$!fg drr Kritgs-artkl bei den englWu Wahlen!
Haag. 29. Dez. Reuter meldet aus London: Das Ergebnis bei den Parlamentswahlen stellt sich wie folgt: Gewählt wurden als Mitglieder der Koalition 334 Unio- nisten, 127 .Liberale und 10 Mitglieder der Arbeiterpartei. Ferner wurden folgende Abgeordnete gewählt, die nicht der Koalition angehören: 37 Anhänger von Asquitb, 48 unabhängige Umonisten, 5 andere Unronisten, 65 Mitglieder der Arbeiterpartei, eine Frau, 7 Nationalisten und 70 Sinnfeiner. Drei Wahlbezirke stehen noch aus. Die Koalition hat mit 471 gewählten Abgeordneten eine Majorität von 228. Wahrscheinlich ist jedoch die Majorität noch größer durch die 48 unabhängigen Unionisten.
Aus weiteren Reuterberichten geht hervor, daß Lloyd George in Cornavon mit 13993 Stimmen gegen 10195 seines Gegners gewählt wurde. Asquith wurde geschlagen von einem Ünionisten mit 8993 Stimmen gegen 6994 für Asquith. Bonar Law erhielt in Glasgow 17653 Stimmen, sein Gegner von der Arbeiterpartei nur 4733 Stimmen. Der irische Nationalist Dillon wurde von einem Sinnseiner geschlagen. Der Aroeiterminister Henderson erlitt eine Niederlage durch den liberalen Koalitionskandidaten Edwards, der 7972 Stimmen erhielt, Henderson dnzL'en nur 5024 Stim- meU. Auch Friedensfreunde wie Snowden und Ram- say Macdonald erlitten schwere Niederlagen gegen Koalitionskandidaten.
Der erste Staat, der nach dem großen Kriege gewählt bat, ist England gewesen und die Wahlen haben mit einem vollen Siege Lloyd Georgs und der von ihm vertretenen Kriegspartei geendet. Bemerkenswert ist die Niederlage aller Kandidaten. die nur im entferntesten im Verdacht standen, Friedens'reunde zu sein und der geringe Erfolg der Arbeiterpartei. Die Wahlen bedeuten wieder einmal einen Zusammenbruch der Lehre von der Völkerverständigung und dem Völkerbund.
All* das, was dem deutschen Volke zuVemnn der Revolution worgeredet wurde, daß auch in den Ententelandern die Reoierung gestürzt werde, daß eine Ver brüderuna der Revolution in Aussicht stände usw. hat sich als Wind, als ein eitles Wahngebilde erwiesen. England und Frankreich haben gesiegr und schwelaen im Genuß ihrer Erfolge. Statt daß wir in Deutschland die Lehre daraus zögen und zum mindesten einig würden, zerfleischen wir uns im Innern und sind im Begriff, einen Selbstmord zu begehen, dergleichen ihn «och kein Volk gesehen hat.
Gegen dre Z. G. G.
Der Zentralveröand des deutschen Großhandels in Berlin wendet sich in einer Zuschrift gegen die ablehnende Haltung des Neichsernährunqsamts zu den Wünschen des Handels, die einen Abbau der Zentral- ein.kaufsqesell schaff zum Ziel hatten. Er bestreitet die angeblichen Leistungen der Z. E. G, und sagt: Die Z. E. G. hat keine Tonne mehr vom Ausland hereingebracht, als der Handel hätte hereinbringen können; denn die Einfuhrmengen hingen nicht von der Geschicklichkeit der Z. E. G. ab, sondern sind trotz der Ungeschicklichkeit der Einkäufer der Z. E. G. zur Einfuhr gekommen, weil die ausländischen Regierungen für die Ausfuhr dieser Mengen auf Grund des Kompenfations- verkehrs gesorgt haben. Die deutsche Volkswirtschaft wird smwer dadurch getroffen, daß die Entente dem
Der gute Kamerad.
Original-Roman von L o l a S t e i n.
S) Nachdruck verboten
Dies alles hatte Jost, der .das Testament genau kannte, damals der Mutter erklärt. Wenn Asta auch reich war, so fehlte ihr vorläufig doch die Möglichkeit, ein anderes als ein gut bürgerliches Leben zu führen, sie würde sich wohl fühlen im Hause der Verwandten. Und aus den Vorschlag der Tante traf ein jubelnder Brief des jungen Mädchens ein,- das es dankbar und selig begrüßte, in Zukunft eine Heimat haben zu sollen.
