ter kommt ein junger Bursche in Betracht, der einige Tage bei der Familie Schweizer wohnte, ohne daß man seinen Namen kannte und der seit heute unter Mitnahme sämtlicher Wohnungsschlüssel verschwunden ist.
):( Gernsheitn. Erfroren ist der 12 Jahre alte Sohn des Schifismannes Kiesel aus Gernsheim. Der arme Knabe, der bisher vergeblich im Eis des Winkelbaches gesucht wutde, ist gestern mittag von einem Eernsheimer Einwohner in den Lacken, die sich an dem User des Baches weithin ausdehnen, auf einer übereisten Glasfläche völlig angefroren, tot aufgesunden worden. Man nimmt an, daß der Knabe, nachdem er mit seinen 3 Kaftreraden eingebrochen war, diesen beim schnellen Heimlaus nicht folgen konnte, sondern mit seinen durch Wasser beschwerten Kleidern unterwegs liegen blieb. Dabei fror er mit den Kleidern bei der grimmigen Kälte fest an, sodaß er sich wahrscheinlich nicht mehr erheben konnte und einen jämmerlichen Tod fand.
):( Kassel. Das Schwurgericht verurteilte den 19 Jahre alten Bergarbeiter Willi Haake aus der Nähe von Eisfeld wegen zweier vollendeter Fälle von Straßenraub zu 6 Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust.
):( Kirchen a. Sieg. In der Lokomotivfabrik Arn. Jung E. m. b. H. in I u n g e n t h a h l bei Kirchen a. d. Sieg wird demnächst die 2000ste Lokomotive vollendet werden. Es handelt sich um eine schwere Heißdamps-Lokomotive für die Preußische Staatsbahn. Das Werk, welches seit 29 Jahren ausschließiich den Lo- komotivbau betreibt, besitzt auf diesem Gebiete die weitgehendsten Erfahrungen und seine Erzeugnisse erfreuen sich im In- und Auslande der besten Beurteilung. Der Umsatz hat sich namentlich in den letzten Jahren sehr gesteigert. Das Werk beschäftigt zur Zeit über 1000 Arbeiter und Beamte.
Oon der Canäes'UniverPät.
Der Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben für die Landesuniversität Gießen bildet alljährlich ein sehr umfangreiches Sonderkapital im Staatsbudget. Die Einnahmen sind für das Rechnungsjahr vom 1. April 191^ bis dahin 1915 auf 731-013 Mark und die Ausgaben auf 1 747 654 Mk. berechnet, sc daß ein Staatszuschuß von 1 016 641 Mk. erforderlich ist. So groß das Opser sein mag, "das unser Großherzogtum für seine Landesuniverjität bringen muß, so stolz dürfen wir andererseits auch darauf sein, daß wir in ihr ein Institut besitzen, das sich im Laufe der letzten Jahrzehnte immer mehr zu einer Musleranstalt entwickelt hat und Einrichtungen besitzt, um die uns manche Universität in den größeren Bundesstaaten mit Recht beneiden muß. Der Beginn des neuen Etatsjahres bedeutet für die Entwickelung der Landesuniversität eine wichtige Etappe, denn es werden in ihm zllm ersten Male zwei neue große Kliniken mit einem Sondervoranschlag archgefü.hrt, die im vorigen Herbst eröffnet worden sind: die Klinik für Ohren-, Hals- und Nasenkrankheiten und die Klinik für Haut- und Geschlechts - krankheiten: sie wurden mit einem Kostenaufwand von über 300 000 Mark errichtet, zu welchem die Stadt Gießen 100 000 Mark Beitrag geleistet hat.
Der neue Staatsvoranschl.ag gibt nun tm allgemeinen» ein erfreuliches Bild von dem Wachsen und Gedeihen unserer Landesuniversität. Während int Elatsjahr 1913 die Gesamteinnahmen 638 601 Mark und die Gesamt - ausgaben 1 653 641 Mk. betrugen, konnten für 1914 die Einnahmen und Ausgaben mit etwa 100 000 Mk. höher eingestellt werden, und während sich 1913 gegen das Vorjahr ein Zuschuß-Mehrbedarf von 24 835 Mk. ergab, ist für das neue Etatsjahr nur ein Mehr von 1871 Mk. gegen das Vorjahr erforderlich. Die Landes- universität besitzt zurzeit 8 besondere Kliniken, für die auch im Staatsbudget besondere Voranschläge aufgestellt sind. Diese Kliniken erfordern insgesamt (mit klinischer Apotheke,' Zentral-Waschanftalt, Veterinär- und Polikliniken) bei einer Einnahme von 610 441 Mark und einer Ausgabe von 1 002 867 Mk. einen Staatszuschuß von 392 426 Mk. Die persönlichen Ausgaben der Universität für Professoren usw., Beamte und Bedienstete, belaufen sich einschließlich eines Dispositionsfonds von' 10 400 Mark und eines Wohnungsgeldzuschufses von 31 692 Mk. zusammen auf 495 582 Mark, während die sachlichen und Betriebsausgaben 1 252 072 M. betragen, das find 89 963 Mk. mehr, als im Vorjahre. Diesen erhöhten Ausgaben stehen aber erfreulicherweise noch höhere Einnabmen gegenüber, nämlich anstatt Mk. 638 600 im Vorjahr für 1914 731 013 Mk., also eine Mehreinnahme von 92 412 Mk.
