Ausgabe 
24.1.1914
 
Einzelbild herunterladen

* Die 21. Kommission des Reichstages bestimmte »ach Ablehnung des nationallioeralen Antrages, der den Anschluß des Kolonialgerichtshoscs an das Reichsgericht in Leipzig forderte, mit 14 gegen 7 Stimmen die Stadt Hamburg als Sitz des Kolonialgerichtshoses.

* Z.ur Ergänzung der deutschen Militärmission sollen noch 20 deutsche Offiziere in Konstantinopel ein-- treffen. General von Weber wurde aufgesordert, einen Plan zur Befestigung der Stadt D i m o t i k a im Kreise Adrianopel auszuarbeiten. Auch Adrianopel selber, so­wie Kirkilisse und andere Plätze an der bulgarischen Grenze werden neue und starke Befestigungen erhalten. Die leitenden Offiziere der deutschen Mission befinden sich bekanntlich z. Z. in den türkischen Grenzstädten, um die Vorarbeiten zu dieser Befestigung zu erledigen.

' Gelegentlich der letzten M i n i st e r k o n s e r e n z, die dek Statthalter von Elsatz-Lothringen Gras von We­del einberusen hatte, teilte dieser das Ergebnis seiner Berliner Reise mit. Demnach ist mit dem Rücktritt der leitenden Personen in der elsässischen Re­gierung erst nach Abwickelung aller mit dem Fall Za- bern zusammenhängenden Angelegenheiten, etwa Ende des Frühjahrs, zu' rechnen/ Rur Unterstaatssekretär Köhler wird im Amte verbleiben, alle anderen Stel­len werden neu besetzt werden.

* Berlin, 21. Jan. Oberbürgermeister Wer- mnth erklärte beim gestrigen Empsang einer Abordnung von Arbeitslosen, es sei in Aussicht genommen, für 9 M i l l i o n e n M a r k B a u a r b e i t e n, die später ausgeführt werden sollten, schon in der nächsten Zeit in Angriff zu nehmen. Es werde streng daraus gehal­ten, datz alle Arbeiten, welche die Stadt zu vergeben habe, von Berliner Arbeitern und Handwerkern autzge- sührt würden.

* Unter der Leitung des Geh. Oberregierungsrats Dr. von Seefeld vom preUffischen Ministerium für Han­del und Gewerbe wird in diesem Herbst in Hannover ein internationaler Mittelstandskongretz abgehalten wer­den. Das ist der vierte der internationalen Kongress«, die alle drei Jahre von dem Internationalen Verband zUm Studium der Verhältnisse des Mittelstandes ein­berusen werden.

* Die diesjährige Generalversammlung des Bun­des der Landwirte wird am 16. Februar in Berlin abgehalten werden und zwar soll die Versammlung, wie in einer engeren Vorstandssitzung beschlossen wrstde, in den grotzen Räumen des Vergnügungspalastes Odeon in der Potsdamerstratze stattfinden, nachdem sich der Zirkus Busch für den Massenandrang der Landwirte als zu klein erwiesen hat.

* Der Reichstagsabgeordnete v. Liebert hat das Mandat für den Wahlkreis Bvrna-Pegaü nie­dergelegt.

* Reumark (Westpreutzen). Bei der durch den Tod des ReichÄagsabheolüdneten Zürn (Reichspartei) im Wahlkreise Marienwerder 2 notwendig gewordenen Reichstagsersahwahl erhielten Landrat v. Brünneck-Ro- senberg (Reichsp.) 11 334, Gutsbesitzer Rasjkowski-Krze- niniewo (Pole) 8146 Stimmen. Zersplittert waren 28 Stimmen, v. Brünneck ist somit gewählt.

' Die deutsche Reichsbank hat den Pri- vatdiskont von 5 aus A/ Prozent und den Lombard - Zinssatz von 6 aus 5^ Prozent herabgesetzt.

* Generaloberst v. Lindequist, der nach dem Tode des Generals von Spitz die Leitung der deutschen Kriegervereine übernahm, hat sein Amt als Vorsitzender n i e d e r g el e g t. ZuM Nachsokger ist der General der Infanterie v. Ploetz, der mehrere Jahre das 8. Armeekorps hesehligt bat, bestimmt worden.

