Ausgabe 
14.1.1914
 
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Elbing noch nicht erfolgt ist. Sie erachten die Durch - führung des 8 11 als eine unbedingte Voraussetzung für den Fortbestand des Abkommens und sind der An­sicht, daß, wenn sie nicht schleunigst erfolgt, die Giltig­keit aller bisher auf Grund des Abkommens abgeschlos­senen Verträge in Zweifel gestellt ist und ein wichtiger Grund zu ihrer alsbaldigen Auflösung vorliegt. Die Vertrauensmänner-Versammlung würde es aufs tiefste bedauern, wenn die Aerzte dadurch zur Wiederaufnahme des Kampfes gezwungen würden.

Im Reichsamt des Innern fanden vorgestern Ver­handlungen zwischen dem Vorstand des Leipziger Aerzte- verbandes und dem Geschäftsausschutz des Deutschen Aerztevereinsbundes und der Regierung statt, um über die Schwierigkeiten hinwegzukommen. Die Verhandlun­gen brachten kein endgültiges Resultat. Es werden sich für die nächsten Tage noch weitere Verhandlungen als notwendig erweisen.

Frankreich.

* Ein Besuch des Präsidenten der Republik Frankreich P o i n c a r e e in der deutschen Botschaft in Paris soll in offizieller Weise am 20. d. Mts. ge­legentlich der Vorfeier zum Geburtstage Kaiser Wilhelms erfolgen. Es wäre dies das erste Rial, datz ein Prä­sident der dritten Republik persönlich in der deutschen Botschaft erschiene. Kaiser Wilhelm ist bekanntlich schon wiederholt auf der französischen Botschaft in Berlin ge­wesen.

Türkei.

* Die Türkei hat ein erstklassiges italieni­sches SchlachtschiffSan Marco" gekauft und 100 000 Psund angezahlt.

* K o> n st a n t i n o p e I. General Liman von Sanders ist vom Kommando des 1. Korps in Konftan- tinopel enthoben und zum General-JnspekteUr ^er Armee und der Militärschulen ernannt worden. Diese Aenderung in den dem General zugedachten Funktionen ist, wie offiziös erklärt wird, nicht die Folge irgend eines Schrittes seitens Rußlands, sondern sie ist ausschlietzlich der I n i t i a t i v e des Kriegsminiftees E n v e r P a - f ch a zuzuschreiben, der in seiner Besprechung mit Ge­neral Liman von Sanders diesem die Absicht mitteilte, ihm das Eeneral-Jnspektorat über die Armee anzuöer- trauen und ihm die Last des Kommandos über das 1. Korps abzuNehmen. Liman habe geantwortet, er sei zur Reorganisation der ottomanischen Armee, gleich­gültig in welcher Eigenschaft, bereit, und in Kreisen der Pforte glaubt man übrigens, datz diese Aenderung ge­eignet sein dürste, Nutzland zufrieden zuftellen.

Griechenland.

* Der griechische Ministerpräsident V e n i z e l o s weilte vergangene Woche in Rom und hatte dort Be­sprechungen mit den italienischen Staatsmännern. Von dort reiste er nach Paris, wo er sich wegen der An­leihe länger aufzrchalten gedenkt. Darauf will er nach London und Berlin reisen.

China.

" Zur Auflösung des chinesischenPar- l a m e n-t s erklärte Präsident Juanschikai, die Auflösung des Parlaments sei deshalb erfolgt, weil es unmöglich gewesen sei, eine Beschlutzfähigkeit zu erreichen.

Afrika.

" Die Gewerkschaft e-n in Südairika haben den General st reik für das ganze Gebiet der Union proklamiert.

* Johannesburg. Die Mienenarbeiter ha­ben durch Wftimmung mit Zweidrittel-Mehrheit den Streik beschlossen.

-iit) Stadt itad Laad.

