Ausgabe 
28.2.1914
 
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Gatten spreche ich Ihnen meine herzliche Teilnahme aus. Ich habe den Entschiajenen, den ich seit langen Jahren kenne, als Soldaten und Menschen hoch geschätzt und habe noch Großes von ihm erwartet. Sein Tod ^isl sür mich nnd die Armee ein herber Verlust. Gott sei Ihnen und den Ihrigen mit seinem Tröste nahe."

In der Fülle von Glückwunschkundgebungen, die dem Staatsminister a. D. Podbielski zu seinem 70. Geburtstag zugegangcn sind, besindet sich auch eine solche des deutsche» Kronprinzen, der in seiner Eigen ­schaft als Vorsitzender des Ausschusses für die olympi­schen Spiele zu Pferde an Herr» v. Podbielski drahtet:

Euer Erzellenz bitte ich, zum heutigen Tage meine wärmsten Glückwünsche enlgegennehmcn zn wollen. Es ist mir eine besondere Freude, unter Euer Erzellenz für die große gemeinsame Sache arbeiten zu können, und deshalb wünsche ich auch besonders herzlich, dah Euer Erzellenz sich noch viele Jahre der unverwüstlichen und aller vorbildlichen Frische und Tatkraft erfreuen mögen. Wilhelm, Kronprinz."

Der Reichskanzler hat solgende Depesche ge­schickt:

Herzliche Glückwünsche dem jugendfrischen Siebziger, dem schassenssreudigen und erfolgreichen Vor- kämpser sür die Stählung unserer Volkskrast. v. B e t h- mann Hollwe g."

* Zittau (Sachsen). Bei der Landtagsersatz - wähl im zweiten ländlichen Wahlkreise Groszschönau - Ebersbach erhielt Fabrikbesitzer Mar Rückert (natl.), der von der Fortschrittlichen Volkspartei unterstützt wurde, 10 221 Stimmen und der sozialdemokratische Kandidat Zwahr 6287 Stimmen. Rückert ist somit gewählt.

* Das Ende der Zabern-Kommis- s i o n. Die Kommission sür die Anträge betreffend die Abgrenzung der Militär- und Zivilgewalt, die sogen. Zabern-Kommission ist aufgelöst worden, nachdem die von der Fortschrittlichen Volkspartei gestellten grundle­genden Anträge, wonach das Militär erst auf Ersuchen der Zivilgewalt eingreisen darf, a b g e l e h n t worden waren.

" Heftige Zusammenstöße zwischen dem neuen Unlcrjlaatssekretär Freiherrn von Stein und Mit- gliedern des elsaß-lothringischen Landtages ereigneten sich in der Zweiten Kammer zu Straßburg. Bei der Beratung des Etats der Wafferbauvcrwaltung kam die Rede auf die Verunreinigung der III in Stratzburg durch die weltbekannte Lederfabrik Adler und Oppen­heimer. Während der Fortschrittler Georg Wolf und der Zentrumsabgeordnele Martz lebhaft für die Firma ein­traten, kritisierte der sozialdemokratische Abgeordnete Imbs die in der Fabrik herrschenden Mitzstände. Im Verlaufe der Debatte rügte der Abg. Wolf das Verhalten der früheren Regierung, deren Handlungsweise er als schi­kanös bczeichnete. Scharf und entschieden sprach Frei­herr von Stein sür die vorige Regierung, wobei er die Redewendung gebrauchte, daß sich der Äbg. Wols durch Beschimpfung der alten Regierung das Wohlwollen der neuen gewinnen wolle, eine Aeuherung, die allseitig peinliches Aufsehen hervorries. Der Abg. Wolf verbat sich in entschiedenein Tone eine solche Einmischung in die Redefreiheit der Mgeordneten. Als der Unterftaats- sekretär scharf erwiderte, stellte sich der Abgeordnete Martz im Namen seiner Partei auf die Seite Wolfs. Die Kritik, die Wolf geübt habe sei scharf, aber durch, aus gerecht gewesen. Der Zwischenfall, der im Par­lament großes Aufsehen erregt, wird hier lebhaft kom­mentiert.

