Ausgabe 
21.1.1914
 
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ter kommt ein junger Bursche in Betracht, der einige Tage bei der Familie Schweizer wohnte, ohne daß man seinen Namen kannte und der seit heute unter Mitnahme sämtlicher Wohnungsschlüssel verschwunden ist.

):( Gernsheitn. Erfroren ist der 12 Jahre alte Sohn des Schifismannes Kiesel aus Gernsheim. Der arme Knabe, der bisher vergeblich im Eis des Win­kelbaches gesucht wutde, ist gestern mittag von einem Eernsheimer Einwohner in den Lacken, die sich an dem User des Baches weithin ausdehnen, auf einer übereisten Glasfläche völlig angefroren, tot aufgesunden worden. Man nimmt an, daß der Knabe, nachdem er mit seinen 3 Kaftreraden eingebrochen war, diesen beim schnellen Heimlaus nicht folgen konnte, sondern mit seinen durch Wasser beschwerten Kleidern unterwegs liegen blieb. Da­bei fror er mit den Kleidern bei der grimmigen Kälte fest an, sodaß er sich wahrscheinlich nicht mehr erheben konnte und einen jämmerlichen Tod fand.

):( Kassel. Das Schwurgericht verurteilte den 19 Jahre alten Bergarbeiter Willi Haake aus der Nähe von Eisfeld wegen zweier vollendeter Fälle von Straßenraub zu 6 Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust.

):( Kirchen a. Sieg. In der Lokomotivfabrik Arn. Jung E. m. b. H. in I u n g e n t h a h l bei Kirchen a. d. Sieg wird demnächst die 2000ste Lokomo­tive vollendet werden. Es handelt sich um eine schwere Heißdamps-Lokomotive für die Preußische Staatsbahn. Das Werk, welches seit 29 Jahren ausschließiich den Lo- komotivbau betreibt, besitzt auf diesem Gebiete die weit­gehendsten Erfahrungen und seine Erzeugnisse erfreuen sich im In- und Auslande der besten Beurteilung. Der Umsatz hat sich namentlich in den letzten Jahren sehr gesteigert. Das Werk beschäftigt zur Zeit über 1000 Ar­beiter und Beamte.

Oon der Canäes'UniverPät.

Der Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben für die Landesuniversität Gießen bildet alljährlich ein sehr umfangreiches Sonderkapital im Staatsbudget. Die Einnahmen sind für das Rechnungs­jahr vom 1. April 191^ bis dahin 1915 auf 731-013 Mark und die Ausgaben auf 1 747 654 Mk. berechnet, sc daß ein Staatszuschuß von 1 016 641 Mk. erforder­lich ist. So groß das Opser sein mag, "das unser Groß­herzogtum für seine Landesuniverjität bringen muß, so stolz dürfen wir andererseits auch darauf sein, daß wir in ihr ein Institut besitzen, das sich im Laufe der letz­ten Jahrzehnte immer mehr zu einer Musleranstalt ent­wickelt hat und Einrichtungen besitzt, um die uns man­che Universität in den größeren Bundesstaaten mit Recht beneiden muß. Der Beginn des neuen Etatsjahres be­deutet für die Entwickelung der Landesuniversität eine wichtige Etappe, denn es werden in ihm zllm ersten Male zwei neue große Kliniken mit einem Sondervor­anschlag archgefü.hrt, die im vorigen Herbst eröffnet worden sind: die Klinik für Ohren-, Hals- und Nasen­krankheiten und die Klinik für Haut- und Geschlechts - krankheiten: sie wurden mit einem Kostenaufwand von über 300 000 Mark errichtet, zu welchem die Stadt Gießen 100 000 Mark Beitrag geleistet hat.

