Ausgabe 
14.1.1914
 
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Nr. 4. Telephon: Nr. 362. Mitlwvch, den 14. Januar 1914. Telephon Nr. 362. 26. Iahrp.

Des Kronprinzen flbfcbUd von den Ceib Rufaren.

Der Regimentsbefehl, den derselbe anlässlich seines Scheidens vom 1. Leibhusaren-Regiment in Danzig am 12. Dezember 1913 beim Regimentsappell verlesen ließ, hat nach derTägl. Rundschau" nachstehenden Wortlaut: Husaren meines Regiments! Ueber zwei Jahre habe ich mit Euch denselben Rock getragen, derselben Stan­darte treue Gefolgschaft gehalten, wie Ihr. Se. Mas. der Kaiser hat mir ein neues militärisches Arbeitsfeld zugewiesen, und so habe ich zu gehorchen. Es wird mir verfllucht schwer. Das Herz will mir brechen, das- ich min nicht mehr an Eurer Spitze durch das Leben reiten soll. Das werdet auch Ihr in dieser Stunde fühlen, dessen bin ich sicher. Die beiden glücklichsten Jahre meines Lebens habe ich in Eurem Regiment verbracht. Meine Jugend trage ich zu Grabe. Wohl kann man mich von Euch trennen, aber mein Herz und mein Geist bleibt unter Euch. Wenn einmal der König ruft und das Signal: Marsch marsch wird geblasen, denkt an den, dessen sehnlichster Wunsch es stets war, diesen Augen - blick deck höchsten soldatischen Glücks an Eurer Seite miterlebcn zu dürfen. Das feste, innige Band aber, das Euch, meine Kinder vom Regiment, mit mir uir- löslich verknüpft, wird erst dann zerreihen, wenn auch für mich die Stunde des Abmarsches zu der großen Ar­mee dort droben geschlagen hat. Mein stets heitzgelieb- tes Regiment! Hurra! Wilhelm, Kronprinz."

Diese Gefühlsäutzenrng des Kronprinzen führt auch diejenigen Meldungen einzelner Blätter aus ihren rich­tigen Wert zurück, die stets zu berichten wußten, daß der Kronprinz seinen militärische» Pflichten wenig In­teresse abzugewinnen wüßte und sich nur für sportliche Betätigung interessiere. In diesem Zusammenhang sei hier auch der Wortlaut eines Telegramms wiederacge- ben, das der Kaiser kurz daraus an den Kronprinzen abgcsandt hat:

An den Kronprinzen des Deutschen Reiches und von Preußen kaiserliche und königliche Hoheit, Danzig- Langfuthr. Es ist mir ein Bedürfnis und eine Genug­tuung, Dir am heutigen Tage, an dem Du schwersten Herzens vom geliebten Ersten Leibhusaren-Regiment Ab­schied nimmst, Meine Aneckennung und meinen Dank i auszusprechen für das, was Du an der Spitze dieses schönen Regiments geleistet hast. Das Regiment wird allezeit stolz darauf sein, daß es in Dir seinen Kom­mandeur verehren durfte. Möge der Reitergeist, den Du gepflegt und gehegt hast, in dem Regiment weitcrleben und Dein Beispiel stets Nachahmung finden.

Wilhelm, I. R."

Nach recbfs oder links?

Die hessisch« Tagespresse hat sich in den letzten Ta­gen mit Vorgängen in der Mainzer Fortschritt- lichen Volkspartei beschäftigt, die des politischen Interesses nicht entbehre». Unter der Führung des Frei­sinnigen Kaufmanns Christ kanr es bei den letzten an­gefochtenen Stadtverordiietenwahlcu in Mainz wie­derum zu erheblichen Differenzen im freisinnigen Lager. Statt mit den übrigen bürgerlichen Parteien gemeinsam den Kampf gegen die Sozialdemokratie zu führen, strebte ein Teil des Freisinns nach einer Verbrü­derung mit der Sozialdemokratie, und als die Mehr­heit der Partei dem von der Parteileitung vorgeschla­genen Zusammengehen mit dem Zentrum und den Na­tionalliberalen zustimnite, uickerstützte die Minderheit die Sozialdemokratie bei dem Wahlkamps durch Aufstellung einer eigenen Lisi'., welche die Mehrheit der sozialdemo­kratischen Kandidaten und außerdem noch einige Frei- deicker vorschlug. Durch diese Taktik wurde die bürger­liche Liste in die Minderheit gedrängt und der weitere Zweck erreicht, daß die Führer der freisinnigen Opposi-