Die allgemeine Verwaltung der medizinischen und Frauenklinik, sowie der klinischen ^Apotheke und der Zen- tralwaschanstalt erfordern einen Staatszuschuß von Mk. 144 350 Mk., gegen das Vorjahr 12 000 Mk. mehr, während der Sondervoranschlag für die medizinische Klinik bei einer Einnahme von 114 673 Mk. und einer Ausgabe von 100 949 Mk. einen Staatszuschuß von 13 724 Mk. und einschließlich des Anteils an der allgemeinen Verwaltung und den Kosten der klinischen Apotheke und Zentralwaschanstall 75 629 Mk. erfordert. Der Sondervoranschlag für die Fraürnkik« nik erfordert bei einer Einnahme von 76 250 Mk. und einer Ausgabe von 110 965 Mk. einschl. des Anteils einen Gesamtzufchuh von 83 347 Mk.; für die ch i r u r- qische Klinik beträgt die Einnahme 203 871 Mk., die Ausgabe 242 090 Mk., der Gesamtzuschuß 53 871 Mk., für'die A-ugenklinik stellt sich die Einnahme auf 57 340 Mk., die Ausgabe auf 107 042 Mk., der Ee- samlzufchuß auf 55 935 Mk.. für die Klinik für psychiatrische und nervöse Krankheiten
| ist die Einnahme 73 071 Mk., die Ausgabe 138 432 j Mark, der Gesamtzuschuß 71011 Mk. Für die neue Ohren-, Nasen- und H a l s k l i n i k ist die Einnahme mit 24 138 Mk., die Ausgabe mit 38 518 Mk., der Staatszuschuß mit 16 677 Mk. und für die Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten beträgt die Einnahme 32 875 Mk., die Ausgabe 40 465 Mark, der Staatszuschuß 10 985 Mk. Die chirurgische Veterinärklinik und Lehrschmiede endlich erfordern bei einer Einnahme von 20 950 Mk. und einer Ausgabe von 31915 Mk. einen Staatszuschuß von 10 965Mk.
Der Lehrkörper der Landesuniversität hat gegen das Vorfahr nur unwesentliche Veränderungen er- sahren. Bemerkenswert ist das außerordentliche Anwachsen der Studierenden aus dem anatomischen Institut und dem physiologischen Praktikum, deren Zahl "von 18 im Jahre 1905 auf 79 im Jahre 1913, bezw. von 50 auf 138 stieg. Es mußte deshalb für Anatomie und Physiologie je ein neuer Assistent angestellt werden.
Giftmörder stopf zum Code verurteilt.
