Ausgabe 
28.2.1914
 
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17.

Lelcp hon: Sir. 303.

iamslaif, den 28 Feliiunr 1914.

r c I e p h o I, Sir. SSL

26.

Iahri!.

.Hngriffe aut milüärperfonen in Sirassburß.

Strasburg. Aus dem Heimwege zur Kaserne wurden 3 Unteroffiziere vom Infanterie-Regiment Sir. 126 von einer Gruppe dastehender mit den Worten: Ihr Saufchwoben !" beleidigt. Als ein Unteroffizier die Beleidiger zur Rede stellte, holten diese Hilfe aus einem naben Wirtshaus, 10 bis 12 junge Burschen, zunl Teil mit offenen Messen,, gingen gegen die drei Unteroffi­ziere vor, welche zur Abwehr blank zogen, wobei einer der Angreifer einen Hieb über das Gesicht erhielt. Bei dem Versuche, zwei der Burschen festzunehmen, erhielt ein Unteroffizier einen leichten Messerstich in den Hintcr- kops. Als sich die Unteroffiziere abwehrend nach ihrer Kaserne zurückzogen, war die Menge, die sie verfolgte, schließlich auf 10 bis 50 Köpfe angcwachsen. Die her- heigcnlsenc Polizei stellte mehrere Namen der Erzedcn- ten fest.

Strahburg. Von zuständiger Seite werden drei weitere Fälle von Angriffen aus Mililärpersouen mitgetcilt. Anr vergangenen Samstag abend wurde ein Unteroffizier des Feld-Artillerie-Regiments Nr, 51 von acht Zivilisten, die ihm folgten, in der Nähe des Metz- gerplatzcs auf das gemeinste beschimpft' und sodann zum Stchenblcibeu aufgesordcrt. Der Unteroffizier erklärte, sie sollten ihm vom Leibe bleiben, sonst mache er von seiner Waffe Gebrauch. Als trotzdem einer mit offenem Messer auf ihn losging, zog er den Säbel und schlug, noch bevor der Gegner zristechen konnte, ihn sc kräftig über den Kops, daß er blutend und schreiend, flüchtete. Seine Begleiter ergriffen gleichfalls die Flucht. An, Montag abend wurde ein Sanitätssoldat von vier Zi­vilisten ohne jede Veranlassung angegriffen und geschla­gen. An dem Abend hörte der Posten vor dem Stall- zclt auf dem Polygon aus einem Patrolliengang vor dem Zelt die Worte:Ich bringe den Posten heute Abend noch um." Auf seinen Haltruf erhielt er keine Antwort, wurde vielmehr von zwei Personen, die sich offenbar im Zelt aufgelmlten hatten, angesallen und ge­stoßen. Der Versuch, während dieses Angriffes das Ge­wehr zu laden, mißlang dem Posten, sodaß die An - greiser ungestraft entkamen.

Aus Grundi der letztgenannten Vorkommnisse ist nunmehr vom Gouverneur angeordnet worden, daß alle außerhalb der Stadt stehenden Posten von nun ab mit geladenem Gewehr dort zu stehen haben.

Die hessische üesoiaungtvorlage.

. D a r m st a d t, 27. Febr. Die beiden Kam - m e r n tagten heute vormittag, um über die Besoldungs­oorlage weiter zu beraten. In der ersten Kammer machte der Berichterstatter Fürst zu Psenburg-Birstein im Namen des Ausschusses den Vorschlag, die Dissense vorerst zurückzustellen bis zur Erledigung des Dijsenses bezüglich der Volksschullehrer. Hierzu machte der Aus­schuß in dem aufrichtigen Bestreben, einen Weg zu bah­nen und das Zustandekommen des Gesetzes endlich zu ermöglichen, den neuen Vorschlag, das Höchstgehalt der Volksschullehrer auf 3600 Mark festzusetzen und die An­rechnung für die Dienstwohnung von 400 auf 500 Mk. des pensicnsfähigen Gehalts zu erhöhen. Dafür soll die von der Zweiten Kammer ausgestellte neue Eehalts- staffel fortsallen. Die Zweite Kammer faßte über die­sen Vorschlag noch keinen Beschluß, da sich die Erste Kammer über die übrigen Dissense noch nicht geäußert habe, und vertagte sich aus Dienstag,