* Arzt-Konferenz. Am Dienstag, den 20. Januar, nachm. 5 Uhr, findet im Bahnhofshotel zu Darmsladt, am 24. Januar, nachm. 5 % Uhr, in der Kinderklinik zu Gießen, Friedrichstratze 16 und am 3. Februar, nachmittags 4% Uhr, im Gutenberg-KajiNo zu Mainz «ine Konferenz der leitenden Aerzte der Berat­ungsstellen der Gr. Zentrale für Mutter- und Säug - lingsfürsorge in Hessen statt. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Vortrag des Herrn Di. Seit, leitender Arzt der Eleonoren-Heilstätte zu LindenfelsWichtige Er- nährungsfragen", 2. Anfragen und Diskussion.

o Offenbach, 12. Jan. Der Stadtverordnete Architekt Brunn ist heute nacht im Alter von 38 Jah­ren an den Folgen eines Halsgeschwürs verstorben. Brunn, der der nationalliberalen Partei angehörte, war im Jahre 1907 zum Stadtverordneten gewählt worden.

):( Limburg, 12. Jan. Kaufmann Hermann Schmidt, Beigeordneter der Stadt Limburg, ist heute vormittag im 66. Lebensjahre nach längerem Leiden g e st o r b e n.

):( Frankfurt a. M., 12. Jan. Heute vor­mittag begann hier der Prozeh gegen den ehemaligen Drogisten und Fechtlehrer Karl Hopf, der des vier­fachen Giftmordes Und des dreifachen ver­suchten Giftmordes angcklagt ist. Der Angeklagte hat als Drogist gelernt und als Einjährig-Freiwilliger gedient. Er ging dann nach London und Marokko und kehlte schlietzlich nach Deutschland zurück, wo er in Frank­furt a. M. ein Futtermittelgeschäft und eine Hundezucht­anstalt eröffnete. Seit 1907 schwebte ein Verfahren ge­gen Hopf wegen Giftmordes, das aber aüs Mangel

an Beweisen eingestellt wurde. Hopf versuchte sich auch als Fechtkünstjler und Kraftmensch einen Erwerb zu schaf­fen, scheint aber damit nicht viel verdient zu haben. Bei der Vernehnrung des Angeklagten wurde zunächst der Tod seiner dritten Frau, geb. Wally Siwitz aus Dresden, erörtert. Er hat die Frau durch ein In­serat kennen gelernt und versicherte sie nach der Verhei­ratung mit 40 000 Mark. Die Ehe war zunächst glück­lich, wurde aber getrübt, als Frau Hopf Grund zur Eifersucht zu haben glaubte. Später wurde die Frau krank. Sie selbst schöpfte gegen Ihren Mann Verdacht, als er sich eines Tages am Frühstückstisch zu schaffen machte. Damals sagte sie ihm auf den Kopf zu, datz er ihr Gift in den Tee getan habe. Hierzu sagt Hops heute aus, datz seine Frau das Gift wahrscheinlich selbst aus seinem Gistschrank genommen habe. Die Frau machte schlietzlich der Polizei Mitteilung von ihrer Be­obachtung, doch ergab die Untersuchung des Falles kein positives Ergebnis. Hopf wird von den Sachverständi­gen als Sadist und Masochist bezeichnet, gilt aber als vollkommen zurechnungsfähig. Bei der Erörterung des Todes der ersten Frau Hopfs behauptet dieser, seine Frau habe arsenhaltige Schönheitsmittel gebraucht. Er gibt dagegen zu, datz er seiner dritten Frau Cholera - und Thyphutzbazillen eingegeben habe. Dies sei jedoch aus wissenschaftlichem Interesse geschehen. Er habe die Frau! nicht töten wollen. Weiter wird die angebliche Ermordung des Vaters Hopf durch den Anaeklagten be­sprochen. Hopf behauptet, fein Vater habe ein Blasen­leiden gehabt und dessen Linderung viel Offenbacher Wasser getruicken, das arsenhaltig lei. Die dem Ange­klagten weiter zur Last gelegte Ermordung seiner zwei Kinder bestreitet Hops mit Entschiedenheit, ebenso den angeblichen Giftmordversuch an seiner zweiten Frau. Diese Frau starb zwei Jahre nach der Ehescheidung. Hopf gibt nur zu, datz er ihr einmal mit ihrer Einwil­ligung ein Quantum Arsenik gegeben habe. Zum Schlutz der Verhandlung kam die Anklage des Giftmordversuchs Hopfs an seiner eigenen Mutter zur Erörterung. Die Leiche der Frau ist verbrannt worden. In der Asche fanden die Chemiker beträchtliche Mengen Arsenik. Hops behauptet, seine Mutter habe trotz ihrer 70 Jahre viel Arsentropfen als Schönheitsmittel genommen. In nicht­öffentlicher Sitzung wurden nach det Vernehmung Hopfs dessen perverse Neigungen erörtert nnd darauf die Ver­handlung auf morgen vormittag vertagt.