* Wie derD. T.-Ztg." aus Stratzburg gemel­det wird, sind sür die von der Stadt Zabcrn nicht ge­wünschte neue Garnisonicrung des 09. Infanterie-Re­giments von sechs elsäfsischen Städten Bitten uni Zuteilung der Garnison an die Militärbehörde ein- gelansen.

* In Stratzburg soll auf Anregung des ellah - lothringischen Reichs- und Landtagsabgcordneten Hauh die Gründung einer Liga zur Verteidig-

u »-: Elsaß Lothringens stattsinden, der die

Abgeordneten aller Parteien beitreten. Auch Sie übrige Bürgerschaft kann ausgenommen werden. Die Liga be­zweckt, so heiß! es, einen schützenden Schirm über El- sah-Lolyringen zu breiten und den Widersachern, auch innerhalb des Parlaments, energisch enlgegcnzmreten. i Aus jeden Fall sollen alle salschen Gerüchte, die über Elsaß-Lothringen verbreitet werden, vor den Strafrich­ter gebracht werden. Vor allem richtet sich die Liga ge­gen tendenziöse Entstellungen im einzelnen, seiner na- j türlich auch gegen Lügen, die lediglich dazu erfunden sind, das Ansehen Elsaß-Lothringens und seiner Be­wohner in den Augen der Altdeutschen Mitglieder her- abzuwürdigem

Rußland.

* In P e l e r s b u r g sinden gegenwärtig ge- : Heime Sitzungen des Oberkriegsrates unter dem Vor- ! sitze des Kriegsministers statt. Der Zweck der Sitzungen joll eine sofortige V e r st ä r k u n g der Festungen und Garnisonen Rußlands an der Westgrenze gegen Deutsch- j taub und Oesterreich sein. In den Sitzungen wurde er­klärt, daß Deutschland in der letzten Zeit namhafte Ver- j stärkungen gn der russischen Ostseegrenze vorgenommen j habe, demgegenüber eine sofortige Verstärkung der russi­schen Wehrmacht dringend geboten erscheine. Davon,

: daß an der russischen Grenze von Deutschland besondere Vorkehrungen und Verstärkringen getroffen seien, ist hier, abgesehen von den Konsequenzen der Wehrvorlage, nichts j bekannt.

S!«id! üf.d Casd.

):( Wetzlar. Bürgermeister von Zengen hat s aus Gesundheitsrücksichten seine Pensionierung beantragt.

Die Stadtverordneten haben beschlossen, die Stelle aus- ' zuschreiben.

n Gieße n. In der Stadt geht das Gerücht her- [ um, daß es Neuwahlen für die Stadtverordneten- ! Versammlung geben wird. Man ist auf die nächste Ver- i sammlung des Kreisausschusses, welcher darüber noch einmal entscheiden soll, gespannt.

n Gießen, 27. Febr. Gestern Abend fand im ! Hotel Eroßherzog die 55. Generalversammlung der hie- ! sigen Gewerbebank statt. Seit mehr denn zehn ! Jahren waren noch nie so viel Mitglieder erschienen wie ! dieses Mal. Die Leitung hatte der langjährige Vorsitz­ende des Aufsichtsrats, Weißbindermeislei L. P e t r i 2.

| Der stellvertretende Direktor Möser gab den Geschäfts- ! bericht. Die Bank zählt jetzt 1614 Mitglieder und ge- ! nießt allseitiges Vertrauen. Das abgelaufene Geschäfis- i jaljr kann als ein gutes bezeichnet werden. Während j andere Banken zurzeit der Finanzhochkonjunktur hohe ! Zinsen für Darlehen forderten, hat die Eewerbebank Gießen sich ganz im genossenschaftlichen Sinne betätigt und Gelder zu niedrigerem Zinsfuß hergegeben. Der j Reingewinn ist darum auch nicht so hoch ausgefallen. 6)4 Prozent Dividende können trotzdem an die Mitglie­der verteilt werden. An Stelle des verstorbenen Direk­tor Loos wurde e i n st i m m i g das bisherige Auf- : sichtsratsmitglied Rechtsanwalt Arnold gewählt. Die j sahuntzsgemäß aüs scheidenden ' Aufsilchtsratsmitglieder Eichenauer, Herbert, Kattrein und Kom- i merzienrat Noll verbleiben durch fast einstimmige Wir- | derwaihl in ihren Ehrenämtern, sür den erkrankten Geh. j Iusiizrat Dr. Gutfleisch, der eine Wiederwahl ab­lehnte, wurde Weitzbindermeister Ehr. Schmidt 2. und für Rechtsanwalt Arnold, für dessen noch nicht ab­gelaufene Amtsdauer Bauunternehmer W i n n gewählt. Der neue Direktor daickle am Schluß der Versammlung sür die auf ihn gefallene Wahl und er hoffe, seine Dienst« lange der Bank widmen zu können.