Die Erste Kammer trat heute abend 6.45 Uhr nochmals zu einer Sitzung zusammen, um die noch- rück­ständigen Beschlüsse des Finanzausschusses zur Besold­ungsvorlage zu erledigen. Nachdem der Vizepräsident Fürst zu Solms-Lich die Sitzung eröffnet hatte, der wie­derum die drei Minister und zahlreiche Regierungskom­missare beiwohnten, beschloß die Kammer nach einem kurzen Referat des Ausschuhrefcrenten, Geh. Kommer­zienrat Dr. Strecke r-Mainz, bezüglich der ersten Ge- setzes-Worlage zur Besoldungsresorm, dem Mantelgesetz, bei ihren früheren Beschlüssen zu beharren, wonach die Entnahme von etwaigen Zuschüssen zur Beamtenbesold­ung zunächst aus dem Restefonds 2 erfolgen soll. Auch über die Abänderungen des Besoldungsgesetzes und die BesoldUngsordnuUg referierte Dr. Strecker, Die Kam­mer nahm ohne Debatte sämtliche Beschlüsse des Aus­schusses, worin zumeist der Beitritt zu den Beschlüssen der Zweiten Karnmer erklärt wird, ohne Widerspruch an.

Nachdem auch der Gesetzentwurf über die Abänder­ung des Volksschullchrergesetzeo und des Gesetzes üvcr die Pensionierung der Volksschullehrer nach den Ausschußbeschlüsscn angenommen war, besürwortete der Ausschußreserent Fürst Ysenburq-Birslein noch die sclgende Resolution: Die Erste Kammer erklärt ausdrücklich, daß sic die Mehrzahl dieser Nachgaben nicht aus sachlichen Gründen macht, sondern vielmehr ledig­lich in der Hoffnung und der Voraussetzung einer Ver- ständiaung auch in der Lchrerbesoldungssragc, Die Erste Kaminer behält sich also für den Fall eines Scheitcrns der Bescldungsvorlagen bezw, der Regelung der Be­züge der Beamten und Lehrer für die Zeit vom 1. April IL'14 ab ihre Stellungnahme vor.

Nach einstimmiger Annahme dieses Antrages ver­tagte sich die Erste Kammer auf unbestimmte Zeit.

Nach einer längeren Pause folgte in der Vormit- 1 tagssitzung der Ersten Kammer die Beratung über den Antrag des Grafen Solms-Laubach wegen Einführung der B e st e u e r U n g nach dem E r t r a g s w e r 1. Der Ausschußreserent Gras Stolberg-Roßla begründete den schon früher mitgeteilten Ausschußantrag, die Regierung um Vorlage eines Gesetzentwurfs über die Einführung des Ertragswerts zu ersuchen, Finanzminister Dr. Braun erklärte, daß die Regierung dem Antrag zui- stimme und Frhr. von H e y l zu Herrnsheim ' legte dann in längeren Ausführungen seine zuftimmenden An­schauungen über den Ertragswert näher dar. Gewerbe­rat F a l ck empfahl der Regierung die Eingabe des Lan­desverbandes der hessischen Hausbesitzervereine zur Be­rücksichtigung, worauf Staatsrat Dr. Becker nähere Ausführungen über die Stellung der Regierung machte.

Nach weiterer Debatte würde der Antrag einstim­mig angenommen,

Politifcbe Rundfcbiu

Deutschland.

* Der Kaiser sandte der Witwe des verstorbe­nen, kürzlich znM Gouverneur von Metz ernannten Ge­neralleutnants v, Lindenau folgendes Telegramm: ZN dein .plötzlichen,, mich tiefbetrübenden Tode Ihres

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Das tröstliche Buch.

