Ausgabe 
11.3.1914
 
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Verlag der ,»»ieffener-Zeitung " (8. m. b. H

JtC. 20 Telephon: Sir. 362.

Polinrebe Rundlcbau

Deutschland.

* Gelegentlich der Korsureise wird unser K a i - s e r bekanntlich dem Kaiser Franz Joseph in Bad Schönürunn eilten Besuch abstatten. Im Anschluß da­ran wird der Kaiser Gast der Familie des Herzogs von Lumberland in Penzig sein. Der Besuch, der schon vor längerer Zeit abgestattet werden sollte, aber imincr wieder ausoeschoben wurde, würde beweisen, daß auch zwischen dem alte» Herzog von Lumberland und dem deutschen Kaiserhause jetzt vollkommen sreundschast- liche Beziehungen hergestellt worden sind.

* In W-olsenbüttel fand soeben der l e tz 1 e P a r- t e i t a g der Braunschweiger Welsen partei statt. Justizrat v. D a ehme eröjsnete die Versammlung. Er bedauerte, daß gerade diejenigen Welsen aus Braun - schweig, die für das Recht gekämpft hätten, heute ab' seits vom Wege ständen, wahrend diejenigen, die srüher das angestammte Herrscherhaus bekämpsl hätten, sich heute als echte Vraunschwcigcr bekannten.

* Professor Dr. P a a s ch c, der l. Vizepräsident des Reichstags, tritt im Juni d. Js. mit dem neuen Hapag-DampserVaterland" eine zweite Ausreise nach New-?)ork an. Einer von dem amerikanischen Aus - tauschprosessor Dr. Whecler persönlich überbrachten Ein- laduirg folgend, wird er im August an der Universität San Franzisko eine Reihe von politischen und sozial - politischen Vorlesungen in deutscher Sprache halten. Vor­her will Dr. Paasche im Westen der Vereinigten Staa­ten wirtschaftliche und Rassesragen studieren.

* Universitäten, und Ausländer. In­folge der Pcschränkung der Zulassung der Ausländer an den Universitäten konnten in Berlin im Wintersemester 191344 keine neuen Jmma.rikvlationen von russischen Studenten stattsinden. Dieses gilt auch für das Som- Merlcmcster 1914.

* Z" dei^sür heute nachmittag 4 Uhr im Reichs- amt des Innern stattfindenden neuen Verhandlungen

Mittwoch, den 11. März 1914. re,eph°nm

26. JtU)ru.

zwischen Aerzten und Krankenkassen liegt eine | Vorlage des Reichsamtes des Innern als Beratungs - gegenständ vor, die zum Gegenstand die Errichtung eines . Zentralabßindungsamts" zur Abfertigung j j derarbeitswilligen Aerzte" (Rothelfer) hat. 3 i

England.

' Bei der Einbringung des M i l i t ä r e t a t s im englischen Unterhaus erklärte Kriegsminisler Seely: j Wir hatten außerhalb Englands 117 000 Mann völlig ! mobilisiert-, im Heimatlande selbst waren 121 000, so­wie 146 000 Reservisten sofort zum Dienst verwendbar. Im Falle einer Mobilisierung würden wir in sehr kurzer Zeit eine Erpeditionsmacht von 162 000 Mann haben, alles voll ausgerüstete Leute, Pserde, Geschütze und Munitidn. Im Falle einer plötzlichen Notlage in Friedenszeiten würden wir, allgemein gesprochen 50000 Mann aller Massengattungen in einigen Stunden bereit haben, um sie irgendwohin zu senden.

Spanien.

* SpanischeWahlen. Bisher sind gewählt: 199 Konservative, 95 Liberale, 21 sozialistisch-radikale Republikaner, 3 Unabhängige, 19 Regionalisten, 7 R'e- sornuRepublikaner, 4 Katholiken, 5 Anhänger Don Jai- mes. In 38 Wahlkreisen steht das Wahlergebnis noch aus. -Reue Wahlen finden in 9 Wahlkreisen statt, weil die betreffenden Kandidaten zweimal gewählt worden sind.