! Wiesbaden, 13. Jan. Die unbesoldeten Magistratsmitglieder und Stadtverordneten der Kom­mune Wiesbaden nahmen am Freitag abend in ge­heimer Sitzung die Wahl eines besoldeten Beigeordneten vor. Bei der geheimen Abstimmung entfielen 43 Stim­men auf Herrn Dr. Hetz, Ministerialsekretär in Darm­stadt, 6 Stimmen auf einen Kathcliken. Herr Dr. Hetz ist also mit grotzer Stimmenmehrheit zum besoldeten Beigeordneten gewählt.

! W e st e r b u r g, 12. Jon. Rach säst zweijähri­ger Arbeit, die lausende von Mark verschlang, scheint die Bahnverwaltung nunmehr den Gebirgsverwersungen auf der Eisenbahn zwischen Marienberg und E r- b a ch Herr geworden zu sein. In den letzten Monaten haben ununterbrochen 100 Mann gearbeitet, um die gewaltigen Erdmassen, die das Gebirge immer wieder hervorquoll >md auf die Gleise warf, zu entfernen.

Der Kaiser und die Turner.

lieber den Kaiser und die Deutsche Turnerschast schreibt im Anschlutz an Kaiser Wilhelms Besuch im Münchener Männerturnverein dieChemnitzer Mlgem. Zeitung" folgendes: Die Kaiserlage in München haben mit einem vollen schönen Akkorde geschlossen, der in ganz Deutschland nachhallen und im Volk ungeteilte Freude auslösen wird. Kaiser Wilhelm ist bei den deutschen Turnern gewesen, zum e r st e n Male währeifd sei­ner ganzen Regierungszeit, Und da ist ihm das Herz auf gegangen beim Anblick dieser deutschen Kraft, und die Uebcrraschung über die prachtvollen Leistungen der Münchener Turner zeigt besser wie alles andere, datz ihm hier erst die ungeheure Bedeutung der deutschen Turnerei klar geworden ist. In weiten Kreisen der na­tionalen deutschen Turner hatte man bisher das Gefühl, datz der Kaiser sich ihren Bestrebungen ablehnend gegen­über verhallte. Man hat diese Stellungnahme allezeit schmerzlich empfunden, da man sah, welches lebhafte In­teresse der Kaiser anderen Angelegenheiten des deutschen Volkslebens entgcgenbrachte, wie die Pflege des deut­schen Volksliedes, die Förderung des Sports vielfach auf seine Anregung zurückzuführen war. Nur für die deutsche Tutnerei schien der Kaiser nichts übrig haben. Auf manchem deutschen Turnfest hatte man gehofft, den Kaiser begrüßen zu können, zuletzt noch in Leipzig, aber die Hoffnung halte getrogen, der Kaiser kam nicht. Man batte schlietzlich deü Eindruck, datz gewisse hösische Schran­ken oder auch Einflüsse anderer Art den Kaiser zurück - hielten. Wir können es dem König Ludwig von Bayern nicht hoch genug anrechnen, datz es ihm ge- luügen ist, die Schranke zu durchbrechen, die den Kaiser von seinen Turnern bisher trennte. Der König ist der Protektor des Männerturnvereins München, der mit mehr yls 4000 Mitgliedern einer der grötzten deut­schen Turnvereine ist. Auf Betreiben des Königs er­hielt nuü der Kaiser eine Einladung, sich den turnerischen Betrieb in der Münchener Turnhalle ansehen zu wol­len. An die 1400 Personen nahmen an dem Schautur­nen teil, uüd mit wachsendem Erstaunen sah der Kai­ser den Turnern zu. Mit der ihm eigenen Lebhaftigkeit gab er seiner Freude Ausdruck. Der Besuch bei den Turnern in München wird, so hoffen wir, die besten