Asta Wolfram dachte an diese Zeit und an die drei Jahre, die sie nun schon im Hause seiner Tante lebte, während, sie die Rosen in einer Kristallva^e ordnete und sie aus den gedeckten Tisch im Eßzimmer stellte
Noch immer war Jost nicht daheim, er, der früher stets pünktlich zu den Mahlzeiten erschien, vernachlässigte in den letzten Monaten das Haus und die Mutter in auffallender Weise. Und sie, auch sie vernachlässigte er. Das junge Mädchen seufzte tief auf, ein Schatten lag über ihren lichten Zügen.
Dann raffte sie sich zusammen und trat mit einem Lächeln auf den Lippen wieder auf die Loggio, wo Frau Wolfram noch immer wartend saß. Der rotbraune Setter lag ihr zu Füßen. Asta setzte sich neben die Tante und streichelte den schönen Kopf des Hundes, den 9t zärtlich in ihren Schoß schmiegte.
„Glaubst du, daß Jost wieder bei der^ Baronin .Katschinska ist, Astachen?"
Sie zuckte zusammen. „Ich weiß nicht, Tantchen?"
„Er erzählte dir doch sonst stets, wie er feine Tage verbrachte, Kind?"
„Sonst ja. ° In den ganzen Jahren waren wir ja auch meistens so viel zusammen, daß ich ihn kaum zu fragen brauchte, wo er war. Wir spielten Tennis, wir ritten, wir
ruderten, ach was für schöne Stunden haben wir zusammen
deutschen Handel die Bewegungsfreiheit auf dem Welt, markt noch vorenthält. Aufgabe einer deutschen Regierung muß es demgegenüber sein, den freien Zugang des deutschen Handels zum Weltmarkt mit Nachdruck zu fordern. Die baldige Ueberleitung zum freien Weltverkehr, von dem die Wiedererstarkung der deutschen Wirtschaft entscheidend abhängt, verbietet das Staatsmonopol und erfordert eine Regulierung der Einfuhr durch Selbstverwaltung der organisierten Kaufmannschaft.
Die Arbeitslose» aufs Fand!
Berlin, 23. Dez. (WB.) Die Demobilisation und die Stillegung von Betrieben als Folge von Arbeitsund Kohlenmangel hat die Zahl der Arbeitslosen in den Großstädten und besonders in Berlin ins Ungeheuerliche wachsen lasten. Man rechnet für Groß-Berlin mit Einschluß der vom Heeresdienst Entlassenen mit etwa 400000 Arbeitslosen. Das für diese Masten zur Zeit aufnahmefähigste * Arbeitsgebiet ist fraglos die Land- und Forstwirtschaft mit ihrem Bedarf an Arbeitskräften für Drefch-, Meliorationr- und Holzschlagarbeiten. Auch wird ein sehr großer Teil der Arbeitslosen, besonders viele entlassene Heeresangehörige, die Arbeit in der Land- und Forstwirtschaft anderen Arbeitsgelegenheiten vorziehen. Das Ministerium für Landwirtschaft,' Domänen und Forsten hat deshalb ein Referat „Arbeits-Vermittlungsamt des Landwirtschafts-Ministeriums" eingerichtet, das bereits im engsten Zusammenhang mit allen interessierten Stellen Maßregeln ergriffen hat, um die Arbeitsmöglichkeiten festzustellen und für die Arbeitnehmer zeitgemäße Arbeitsbedingungen zu schaffen und sie schnellstens an die ihnen zusagenden Arbeitsstellen zu leiten. -Zur Leitung dieses Amtes ist Herr Heine ins Landwirtschaftsministerium berufen worden.
DisstM»!
In einem Aufsatz über-. Wehrsragen schreibt Generalleutnant Keim:
Ob Republik oder Monarchie, ob Parlamentarismus oder Räteregierung, ob Söldnerheer oder Volksheer, ein Heer kann nur festen Bestand haben, nur dann seinen Zweck erfüllen, dem Staate Macht und Schutzmittel zu sein nach außen wie im Innern, wenn es organisatorisch,' technisch, moralisch, geistig den unveränderlichen Gesetzen entspricht, die sich aus dem Wesen jeder militärischen Betätigung unweigerlich ergeben. Ist das nicht der Fall, so zerfällt jedes Heer in kurzer Frist und wird so für seine Bestimmung so sicher unbrauchbar, als wie die Sonne auf- und untergeht. So ist es seit Jahrtausenden gewesen in Mehr- sragen, und so wird es immer sein allen Theorien und Programmen zum Trotze. Das Grundgesetz aber für alle Wehrftagen läßt sich zusammenfasten in dem Worte — Disziplin! Auch da gibt es keinen Unterschied zwischen einem monarchischen und republikanischen Hezre, wobei beiläufig bemerkt sei, daß im republikanischen französischen und schweizerischen Heere Verstöße gegen die Disziplin ungleich härter geahndet wurden als beim deutschen Militarismus. Es gibt eben nur eine Disziplin, die diesen Namen verdient, und das ist eine gute Disziplin. Die Träger derselben waren und sind überall in erster Linie die Offiziere, dann die Unteroffiziere, weil ohne ein festgefügtes Nangveryältnis Ordnung, gesicherte Befehlserteilung, unbedingter Gehorsam nicht durchführbar, und ohne diese militärische Leistungen nicht zu erzielen sind. Diese Lehren und Tatsachen gehören zum Abc jeder Wehrversastung. Wer
gehabt. Jetzt ist es anders geworden. Jetzt gehört feine Zeit nicht mehr uns."