n G i e h e n. Die von der Firma Abermann und ! Kling hier erbaute neue Kaserne sür die Maschinen- ' gewehr-Abteilung ist jetzt im Rohbau vollendet.

n Gießen. Am 31. März lf. Is. sinden die Wahlen zum Ausschuß der Allgemeinen Ortskrankenkasse ; für die Stadt Gießen statt. Durch die Reichsversicher - j ungsordnuNg ist sür die Krankenkassenwahlen die Ver­hältniswahl vorgesehen und dadurch allen Organisatio­nen die Möcüich'eit geboten, sich nn! Erfolg an den

Wahlen zu beteiligen. Getrennt von den esozialdenio - traten geben Vertreter hiesiger Vereine und Verbände ; eine Liste heraus. Da auch die hiesigen Frauenvercine 1 in demAusschuß für die Krankenkassenwahlen" vertre- j ten sind, wird die aufzustellendc Liste zu einein Drittel ! aus weiblichen Versicherten bestehen. Außer den Frau- ; envereincn sind in dem Ausschuß vertreten: Evangeii- j scher Arbeiterverein, Katyol. Eesellenverein, Liberaler j Arbeiter- und Asigeslclltenverein, Straßenvahncrverein,

, Werkmeistervcrein, Anwaltsbureaubeamtenvcrein. Kaufni.

Verein, Kalb. Kausmännischer Verein, die Ortsgruppe > des Leipziger Verbandes der Kaufleute und die Orts- ; gruppe des Deutschnationalen Handlungsgehilsen-Ver- bandes.

* Gießen. Der Bauer'sche Gesangverein begeht

I die Feier seines goldenen Jubiläums in folgender Weife: Sonntag, den 8. März, vormittags 11 Uhr, Gedenk­feier zu Ehren der verstorbenen Gründel und Mitglie­der des Vereins auf dem alten Friedhose. Nachmittags 4)4 Uhr: Festkonzert in der Neuen Aula der Universi­tät unter Mitwirkung von Frau Kammersängerin Anna Kämpfer! aus Frankfurt a. M., Frl. Ida Strack aus Gießen (Prolog), Herr Hahn aus Gießen (Klavier) und der Kapelle des Inf.-Ngts. Kaiser Wilhelm unter per­sönlicher Leitung von Herrn Obermusikmeister Löber - Gießen. Abends 8 Uhr ist Festtommers i» Steins Saalbau. Zu dem Kommers sind die Gietzener Gesang- vere ne und die Vorstände der übrigen Vereine einge­laden. Auch eine Anzahl befreundeter Gesangvereine aus Marburg, Bockenheim, Lich rc. werden an der Iubi- läiünsfcier teilnehmen. Montag, den 0. März vormit­tags, ist Frühschoppen mit Musik im Vereinslokal Frankfurter Hof". Samstag, den 14. März, abends 8 Uiir: Feftball in! der Turiiihallr. Sonntug, den 15. März: Ausflug nach der Liebigshöhe. Die einzelnen Ausschüsse haben fleißig gearbeitet und verbürgen die Vorbereitungen einen schönen Verlauf des Festes. Es werden im Festkonzert folgende Männerchöre gesungen: Die Allmacht" von Lachner,Reiters Morgenlied" von Pütz,Lützows wilde Jagd" von E. M. v. Weber, O Frühlingszeit, o Lieb und Leid" von Polster,Bei der Mühle" von Grim,Brautfahrt in Hardanger" von Kjerulf undDer Barde Lenz" vonAttenhofer. Frau Kämpfer! singt:Die Forelle" v. Schubert,Der Nrrh- baum" von Schumann,Vergebliches Ständchen" von I. Brabms,Der Schmied" von I. Brahms,Wiegenlied" von E. D'Albert,Freude soll in deinen Merken sein" von Schillings,Die wandelnde Glocke" von Mendels­sohn undFreundliche Vision" von R. Strauß.