Folgen haben. Das Eis i ft g e b r-o ch e n, der K a i- f e r hat gesehen, welchen Segen die deutsche Turnerei dem Volke bringt, datz ein gesundes, starkes Geschlecht

herangezogen wird, das wohl imstande ist, mit den An­gelsachsen zu konkurriere». Da möchten wir dem Wunsch Ausdruck geben, datz der Kaiser einmal einem deut­schen T u r n f e st beiwohnen und sich davon überzeugen möge, welch guter nationaler Geist in un­serer Turnerschast lebt. Der Jubel, der ihm da entge- gcnbrausen würde, würde ihm den Tag unvergeßlich machen.

Mz aller ttleü.

::: Königsberg. Großes Aufsehen erregt in Königsberg ein von zwei Studenten verübter Ein­bruchsdiebstahl, bei deni die Täter einem Rentner 15000 Mack entwendeten. Sic wurden ermittelt und festge­nommen.

::: Paris, 13. Jan. Gestern abend begann hier

das internationale Sechstage-Rvdrennen, an dem 40 Fahrer teilnehmen, darunter die Deutschen Rütt, Lorentz und Bader.

::: N e w - ?) c r f. Die Ford'sche Automobiisabrik

wurde von ihren Arbeitern gestürmt. Die Arbeiter wollen mit 10 Millionen an dem Ertrag der Fabrik teilnehmen. Die Menge wurde durch eine Feu­erspritze auseinandergetrieben.

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Vulkan-Katastrophe in Japan.

Tokio, 13. Jan. Ein vulkanischer Ausbruch auf S a k u r a f ch t m a begann am Sonntag morgen. Un­geheure Fclsblöcke flögen über 800 Meter hoch und 30 Kilometer weit. Lavaströmc flöffen von der Seite des Berges he'rab vnd begruben drei Dörfer der Insel. Die Einwohner flüchteten auf das Festland. Hunderte von Menschen müssen Umgckommen sein. Das Feuer sprang auf den Wald des Festlandes über. Wei­tere Ausbrüche schickten die brennende Lava bis nach Kagoschima und steckten die Stadt an. Auch hier kamen Hunderte um. Die Fliehenden fuhren in Güterzügen nordwärts; am Abend war die 70 000 Einwohner zäh­lende Stadt vollständig verlassen. Ein gestern in Ko- manoto angekommcnes Telegramm berichtet, datz der Te­legraphist der einzige in Kagoschtma zurückgebliebene Be­amte sei. Die ganze Stadt sei in Asche und Rauch gehüllt. Amtliche Mitteilungen besagen weiter, daß eine Flutwelle die Schrecken des BulkanaiGbruchs auf Sakuraschima vermehrten. Hunderte von Häusern seien zerstört oder beschädigt, viele Einwohner getötet oder verletzt. Immerhin glauben die Behörden, datz der Verlust an Menschenleben nur auf der einen Insel ein besonders schwerer sei.

Uenaifetms.

nt. Der r e i ch st e Gesangverein in Deutschland ist

der StuttgarterL i e d e r k r a n z" geworden, indem der verstorbene Scniorches des Stuttgarter Hotels Mar­quardt, Hermann Marquardt, dem Verein, dessen Eh­renmitglied er war. die Summe von 100 000 Mark vermachte. In seiner Beratung vom 4. November bat der Verein nun beschloffen, im Juli 1914 eine S ö n o e r r e i s e nach Regensburg, Linz, Wien Md Budapest zu unternehmen.

Verantwocklich: Albin Klein. Gießen.

Der beste Zusatz zum Bohnenkaffee ist Kathreiners Malzkaffee. Je mehr Malz­kaffee man zusetzt, umso bekömmlicher wird das Getränk. Der Gehalt macht's!

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