„Asta, ich denke soviel daran. Mir will scheinen, diese Frau hat einen großen und nicht sehr guten Einfluß auf Jost gewonnen. Erzählt er dir von ihr?
„Nein Tantchen, d.rs tut er nicht. Er schwärmt zu- weilen von ihrer Schönheit, aber immer nur in deiner Gegenwart. Mir allein sagt er nichsts mehr, was ihn bewegt. Weißt du noch, wie er mich ftüher so oft seinen Kameraden nannte? Der bin ich ihm nun nicht mehr."
„Du wirst es wieder werden, Asta!"
„Glaubst du?" Und es zuckte auf ihren Zügen, ein Heller Schein brach aus ihren tiefblauen dunkelbelvimpertcn Augen. Dann aber meinte sie mutlos: „Er sieht mich ja kaum noch "
Cie schwiegen nun beide und dachten an ihn, dem all ihr- Sinnen und Sorgen galt, der der Inhalt ihres Lebens war, und der so anders geworden in der letzten Zeit. Der ihnen weit schien und entrückt. v .
Jetzt hob der Hund laisichend den Kopf, sprang auf und stand schrveifwedelnd an der Tür. Und nun hörten auch die beiden Frauen raußen ein helles Pfeifen.
Frau Wolfram, die in sich versunken dagesesten und die Straße nicht inehr beachtet hatte, hob froh und wie erlöst den Köpft.
>,Da ist Jostl*
Und auch über Astätz verträumtes ernstes Gesichtchen flog ein Freudenschimmer.
Jost Wolfram betrat mit elasttschen Schritten das Zimmer, durchschritt es und stand nun aus der Schwelle der Loggia Sein kluges, bartloses, edelgeschniitenes Gesicht '.chien wie erleuchtet von eirter großen inneren Freude zu sein, seine dunklen Augen strahlten in einem warmen Glanz.
„Guten Abend Mamachen, guten Tag Asiat Ich komme spät, verzeihe, Mama. ' ES lieh sich nicht ändern," Eü
sie ausscharren will, ist entweder ein Tor oder ein Ignorant. Schlägt man aber diese Lehren und Ec Nahrungen in den Wind — politischen Theorien zuliebe — so haben den Schaden davon sicher Staat und Volk wett ein Heer ohne Disziplin, ohne straffe Führung schlimmer ift als eine Räuberbande, da es auch die öffentliche Sicherheit gefährden würde unter dem Deckmantel einer staatlichen Einrichtung.
Es muß vor allem Sorge der Regierung fein die Autorität der Führer, also in erster Linie der Offiziere unangetastet zu lasten, nachdem sich diese auf den Boden vollzogener Tatsachen gestellt haben. Es. sind da und dort Ausschreitungen voraekommen, die geradezu Schandflecke auf den deutschen Namen genannt werden muffen; selbst unsere Feinde haben ihren Abscheu vor solchem Tretben ausgesprochen. Sie sind — wohl meistens von Deserteuren und Marodeuren, die ein rechtschaffener Soldat stets verachten wird — zum Teil gegen Offiziere begangen worden, die vier barte Kr^s- fahre hindurch im Schlamm des Schützengrabens ' nüt ihren Untergebenen ausgeharrt und nt unzähliacn Kämpfen sie zum Siege geführt haben. Ein Heer "in dem solche Vorkommnisse weiterhin möglich sein könnten, hört auf. eine brauchbare Wehr für Staat und Volk sein. Es wird auch nie eine brauchbare Volkswehr" werden. Ist der Boden unantastbarer Autorität der Vorgesetzten unsicher und schwankend, so bricht das ganze Wehrgebäude zusammen. Hier mit fester Hknd und festem Blick das Nötige durchzuführen, ist Pfli^ jeder Negierung, die diesen Namen verdient.