Der neue Staatsvoranschl.ag gibt nun tm allgemeinen» ein erfreuliches Bild von dem Wachsen und Gedeihen unserer Landesuniversität. Während int Elatsjahr 1913 die Gesamteinnahmen 638 601 Mark und die Gesamt - ausgaben 1 653 641 Mk. betrugen, konnten für 1914 die Einnahmen und Ausgaben mit etwa 100 000 Mk. höher eingestellt werden, und während sich 1913 gegen das Vorjahr ein Zuschuß-Mehrbedarf von 24 835 Mk. ergab, ist für das neue Etatsjahr nur ein Mehr von 1871 Mk. gegen das Vorjahr erforderlich. Die Landes- universität besitzt zurzeit 8 besondere Kliniken, für die auch im Staatsbudget besondere Voranschläge aufgestellt sind. Diese Kliniken erfordern insgesamt (mit klinischer Apotheke,' Zentral-Waschanftalt, Veterinär- und Polikliniken) bei einer Einnahme von 610 441 Mark und einer Ausgabe von 1 002 867 Mk. einen Staatszu­schuß von 392 426 Mk. Die persönlichen Ausgaben der Universität für Professoren usw., Beamte und Bedien­stete, belaufen sich einschließlich eines Dispositionsfonds von' 10 400 Mark und eines Wohnungsgeldzuschufses von 31 692 Mk. zusammen auf 495 582 Mark, wäh­rend die sachlichen und Betriebsausgaben 1 252 072 M. betragen, das find 89 963 Mk. mehr, als im Vorjahre. Diesen erhöhten Ausgaben stehen aber erfreulicherweise noch höhere Einnabmen gegenüber, nämlich anstatt Mk. 638 600 im Vorjahr für 1914 731 013 Mk., also eine Mehreinnahme von 92 412 Mk.

Die allgemeine Verwaltung der medizinischen und Frauenklinik, sowie der klinischen ^Apotheke und der Zen- tralwaschanstalt erfordern einen Staatszuschuß von Mk. 144 350 Mk., gegen das Vorjahr 12 000 Mk. mehr, während der Sondervoranschlag für die medizinische Klinik bei einer Einnahme von 114 673 Mk. und einer Ausgabe von 100 949 Mk. einen Staatszuschuß von 13 724 Mk. und einschließlich des Anteils an der all­gemeinen Verwaltung und den Kosten der klinischen Apotheke und Zentralwaschanstall 75 629 Mk. erfor­dert. Der Sondervoranschlag für die Fraürnkik« nik erfordert bei einer Einnahme von 76 250 Mk. und einer Ausgabe von 110 965 Mk. einschl. des Anteils einen Gesamtzufchuh von 83 347 Mk.; für die ch i r u r- qische Klinik beträgt die Einnahme 203 871 Mk., die Ausgabe 242 090 Mk., der Gesamtzuschuß 53 871 Mk., für'die A-ugenklinik stellt sich die Einnahme auf 57 340 Mk., die Ausgabe auf 107 042 Mk., der Ee- samlzufchuß auf 55 935 Mk.. für die Klinik für psychiatrische und nervöse Krankheiten

| ist die Einnahme 73 071 Mk., die Ausgabe 138 432 j Mark, der Gesamtzuschuß 71011 Mk. Für die neue Ohren-, Nasen- und H a l s k l i n i k ist die Ein­nahme mit 24 138 Mk., die Ausgabe mit 38 518 Mk., der Staatszuschuß mit 16 677 Mk. und für die Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten be­trägt die Einnahme 32 875 Mk., die Ausgabe 40 465 Mark, der Staatszuschuß 10 985 Mk. Die chirurgische Veterinärklinik und Lehrschmiede endlich erfordern bei einer Einnahme von 20 950 Mk. und einer Ausgabe von 31915 Mk. einen Staatszuschuß von 10 965Mk.

Der Lehrkörper der Landesuniversität hat ge­gen das Vorfahr nur unwesentliche Veränderungen er- sahren. Bemerkenswert ist das außerordentliche Anwach­sen der Studierenden aus dem anatomischen Institut und dem physiologischen Praktikum, deren Zahl "von 18 im Jahre 1905 auf 79 im Jahre 1913, bezw. von 50 auf 138 stieg. Es mußte deshalb für Anatomie und Physiologie je ein neuer Assistent angestellt werden.

Giftmörder stopf zum Code verurteilt.