):( Frankfurt a. M., 18. Jan. Der letzte Ver- handlungstag begann gestern mit den Plädoyers der beiden Vertreter dar Anklage. Staatsanwallschaftsrat Dr. Bluhme nennt den Prozeß den sensationellsten seiner Art, der je in Deutschland verhandelt worden sei, nicht nur, weil es sich um einen Giftmord handle, der ja an und für sich der feigste und niederträchtigste sei, sondern weil es sich um eine Häufung solcher Taten und um den ersten Nachweis von Bakterienverwenduirg handele. Ein Giftmörder, wie er abschreckender und ge- meingesährlicher nicht gedacht werden könne, der seinen nächsten Verwandten aus schnöder Habgier mit wahrhaft teuflischer Ueberlegung nach dem Leben getrachtet und sie zum Teil getötet habe, sei Hopf. Bei den meisten Verbrechen fändo sich doch wenigstens ein Mrlder- unasgrund, hier aber finde man nur Erschwerungs - gründe. Jeder, der« den Verhandlungen heigewohnt habe, müsse mit Abscheu erfüllt und entsetzt sein über diese abgrundtiefe menschliche Verworfenheit. Dr. Bluhme schildert dann noch einmal in kurzen Zügen die Verbrecherlaufbahn Hopss und die Vorgänge nach der Verhaftung. Das scheußlichste Bild aus Hopss Verbrecherleben sei gewesen, als er am Bett seiner von ihm vergifteten Frau gesessen und den besorgten Galten gespielt habe. Einem solchen Menschen könne man alles Zutrauen. Staatsanwalt Dr. Keller spricht dant^über die rechtlichen Fragen und geht bei allen Fällen die Art der Straftaten durch, auf die sich die Schuldfragen stützen. Nur beim Vater verneint auch er die Frage auf Mord, hält aber die auf Mordversuch ausrecht. Er weist zum Schluß noch aus die unzählichen Leiden, hin, die Hopf in grausamer Weise sein« Opfer habe erdulden lassen, und auf die außerordentlich große Gefahr, die Hopf bei der Leichtfertigkeit, mit der er mit den scharfen Eisten umgehe, sür die Allgemeinheit bedeute. Der Verteidiger Dr. Sinzheimer gibt zu, daß die Taten Hopss alle bis ins Innerste erschüttert hätten. Er bittet die Geschworenen, die Schuldslage bezüglich der dritten Frau zu bejahen. Dagegen hält er bezüglich der Kinder und der Eltern des Hopf keinen Giftmord oder Mordversuch sür sicher nachgewiesen, was er im einzelnen durch eingehende Darlegungen über die Bewertung der Arsen - fände aufzuzeigen sucht. Bei der ersten Frau bittet er sowohl den Antrag auf Mord als auch auf Mordversuch abzulehnen und nur wegen Vergehens gegen den § 229, Absatz 2, zu erkennen. (Vorsätzliche Gistzufuhr, um die Gesundheit zu schädigen, ohne daß der Täter den Tötungswillen hat, wodurch aber der Tod verursacht worden ist; hierbei kann auf Zuchthaus von 10 Jahren bis lebenslänglich erkannt werden.) Der Vorsitzende wendet sich an Hops: „Sie haben das letzte W o r t." „Ich habe nichts mehr zu sagen !“ „Gar nichts?“ „Nein!“
Die Geschworenen bejahten nur die Schuldsrage auf Ermordung der ersten Frau, sowie die Schuldfragen auf Mordversuch bei den beiden Kindern, während sie die Frage des Mordes hierbei verneinten. Sie bejahten ferner die Schuldsrage auf Mordversuch bei der zweiten und dritten Frau und verneinten die Schuld - frage auf Mord und Mordversuch bei den Eltern des Hops. Die Staatsanwaltschaft beantragte die Todes- st r a s c sür den Mord und die höchst zulässige Gesamt- slrase für die vier Mordversuche von 15 Jahren Zuchthaus und dauernde Aberkennung der bürgerlichen EhrenVechte und Stellring unter Polizeiaufsicht. Das Gericht erkannte diesem Anträge entsprechend. Hopf nahm das Urteil ohne jede Gemütsbewegung an.
Eu$ aller Mit.
::: Mannheim, 20. Jan. Ein großes Schadenfeuer brach gestern abend in der Mannheimer Jso- lierwerke- und Korksteinsabrik in Rheinau aus. Der angerichtete Schaden ist ziemlich beträchtlich? Eine Unterbrechung des Betriebes hat das Feuer nicht verursacht, da es glücklicherweise aus seinen Herd beschränkt werden konnte.
::: Berlin, 20. Jan. Die Folgen des Hochwassers an der Ostseeküste sind viel schlimmer, als bisher angenommen wurde. Unzähliche Fischerfamilien haben ihr Hab und Gut verloren und bedürfen dringend der Hilse. Das Hochwasser-Komitee bittet, weitere Beiträge an die Zahlstellen oder an das Zentralbureau in Berlin, Msenstratze 10, zu senden.
::: New-Pork. AUs dem Stadtzuchthaus in A l e st e r im Staate Oklohama versuchten 3 Gefangen«, die ftch Gewehre verschafft hatten, aUszubrechen. Sie er
schossen 3 Aufseher und einen zufällig anwesende» Richter. Schließlich gelang es, die Ausbrecher zu erschießen.
Citerarifc&es.