Deutsches Do!k> wach auf!
IV.
Die Lage an der Westftont war Ende Oktober 1918 keineswegs verzweifelt, unsere Kampftrurwen taten hervorragend ihre Pflicht, die Gefahr eines D'.ncßb -chs wohl nicht unmöglich, so doch im Augenblick nicht zu befürchten. Was wohl die Oberste Heeresleitung drückte, war der Mangel an Ersatz, nicht weil es an Menschen» an Soldaten fehlte — nein, weil der Ersatz aus Heimat und Etappe nicht mehr kämpfen wollte, weil diese Mannschaften den Gehorsam verweigerten — meuterten! Durch den bulgarischen Zusammenbruch der Aussicht auf den Endsieg beraubt, im Westen auf dem Rückzüge, keine Aussicht auf brauchbaren Ersatz an Mannschaften, tagtäglich angeseindet und bekämpft durch die politische Reichsleitung, durch Reichstag und Presse empfahl die Oberste Heeresleitung dringend den Abschluß eines Waffenstillstandes. Wem Unrecht geschah, wer in seinen Handlungen recht hatte, die militärische oder die politische Führung, wer versagte, das zu entscheiden, kann nicht meine Aufgabe sein, bleibt der Geschichte überlassen.
Während der Waffenstillstandsverhandlungen brach dann die Revolution los. innerhalb 4 bis 5 Tagen befand sich die qesammte Verwaltung. Heimathtzer, Post, Eisenbahn, Etappe usw. unseres Vaterlandes, in der Gewalt der Arbeiter- und Soldatenräte. Ja, wen trifft die Schuld, daß es so weit kam — wer hat gefehlt? Deutsche Uneinigkeit. — Deutsche Kurzsichtigkeit! Nicht ein Einzelner, nicht eine Gruppe, nicht der Generalstab. nicht die Regierung allein. Nicht allein der Reichstag, nicht allein die Presse! Nein, alle — alle. Die Ueberproduktion unseres Volkes an Kritiken, der. Mangel an Vessermachern! Durch eigene Schuld, durch die Schuld aller, ist unser Vaterland zusammengebro- chen.
lächelte geheimnisvoll, rmd dies Lächeln, das die prachtvolle« weißen Zähne zeigte, verschönte sein Antlitz sehr.
„Du siehst so froh aus. Jost," sagte die Mutter streichelte zärtlich seine Hand.
..Ich bin auch ftoh. Mamachen, so froh!^
^Und dürfen wir nicht teilhaben an deiner Freude, mein Junge?"
...Doch, ihr sollt teilhaben. Ich habe euch Wichtiges M erzählen. Aber nachher, bei Tisch will ich das. Ihr seiH gewiß ion sehr hungrig?"
„Sicher nicht so, daß du uns nicht schnell jetzt noch sagen kannst, was dir begegnet ist. Isst?" sagte die Mutter und eine leise Unruhe sprach aus ihren Wörtern Ihr Blick suchte Astas Augen, aber das junge Mädchen sah vor sich nieder. Auch ihr Inneres war erfüllt von Furcht, van Zweifeln, von einem geheinten Bangen. Was sollte sie hören?
Jost Wolftam setzte sich neben seine Mutter. Er nahm die zarten Leidenshände der Frau in die feinen und sah ihr mit zärtlichem Blick in di? Augen.
„Mamachen, du sollst etwas Großes und Wichtige« erfahren."
Asta erbob sich, sie wollte still die Loggia verlassen.
„Nein. Asta. bleibe," rief Jost. ..Du sollst ebenso früh Horen wie meine Mutter, was geschehen. Bist du nicht mein guter, rnein bester Kamerad gewesen in den ganzen Jahren? Bist du mir nicht wie ein« Schwester geworden,"
„Schwester, dachte sie bitter und weh. Nur Schwester bin ich ihm. Sie hatte es ja gewußt, immer gewußt, daß sie ihm nicht mehr war als ein lieber, ein guter Kamerad. Aber ihr heißes Herz hatte gehofft, ihm einst mehr zu werden. Doch er hatte nie das Weib in ihr gesehen, das lio» bende. das sehnsüchtige Weib . . * , ,
Sie fand die Kraft, ihn tapfer anzulächeln. Ach, fis ahnte, was sie vernehmen sollte. Und auch die Mutter ahnte es wohl.
Fortsetzung folgt.