Albanien.

* Prinz Wilhelm zu Wied hat die Kabi­nette verständigt, datz er nach Besuchen in Wien und Rom in den ersten Tagen des Februar in Al­banien zU landen gedenkt.

* Die Staatsbank für Albanien, an der zuerst nur Oesterreich-Ungarn und Italien beteiligt wer­den sollten, wird internationalisiert werden.

Rrichr-Zigarettenmonopol.

Umfangreichen Haussuchungen bei 23 Dresdener Zigarettenfabriken durch die Gerichtsbehörden sind aus Veranlassung der Reichsregierung erfolgt. Sie bilden die Einleitung zu einer gesetzgeberischen Mtion, die aus ein Reich szigaretten-Monopol hinausläust. Schon Bismarck hatte den Gedanken gehabt, den Tabak zu monopolisieren, er ist indessen damit nicht durchgc- drungen. Die neuere Entwickelung in der deutschen Zi­garettenindustrie, die in Dresden ihren Mittelpunkt hat, hat dazu geführt, den Gedanken wieder auszunehmen.

Es wird sich ergeben, datz der Trust es verstanden hat, Einsdutz aus Firmen zu gewinnen, die man bisher für trustsrei vielt. Wie sehr er im Vordringen begriffen ist, geht darautz hervor, datz allein die Firma Georg A. Jasmatzi A.-E., die die Hauptvertrcterin des Trusts in Deutschland ist, im letzten Jahre 500 Millionen Ziga­retten mehr sabriziert hat als 1912. Die Regierung wird daraus den Schluß ziehen, datz hier eine große Gefahr für die deutsche Zigarettenindustrie und für Deutschland vorltegt, insofern, als eine auswärtige Ee- schäftsmacht einen Staat im Staate bildet, indem sie geheime Verbindungen schließt. Die Regierung wird da­raus schließen, datz es am besten sei, die deutsche Zi­garettenindustrie zu monopolisieren.

üus Stadt und Land.

* Der Finanzausschuß der hessischen Zwei­ten Kammer beriet über den hessischen Staat»« Voranschlag. Der Vorsitzende, Abg. Dr. Osann gab eine ausführliche Darstellung über die allgemeine finanzpolitische Lage, die günstig und erfreulich sei. Das beruhe hauptsächlich auch aus den Einnahmen der Steu­ern. Bei Kapitel 12, Steuern, wurde zuträchst mitge­teilt, daß die Erhöhung der Einnahmen nahezu eine Million Mark betrage. Diese Steigerung gegen frühere Jahre sei hauptsächlich aus dte Deklaration bei den Ge­meindesteuern zurückzufphren. Für Strafen bei den Steu­ern infolge der Deklaration und des Generalpardons wurden 50 000 Mark weniger als fiüher eingesetzt. Bei Artikel 18, Verwaltungsgerichtshof, wurde die Stellung eines neuen Vorstehers mit 4600 Mk. genehmigt. Bei den allgemeinen Kosten für Vertretung und Aushilfe im Ministerium des Innern wurden 4500 Mark gestrichen. Die weiteren Kapitel bis zu 60 wurden ohne wesent - liche Debatte angenommen.

* Abg. Dr. Werner- Gießen hat sich im Reichs­tag über das Wolf fische Telegraph« n--Bu- r e a Ukritisch" geäußert. Zur Abwehr veröffentlicht nun das Bureau folgende Erklärung:Der Abg. Wer­ner-Gießen hat im Reichstag Behauptungen über Wolffs Telegraphisches Bureau" aufgestellt, die sich aus die Bildung eines Ringes mit ausländi­schen Agenturen zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung sowie auf eine Bevorzugung des Bankhauses S. Bleichröder bei der Mitteilung der Depeschen des Bureaus beziehen. Alle derartigen Behauptungen sind vollständig aus der Luft gegriffen und haben auch nie­mals irgend eine tatsächliche Begründung gehabt."