Im Neuen Wiener Tagblatt erzählt Sacha Guitry aus Paris nachfolgcirde Geschichte:

Sein« Hoheit war mutig, geistreich und gut.

Er lmlle seinen Mut bewiesen, als er an einem gewissen, sehr entsernten und sehr feuchten Orte eine Schlacht durchsührte.

An der Person seines ergebensten Dieners bewies Serenissimus seine Güte und seinen Geist.

* * *

Ungeachtet der Einwendungen seines Hofmarschalls sowie seiner Familie hatte Serenissimus seine Freund - schaft einem Baron zugewendet, dessen Adelstilel sehr jungen Datums und dessen Ehrlichkeit bestreitbar war, der sich aber durch eine charmante Unterhaltungsgabe aus zeichnete.

Gewiß hatte er nicht den Geist eines Voltaire und nicht die Weisheit des Psalmisten. Doch besah er Frei­heit der Allüren und eine Art der Sprache, welche von regierenden Häuptern, wie sich ja zeigt, offenbar nicht gering geschätzt wird.

Man sagte mir obzwar ich nicht mehr weiß, wer es nrir sagte, daß die Regierenden manchmal auch den Wunsch haben, ganz so wie andere Menschen be­handelt zu werden. Sicher war das bei Seriniffimus der Fall.

Häufig lieh Seine Hoheit seinen Freund, den Ba­ron, zur Nachtzeit holen, um sich ein wenig zu zerstreu­en und sich von den Regierungssorgen zu erholen. Der Baron, ebenso williger Gesellschafter als ergebener Die­ner, lief immer sofort herbei, und bei dem wunderba­ren Naturell, das er besah, schien seine Lustigkeit nie­mals gemacht. Im Besitz eines ausgezeichneten Tempe­raments, erzählte er Seiner Hoheit mit seiner immer mitteilsamen und doch respektuollcn Jovialität taufend spaßige und leichte Anekdoten, und Serenissimus zeigte immer ein besonderes Vergnügen, sie anzuhören. Wenn der Baron schon einmal gar keine neue Geschichte wußte, begann er zu imitieren. Denn er imitierte ganz ausge­zeichnet die Stimme des Ministerpräsidenten, den Gang eines Trunklenen, den Lärm eines vorbeiratternden Au­tos. Er ahmte auch ein Violoncell nach, indem er mit dem nassen Finger über eine Tür strich aber das kann jeder machen.

* * *

Indessen hatte der Baron ein Laster, ein abscheu­liches" das man nicht genug brandmarken konnte; er war ein Spieler.

Denn das ist gewiß eine der schrecklichsten Untugen­den auf der Welt, und zwar eine, die den Menschen am meisten absorbiert. Erzählt man nicht von einem Me­diziner, welcher von der Manie des Kartenspiels besessen war, was ihm passierte, als er einmal neben einem Kranken saß und ihm do« Puls hielt? Wie er ihm

da nämlich den Puls hielt und die Pulsschläge zählte, tat er es folgender Weise:

Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, stieben, acht, neun, zehn, Bub, Dam', König....

Eines Tages war also der Baron sehr verdrieß­lich, als Serenissimus ihn rufen ließ, damit er als treuer Narr den Herrn unterhalte. Der getreue Narr folgte dem Rufe selbstverständlich sofort, aber er sagte :

Heute abend fürchte ich, Eure Hoheit nicht zerstreuen zu können.

Was haben Sie denn, mein lieber Baron? fragte Serenissimus.

Hoheit, ich bin unsäglich traurig.

Traurig, Sie?

Ja, Hoheit.

Und warum?

Hoheit, ich habe gestern beim Spiel eine so große Summe verloren, dah mich jetzt schon alles verdrießt.

Nun, lassen Sie sich nicht entmutigen. Sie haben doch genug persönliche Ressourcen.

O, Hoheit, nichts kann mich mehr tröste..

Warum nicht gar. Da ist doch das Theater...

Das Theater langweilt mich.

Na, die... Liede?

Unterhalt mich auch nicht.

Sport?

Nicht hören kann ich mehr davon.