* Vorgestern früh begann der 24stündige General- Streik als Protest gegen die Schließung einiger Kran­kenhäuser in Rom. Straßenbahnen und Magen ver­kehren nicht. Die Läden im Zentrum der Stadt sind geschlossen.

tKrieclrenkand.

* Griechenland hat die weitere Räumung des Epi- f rus eingestellt, um die Anhänger der Unobhängigkeits- !

bewegung nicht zu Herren jener Gebiete werden zu las­sen.

Albanien.

' D e r a l b a n i s ch e M i n i ft c r p r ä s i d e nt. Der vorgestern in Wien aus Konstantinopel eingetroffene Bolschasler TUrlan Pascha wird sich bereits heute nach DUrazzo begeben, um die ihm vom Fürsten von Al Manien angebotene Ministcrpräsidcnlschaft zu über­nehmen.

Rußland.

* Die russische Regierung hat lautTag" sowohl in der Angelegenheit der deutschen Militärmission in Konstantinopel wie über die in der Duma gefallene Aeu- ßeruirg, Deutschland habe Rußland zur Erlangung eines günstigen Handelsvertrages politische Schwierigkeiten be­reitet, in Berlin hinreichende Erklärtmgen abgegeben. Die russischen Rüstungen bilden keinen Anlaß zur Ver­stimmung, das Rüstungshrogranrm ist den maßgeben­den Berliner Kreisen längst bekannt. Dagegen kann die deutsche Langmut gegenüber der fortdauernden gewissen­losen Verhetzuinsg der öffentlichen Meinung Rußlands geoen Deutschland plötzlich einmal ein Ende nehmen. Die Petersburger Regierung hat daher allen Anlaß, die Hetzpresse des Landes in die gebührenden Schranken zu- rüchzubMweifen.

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reüu-k.krsktiät und erfrisch* das Haar und die Kopf Kauf. FlascKe iu M 2 -

für mehrere Wodien ausreicheni

TeldTiarfcbail v. d. tioliz übir die Erziehung zur tUebiiücbiigKeii.

lieber die Frage, wie die Volkskraft und mit ihr die Wehrtüchtiakeit durch si)jtcmatische Jugendpslege ge­hoben werden kann, äußert sich Feldmarschall von der Goltz u. a. wie folgt:

Die Erziehung der Jugend zur Kriegstüchtigkeit ist .in besonders dringendes Gebot der Gegenwart, weil der moderne Krieg die höchsten Anforderungen an den einzelnen Soldaten stellt, und weil andererseits in Deutsch­land ein allmär.liges Sinken der Wehrsähigkcit konhla- tiert wird, dem man mit allen Kräften cntgegcnlreten muß. Nun wirken die allgemeinen Lcbenseinflüsse heute vielfach der kriegerischen Tüchtigkeit geradezu entgegen, und nur Uebung von friil; an kann diese Schäden wic- der gui machen. So wird z. B. die Marlchsähigkcit ourch die modernen Berkehrsverhältnissc zweifellos bc ünlrächtigt, da man Ijcutc längere Wege selten noch zu Fuß macht. Rach einem Ausspruch Napoleons aber .schlägi man den Feiird mit den Stieseln, nicht mit der Waffe": es muß daher schon in der Jugend das Ver­tändln? für die richtige Art des Gehens und Laufens uweckt werden.Richtiges Almen, Körperhaltung. Kräflc- chonung, Berücksichtigung von Wegen und Wetter, das lichten auf die Windseite, rechtzeitiges Lüsten von Kops- aedeckung und Anzug, Regelung des Tempos, je nach aen Umständen, müssen wohl überlegt sein". Auch das Zurechtsinden muß geübt werden.

Vom japanischen Heere wird berichtet, daß mäh­end des mandschurischen Krieges jeder gemeine Soldat mstande gewesen sei, seine Karte mit Sicherheit zu lesen.