* Der Bezirk Mainz des Landesverbandes Hass i a" der militärischen Vereine im Eroßherzog - tum Hessen hat beim Verbandspräsidium den Antrag gestellt, im Jahre 1915 aus Anlatz der 45jährigen Er- innerungsseier der Kriegsjahre 1870-71 in Mainz einen hessischen Veteranentag obzuhalten, zu dem alle Kriegsveteranen Einladung erhalten sollen.

* Die Betriebseinnahmen der preutzisch- hesstschen Staatseisenbahnen haben im Monat Dezember 1913 gegen den gleichen Monat des Vorjahres im Per­sonenverkehr 0,4 Millionen Mark gleich 0,67 Prozent mehr, im Güterverkehr 1,7 Millionen Mark gleich 1,25 Prozent weniger, insgesamt unter Berücksichtigung der Mehreinnahmen nutz sonstigen Quellen 0,04 Millionen gleich 0,02 Prozent mehr betragen.

n Gießen. Am Dienstag, den 27. Januär sind aus Anlatz des Geburtstages Sr. Majestät des Deut­schen Kaisers die Geschäftsräume des Eroßherzoglichen Hauptsteueramts geschlossen.

n Gießen. Der hiesige Krieger verein seiert heute abend in Steins Garten Kaisers Geburtstag und das 40jährige Bestehen des Vereins. Es ist ein abwechselungsvolles schönes Programm ausgestellt.

n Gießen. Am 8. März seiert der Bauer- sche Gesangverein sein 50jähriges Bestehen durch Festkonzert, Festball und anderen Festlichkeiten, wozu auch viele auswärtige Sänger kommen.

n Gießen. Der Obstbauverein für die Provinz Oberhessen hielt am 18. Januar in Gießen eine außer­ordentlich« H a U p t v e r s a m m l u n g ab. Da der bisherige erste Präsident, der frühere Krcisrat Schliep- hake-Friedberg, ins Ministerium nach Darmjtadt berufen wurde, muhte Neuwahl erfolgen. Aus Vorschlag wurde einstimmig Kreisrat Freiherr von Schenck-Friedberg zum ersten Präsidenten gewählt. Der zweite Präsident, Land­tag ^Abgeordneter Breidenbach-Dorheini, wollte wegen Ueberhäusung mit Arbeiten sein Amt niederlegen. Er behielt es aber auf dringenden Wunsch bts zur nächsten Ausschutzsitzung. Ein Redner schilderte dann die histo­rische Entwickelung der Zeitschrift des Verbandes. Re­gierungsrat Langerman n-Gietzen berichtete über VerliaudluNocn, die seitens der Landwirtsihaftskammer zwecks Gründung einer neuen Zeitschrift für Wein-, Obst- und Gartenbau gepflogen wurden. Die Versamm­

lung lehnte den Antrag der Landwirtschaftskammer ab und wünscht unbedingt Beibehaltung des Verbandsor- ganr des Verbandsvereins, das für die Mitglieder zweck­entsprechender und billiger sei, als «ine neue Zeitschrift werden würde.

o Vilbel. Von dem Erlös, den die Gemeind« einst durch den Verkauf des Rutzlandsgeländes in Höhe von 1 086 000 Mark erzielte, hat die Gemeindeverwalt­ung bis jetzt 971 000 Mark für besondere Zweck« ver­ausgabt. Es ist geplant, für einen Teil der RestsuMme ein V o l k s h a u s zu bauen. Der Platz dazu ist be­reits angekauft.

s Darm st ad t, 22. Jan. Die Grotzherzogin em­pfing mittags 12^ Uhr im Neuen Palais den General­leutnant Freiherrn v. Lüttwitz, Kommandeur der 25. Division

):( Frankfurt a. M. Der Gistmörder Hops hal seinem Verteidiger', Rechtsanwalt Dr. Einzheimer mitgetcilt, daß er auf die Einlegung der Revision ver' zichte. Damit hat sich Hops mit seinem Schicksal abge­sunden und die Vollstreckung des Urteils dürfte nach­dem es Rechtskraft erlangt hat, wohl nicht mehr lange aus sich warten lassen. Der Verteidiger hatte eine ein- stündige Unterredung mit Hops, die zu dem Ergebnis des Verzichts führte.

