Ausgabe 
4.3.1914
 
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den 4 März 1914.

Telephon Sir. 363. 26. Jahr«.

Hölililcbe RuiuWcfoau

* Der Kaiser Hai sich nach Wilhelmshaven be­geben. Der Fürst von Fürstenberg begleitet ihn als Gast.

* Der Kaiser hat dem Ostdeutschen Iünglings- bunde zu den Kosten der inneren Ausstattung des im Bau besindlichcn Soldatenheims aus dem Truppen - Übungsplatz Döberitz ein Gnadengeschenk von 10 000 Mark überweisen lassen.

* Berlin. Die Zentrumssraktion hat im Reichs­tage eine Duell-Interpellation eingebracht..

* Berlin. Vor der vierten Strafkammer des Berliner Landgerichts 1 werden sich morgen am Don­nerstag die Redakteure derWelt am Montag", Alfred Scholz und Hans Leuß, wegen Beleidigung des Kronprinzen zu verantworten haben. Die Melt am Montag" brachte, so schreibt dieRat. Ztg.", im Januar einen Artikel mit der UebcrschrislWilhelm der Letzte". In diesem wurden die Telegramme des Kron­prinzen an den General von Deimling in Straßbmg und Oberst v. Rcirter in Zabern und weiter der Re­gimentsbefehl des Kronprinzen an das Hufarenregimcnt in Langfuhr stark kritisiert. Es wurde, u. a. gesagt, der Kronprinz sei der tüchtigste Agitator für die Republik. Der Verteidiger der beiden Angeklagten, Dr. Vornan, hat den Antrag gestellt, zur Verhandlung den Oberst v. Reuter, jetzt in Frankfurt a. Oder, als Zeugen zu laden.

' F ü r st W i l h e l m v o n A I b a n i c n hat an den Kaiser die Bitte gerichtet, deutsche Instruktions - Offiziere nach dem neuen Staate zu entsenden. Diesem Wunsche ist Kaiser Wilhelm nachgekommen, und eine Anzahl Offiziere wird jetzt beurlaubt werden, um als Lebrer in der zU bildenden albanischen Armee zu wirken.

* Offiziös wird gemeldet, dah der F ü r st von Albanien am Mittwoch von Klachau in Schlesien über Salzburg nach Triest reist, wo er Donnerstag früh «intrifft. Von dort begibt er sich nach Durazzo.

* Strahburg. Die juristische Fakultät der Kaiser Wilhelm-Universität hat dem Statthalter Gras v. Wedel den Doktortitel der Rechte und der

Staatgwissenschastcn verliehen. Am Samstag mittag überreichte im Statthalter-Palais eine Abordnung der Fakultät, bestehend aus den Herren Gehcimrat Erzellenz Laband, Prof. Dr. S. Schuttze und Prof. Dr. Kisch, das Doktor-Diplom.

* Reue Diskonioermäßigungen in Sicht? Die Möglichkeit einer weiteren Reichsbank - Diskonioermäßigung wurde an der Berliner Börse be­sprochen. In Hinsicht aus die letzte günstige Bilanz und die andauernd flüssige Verfassung des ofienen Geld - markles hält man es für nicht unwahrscheinlich, das; die Bank nunmehr auf 3% Prozent herabgeht.

* Englands große Sorge, die Home Rule-Frage wird wieder aufgcrollt. Die Irländer ruhen nicht eher, als bis sie eine eigene Verwaltung haben.

* Der geschäftsfühlende Ausschuß des Deut­schen Handwer-ks- und Gewerbekammer­lag s hatte sich in seiner letzten Tagung in Hannover mit den den Parlamenten vorliegenden Gesetzentwürfen zu befassen. Soweit der Gesetzentwurf, betr. Sonn­tagsruhe im Handelsgewcrbe, in Frage kommt, wird hauptsächlich dafür eingetrcten, dah die berechtigten Interessen der sog. Bedürsnisgewerbrn durch eine schematische Regelung nicht beeinträchtigt werden. Der geschäftsführende Ausschuh wird für eine entsprech­ende Abfassung des § 7 des Gesetzentwurfs eintreten. Hinsichtlich des Gesetzentwurfs, betr. Wanderla- ger und Hausiergewerbe, wünscht der ge- fchästssührende Ausschuß die Einbeziehung von Kleider­stoffen in die Vorschriften des § 56, wodurch diese Stoffe

| im Interesse des Publikums dem Hausierhandel cutzo- ! gen werden sollen. Anstelle der Eventualeinführung des !