Dies ist nur durch fortgesetzten Gebrauch der Karte im Gelände zu erreichen. Aus den Wanderungen wird die Jugend auch gleichsam spielend das Entfernungsschätzen lernen, das heute die Grundlage für den wirksamen Ge­brauch unserer Präzisionswasfen bildet. Der förmliche Unterricht, der in der Armee dafür erteilt wird, kann durch rechtzeitige Vorbereitung außerordentlich gefördert werden.Wichtig ist es, die Jugend zum Schrittmessen, zuM fortdauernden Abschätzen mit dem Auge an Häu­serfronten, Mauern, Gartenzäunen usw. anzushalten. Ebenso will das- Bestimmen der Himmelsgegend ohne Kompaß nach der Uhr, nach dem Sonnen- oder Mond­stand, nach dem Polarstern und anderen Merkzeichen ge­lernt sein.

Die Knaben müssen angehalten werden, die Um­gebung, durch die sie wandern, regelrecht zu beobachten, und die Beobachtungen richtig wieder zu geben. Außer­ordentlich erhöht werden kann die Sehkraft. Werden doch alljäiulich etwa 3000 junge Leute meist Schüler der höheren Lehranstalten nur wegen Kurzsichtigkeit vom Heeresdienst zurückgestellt, und so geht gerade der ge­bildete Teil des Ersatzes der Armee vielfach verloren. Für das Sehen bedeutet aber Uebung und Aufmerksam­keit unendlich viel.

Der Feldmarschall erinnert dabei an eine Erfahr- una, die er vor 30 Jahren machte, als er an die Spitze des türkischen Militärunterrichtswesens berufen wurde. Jl,nr fiel das äußerst schan'e Lehen der jungen Türken bei jeder Gelegenheit auf. Als aber dann ein deutscher Augenarzt die Sehschärfe der Leute genau untersuchte, kam er zu dem merkwürdigen Resultat, daß die Seh - schärfe der türkischen Militärschüler im ^Durchschnitt kei­neswegs größer war als die unserer Jugend, ^ie wa-

: ren im Sehen nur weit besser geübt. Deshalo istdas genaue Zielerkennen zu pflegen, das schnelle Abzählen | von Zielgruppen, das Hcrausfinden, der Flügel von im Gelände liegenden Linien von Kopfscheiben.

Die Uebung des Auges durch Zählen gleichartiger Gegenstände in immer größerer Entfernung wird in kurzem die Sehkraft merklich heben." Sodann muß das Gehör systematisch ausgebildet werden. In der japani­schen Armee, wo diese Hebungen schon seit langem be­trieben werden, lernt der Soldat durch das Ohr allein unterscheiden, ob ein im Dunkel, Vorübergehender, ddssen Schritte er vernimmt, in Waffen ist oder nicht, ob er eine Last trägt oder keine. Damit die Jugend aus ihren Beobachtungen richtige Schlüffe zieht, muß das Spuren­lesen betrieben werden, in dem der primitive Mensch dem Kulturmenschen so sehr überlegen ist. Die Pflege der Ausdauer und Abhärtung des Körpers darf natürlich ebensalls nicht vernachlässigt werden. Durch Erlernung einfacher Behelfarbeiten wird der Knabe auf den Sol- datenberuf wirksam vorbereitet.Dazu gehört das Kno- lenbindcn, das Herstellen von kleinen Flöße», eines primitiven Bootes, von Tragbahren usw. das Errichten von Ueoergängen aus Stäben, das Ueberwinden aller Arten von Hindernissen mit den einfachsten Mitteln, das Erbauen von Beobachtungswarten aus den bekannten Pfadfinderstäben."

Mack- die Anfangsgründe des Sanitätsdienstes uüd die praktischen Handgriffe beim Biwakieren kommen da­für i» Betracht. Solche Erziehung der Jugend zur We' rtüchtiokeit ist heule vielleicht die wichtigste nationale Aufgabe,, denn:Die Stärke eines jeden Volkes liegt in seiner Jugend, und für seine Größe und Sicherheit geschieht alles, was man für diese tut."