? Die Erinnerungen an Beethoven. Gesammelt und herausgegeben von Friedrich Kerst. 2 Bände. Mit mehreren Abbildungen auf Tafeln. Preis geheftet 9 Marck, in Halbpergament 12 Mark, in Halbleder 15 Mark. Verlag von Julius Hoffman», Stuttgart. — Wahrer und lebendiger tritt uns die Welt Beethovens nirgends entgegen als in den zahlreichen Berichten seiner Zeitgenossen, deren Erinnerungen schon frühzeitig niedergelegt wurden. Friedrich Eerft, durch frühere Arbeiten als erfolgreicher Beethovenforscher bekannt, hat es unternommen, diese neu zu sammeln und vollständig herauszugeben. Sein Plan fand die Unterstützung zahlreicher Sachverständiger, und er selbst scheute keine Mühe, die zuverlässigsten Quellen aufzufindcn und dadurch wesentliche Jrrtümer zu berichtigen, die seit Jahren arglos weiterverbreitet worden sind. Ungefähr 140 Zeitgenossen Beethovens, seine Lehrer, Freunde u. Besucher kommen in seinem Buche zu Wort; der Herausgeber erläutert ihre Aeuherunyen und Erzählungen durch knappe Einleitungen und reiht sie zu einer fast lückenlosen Kette aneinander. Dadurch rückt uns das Bild Beethovens in seinen Einzelzügen nahe und gewinnt warmes Leben. Wir erhalten überraschende Einblicke in des Meisters oft seltsam ungeordnete Lebensweise, lesen Berichte von Männern und Frauen, die unter dem unmittelbaren Eindruck seiner eigensten Kunstäußerungen, seines Klavierspiels, seiner Improvisationen standen. Beethovens hitziges Temperament und kräftiger Humor führen in seinen glücklicheren Tagen zu den heitersten Zwischenfällen; später ergreifen uns die Schilderungen der namenlosen Quälen, die das -frühe Gehörleiden dem zu Einsamkeit verurteilten Mann auferlegte. Wertvolle Zeugnisse, die seither teils unbekannt, teils vollständig vergesse» waren, ergänzen unser Missen von Beethovens künstlerischen Absichten und Anschauungen und weisen überraschend ^Streiflichter aus einzelne seiner Werke. Es wächst durch die Kemcknis des Menschen Beethoven Bewunderung und Verständnis für sein Genie, und wir glauben, selbst in den Kreis derer getreten zu sein, die ihn im Leben umgaben. Das vornehm ausgestattete zweibändige Weck ist ein Ge' ?nf - buch ersten Ranges. Eine Anzahl vorzüglicher Abbildungen, darunter die nach dem Leben modellierte Klein- sche Beethovenbüste schmückt die beiden Bände, die durch ein sorgfältig ausgearbeitetes Sachregister auch für den Schriftsteller und Musiker von hohem Wert sind.
Durchgreifende Kuren
bei
staI§-u.CungenIeiden
ist der Titel eines in unserem Verlage erschienenen Büchleins, in welchem eine neu« kombinierte Milch- und Pslänzenkur beschrieben wird. Dieses Büchlein wird gratis an jeden Kranken versandt, der es verlangt. Jeder Hals- und Lungenkranke sollte es sosock verlangen, selbst wenn sein Leiden harmloser Ack zu sein scheint. Denn jede schwere Erkrankung der Lunge, vor allem die mörderische Lungenschwindsucht, beginnt mit dem „bißchen Husten" mit dem „kleinen Katarrh" und vernichtet oft in wenigen Wochen ein blühendes Menschenleben.
' Das Mittel selbst besteht aus giftfreien, von alters her berühmten und auch von dem verstorbenen Pfarrer
Kneipp empfohlenen Heilpflanzen. Die gute Wirkung liegt in der geschickten Zusammenstellung, die darauf berechnet ist, das Nebel von mehreren Seiten zugleich zu packen.
Es wird auch bei größter Körperschwäch« gut vertragen und ist so billig, daß auch der Minderbemittelte seine segeubringende Wirkung sich zu Nutzen machen kann. Kein Arzt dürste gegen seine Anwendung etwas einzuwenden haben, wenn man ihn danim fragt, da es sich nicht etwa um eines der teuren und dabei oft schädlichen Geheimmiltel, sondern um «in« wissenschaftlich einwandfreie Sache handelt.
Damit jeder, der es benutzen wlll, es erst versuchen kann, ehe er Geld dafür ausgibt, senden wir
eine Probe völlig koftenlos
zugleich mit dem Büchlein. Nur 20 Psg. sür Pocko rc. sind in diesem Falle in Briefmacken beizüsügen. Mittellosen Kranken senden wir das ganze, zu ihrer Wiederherstellung nötige Quantum kostenlos und porloftri, wenn sic uns eine Bescheinigung ihres Pfarrers oder der Orts-Polizeibehörde über ihre Mittellosigkeit und ihre Krankheit einsenden.
DcutTcbc Gmilfcbaft für PTTanzenbeiiknnd«
Srrlin-Halensee 3-
1
i