):( Frankfurt a. M., 18. Jan. Der letzte Ver- handlungstag begann gestern mit den Plädoyers der beiden Vertreter dar Anklage. Staatsanwallschaftsrat Dr. Bluhme nennt den Prozeß den sensationellsten sei­ner Art, der je in Deutschland verhandelt worden sei, nicht nur, weil es sich um einen Giftmord handle, der ja an und für sich der feigste und niederträchtigste sei, sondern weil es sich um eine Häufung solcher Taten und um den ersten Nachweis von Bakterienverwenduirg han­dele. Ein Giftmörder, wie er abschreckender und ge- meingesährlicher nicht gedacht werden könne, der seinen nächsten Verwandten aus schnöder Habgier mit wahr­haft teuflischer Ueberlegung nach dem Leben getrachtet und sie zum Teil getötet habe, sei Hopf. Bei den mei­sten Verbrechen fändo sich doch wenigstens ein Mrlder- unasgrund, hier aber finde man nur Erschwerungs - gründe. Jeder, der« den Verhandlungen heigewohnt habe, müsse mit Abscheu erfüllt und entsetzt sein über diese abgrundtiefe menschliche Verworfenheit. Dr. Bluhme schildert dann noch einmal in kurzen Zügen die Ver­brecherlaufbahn Hopss und die Vorgänge nach der Ver­haftung. Das scheußlichste Bild aus Hopss Verbrecher­leben sei gewesen, als er am Bett seiner von ihm ver­gifteten Frau gesessen und den besorgten Galten gespielt habe. Einem solchen Menschen könne man alles Zu­trauen. Staatsanwalt Dr. Keller spricht dant^über die rechtlichen Fragen und geht bei allen Fällen die Art der Straftaten durch, auf die sich die Schuldfragen stü­tzen. Nur beim Vater verneint auch er die Frage auf Mord, hält aber die auf Mordversuch ausrecht. Er weist zum Schluß noch aus die unzählichen Leiden, hin, die Hopf in grausamer Weise sein« Opfer habe erdulden lassen, und auf die außerordentlich große Gefahr, die Hopf bei der Leichtfertigkeit, mit der er mit den scharfen Eisten umgehe, sür die Allgemeinheit bedeute. Der Ver­teidiger Dr. Sinzheimer gibt zu, daß die Taten Hopss alle bis ins Innerste erschüttert hätten. Er bittet die Geschworenen, die Schuldslage bezüglich der dritten Frau zu bejahen. Dagegen hält er bezüglich der Kinder und der Eltern des Hopf keinen Giftmord oder Mordversuch sür sicher nachgewiesen, was er im einzelnen durch ein­gehende Darlegungen über die Bewertung der Arsen - fände aufzuzeigen sucht. Bei der ersten Frau bittet er sowohl den Antrag auf Mord als auch auf Mordver­such abzulehnen und nur wegen Vergehens gegen den § 229, Absatz 2, zu erkennen. (Vorsätzliche Gistzufuhr, um die Gesundheit zu schädigen, ohne daß der Täter den Tötungswillen hat, wodurch aber der Tod verur­sacht worden ist; hierbei kann auf Zuchthaus von 10 Jahren bis lebenslänglich erkannt werden.) Der Vor­sitzende wendet sich an Hops:Sie haben das letzte W o r t."Ich habe nichts mehr zu sagen !Gar nichts?Nein!

Die Geschworenen bejahten nur die Schuld­srage auf Ermordung der ersten Frau, sowie die Schuld­fragen auf Mordversuch bei den beiden Kindern, wäh­rend sie die Frage des Mordes hierbei verneinten. Sie bejahten ferner die Schuldsrage auf Mordversuch bei der zweiten und dritten Frau und verneinten die Schuld - frage auf Mord und Mordversuch bei den Eltern des Hops. Die Staatsanwaltschaft beantragte die Todes- st r a s c sür den Mord und die höchst zulässige Gesamt- slrase für die vier Mordversuche von 15 Jahren Zuchthaus und dauernde Aberkennung der bürger­lichen EhrenVechte und Stellring unter Polizeiaufsicht. Das Gericht erkannte diesem Anträge entsprechend. Hopf nahm das Urteil ohne jede Gemütsbewegung an.

Eu$ aller Mit.

