Ausgabe 
11.2.1914
 
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organisationen beschlossen wurde, droht zu einem Ge­neralstreik zu führen, der Norwegens Industrie auf das schwerste gefährden würde. Die Arbeiterorganisationen der nicht von der Aussperrung betroffenen Gewerbe zweige haben nämlich den Beschluß gefaßt, in einen Sympathiestreik einzulreten. Die norwegische Regierung bemüht sich jedoch, eine Einigung der Parteien herbei- zusühren, und es ist nicht ausgeschlossen, daß diese Be­strebungen von Erfolg sein werden. Immerhin ist die Lage sehr kritisch.

Türkei.

* General L i m a n hat seinen Reformplan für die türkische Armee sertiggestellt.

Amerika.

* Präsident Wilson hat zu einer dritten Frie­dens-Konferenz im Haag eingeladen.

rn$ 5 lüöt Urcü Easid.

* Dem Großh. Hess. Geheimen Oberfinanzrat Dr. R o h d e--Darmstadt wurde der Kronenorden 2. Klasse verliehen.

* Der Finanzausschuß der Hess. Zweiten Kammer machte in Gemeinschaft mit einigen Regier- ungsvertretern eine Besichtigungsreife, und zwar zunächst nach Mainz zur Besichtigung des Regrerungsge , des wegen der dott vorgeschlagenen baulichen Umänder­ungen, besuchte dann in Alzey die Landesheil-, und Psttzgeanftall und hierauf das Kreisamtsgebäude in Worms.

* Wegen der starken Verseuchung der Preußischen Provinzen Ost- und Weslprcußen hat das Großherzog- liche Ministerium des Innern die Quarantäne für sämt­liches aus den genannten ganzen Provinzen eingejführ- tes Klauenvieh (auch Schlachtvieh) angeordnet.

* Am 14. April findet in Darmsladt (Kaiser­saal) die V e h 1 r e t e r v e r s a m m l u n g des Hejf. Landeslehrervereins statt. Zu gleicher Zeit tagt dort die VersaRmlung des Vereins provisorisch angestelller Lehrer zur gegenseitigen Unterstützung in Krankheitsfäl­len. Auf der Tagesordnung stehen: Jahresbericht, Rech- nungsadlage, Voranschlag für 1915, Neuwahl eines Echriftsührers, Beratung und Beschlußfassung über ge­stellte Anträge.

SchicdSrichicrlichc Schlichtung

von Streitigkeiten in Industrie und Gewerbe.

Auf Veranlassung Großh. Zentralstelle für die Ge­werbe wird Herr Prof. Dr. K o l l m a n n in Darm- stadt am Freitag, den 13. Februar 1914, abends 6 Uhr, im Sitzungssaal genannter Behörde iw D a r m st a d t, Neckarstraße 3, einen einleitenden Vortrag hallen über: Bedeutung des schiedsrichterlichen Ver­fahrens für Gewerbe und Industrie. Zu diesem Vorträge sind alle Interessenten, insbesondere aber Gewerbetreibende freundlichsl eingeladen. Ueder das schiedsrichterliche Verfahren an sich gibt der am Kopfe der Gewerbeblalt-,Nummer 6 Ik I. stehende, von Herrn Prof. Dr. Kollmann verfaßte Aufsatz überSchiedsge­richte und gewerbliches Rechtsleben" näheren Aufschluß. Anschließend an den Vortrag wird eine Besprechung des Vortragsgegenstandes beabsichtigt. Im weiteren wird eine Mittcilmrg darüber erfolgen, welche weiteren Schritte einzuleiten wären, um innerhalb des Landesgewerbe - Vereins das schiedsrichterliche Verfahren zn organisieren. Zu dessen Durchführung bedarf es geeigneter und rechts­kundiger Schiedsrichter, die dem Eewerbestand anzuge­hören haben. Um diese zu gewinnen, wird es erforder­lich fein, von Herrn Prof. Dr. Ko'lmann an einzelnen größeren Orten Aüshildungsi'urse abhalten zu lassen. Näheres hierüber wird am Vortragsabend bekannt ge­geben. Eine zahlreiche Beteiligung von Gewerbetreiben­den an dem Vorträge und an der hieran sich anschließ­enden Besprechung kann nur erwünscht sein. Der Beginn des Vortrages wurde auf 6 Uhr abends festgesetzt, um auch auswärtigen Interessenten die Beteiligung an dem Vortrage zu ermöglichen.

Bczirtsvcrband siir Volksbildung im östlichen Vogetsbcrg.