):( Frankfurt a. M... 19. Jan. Eine recht häßliche Reklame treiben zwei hiesige Geschäfte mck dem Gistmörder Hopf. In der Schäsergasse ist der Fechtanzug samt dem Bilde dieses Menschen auis- geftellt und im Stadtteil Bockenheim prangt der Säbel Hopfs in einem Schaufenster. Es fehlt nur noch, datz das Bild mit Lorbeer umkränzt wird.

):( Klinoenberg a. M.. 11. Jan. Am Frei­tag zahlte die Stadtkasse das sogenannte Bürger­geld in Höhe von je 400 Mark an jeden Bürger jeden Bürgerssohn über 25 Jahren und jede Bürgers- wüwe aus. Das Bürgergeld ist bekanntlich «in Teil des hohen Gewinnes, den die Stadt aus ihren Berg­werken löst. Der Reinertrag ist so hoch, datz Klingen - berg daraus sämtliche Eemeindeausgabrn decken und noch das genannte Bürgergeld zahlen kann. Glück­liches Klingenberg, in dem Steurn unbefannte Begriffe sind.

):( V o n d e r E d e r t a l s p e r r e, 20 . Jan. Der

Fürst von Waldeck stattete am Sonntag der Talsperre bei Hemfurt. die jetzt fast fertig dasteht, einen Besuch ab. Die letzten Maurerarbeiten an der Brüstung und an den Tortürmchen konnten trotz der Käste der letzten Wochen weiter gefördert werden, sodatz nur noch geringe Auf­bautenteile unvollendet sind. Mit dem Stauen des Was­sers kann in Kürze begonnen werden, da nur noch klei­nere Arbeiten an den.Grundablässen und Aufräumungs­arbeiten im Staubecken zu vollenden sind. An dem Kraft­werk sind die Förderungsarbeilen begonnen worden.

):( Kassel. Die Strafiammer verurteilte den srüheren Schreiber Wilhelm Rhein aus M a i n z we­gen Werbens für die französische Fremden-Legion unter den Arbeitern der Mönchberger Gewerkschaft zu s i e b e n Monaten G e s ä n g n i s. Rhein war früher als Arbeiter längere Zeit in Frankreich beschäftigt gewesen.

):( Kassel. Prinz Joachim von Preußen siedelt am 28. Januar von Potsdam nach Kassel über, wo er im 14. Husaren-Regiment Dienst tun wird.

flu$ aller Welt.

B r a u n s ch w e i g. Hauptmann v. Grone

hat mit eigener Lebensgefahr drei Personen vom Tode des Ertrinkens gerettet, die beim Schlittschuhlaufen ein­gebrochen waren.

::: B r o m b e r g. Im tAlter von 108 Jahren starb die Lehrerswitwe Henrieste Krist.

::: N e w - P o r k. Wie gemeldet wird, bot ein betagter Millionär 15 Millionen Dvllaraufür die Errichtung von 20 Hospitälern in verschiedenen Tei­len der Union, in denen Krebskranke unentgelt- liche R a d i u m b e h a n d l u n g erholten können. Der Millionär wünscht nicht, datz sein Name genannt werde.

Stadtiheater Gießen.

Sonntag, 25. Jan., nachm. 3/ Uhr:Die Zarin".

. Abends 7 l / 2 Uhr: Einmaliges Gastspiel des Kgl. Bayerischen Hosschauspielers Konrad Dreher,Jä­gerblut".

Dienstag, 27. Jan., nachm. 3 l / t Uhr:Die Hum- ooldtianer". Abends 7% Uhr: Fest-VorftelluUg zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kai­sers: Ouvertüre zuTannhäuser". Hieraus:Krieg im Frieden".

Mittwoch, 28. Jan., abends 7 Uhr:Filmzarrber".

Freitag, 30. Jan., abends 8 Uhr:Die Jortzma- listen".

Sonntag, 1. Febr., abends 7% Uhr:Krieg im Frieden".

I

1

i 1 J

ii «

i

t

H

5

6 i

lii

5<

H

i!

ia

»I

ii

«I

eit

nii

St

ft»

lal

Si

Sc

lei!

ein

«

tir

%

in

!-d

Die

>Ä

1

Ul

Kli

»OB

G