Bedürfnisnachweises für Wanderlagerverkäufer wird die ! allgemeine Einführung eines derartigen Nachweises von Eesetzeswegen erwartet. Zu dem Gesetzentwurf, betr. - Abänderung des preußischen KommU- ! nalabgabegesetzes erachtet der Ausschuß eine j ! gleichzeitige Revision des preußischen Gewerbesteudr-Ge - j ' setzes für notwendig, um der wirtschaftlichen Entwickel- i

ung Rechnung zu tragen. Ebenso wird eine Revision ! des Marenhaussteuergesetzes erwartet. Es wird ferner ! der Wunsch nach Ausdehnung der Forcnsalfilialsteuer j auf die Filialen orlsangesässener Bclriebsunternehmer i vertreten. Weiter eine Abänderung des § ll des Kom- | munalalUabegesetzes hinsichtlich der Bemessung der j Schlacht!,-osgebührcn. Endlich wird die präzise Begriffs­bestimmung des Grundstücks und seiner Bestandteile als des Ltcuerobjckts verlangt. Hinsichtlich der Vor­bereitung der Handelsverträge beschloß der geschäftsführende Ausschuß trotz der Erklärung des Staatssekretärs des Innern im Reichstag, wonach eine ! grundlegende Revision der Zollpolitik des deutschen Rei- ' ches und seiner Handelsverträge nicht zu erwarten sein sollte, die von ihm bereits in die Wage geleiteten Er­hebungen und Vorarbeiten zwecks Vertretung der Zoll- intereffen des Handwerks bei dem Abschluß neuer Han­delsverträge sortzusetzen und zum Abschluß zu bringen, um im gegebenen Mchnent gerüstet zu sein. Des | weiteren beschloß der Ausschuß den bereits früher ge- | faßten Beschluß nunmehr in die Tat umzusetzen und bei ! den zuständigen Stellen zu beantragen, daß ein Teil j der Rücklagen d e r Berufsgenossenschaf- ! t e n sür die Bereitstellung von Geldmitteln für das I Handwerk verwendet werden kann. Ein weiterer Teil ! der Beratungen betraf die Vorbereitung des Kammer - tages zu Mannheim, der in diesem Jahre in den Tagen vom 27.29. Juli stattsindcn soll. Auf dieser ! Vollversammlung des Kammerlagcs werden u. a. be­raten werden die Frage der gewcrbercchtlichcn Behand­lung der weiblichen Handwerker, die Frage der Ein- j führung einheitlicher Meisterprüfungen für das Buch - ' druckerhandweik, die Frage der Errichtung von Hand - j Werksämtern, bezw. Rechtsauskunftsstellen.

Rrl-gardciterMnr in w-

Das Königliche Ooerbergamt in Dortmund hat so­eben die Lohnstatistik für das ganze Kalenderjahr 19Ü3 veröffentlicht. Der durchschnittliche Schicht- lohn der Gesamtbelegschaft stellte sich im Jahre 1913 auf 5,36 Mark (gegen 5,03 Mk. im Jahre 1912), der

vom Volkslied.

In Nr. 21 des Organs derGesellschaft sür Ver­breitung von Volksbildung" ist ein Aufsatz enthalten über das Volkslied. Es sei hier in seinem Hauptge­danken wiedergegeben:

In unseren Tagen erwacht wieder die Wertschätz ungvolkstümlicher Werte", die Luft amguten Alten", die Freude am Einfachen, Gediegenen, Bodenständigen. Dazu gehört auch die Erweckung des Volksliedes. Im deutschen Gemüt ruht ja hauptsächlich unseres Vol­kes Stärke. Peter Rosegger, der doch die Seele des Volkes und die Röte der Zeit kennt, wie nicht gleich ein zweiter, sagt:Wer dem deutschen Volke das Volkslied, das entschwindende, wiedergibt, gibt ihm seine Seele wieder." Wir wollen uns nicht dem Wahne hingeben, daß das Volkslied je wieder die früher gehabte Lebens­kraft erhalten wird. Aber vielleicht gibt? doch noch auch in unseren Tagen Wohn- und Pslcgcstätten für das deutsche Volkslied. Laßt uns danach Umschau halten. In erster Linie ist die Familie als Hüterin des Volksliedes benfien. Dem Volkslied nützen nicht viel Worte, es muh gesungen werden. Dazu eignet sich nicinand besser, als die d e u l s ch e M u t t e r. Aus dcnr Haufe die giftigen EintagsfliegenPuppchen, du bist nicin Augenstern" u. a. ! Halte Dämmerstündchen! Sammle dein kleines Volk um dich, erzähle:Es war einmal" oder singe:Es wohnt ein Markgraf an dem

Rhein". Den Jahreslauf muß das Elternhaus mit seinem Singen und Sagen begleiten. Welch reizende Liedchen weiß eine rechte Mutter im richtigen Augen - blick anzustimmcn. Was kann nun die Schule tun, um das Volkslied lebenskräftiger zu machen ? Das wählend der Schule gepflegte Volkslied klingt nicht in de? erwarteten Weise weiter. Es ist tief beschämend, daß die Deutschen nicht iinstaude sind, ein gemeinsames Lied ohne Tertvordruck singen zu können. Von Vers zu Vers werden es weniger Sänger, und oft nimmt der Sang ein »nrülnnliches Ende, das man gewöhnlich durch Lachen zu beschönigen sucht.

Was ist da zu tun? Biete oder wiederhole das neue Volkslied, wenn der Schüler und die Schülerin in der richtigen Stimmung ist, es seelisch einzufangen. Gönnt den Kindern jeden Tag Gelegenheit, im gut gelüfteten Zimmer wiederholt zu singen. Alachen wir der Jugend die Volkslieder zu Erlebnissen. Wenn die Kinder z. B. wirklich mal dieGoldene Abendsonne" gesungen haben, als sie auf ihrer Wanderungstaunend vor ihr gestanden", dann wird der Zauber eines solchen Liedes auch nach der Schulzeit wirken. Mau sei nicht überängstlich und engherzig und verschandle keine Lieder. Davon ist noch kein jugendliches Herz verdorben, daß es von Liebe und Mai, vom Kuß und Schätzelcin herz­haft milgesungen hat. Mit dem Singen in der F o r 1- b i l d u n g s s ch u l e entsprach ich einem gefühlten Bc- dürsnis, sodaß einige Liedgaben zur lieben Gewohnheit sür Lehrer und Schüler geworden sind. Weiter seien

! die Gesangvereine als Förderer der Volkslieder erwähnt. Sie haben nicht alle ihre Pflicht getan. Einen Teil der VireinsfingftUnden müßte man damit verbrin­gen, Volksliedperlen aneinanderzureihen. Dringe darauf, daß diese Lieder von den Sängern auswendig gelernt und auch artswendig gesungen werden bei Ausflügen und Sängerfahrten, nicht als Vorträge vor einem bloß zuhörenden PublikuNr, sondern für die Sänger selbst zu ihrer eigenen Erbauring und Erlustigung. Daß diese eingeübten und auswendig gelerrcken Lieder nun aber auch in die häuslichen Kreise Angeführt werden als gute, wertvolle echt deutsche Hausmusik, das ist das höchste Ziel! Wenn ich ein recht reicher Mann wäre, würde ich jedem Deutschen ein gutes, reichhaltiges, hand­liches Liederbuch schenken. Gute Liedcrsamnrlungen müs­sen noch viel mehr Verbreitung finden. Möchten doch statt der Sammelbände mit Operctlenichlagern und Kom­positionen Tier Größen lieber Volksliederbücher mit derselben Ausdauer kolportiert werden. In die Ver­einsschränke, Versammlungsräume, auf die Klaviere der Gaststuben gehören Volksliedersaminluna.cn. Die Volks­liedsache muß wegen ihrer unermeßlichen Bedeutung sür deutsche Art und des deutschen Gemütes wegen zu einer ganz ernsten Angelegenheit unseres gesamten Volkes gemacht werden. Da gibt es volkstümliche Werte zu reiten, die später unwiederbring­lich verloren sein können. Darum singt die herrlichen deutschen Volkslieder!