Im großen Schulsaale der Dürerschule Hochwald­hausen versammelten sich am 7. Februar Vertreter aus verschiedenen oberhessischen Gemeinden, um zu beraten, wie man am besten vorgehen solle, um den Bedürfnis­sen der Vogelsberger Landbevölkerung nach geistiger Fortbildung zu genügen. Der Geschäftsführer des R'yein- Mainifchen Verbandes für Volksbildung, Herr C. Volk aus Frankfurt a. M., hielt einen interessanten Bortrag über Erfolge und Mißerfolge in der st ä d t i s ch e n Volksbildungsarbcit. Er stellte die Frage, ob die dort gemachten Versuche auch auf dem Lande unternommen werden sollten, oder ob das Land die möglichst unbe­rührt zu lassende und höchstens in ihrer körperlichen Be­schaffenheit verbesserungsnotwendige nationale Kraft - quelle bleiben solle. Das lebhafte Bedürfnis der Vo- xelsberger Landbevölkcrnng nach geistiger Anregung wurde einwandsfrei »achgewicsen durcki den Hinweis mehrerer Eemeindeverlreter auf die in Gedern, Herb- ftein und in der Dürerfchule Hochwaldhausen veranstal­teten, gelungenen und stark besuchten Volksbildungs­abende. Die Versammlung konstituierte sich zu einem Komitee, das in den einzelnen Gemeinden werben und möglichst gemeinsame Veranstaltungen treffen wird. Zum Vorsitzenden wurde Direktor Neuendorff, Hochwaldhau- haufeu gewählt. Der Ort der gemeinschaftlichen Veran-

staltmrgen wird wechseln. Zunächst ist für den 3. Sonn­tag im März ein Vogelsberger Heimatstag in Herb - stein vorgesehen, wobei u. a. Lichtbildervorführungen über den Vogelsberg erfolgen werden.

-hk- Die Frage des Lehrlingswesens in j weivlichen Handwerksbetrieben wird in den oer- ! schiedenen Kammerbczirken des Deutschen Reiches zurzeit noch nicht einheitlich gehandhabt. Hierdurch entstehen öfters Schwierigkeiten, die besonders dann zu unlieb - samen Auseinandersetzungen führen, wenn beispielsweise die Dauer der Lehrzeit, die Höchstzahl der Lehrlinge, die Beschäftigung von nur zum ebenen Gebrauch lern­enden Mädchen, in den einzelnen Kammerbezirken ver­schiedenartig festgelegt ist. Die Durchführung der Vor­schriften, die eine Gesundung der Verhältnisse in weib­lichen Handwerkszweigen bringen und vor allem die ordnungsmäßige Heranbildung eines leistungsfähigen Nachwuchses gewährleisten soll, wird durch die ver­schiedenartige Regelung einzelner grundlegender Fragen ganz erheblich erschwert. Hierzu kommen noch die Kla­gen des reellen Gewerbes über das Ueberhandnehmen sogenannter Unterrichtsanstalten, die in vielen Fällen gar nicht in der Lage sind, eine ordnungsmäßige Aus­bildung zu gewährleisten. Auch wird immer wieder sei­tens der Vereinigungen erwerbstätiger Frauen nach- drücklichst der weitere Ausbau bereits bestehender Vor­schriften gefordert. Die Interessenvertretung des Hand­werks konnte ych daher dieser Unstimmigkeit und den berechtigten Forderungen nicht länger verschließen' und hat das weibliche Lehrlingswesen zur Beratung auf die Tagesordnung der Sitzung der Kommission für Ge­werberecht des Deutschen Handwerks- und Gewerbekam- mertags im November v. Js. gesetzt. Dort wurde be­schlossen, eine Spezialkommission aus den Kammern Darmstadt, Berlin und Hamburg zu bilden, die das gesamte Material sichten und Vorschläge zur einheitlichen Regelung der einzelnen Fragen des weiblichen Lehr­lingswesens stellen soll. Die mit dem Vorsitz betraute Handwerkskammer zu Darmstadt hat nunmehr eine ein­gehende Abhandlung darüber gefertigt und zu den grund- ledenden Punkten einheitliche Vorschläge ausgestellt, die den beiden anderen Kammern zur Stellungnahme über­wiesen wurden. Demnächst tritt diese Spezialkommifsion zu einer Beratung der einzelnen Anträge zusammen: die Kommission für Gewerberecht übernimmt alsdann die Weiterbsarbeitung und Vorbereitung für den dies­jährigen Handwerks- Und Gewerbekammertag.

n G i e ß e n, 9. Febr. Der älteste Mann in O b e r h e s s e n, Rentner Johannes G i l l e r, hier, feierte am SaMstag seinen 99. Geburtstag. Zahlreiche Glückwünsche aus nah und fern gingen dem Geburts­tagskinds zu. Der Mufikverein brachte ihm ein Stünd­chen. Der alte Herr erfrent sich bester körperlicher und geistiger Rüstigkeit.