tion mit Hilse der Sozialdemokraten gewählt wurden. Nachdem die bürgerlichen Parteien die Gültigkeit der Stadtverordnelenwahlen angefochten haben und alle Ans­sicht besteht, daß dieselbe demnächst wegen zahlreicher Verstöße gegen die gesetzlichen Bestimmungen für un­gültig erklärt wird, hielt die Fortschrittliche Volkspartei eine Versammlung ab, um dem Vorstand durch eine New ; wähl die Legitimation zum weiteren Vorgehen mit den übrigen bürgerlichen Parteien zu geben. In dieser Ver­sammlung gelang es, eine Zufallsmehrheit i gegen den Parteivorstand zustande zu bringen, wo­durch eine Spaltung innerhalb der Partei eingetre- , tcn ist. Me verlautet, soll die seitherige Mehrheit der Partei es unter allen Umständen ablehnen, im Sinn« der radikalen Elemeicke der Sozialdemokratie Vorschub - zu leisten und sie soll entschlossen sein, eine eigene Par- ; teigrulppc zu bilden, wodurch eine dauernde Spaltung ! herbeigeführt würde. Von der Zentralleitung der frei­sinnigen Partei in Berlin sollen Schritte unternommen ! werden, um diese Krisis adzuwehren, welche naturge- ! mäh der gesamten Partei in Hessen schädlich wäre-, aber bei der Erbitterung, welche die seit vielen Jahren ge- ; triebene Eigenbrödelei der linksgerichteten Elemente im j Mainzer freis. Lager hervorgerufen, wird an einem i Erfolg der Einigungsversuche gezweiselt. Es zeigt sich : auch hier wieder, daß gerade im hessischen Freisinn die radikale Strömung immer mehr die Oberhand gewinnt ! und daß schließlich die Entscheidung darüber unerläßlich ! ist, ob man bei dem gerade in Hessen so schwierigen ! Kampf gegen die Sozialdemokratie die Sache des Bür- ! gertums gänzlich preisgeben und zum Schrittmacher filr i die Sozialdemokratie sich hergeben will.

Im Einklang mit diesen Mainzer Vorkommnissen steht auch die Wahl im Landtagswahlkreise W a l d - m i ch e l b a ch, wo bekanntlich der Freisinn den Nation nalliberalcn völlig im Stiche ließ und, wenn auch ohne Erfolg, dem sozialdemokratischen Kandidaten Wahlhülfe , leistete. Daß die Lage und die Bedeutung des Gesamt- ! liberalismus in Hessen durch diese radikale Strömung innerftalb der Fortschrittlichen Volkspartei bedenklich sich verschlechtert, liegt auf der Hand.

Poisiifcbe RnndfcDau

Deutschland.

* Leipzig, 13. Jan. Der Vorsitzende des deutschen Patriotenbundes, Geh. Hofrat Clemens T h i e ni c, erhielt an Stelle des abgelehnten Roten Adlerordens vierter Klasse den Roten Adlerorden drit­ter Klasse mit Krone. Thiema nahm an.

* Die Fortschrittliche Volkspartei hat ihren Jni- tiativ-EesetzenIwurf auf Einführung der geheimen Abstimmung bei den Gemeindewahlen wie­der eingebracht.

* Straßburg, 13. Jan. Der Statthalter Gras Wedel begibt sich am Donnerstag nach Berlin. Er kehrt am Montag, 19. Januar, nach Straßburg zurück.

* Der in Oberkirch zu Gast weilende Oberst von Reuter hat mehr als 15 090 Telegramme, Briese und Postkarten erhalten, die ihn beglückwünschen und ihm die Sympathien der Absender aussprechen.

* 3 ab er ii, 13. Jan. Der Gemeinderat war gestern abend zu einer außerordentlichen Sitzung einberufen worden, um zu dem Urteil im Prozeß Reu­ter usw. Stellung zu nehmen. Es wurde in einem nach Mitternacht gefaßten Beschluß dem Kreisdirek- tor volles Vertrauen ausgesprochen. Die Ab- iicht der Absendung eines Telegramms an den Kaiser scheiterte an dem Widerstand der Mehrheit.

* Gegen den Kreisdirektor von Zobern ! ist aus seinen Antrag ein Disziplinarverfah- ! r e n von der Zivilbehörde eingeleitct worden. Nach der Durchführung dieses Verfahrens wird es sich entscheiden,

ob tatsächlich durch das Kriegsgcrichtsurtcil eine Statt­halter- und Ministcrkrisis herbeiaesührt worden ist.