::: Mannheim, 20. Jan. Ein großes Scha­denfeuer brach gestern abend in der Mannheimer Jso- lierwerke- und Korksteinsabrik in Rheinau aus. Der an­gerichtete Schaden ist ziemlich beträchtlich? Eine Unter­brechung des Betriebes hat das Feuer nicht verursacht, da es glücklicherweise aus seinen Herd beschränkt wer­den konnte.

::: Berlin, 20. Jan. Die Folgen des Hochwas­sers an der Ostseeküste sind viel schlimmer, als bisher angenommen wurde. Unzähliche Fischerfamilien haben ihr Hab und Gut verloren und bedürfen dringend der Hilse. Das Hochwasser-Komitee bittet, weitere Beiträge an die Zahlstellen oder an das Zentralbureau in Ber­lin, Msenstratze 10, zu senden.

::: New-Pork. AUs dem Stadtzuchthaus in A l e st e r im Staate Oklohama versuchten 3 Gefangen«, die ftch Gewehre verschafft hatten, aUszubrechen. Sie er­

schossen 3 Aufseher und einen zufällig anwesende» Rich­ter. Schließlich gelang es, die Ausbrecher zu erschießen.

Citerarifc&es.

? Die Erinnerungen an Beethoven. Gesammelt und herausgegeben von Friedrich Kerst. 2 Bände. Mit mehreren Abbildungen auf Tafeln. Preis geheftet 9 Marck, in Halbpergament 12 Mark, in Halb­leder 15 Mark. Verlag von Julius Hoffman», Stutt­gart. Wahrer und lebendiger tritt uns die Welt Beethovens nirgends entgegen als in den zahlreichen Berichten seiner Zeitgenossen, deren Erinnerungen schon frühzeitig niedergelegt wurden. Friedrich Eerft, durch frühere Arbeiten als erfolgreicher Beethovenforscher be­kannt, hat es unternommen, diese neu zu sammeln und vollständig herauszugeben. Sein Plan fand die Unter­stützung zahlreicher Sachverständiger, und er selbst scheute keine Mühe, die zuverlässigsten Quellen aufzufindcn und dadurch wesentliche Jrrtümer zu berichtigen, die seit Jahren arglos weiterverbreitet worden sind. Ungefähr 140 Zeitgenossen Beethovens, seine Lehrer, Freunde u. Besucher kommen in seinem Buche zu Wort; der Her­ausgeber erläutert ihre Aeuherunyen und Erzählungen durch knappe Einleitungen und reiht sie zu einer fast lückenlosen Kette aneinander. Dadurch rückt uns das Bild Beethovens in seinen Einzelzügen nahe und ge­winnt warmes Leben. Wir erhalten überraschende Ein­blicke in des Meisters oft seltsam ungeordnete Lebens­weise, lesen Berichte von Männern und Frauen, die unter dem unmittelbaren Eindruck seiner eigensten Kunst­äußerungen, seines Klavierspiels, seiner Improvisationen standen. Beethovens hitziges Temperament und kräf­tiger Humor führen in seinen glücklicheren Tagen zu den heitersten Zwischenfällen; später ergreifen uns die Schilderungen der namenlosen Quälen, die das -frühe Gehörleiden dem zu Einsamkeit verurteilten Mann auf­erlegte. Wertvolle Zeugnisse, die seither teils unbekannt, teils vollständig vergesse» waren, ergänzen unser Missen von Beethovens künstlerischen Absichten und Anschauun­gen und weisen überraschend ^Streiflichter aus einzelne seiner Werke. Es wächst durch die Kemcknis des Men­schen Beethoven Bewunderung und Verständnis für sein Genie, und wir glauben, selbst in den Kreis derer getreten zu sein, die ihn im Leben umgaben. Das vor­nehm ausgestattete zweibändige Weck ist ein Ge' ?nf - buch ersten Ranges. Eine Anzahl vorzüglicher Abbild­ungen, darunter die nach dem Leben modellierte Klein- sche Beethovenbüste schmückt die beiden Bände, die durch ein sorgfältig ausgearbeitetes Sachregister auch für den Schriftsteller und Musiker von hohem Wert sind.

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