-n- Gießen, 11. Febr. Der Kriegerver- e i n hielt gestern Abend in seinem Vereinslokal eine Monatsversammlung ab, die recht gut besucht war. Ne­ben einigen wichtigen Mitteilungen des 1. Vorsitzenden Staatsanwalts T r ü m p e r t hielt Oberpostjschaffner M o h r einen Vortrag über seine Erlebnisse als Afrika- krieger bei der deutschen Schutztruppc in den Jahren 19048. Was man dan hörte, fesselte allgemein, so daß der Wunsch an den Vortragenden gerichtet wurde, er möge recht bald Weiteres den Kameraden berichten.

o Lich. Am letzten Samstag, den 7. Fehruvr, erfolgte zu Schloß Arnsburg die Verlobung der Gräfin Luitgarde zu Solms-Laubach mit denr Staatssekretär des Auswärtigen Herrn von I a g o w in Berlin.

o Bad-Nauheim. Die Winterkurzeit hat recht rege eingesetzt: infolgedessen sind die Privathäufer und Hospize gut besucht. Das neue Militärkurhaus bietet nunmehr Raum für 70 Gäste. Gegenwärtig weilen mei­stens Südafrikaner zur Erholung dort.

):( Frankfurt a. M., 8. Febr. (Hoher Besuch bei den Eirkus Carree-Festspielen.) Die Cirkus Carree- Festspiele, die am Samstag und Sonntag in vier Vor­stellungen jedesmal autzverkaustes Haus hatten, hatten am Samstag abend hohen Besuch. Der Prinz Heinrich der Niederlande wohnte inkognito (nur die Leitung der Festspiele wußte davon) der Vorstellung bei. Er folgte mit gespannter Aufmerksamkeit dem vierfachen Cirkutz - Programm mit seinen 80 Programmnummern, ließ sich in der Pause von Hernr Direktor Carree den Marstall, der bekanntlich als der schönste und edelste der Welt gilt, zeigen und sprach vor allem von den Pserdedressuren Direktor Carrees in Worten ehrlichster Bewunderung. Besonders hatte ihm und seinem Gefolge die Dressur - szcncPferd und Ballerina", sowie das imposante Ta­bleau der 50 Steigerpferde gefallen. Nachdem er bis zum Schluß, bis zu dem atemraubenden Todessprung des Artisten Gadhin aus der sechsten Etage und zu dem Bravouiakt des Negers, der sichzum Vergnügen" mit dem Automobil überfahren läßt, geblieben war, verließ der Prinzregent unerkannt den.Cirkus der Fünfzehn­tausend". Er war übrigens nicht die einzige Fürstlichkeit, auf die die Cirkus Carree-Festfpiele ihre Anziehungs - kraft ausgeübt hat. Von den Logen aus sah noch die Prinzessin Karl von Hessen mit ihren 5 Söhnen, die sich köstlich über die tollen Streiche und Witze der Clowns amüsierten, sowie die Fürstin von Schaumburg-Lippe, die zur Vorstellung von Darmstadl herüber gekommen waren, dem buntwechselnden Bild der Manege zU. Auch sie wurden nur von wenigen unter den vielen Tausen­den, die die Festhalle füllten, erkannt.

):( Frankfurt a. M. Während der frühere

Oberbürgermeister Dr. A d i ck e s große Länder­eien im Bereiche Großfranksuris für die Stadt er­warb, diese Grundstücke aber größtenteils unverwertet liegen ließ, hat die jetzige Stadtverwaltung ein« andere Politik eingefchlagcn. Sie bietet jetzt sämtliche nur ir­gend entbehrliche Grundstücke, die sie in allen Teilen der Stadt besitzt, zum Verkauf aus. Die Zahlungsbe­dingungen sind außerordentlich günstig. Der Stad? er­wachsen durch diese Veräußerungen doppelte Vorteile. Einmal werden die sonst brach und zinslos daliegenden Ländereien kapitalisier! und damit nutzbringend gemacht, zum andern aber verschwinden zahllose unbebaute Ecken, die dem Stadtbild schon seit Jahren nicht gerade zur Ehre gereichen.

! Aus d c ni R h e i n g a u. In den Vordergrund des Interesses ist abermals ein Projekt gerückt, das für ein großes Gebiet von großer wirtschaftlicher Bedeutung ist. Es handelt sich um den projektierten Bahnbau Nie­dernhausen LangenschwalhachLorch in Verbindung mit der neuen Rheinbrücke RüdesheimBingen. Es

batte sich zur Förderung dieses Planes ein Komitee mit dem Sitz in Langensckiwalbach gebildet. Nunmehr sind diesbezügliche Unterlagen und Pläne dem Eisenbahn­minister vorgelegt worden.

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Verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

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