondern auch des allserbischen Problems lösen werde.
Merlko.
* Die „Evening Sun" meldet aus M e r i k o, daß in Iojutla de Iuarez 119 Meuterer aus der Kaserne der Bundcstruppen aufs freie Feld geführt und erschossen worden sind. Die Masscneiekution dauerte nur eine halbe Stunde. Die Leute wurden in Abteilungen von | 12 Mann vor einen Sandhaufen geführt und erschos- I sen. Die Leichen wurden alsdann in ein genicinsaincs ! Grab geworfen.
Werden die Der. Staaten im Falle des Zustandekommens des Reicho-Detroleum-Wonopols Gegenmahregeln ergreifen.
Man schreibt uns:
Ständig mehren sich die Schwicrigleiten bei der Durchführung des Reichs-Petroleum-Monopols, so daß ! die Zahl seiner Freunde schon sehr klein geworden ist. j Da droht eine neue g^r o h c Gefahr aus Amerika in I Gestalt von Ausfuhr-Syndikaten. In den gesetzgebenden J Körperschaften der 33er. Staaten schweben anläßlich der ! Beratungen der Antitrust-Eesetze Erwägungen über ein I Gesetz, nach welchem es einzelnen Industriezweigen ge- I stattet sein soll, sich zu Preiskonventionen gegen das Ausland zusammenzuschließen, während die Trustbildung sür das Inland verboten bleiben soll. Als Bei- j spiel wird angeführt: amerikanische Gesellschaften beherrschten die Weltproduktion an Kupser zu 75 Prozent,
I die Rohölproduktion zu 65 Proz., sie hätten es also in , der Hand in diesen Produkten den Weltmarktpreis fest- ! zusetzen. Derartige Konventionen könnten also die Quelle
Nach antikem Master.
Humoreske von 3ldolf Thiele.
Nachdruck verboten.
Nun war sie allein mit ihren Gedanken.
Sie hatte ja im allgemeinen nicht über ihren Mann zu klagen; er verstand sein Fach; war häuslich freundlich und zusrieden.
Wenn er nur nicht manchmal, alle zwei bis drei Monate diesen Raptus bekommen hätte!
War er aber wieder einmal in diese abscheuliche Gesellschaft geraten, dann war es auf 8 Tage vorbei mit ihm, das wußte sie schon.
lieber ihre Schwelle wagte sich natürlich keiner von der Klique, aber wenn sie ihren Mann nur hätte verhindern können das Haus zu verlassen. Wenn es nur dafür ein Mittel gäbe!
Um sich ein wenig zu zerstreuen, schlug sie das Buch auf, in dem ihr Sohn gelesen. Es war ein Lehr - buch der griechischen Geschichte, ein Fach, sür das sich die Frau Meisterin nicht gerade interessierte, das aber immerhin angenehmer war als ihre gegenwärtigen Gedanken.
Sie hatte zufällig die Lebensbeschreibung des Demosthenes aufgeschlagen.
Etwas zerstreut las sie eine Weile, bis sie plötzlich sehr aufmerksam wurde.
Sie schien etwas unerwartetes gesunden zu haben, mehrmals las sie ein und dieselbe Stelle, und die Festigkeit, die sich endlich auf ihrem Antlitz ausprägte, deutele an, daß sie einen Entschluß gesaht hatte.
Die Geisterstunde war schon vorüber, als der Kor
rektor Nonnemann seine lange, in einen langen Rock gehüllte Gestalt erhob und mit seiner Grabesstimme sagte: „Nun ist es wohl an der Zeit, daß wir unfern Freund bestatten."
Der so Bezeichnete war kein anderer als Häseke. i Bereits dreimal war er unter den Tisch geglitten und jedesmal, nachdem man ihn aus dem Dunkel herausge- ! sischt, hatte er nach einem Glase Bier verlangt.
Jetzt saß er nun hübsch ruhig auf seinem Platz, rechts von seinem treuen Kriegskameraden Strunzel, links vom Auktionator gehalten.
Plötzlich bekam der letztere einen fürchterlichen Schluk-
ker.
„Dacht' ich's doch", sagte er, als er sich ein wenig erholt hatte. „Vorgestern trank ich ein halbes Glas Wasser. Das hat meinen Magen angegriffen, das verflirte Wajsertrinken."
Der Er-Kravattenfabrikant hatte sich schon längst entscrnt, da ihm seine geregelte Lebensweise nicht mehr als die gewohnten „Fünfzehn" erlaubte, auch der früh- aufftehende Gärtner war gleich einer Frühlingsblume verduftet.
Der Kammerjäger spielte mit einem Fläschchen Gift und malte dem darauf befindlichen Totentops mit Mostrich einen Schnurrbart, und der Korrektor hatte ein Zeitungspapier, in dem zuvor Käse cingewickelt gewesen, vor sich gelegt und es gewissenhaft korrigiert.
Endlich aber erhob er sich, und gab somit das Zeichen zum Aufbruch.
Häseke wurde durch einige drastische Mittel soweit ermuntert, daß er seine Zeche bezahlen konnte, und dann geleiteten Wirt und Kellner die Herren hinaus.
Leider konnten sie nicht verhindern, daß infolge einer
seltsamen Verkettung der Umstände und Beine die ganze Gesellschaft die drei Treppenstufen vor der Haustür hinunterpurzelte, und sich unter Bekannten, das heißt unter diesen liegend, wiederfand.
„O meine Bürger, welch' ein Fall war das!" zitterte der Korrektor, der zuerst seine lange Gestalt aus dem Knäuel hob. „Da sielet ihr und ich, wir alle sielen."
Häseke bewies nicht mehr Munterkeit als eine vier- zehntägige Wasserleiche, er wurde daher von den barmherzigen Brüdern aufgepackt und gleich einem Fracht - kolli seiner, zweifelsohne sehr erfreuten Gattin vors Haus getragen.
Man legte ihn jedoch nicht, wie weiland Siegsried, aus der Schwelle nieder, sondern -schloß vermittelst des Neunzölligen die Tür aus und plazierte den „sichtlich erheiterten" Mann im Hausflur, woraus die Feslgenossen nicht verfehlten, sich mit einer ungemeinen Behändigkeit aus dem Bannkreise der Frau Meisterin zu entsernen.
Frau Häsel'c hatte sich schon zur Ruhe begeben. Trotz der ohrenverhüllenden Nachtmütze hatte sic den Lärm vernommen, mit dem sich die Gesellschaft ihres Gatten in empsehlende Erinnerung brachte.
Mit einem Lichte in der Hand und einem ent - schlossenen Zuge auf dem Antlitz suchte sie den Meister. Sie sand ihn friedlich an der Wand sitzend.
Zuerst entwand sie ihm den NeuNzölligen, den ihm der ordnungsliebende Korrektor in die Hand gedrückt, und verschloß die Haustür. Dann holte sie einen Blasebalg und bließ ihrem Herrn Gemahl so lange ins Antlitz, bis er auswachte, und endlich gelang es ihr, den Vater des Hauses ins Bett zu bugsieren.
Jetzt allerdings hätte ihn keine Macht der Erde mehr zu erwecken vermocht.