o Friedberg. Am Morftog, den 23. März, vormittags 9 Uhr, beginnt an der Gr. Obstbau»- und landw. Winterschule zu Friedberg der diesjährige Baum­wärterkursus. Die Dauer desselben beträgt 8 Wochen und zwar 5 Wochen im Frühjahr, 1 Woche im Som­mer -ilnd 2 Wochen im Herbst. Teilnehmer, welche sich zu berufsmäßigen Baumwärtern ausbilden wollen und ein Alter von 18 Jahren haben, sind honorarfrei und können auf Antrag von den betreffenden Landwirtschafts­kammerausschüssen bis 60 Mark Zuschuß erhalten. Das Honorar für Private und Nichtheffen beträgt 20 Mark. Anmeldungen nimmt die Direktion obiger Anstalt ent- gegen.

o Schotten. Der hiesig« Zweigverein des Vo- gelsberger Höhenklubs hat beschlossen, arfftelle des so plötzlich verstorbenen Oberamtsrichters R. Rispel, den Lehrer Carl L i n ck von Rudingshain als ersten Vor­sitzenden des Eesamtvereins vorzufchlagen, da nach den Satzungen der Vorsitzende tunlichst im Zweigverein Schotten seinen Wohnsitz haben soll. Die Entscheidung wird auf der am 17. Mai in Lich statffindenden Hauptversammlung getroffen.

):( St e i ndorf b. Wetzlar, Bei Holzfällungs- arbeiten im hiesigen Gemeindewaid wurde der 42jähr. Landwirt Peter Heiland von einem niederstürzenden Baum erschlagen.

! Mainz. Eine zahlreiche Versammlung fand

ini Stadthaus unter dem Vorsitze von Geheimerat Best statt. Es handelte sich um dir Einleitung von Sanrm- lungeii in Stadt und Kreis Mainz für die Erricht-

Danii gibi's doch Bücher zn lesen.

Ich habe schon alle gelesen.

Glauben Sie das nicht, sagte Serenissimus. ^ Ich werde Ihnen morgen ein Buch schicken, welches Sie si­cher nicht kennen, und welches Ihnen, dessen bin ich gewiß, sehr geselle» wird.

Daran zweislc ich, Hoheit.

Ich sage Ihnen, es wird Ihnen gefallen. Fahren Sie nach Hause, schlafen Sie ruhig, und morgen wer­den Sie getröstet sein.

Am nächsten Morgen erhielt der Baron 300 000 Franken in einem wunderbar gebundenen Buche. Die Freude des Barons war, wie Sie sich denken können, wirklich groß. 300 000 Franken ! Er wird also seine Spielschuld zahlen können.. (Denn ich habe nicht ge-

l wagt, es sojort zu sagen: der Baron hatte im Eercle eine große Summe ausgeborgt.) Und wenn er sie nun ' zurückzahlte, blieb ihm noch so viel übrig, dah er wäh- j rend eines Jahres spielen könnte....

Mit einem Ruck zerriß er den schönen Einband und lies in den Klub ....

48 Stunden später hatte er die 300 000 Franken verloren ohne natürlich die Gelder, die er schuldete, zurückgezahlt haben.

Was wird also aus ihm werden?

Was wird er tun?

Folgendes tat er: Er schrieb einen Brief an Sere- ! niffimus, der lautete

Hoheit!

Ich habe das Buch erhalte», welches Eure Ho­heit die große Güte hatte, mir zu senden, und ich habe es auch gelesen. Was für ein schönes Buch, und wie recht halten Sic zu sagen, daß es mich trö­sten wird ! Geicöstet bin ich also, Hoheit- nur habe icki einen heftigen Wunsch: Ich möchte die Fortsetzung dieses so leidenschaftlich anregenden Buches kennen lernen....

* *

Als der Baron am nächsten Morgen erwachte, fand er ein ganz gleiches Buch von Serernffimus oor. wie­der 300 000 Franken. Aber auf dem Titel tyartc Sere­nissimus folgende Worte einprefle» laffen:

, 3 r»eitet und letzter Baud".

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