' Die Untersuchung wegen der Z u st ä n d e auf dem P o st a m t Z a b e r n ist zu E u n st e n der dortigen Postbeamten ausgefallen. Es wurde festgestelll, daß viele Hunderte von Schmähkarten in Zobern als unzulässig erkannt und zurückgesandt worden sind. Von j den ebenfalls zahlreich eingegangcnen Zuftimmungspost- j karten usw. sind nur zwei vom Personal wegen Zwei- s sels über die Zulässigkeit eines darin enthaltenen Autz- i drucks zunächst beanstandet worden. Beide Karlen sind aber auf Anordnung des Postamts den Enipfängcrn ausgehändigt worden, und zwar eine ohne jede Ver­spätung die zweite auf dem nächsten Bestellgange.

* Noch eineKabinettsorder. Sie stammt vom 1. Januar 1799 und ist von König Friedrich Wil­helm III. verfügt und lautet:Ich habe sehr mißfällig vernehmen müssen, wie besonders junge Offiziere Vor­züge ihres Standes vor dem Zivilslande behaupten wol­len. Ich werde dem Milttär sein Ansehen geltend zu machen wissen, wenn es ihm wesentliche Vorteile zu Wege bringt, und das ist auf dem Schauplätze des Krieges, wo sie ihre Mitbürger mil Leib und Leben zu verteidigen habe»! allein im übrigen darf sich kein Sol­dat unterstehen, weß Standes und Ranges er auch sei, einen meiner Bürger zu brüskieren. /> Sie sind es, nicht ich, die die Armee unterhalten, in ihrem Brote sieht das Heer der meinen Befehlen anvertrauten Truppen, und Arrest, Kassation und Todesstrafe werden die Folge sein, die jeder Kontravenient von meiner unbeweglichen Strenge zu erwarten hat."

' Einen krassen Fall von sozialde­mokratischem Terrorismus berichtet das Or­gan des Gutenbcrgbundes, der Typograph. In einem norddeutschen Städtchen hatte ein Buchdruckereibesitzer einen im Gutenbergbund organisierten Gehilfen eingestellt wurde aber von sozialdemokratischen Verbändlern so lange bearbeitet, bis der Eutenbergbündler wieder entlassen wurde. Vor dem Weilmachtssest erhielt er vom Prinzipal folgenden Brief:Zu meinem größ- ! len Bedauern muß ich Ihnen die gern angetragene-Stel- j lung kündigen, da heute Ihre Herren Kollegen einmütig ! erklärten, geschlossen aus meinen Dien st «n zu treten, wenn ich nicht unverzüglich Ihr Arbeits- i Verhältnis zu mir löse. Ich muß mich wohl oder übel dem Druck fügen, weck das ganze Weihnachts- und Neu- jahrsgeschäst auf dem Spiel steht." So macht die So­zialdemokratie zugleich unter dem Bruch des Tarifs, nach dem die Beschäftigung nicht abhängig gemacht wer­den darf von der Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einer Organisation, aus Arbeitswilligen Arbeitslose.

* ID e r g efährdete Krankenkassen«

s r i e d e. Ueber die Abfindung der in manchen Städten an den Kassen noch angestellten sogenannten dienstwilli­gen Aerzte ist es zu neuen Differenzen gekommen, die die Einigung zwischen den Aerzten und Krankenkassen in Frage stellt. Die Vertrauensmänner, der Beirat und der Vorstand des Leipziger Aerzteverbandes und der Gcschästsriulsschuß des Deutschen Aerztevicreinsbunides waren, wie schon kurz gemeldet, am Sonntag abermals zu einer Sitzung zusammengetreten, in der einstimmig folgender Beschluß gefaßt wurde:

Nachdem die deutsche Aerzteschaft unverzüglich und restlos dem Abkommen vom 23. Dezember 1913 ge­folgt tst, haben die am 11. Januar 1914 in Leipzig versammelten Vertrauensmänner nebst Vorstand, Auf- sichtsrat und Beirat des Leipziger Verbandes mit gro­ßem Befremden davon Kenntnis nehmen müssen, daß bisher die Beendigung des Kriegszustandes durch als­baldige Entbindung der ärztlichen Notlrelfer von ihren Kassenarztverträgen gemäß § 11 des Abkommens in mehreren Orlens z. B. in Braiknschweig, Breslau und

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